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Alexander
Die Filmkritik

genre: historienepos
regie: oliver stone
fsk: ab 12
cast:
  -  colin farrell
  -  angelina jolie

filmkritik: fred king

Alexander der Große
Oliver Stone's Alexander hat bereits im Vorfeld für viel Wirbel gesorgt - US Kritiker zerrissen den Film, hielten ihn für schlecht strukturiert, für zu arrogant in seiner Gestaltung und für zu blutig in den Schlachtszenen... doch Kritik bei einem Stonefilm ist so normal wie bei einem Tarantino, nur halt im grösseren Rahmen.

Skandalkind Oliver Stone hatte schon mit ganz anderen Filme Probleme - Natural Born Killers zb. Wenn jemand wie er einen Historienfilm dreht, ist es kein Wunder dass es Gegenstimmen gibt..., nun... stimmt es ? Haben seine grössten Kritiker recht, oder ist der Film einfach nur sehr anspruchsvoll, wie es Stone in einem Interview gegenstellte?

Einer unserer Mitarbeiter lebt in den USA und hat den Film bereitsgesehen(.de) - hier ist seine Review:

Die Geschichte von Alexander ist eigentlich sehr simpel; der junge Krieger war ein großer Abenteurer, Frauenheld und ein begnadeter Feldherr, der im unbeschreiblichen Tempo vorstieß und eine Landesgrenze nach der anderen siegreich überquerte. Neben seinen vielen Frauengeschichten stürzte er sich auch auf männliche Mitstreiter, was einige Geschichtsforscher bis heute noch in Frage stellen. Der Film zeigt einige Abschnitte seines Lebens, vom Auftstieg, dem Anfang mit seiner Familie - dem herrischen Philip und seiner umwerfend schönen Mutter Olympias (Angelina Jolie), über seine Feldzüge und gottes-ähnlichen Triumphfeiern, bis hin zu seinem Tode.
 


Der Drahtzieher hinter Alexander's Schlachten: Sarge.

Der große Eroberer
Alexander ist wahrlich ein schwieriges Kind. Optisch und Soundtechnisch ist der Film - wie zu erwarten war - ein makeloses Stück Monumentalepos, bei dem man jeden Penny der 150 Millionen Dollar sehen kann. Der Film war teuer, und das kriegt man spätestens in der ersten Schlacht gewaltig zu sehen. Wie wir allerdings bei Phantom der Oper feststellen durften, muss ein Film der einfach klasse aussieht, nicht automatisch auch klasse sein. Da steckt mehr hinter, und bei dem durchtriebenden Epos Alexander muss man einmal genauer hinschauen, bevor man urteilt.

Kommen wir zu den Schauspielern.

Frauenheld Colin Farrell ist gut, zwar nicht so gut wie Russell Crowe in Gladiator, aber gut. Die Rolle des jungen Herzensbrechers und Stürmers scheint ihm auf den Leib geschrieben zu sein, aber auch wenn er viele starke Szenen zeigt, harpert es an anderen Stellen. An einigen Stellen des Filmes ist er so gut, dass man ihm den Oscar geradezu zuwerfen will, in einigen Szenen hat er so ein bewegendes Auftreten, so ein Ausdrucksvermögen, wie man es nur bei wenigen überhaupt gesehen hat. Die Szene in der er seine Truppen anspricht und ihnen Mut gibt, zb, oder die in denen er mit seiner Mutter spricht - ohne Frage, brilliant.
Doch dann gibt es widerum Szenen, in denen er nicht ganz so viel Leidenschaft für die Rolle zeigt, in der er sich selbst unterbuttert - und man fragt sich, Colin? Wieso hier weniger? Er hätte den Film durch eine komplett perfekte Perfomance zu einem sicheren Meisterwerk machen können, doch er stolpert und so fällt auch der Film mit ihm. Zwar läuft er die meiste Zeit mit erhobenen Kopf, doch es sind seine Schlaglöcher, die leider viel Magie aus dem Film heraus nehmen.

Angelina Jolie, eine beeindruckende Frau, die nicht nur verflucht gut aussieht, sondern auch verdammt gut schauspielern kann - wenn sie es denn will. In Beyond Borders zeigte sie wenig Lust, in Taking Lives sah man das Feuer in ihren Augen, in Alexander? Sie interpretiert Olympias auf eine spezielle Weise, eine gewagte. Sie spielt mit ihrer Erotik und dem Funken Wahnsinn den sie noch immer in sich trägt, und schafft damit eine Rolle, deren Grat knapp zwischen es geht zu weit und nicht genug geht. Eine fragwürdige, aber zweifelos interessante Darbietung, nicht oscarreif aber bemerkenswert - sie bleibt in Erinnerung. Vielleicht nicht die Idealbesetzung, aber letztendlich eine gute Wahl.
 


Zwischen den Dreharbeiten pflegte Colin Farrell die Crew mit seiner Interpretation von
"My heart will go on" zu nerven.

Val Kilmer. Spätestens jetzt muss man ihn zu Legenden wie Robert DeNiro und Al Pacino einreihen, denn wie oft muss er noch zeigen, dass er ein ganz großer seines Fachs ist? Sein Philip ist eine weitere Facette des genialen Actors, und mit Abstand - und trotz der relativ geringen Spielzeit - der Charakter mit der größten Tiefe. Mit seinen wenigen Zeilen Dialog schafft Kilmer, hier in großer Maskerade, eine weitere eindeutig zweideutige Figur, die trotz ihrer Bösartigkeit ehrfürchtig in Erinnerung bleibt. Die Szenen mit dem jungen Alexander sind mit die besten des gesamten Filmes.

Alexander der Große zeichnete sich historisch besonders für seine genialen Feldzüge aus, in denen er durch clevere Taktiken und gewagten Angrifssmanövern wesentlich grössere Armeen zu Fall brachte und seinem Denkmal seinen Namen eingravierte. Die Schlachten in Oliver Stone's Alexander sind breathe-taking, atemberaubend, wie es die Amerikaner so schön sagen, und darin ohne Frage gewaltiger als die in Troja oder Gladiator. Auch blutiger, aber unterhaltsamer? Das steht etwas im Schatten, denn es mangelt an einigen Sachen - in erster Linie der Übersicht.
 


Alexander der Große reiste weit... aber Tatooine?

Visuell sind die Schlachten monumental und klasse gefilmt, nur leider sieht man kaum wer wer ist und vor allem, wer gerade im Vorteil ist. Man fokussiert auf Alexander, der wie ein wild gewordener Pavian schreiend in die Truppen reitet und so lange kämpft, bis ein Cut kommt und wir wissen - Schlacht ist vorbei, und der Junge hat überlebt. Der Kampf gegen die Elefantenarmee ist ebenfalls spektakulär, und er wirkt auf der großen Leinwand besonders gut, doch hier ist es die irre Schnitttechnik, die Stone ebenso als barbarisches Werkzeug einsetze. Es verstört, verwirrt, bedrückt ein wenig. Denn man weiss, anders hätte es besser sein können, vielleicht nicht interessanter, aber .. unterhaltsamer. Last Samurai hatte eine ähnliche Szene, in der man jedoch stets wusste wo man gerade war und wo der Held steht, doch hier ist man voll daneben.

Die andere Seite Alexanders, die seiner Familie und Liebe ist mit Kilmer gewichtig besetzt, wird aber durch Jared Leto wieder entwertet. Der sonst gute Darsteller schwächelt als Hephaiston, der getreue Freund und Liebhaber Farrells, und Rosario Dawson kann als verlockende Tänzerin auch nicht sonderlich viel zum Film hinzufügen - ihre Rolle wirkte sehr austauschbar.

Der grösste Kritikpunkt dürften die Zeitsprünge sein, die sich sehr plötzlich fangen und den Film mit wirren Zügen durcheinander werfen. Man hat ein wenig das Gefühl, das man jemand mit geniale und dumme Idee gewürfelt und dabei nicht genial bekommen hat. Die sehr experimentelle Struktur wirft Zweifel auf, ob Jolie und Co das Drehbuch ebenfalls in der Reihenfolge bekommen und dann noch zugesagt hätten- denn so wirkt es sehr verhackstückt, als hätte man etwas heiles auseinander geschnitten und falsch zusammen gefügt.

Nichtsdestotrotz ist Alexander ein interessantes Filmerlebnis. Klasse gemacht, klasse gespielt und mit bewegender Musik unterlegt, ist dieses 3 Stunden Epos ein Fest für jeden Kinozuschauer - wer es jedoch etwas genauer nimmt, dem werden die Kritikpunkte nicht schmecken, der wird sich nach einer leicht anderen Fassung sehnen - die Fassung die besser als Gladiator und Co hätte sein können - wohlbemerkt hätte, denn das ist er nicht. Leider nicht.

Fazit
Alexander ist ein großer Film, mit großen Darstellern, großem Panorama... und großen Patzern. Zum einen sehr unterhaltsam und monumental, zum anderen jedoch schlecht geschnitten und arrangiert...ein Film, der erst beim öfteren Schauen zu brillieren weiss. Bis auf Kilmer leider kein Oscar-Kandidat. Vielleicht wird er in einer Director's Cut nochmal zu dem Meisterwerk perfektioniert, das es eigentlich ist - bis dahin bleibt es gut, und nur gut.


                                  Wertung:    6 / 10