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Anatomie einer Entführung
Die Filmkritik

genre: thriller / drama
regie: pieter jan brugge
fsk: ab 16
cast:
  -  robert redford
  -  willem dafoe

filmkritik: fred king

Entführt
Entführungsthriller gibt es viele, so erinnern wir uns zuletzt doch an den (eher mittelprächtigen) Trapped, in dem Kevin Bacon der hübschen Charlize Theron das Leben schwermachte. In diesem Film sind es die beiden Charakterdarsteller Robert Redford sowie Hollywoods Lieblingsbösewicht Willem Dafoe, die sich ein bissiges Psychoduell liefern. Ob das altbekannte Thema trotz der guten Schauspieler auftrumpfen kann?
 


Nie zu alt für den Laufstall.

Wayne?
Die Story ist recht simpel - Wayne Hayes (Redford) ist ein pensionierter, überaus zufriedener Geschäftsmann, der eines Tages plötzlich von einem ehemaligen Mitarbeiter namens Mack (Dafoe) entführt wird. Der Mann treibt ihn durch einen Wald auf ein unbekanntes Ziel zu, während seine Frau Eileen (Mirren) zusammen mit der Polizei auf ein Lebenszeichen wartet. Ein düsteres Katz & Mausspiel zwischen Jäger und Gefangenem nimmt seinen Lauf...

Ein Film wie dieser kann nur durch wesentliche Elemente überzeugen: abgesehen davon, dass er sehr spannend sein sollte, muss es genug Themen geben, die von der eigentlich simplen Storyline ablenken - zb durch gute Actionszenen, überraschende Wendungen oder aber hervorragende Schauspielerleistungen. Ein gutes Beispiel hier für ist der Film Sag kein Wort mit Michael Douglas und Sean Bean, der alle drei Aspekte gut bedient und zu einem wirklich guten Thriller zusammenfasst.

Anatomie einer Entführung setzt - wie sollte man es sich bei den Schauspielern auch anders denken, weniger auf Action, sondern verstärkt auf letzteres. Es überrascht auch nicht, dass Redford und Dafoe wie gewohnt Oscar-reife Darbietungen geben. Besonders Dafoe glänzt in der Rolle des ruhigen, unberechenbaren Entführers Arnold Macks, eine weitere Dafoe Rolle, die man nicht so schnell vergessen wird. Redford ist ohne Frage auch sehr gut, nur ähnelt sie seinen anderen Rollen sehr stark. Man könnte fast meinen, dass es dieselbe Figur wie in Spy Game ist.
 


Auf der Jagd nach der Blair Hexe versuchte Willem es nun mit einem Köder.

Ein großer Teil des Filmes setzt sich mit dem Ehewesen der beiden Hayes auseinander. Während den Untersuchungen kommt so einiges ans Licht, was zwischen Mirren's und Redford's Charakter in der Vergangenheit schlecht gelaufen ist - so zerfällt das Bild des perfekten Ehepaars so langsam, ebenso wie die Chance, ihren Mann noch einmal lebend wieder zu sehen. In den ersten 40 min des Films verläuft sich dies ein wenig, und obwohl Helen Mirren eine großartige Darstellung abliefert, tendiert es dazu etwas in Belanglosigkeit abzusinken. Sicher ist es ein wichtiger Punkt, die betreffenden Charaktere näher kennen zulernen, doch hier nimmt es etwas aus der Spannung, die eigentlich zwischen Entführer und Opfer bleiben soll.
 


"Ich werde jetzt ihre Scheibe wischen, und es gibt nichts, wirklich nichts was sie
dagegen tun können.

Der beste Teil des Films ist dafür die zweite Hälfte, in dem sich die Lage zu spitzt. Verraten werde ich nichts darüber, aber hier ist der Film nicht mehr ganz so ruhig wie zu Anfang. Wird die erste Hälfte hauptsächlich von dem Spiel Mirren's dominiert, geht es hier verstärkt auf das Psychoduell der beiden Hauptdarsteller zu. Besonders die letzten 20 min gehören mit zu den spannendsten des vergangenen Kinojahres, und allein dafür lohnt der Film auch schon. In Sachen Atmosphäre setzt der Film hier hohe Maßstäbe, da ist es schade, dass die erste Hälfte nicht so gut überzeugen kann.

Fazit
Anatomie einer Entführung nimmt ein altbekanntes Thema und führt es mit großartigen Darstellern in eine interessante Richtung. Obwohl die erste Hälfte zuweilen etwas langatmig ist und die Beziehungskiste zwischen den beiden Opfern zu sehr in die Länge gezogen wird, überzeugt die letzte Hälfte mit vielen guten Szenen und einem starken Showdown.


                                  Wertung:    7 / 10