|
|
J.lo's Erbe
Vom Titel her sieht man es
nicht, aber Anacondas ist
tatsächlich bereits der zweite Teil
seiner Art. Der erste Film, schlicht
Anaconda betitelt, kam vor einigen
Jahren ins Kino und war ein
richtiger Überraschungserfolg. In
den Hauptrollen? Ice Cube, Jon
Voight, Eric Stoltz und pre-star
Jennifer Lopez. Da ging es noch um
ein Filmteam, dessen Regisseurin
(J.lo) tief im Dschungel eine Doku
über eine verschollene Kultur machen
wollte und nach einigem Ärger dank
Schlangenjäger Sarone (Voight) auf
eine tödliche Riesen-Anaconda
stiess. Es ist wundernswert,
aber jemand wichtiges mochte die
Idee wohl und so kommt der zweite
Teil sogar ins Kino und nicht
direct-to-video, wie doch die
meisten Tier-Horrorfilme ala
Spiders, Python oder Komodo.
Inhalt
Im zweiten Teil geht es um eine
Truppe Forscher, die tief ins Herz
Borneos vorstösst um eine seltene
Pflanze zu holen - die
Blut-Orchidee. Mit ihren
Inhaltsstoffen soll sie
Unsterblichkeit vermitteln, also
schickt man eine kostspielige
Expeditionstruppe voller Experten
los, ein paar Exemplare mitzunehmen
bevor sie wieder für die nächsten
Jahrzehnte verblüht. Da es in Borneo
keine Anacondas gibt, fragen sich
sicher viele - okay, wieso spielt es
nicht woanders? Ganz einfach.
Dwight H Little geht einfach der
Annahme, dass Anacondas sich ähnlich
wie Lachse zur Paarungszeit zu einem
weit entfernten Ort aufmachen, um
sich dort in Bällen (!?) massenhaft
zu paaren. So gibt es einen Grund,
wieso es viele Anacondas in Borneo
gibt - doch es wird noch besser. Die
Schlangen fressen regelmässig von
den Blut-Orchideen, und sind dadurch
schon jahrhunderte alt und
übernatürlich groß / stark und
schnell. Als wenn eine Bande
gefräßiger Anacondas noch nicht
gefährlich genug wäre.
Kritik
Vorab ist eins mal klarzustellen
- Anacondas ist kein Horrorfilm, wie
es die Werbung vielleicht vermuten
lassen würde. Stattdessen ist es ein
Action-Adventure mit
Monsterschlangen, die allerdings
nicht ein einziges Mal Spannung
aufkommen lassen. Die präsentierte
Action an sich ist zwar ziemlich gut
und weiss zu unterhalten, doch man
hat das Gefühl, das hier vorhandenes
Potenzial nicht genutzt wurde.
Im Gegensatz zum ersten Film
gibt es einige grosse Abstriche
zu machen. Die Figuren sind leider allesamt
kleinkariert, es sticht niemand
wirklich heraus, es gibt keinen
besonderen Villain (Sarone aus
ersten wird stark vermisst) und die
Dialoge sind teilweise wirklich so
dumm, das man selbst wenn man
wirklich wenig erwartet, die Hände
vor den Kopf schlägt und sich denkt:
'oh man'.
Dafür hingegen sind die Effekte
richtig klasse gelungen. Die
Schlangen sind beeindruckend gemacht und wer
meint, der Wasserfall--angriff aus dem
ersten wäre spektakulär gewesen, der
wird sich hier erst richtig freuen.
Die Anacondas sehen richtig gut aus
und erfüllen sicherlich jeden
B-Movie Fan's Herz. Denn mal einen
vernünftigen
Riesenschlangenpopcornactioner zu
sehen, bei dem man nicht CGI! oder
GUMMIPUPPE schreien kann und der
auch noch im Kino läuft - das gibts
selten.
Am Ende bleibt also ein
mittelprächtiger Abenteuerfilm, der
mit besseren Charakteren wirklich
gut hätte sein können.
Fazit - es häutet sich
Anacondas ist ein stumpfer
Popcornblockbuster, für den man
schon etwas für das Genre übrig
haben muss. Wer nichts mit
unrealistischen Szenen, Aktionen und
ein-dimensionalen Charakteren
anfangen kann, der sollte besser zu
hause bleiben - allerdings zeigt der
Trailer schon ganz gut, worum es
hier geht. Viele Schlangen, viele
Opfer und wenig Story. Genau das ist
zu erwarten und genau das kriegt man
- gut gemacht, kein Stück langatmig
und nicht zu lang.

|
|
|
|
|