Kritik: Aviator
OT: 'The Aviator'
Kinostart: 20. Januar 2005
Genre: Biopic - ab 16
Regie: Martin Scorsese
Cast: Leonardo DiCaprio, Alec Baldwin

Kritik: Fred King - Bewertung:
9 / 10
Hollywood Class
Als Gangs of New York heraus kam, gehörte ich zu denjenigen wenigen Kritikern, die den Film mit allen Mitteln verteidigten. Obgleich er seine kleinen Schwächen in Dramaturgie und Nebenbesetzungen hatte, gehörte er ohne Frage zu den besten seines Jahres. Bei Aviator habe ich allerdings nichts zu verteidigen, denn er ist so gut, dass ein Kritiker lügen müsste um das zu übersehen.

Inhalt
Der ehrgeizige und kompromisslose Howard Hughes (DiCaprio) erbt in jungen Jahren die Firma seines Vaters und erlangt so schnell zu großem Reichtum. Diesen setzt er für sein größtes Interesse ein, dem Fliegen und seiner Weiterentwicklung, und so dauert es nicht lange, bis der geniale Entwickler seine ersten große Erfolge feiert. Hughes entwickelt sich zu einem Nationalhelden, der sich nur mit den berühmtesten Schauspielerinnen abgab und mit Hell's Angels den damals wohl größten und beeindruckendsten Film seiner Zeit schuf.
Aviator zeigt uns eine etwa 15jährige Zeitspanne aus dem Leben des extravaganten Multimillionärs, der das Fliegen und auch das Filmemachen zweifellos dominiert und revolutioniert hat.

Kritik
Martin Scorsese's Aviator ist die Rückkehr zum klassischen Hollywoodkino. In dem Epos um den fulminanten American Dream, Stardom, Glamour und Wagemut zeigt sich der Altmeister von einer ganz neuen Seite. Vergleicht man ihn mit seinem "Raging Bull - Wie ein wilder Stier", so scheint Aviator das genaue Gegenstück dazu zu sein. Anstatt dreckiger, kleiner Bilder mit Straßenmentalität gibt es hier übermenschlich große Hochglanzoptik, die eine möglichst große Leinwand verlangt. Allein die Flugszenen, bei denen der sonst so cgi-feindliche Regisseur zu digitalen Effekten greift sind so mitreißend, das man sich wie ein kleiner Junge in den 50ern fühlt, der gerade seinen ersten großen Film im Autokino sieht. Einzig die Schwungszenen im letztjährigen Spider-Man 2 konnten bei mir ähnliche Gefühle aufrufen.

Leonardo DiCaprio hat trotz seines gehobenen Alters immer noch mit seinem jungenhaften Äußeren zu kämpfen, doch das vergisst man bereits wenige Minuten im Film. Sein Howard Hughes ist ein unaufhaltsamer Eisbrecher, ein Visionär und exzentrischer Einzelgänger, der sich von niemanden aufhalten lässt. DiCaprios Präsenz fängt die Egozentrik des Multimillionärs einfach perfekt ein, er spielt nicht nur Hughes, er ist es auch in diesem Film. Seit Gilbert Grape wohl seine bislang beste Performance, die hoffentlich mit genügend Awards passend gewürdigt wird. Es gibt einige Szenen zu Ende mit ihm, bei der der sonst so optimistische Lebemann vor einem innerlichen Untergang steht. Auch der schreckliche Crash mit einem seiner Flugprojekte (spektakulär und beängstigend realistisch gefilmt) trifft ihn sehr, doch auch hier beißt er die Zähne wieder zusammen und gibt nicht auf.

Die Frauen an seiner Seite sind viele, doch verblassen sie etwas neben dem großen Auftreten DiCaprios. Von ihnen fällt eigentlich nur Katherine Hepburn heraus, die in ihrer sehr besonderen Art einen kleinen Gegenpol zum Ego Hughes' bildet. Gespielt von Cate Blanchett sind ihre Szenen mit DiCaprio mit die besten im Film, was seine Beziehungen zu den Starlets betrifft. Richtig interessiert am weiblichen Geschlecht war er schließlich nie, dafür war er viel zu sehr damit beschäftigt, noch mehr zu erreichen, noch mehr Erfolg zu haben und noch weiter als andere zu gehen. Somit wirken die Frauen im meistens als das was sie im bedeuteten, nette Anhängsel (besonders nett hier - Kate Beckinsale als Ava Gardner) - für kurze Zeit.

Scorseses Regie ist einfach phänomenal geworden. Mit Aviator zeigt er uns mal wieder, dass er nicht ohne Grund einer der besten Regisseure ist, die es je gab. Aviator ist ein Drama übers Träumen, übers Kämpfen und das Wunder des Fliegens, eindrucksvoll gespielt und zeitlos episch inszeniert.

Ich sage - Aviator, Oscars 2005. Bester Film, bester Hauptdarsteller.

King out.
 
 

Leonardo DiCaprio


Gangs of New York
Special Edition - 2 DVDs

 

Tom Cruise


Last Samurai
2 DVD Edition

 

Tom Hanks


Road to Perdition
inkl. 11 geschn. Szenen

 

alle genutzten Promomaterialien diverser Filme
Copyright den entsprechenden Besitzern
alle Texte und nicht-promotionalen Bilder
Copyright 2004 bereitsgesehen.de
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websiten verantwortlich