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Kritik:
17 Again


von Christian Westhus

17 Again
(2009)
Regie: Burr Steers
Darsteller: Zac Efron

Story:
Der erfolglose Mike wacht eines Morgens auf und stellt fest, dass er wieder 17 ist - seine Chance, sein Leben noch einmal in den Griff zu kriegen.

Kritik:
Es ist schon ein verdammt alter Hut, diese Sache mit den Körpertausch-Filmchen. Mal springt der Teenager in den Körper der Eltern, oder ein Knirps wird durch Jahrmarktsautomaten / Wunschpulver wahlweise zum jung-erwachsenen Tom Hanks oder zu Jennifer Garner. Auch der hier präsentierte Blickwinkel eines Erwachsenen, der die Chance bekommt noch einmal 17 zu sein, ist alles Andere als neu und so muss man sich schon was Besonderes einfallen lassen, um mit der Nummer noch Leute ins Kino zu bekommen.

WScheinbar ist den Verantwortlichen aber nicht sonderlich viel eingefallen, greifen sie doch einfach zu altbewährten Marketingstrategien und besetzen besonders zugkräftige Stars, in diesem Fall jugendlich unverbrauchte Ableger der berühmt-berüchtigten High-School-Musical-Reihe, die hier schwitzend, grinsend und kokettierend, Heerscharen weiblicher Pubertierender in die Kinosäle dieser Welt locken sollen. Eine nie aussterbende Zielgruppe mit ausgeprägter Fan-Manie, noch eine gewisse Zeit bevor man das Internet entdeckt und den Prozess des Erwachsenwerdens vollendet. „17 Again“ ist reine Kalkulation – hat aber durchaus so seine Momente.

Natürlich erfordert der Film von Menschen außerhalb dieser Zielgruppe eine gewisse Opferbereitschaft; den Willen nicht gleich die Hände vor’s Gesicht zu schlagen, wenn Zac Efron seine Achselhaare zeigt, dem Schul-Loser hilft und mit den Cheerleaderinnen tanzt. Hier wollte ganz eifrig irgendetwas eingebaut werden, was zu Efron und seinem HSM Alter Ego passt. Und der gelockte Star-Dribbler des High School Teams steht natürlich gerade vor dem entscheidenden Spiel seiner Jugend, ein Beobachter auf der Tribüne und plötzlich die unglückselige Freundin am Spielfeldrand. Weiß man zu diesem Zeitpunkt, dass man in einer Body-Switch-Komödie steckt, braucht man über die Handlung nicht mehr nachzudenken. Es wird exakt so ablaufen, wie man sich das ungefähr ausmalt. Die Basketballkarriere platzt und Matthew Perry langweilt sich nen Ast. Der Grund für die Rücktransformation ist noch einfallsloser, als in anderen Vertretern dieses Genres und die restliche Zeit dürfen wir Zac Efron beim Zac-Efron-sein bewundern.

Und es mag weiß Gott talentiertere junge Schauspieler als ihn geben, wahrscheinlich auch sympathischere, aber a) bringen die es nicht in dem Maße an der Kinokasse und b) schlägt sich der Junge gar nicht mal so schlecht. Es sei denn natürlich, es war nicht beabsichtigt, dass seine Figur leicht arrogant, narzisstisch und aufmerksamkeitsgeil ist. Ist er nämlich. Wirklich nett ist er nur zu seinem Sohn, also Matt Perrys Sohn, aber der ist er ja irgendwie. Klar soweit? Seine schwerst pubertierende Tochter Michelle Trachtenberg, die schon vor zehn Jahren Teenager gespielt hat, hat sich nämlich den Schul-Rüpel zum Boyfriend angelacht und das passt dem Daddy mit dem Engelsgesicht natürlich gar nicht. Entsprechend bekommt der Rüpel eine Abreibung in der Cafete und Zac Efron ist der Held der Fantasie-Schule von Takatukaland. Irgendwie knuffig ist die Szene aber doch und würde Efron seinen Beschützerinstinkt etwas runterschrauben und nicht Frau und Tochter gleichzeitig bevormunden und angraben, würde es noch ein Fünkchen spaßiger sein.

Das ist mitunter durchaus harmlos witzig, wirkt teilweise aber schon reichlich merkwürdig, wenn Efron mit der sympathischen Leslie Mann tanzt, die ja, wenn man diese Bodyswitchgeschichte ausblendet, eigentlich nur die Mutter seines besten Kumpels ist. Ganz witzig aber, dass eben diese Mutter durchaus bescheid weiß, z.B. was es mit MILFs auf sich hat. Dennoch wirkt die zweite erzwungene Tanzszene für Zac Efron irgendwie bizarr, von dem Techtelmechtel mit der schnell entschlossenen Tochter ganz zu schweigen.
Richtig haarig wird’s aber im Sexualkundeunterricht in der Schule. Das läuft hier weniger auf infantil-pubertäre Gags hinaus, als vielmehr auf verlogene Disney-Moral im Umgang mit Sex. Predigen von Enthaltsamkeit, kein Sex vor der Ehe, Sex generell nur aus Liebe und am besten ausschließlich um Kinder in die Welt zu setzen. Wem das noch nicht Mittelalter genug ist, der warte mal die Mitschüler-Reaktionen auf Efrons „Oh-meine-Tochter-Monolog“ ab. Fröhliches Kotzen!

Aus den ganzen Stereotypen und Schüler-Abziehbildern, ragt keiner heraus. Manche geben nur auf Stichwort eine Floskel ab, die sie wahlweise als Flittchen, Nerd oder Schläger outet. Charaktere und eine Entwicklung ist hier in den Nebenrollen nicht zu finden, sondern beschränkt sich einzig auf die Familie O’Donnell. Natürlich ist es geradezu unumgänglich, bei der Behandlung von Jugendlichen irgendein Klischee zu erwischen, ein „Breakfast Club“ arbeitete damals ja auch nur mit Stereotypen, und doch war es dort doch irgendwie ernsthafter, realer, einfühlsamer. Darum geht es hier nicht. Es ist ein Zac Efron Vehikel. Nicht zu penetrant, aber schon deutlich.
Gerettet wird die Chose einzig durch Thomas Lennon als Kumpel Ned. Die paar netten, manchmal ironischen Szenen des Films ohne ihn, hätten für die ganzen Fehltritte nicht ausgereicht. Lennon jedoch, so oft er auch über’s Ziel hinausschießen mag, sorgt tatsächlich für Lacher. Seine Figur ist absoluter Star Wars Fan, hat Replikas ohne Ende im Haus, ein irres Bett, fordert Efron zum Laserschwert-Duell und baggert die Schulleiterin nach allen Regeln der Fremdschäm-Kunst an. Dass das in Liebeserklärungen auf elbisch und Nerd-Romantik mündet, hätte man so einem Film gar nicht zugetraut.

Ganz nett übrigens auch die Idee mit dem Abspann in Jahrbuch-Aufmachung, mit echten High-School-Fotos der Beteiligten, vom Regisseur, über Drehbuchautor und Produzenten bis hin zu den Darstellern. Das zeugt auch davon, dass man hier durchaus ernste Absichten hatte, eigene HS-Erfahrungen einzubauen und das damalige Lebensgefühl nachzustellen. Das ist zwar nicht so ganz überzeugend gelungen, erklärt aber die unzähligen Anspielungen auf die 80er, auf Filme, auf Star Wars, Herr der Ringe, und liefert einen tollen Moment aus „Ein Frage der Ehre“. Leider liegt die Befürchtung nahe, dass die Hauptzielgruppe die Hälfte davon nicht zu würdigen weiß und entsprechend nicht witzig findet. Aber die hat ja eh nur Augen für den Hauptdarsteller.

Fazit:
Für die Zielgruppe bedarf es eh keine Empfehlung, da reicht ein Blick aufs Poster. Für alle Anderen besteht aber durchaus die Chance, einen einigermaßen unterhaltsamen Abend zu verbringen. Die Geschichte ist altbekannt, die Figuren fast alle platt und so manches schmeckt penetrant, aber leidlich amüsant ist es schon, sofern man nicht gleich die Flucht ergreift, wenn Zac Efron auftaucht. Knapp, aber schlechter wäre unobjektiv:

4 / 10

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