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2012
von Christian
Westhus
Story:
Das Ende der Welt tritt ein: Strahlen der Sonne
kochen den Kern der Erde, worauf sich die
tektonischen Erdplatten anfangen zu verschieben. Das
Resultat? Gigantische Erdbeben, Tsunamis und eine
handvoll mutiger Helden, die versuchen, das Ganze zu
überleben.
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In manchen
Teilen der Welt lief der Film
extra um 20:12 Uhr an
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Kritik:
Onkel Roland, der Exil-Schwabe mit Hang zur
Destruktion, hat mal wieder ein paar Millionen
herangekarrt, um filmische Weltuntergangsstimmung zu
entfachen. Mal wieder, weil Herr Emmerich ja
eigentlich nur dafür bekannt ist, für effektreiche
Zerstörungen amerikanischer Großstädte. Zwar war
auch schon im Weltuntergangs-Vorgänger The Day
after Tomorrow die ganze Welt am Arsch, doch
damit der Film den Zuschauern nicht an selbigem
vorbei geht, fokussieren wir uns dort wie hier mehr
oder weniger auf die USA. Dabei wagt sich das Skript, an dem Emmerich
gemeinsam mit seinem Kollegen Harald Kloser
gewerkelt hat, sogar an Internationalität. In Indien
wird entdeckt, dass wir alle das Zeitliche zu segnen
haben, in China wird irgendwas an einem Staudamm
gebaut und die G8 – inklusive putziger Doubles der
Regierungschefs - beraten darüber, wie man aus dem
globalen Armageddon noch halbwegs glimpflich
herauskommt. Ein russischer Milliardär samt Anhang
bekommt sogar eine größere Rolle, dient letztendlich
aber nur für Klischees und brachialen Humor.
Besonders stimmlich ist der russische Genosse eine
alberne Karikatur. Entsprechend liegen unsere
Sympathien bei einer amerikanischen Familie. Das ist
nicht schlimm. Kennen wir ja und lässt sich auch
schnell akzeptieren.
Familie Curtis ist natürlich auch keine
Bilderbuchfamilie, sondern schleppt eine elterliche
Trennung, einen zweiten Mann und Kinder mit ganz
eigenen Problemen mit sich herum. So versucht John
Cusack als erfolgloser Roman-Autor und Vater, zu
Beginn sich seinen Kindern bei einem Ausflug wieder
anzunähern, wofür aber bald schon keine Zeit mehr
bleibt, weil ja unser Planet den Bach runter geht
und in Extremsituationen ignoriert auch der
griesgrämige Junge mal eben, dass er seinen Erzeuger
nicht so ganz dufte findet. Cusack sattelt also die
Pferde und prescht durch die Gegend, weil er bald
darauf mehr weiß als viele andere. Wir kennen solche
Plots. Währenddessen kurbelt Emmerich rund um den
US-Präsidenten Danny Glover bekannte Politik-Szenen
im Schatten des Weltuntergangs herunter. Chiwetel
Ejiofor als Mann der vom ganzen Mist als zweiter(!)
wusste, ein schmieriger Vorgesetzter, sowie
Präsidententochter Thandie Newton als politische
Aktivistin, bemühen sich, Menschlichkeit,
Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit zu verbinden und
natürlich auch ihre eigene Haut zu retten. Und weil
das an Handlungssträngen noch nicht reicht,
begleiten wir noch zwei alternde Musiker auf ein
Kreuzfahrtschiff, die aber letztendlich keinen Zweck
erfüllen, außer dass dieses gesamte Szenario so
wirkt, als wolle Emmerich seinem deutschen Kollegen
Wolfgang Petersen ein großes „Ätsch, ich kann’s
besser“ in Richtung Poseidon zukommen lassen.
Denn bei all dem menschlichen Schicksalsquark, der
hier reichhaltig aufgefahren wird, um nicht zum
reinen Animationsfilm zu werden, zählen letztendlich
nur die Effekte und die sind gigantisch. Natürlich
wirken das Skript und die gesamte Handlung so, als
hätten Emmerich und Kloser lediglich überlegt,
welche Naturkatastrophen man wie fetzig in Szene
setzen kann. Ein Vulkanausbruch im Nationalpark
inklusive Gesteins-Meteoriten, monströse Flutwellen,
Erdbeben bei denen ganze Landmassen zerbröckeln und
versinken, usw. Besonders die erste Hälfte klotzt
und protzt mit einem infernalischen Chaos aus
Effekten und Zerstörung in tricktechnischer
Perfektion.
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Hauptfigur
Jackson Curtis ist nach Rapper 50 Cent
benannt - der heißt mit Namen Curtis Jackson
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Die
Autofahrt durch die zerberstende Großstadt ist so
rasant, irre und spektakulär, dass man fast vergisst
wie merkwürdig es ist, dass Familie Curtis scheinbar
die einzigen sind, die rechtzeitig auf den Trichter
kamen, zu fliehen. Da kracht mal eben die U-Bahn aus
einem Loch im Boden, der sich gerade aufgetan hat
und die Stretch-Limo zwängt sich durch ein Hochhaus,
dessen Decke eigentlich schon eingestürzt ist.
Weiter geht es per Flugzeug, während die Lande- und
Startbahn sich genüsslich in Luft auflöst. Ganze
Landstriche werden vaporisiert und eingestampft und
unsere Family mittendrin. Die Zerstörungen sind so
haarsträubend wie das ständige Überleben unserer
Hauptfiguren, die Mal um Mal im wirklich
allerletzten Moment doch noch die Kurve kratzen.
2012 wirkt in seiner Effektwucht und
Zerstörungswut so selbstbewusst, als wolle er für
die nächsten 10 Jahre weitere Katastrophenfilme
verhindern.
Das ist meist mächtig beeindruckend, ist laut, wild,
hektisch und pompös, ja teils sogar einfallsreich,
wenn in Brasilien oder im Vatikan
augenzwinkernd-platt mit biblischen Motiven gespielt
wird, ist aber auch so spektakulär wie blödsinnig.
Das erneute Wiedersehen mit Woody Harrelson macht
nicht so wirklich Sinn, die Handlungen der
Regierungsmitglieder sind noch reichlich nebulös und
irgendwie wirkt es auch recht merkwürdig, dass
einige Standorte noch relativ gut in Schuss sind,
während die Kontinentalplatten doch eigentlich
lustig über die Erdoberfläche eiern. Zudem wechselt
das Skript immer nur reichlich kurz zu anderen
Standorten, um dort in guten Momenten ein
Storyfragment anzudeuten, meist aber um mal nicht in
den USA zu wüten.
Völlig überraschend nimmt Emmerich in der zweiten
Hälfte immer häufiger mal den Fuß vom Gaspedal.
Vielleicht ist ihm selbst aufgefallen, dass sonst
der Eindruck entstünde, die Animationskunst stehe
über allem. Tut sie hier natürlich und manchmal
ermüdet es auch tatsächlich, zu sehen wie Pixel
durch die Gegend purzeln. Dass dies selten passiert
liegt an der atemberaubenden Qualität der Effekte
und an eben diesen Pausen im Effektgewitter.
Handlung genannt. Familie Curtis hangelt sich
episodisch näher an die ungewisse Rettung heran und
dazu gibt es wenig subtilen Humor und
Zwischenmenschliches aus dem Vorabendprogramm. John
Cusack, Amanda Peet und die Kinder sind aber
sympathisch genug, dass sie das knappe Material
nicht zu nervig aussehen lassen. Es sind
Katastrophenfilm-Standards, aber als solche sind sie
erträglich.
Natürlich gibt es einen Rettungsplan für einige
auserwählte Menschen dieser Welt. Angeblich, so
erklärt ein Verantwortlicher, wurden tatsächlich
Leute getestet und ausgewählt, während man
Korruption und Schwarzmarkt wohl dazu nutzte, den
ganzen Krempel zu finanzieren. Statt unterirdischen
Bunkern gibt es hier Schiffe, wie uns Harrelson
schon verriet, die man sich mit einer geradezu
lächerlichen Beiläufigkeit in unrealistisch kurzer
Zeit an einem denkbar merkwürdigen Platz
herausgewürgt und hergezaubert hat. Und endlich dann
gibt’s auf die Mütze. Weniger mit Effekten als
vielmehr mit einer Stimmung, die Emmerich wie kaum
ein Zweiter in klebriger Dominanz auf Film bannen
kann: Sentimentalität und Pathos.
Es gibt zum Glück keine ganz so arg pathetischen
Präsidentenreden wie in Independence Day, die
familiären Herzschmerzarien fallen weniger kitschig
aus, wie z.B. in Der Patriot und auch die
Opferbereitschaft mancher Menschen hätte man
penetranter inszenieren können. Dennoch staut sich
das gesamte Gesäusel im letzten Akt wie das Wasser
rundherum und irgendwie ist es uns erschreckend
egal, dass mehrere Milliarden Menschen verreckt
sind, so lange von den paar Auserwählten möglichst
viele überleben. Das ist zwiespältige Film-Empathie,
aber auch die ist bekannt. Wirklich packend und
überzeugend ist am Ende leider weder die kleine
Aufgabe an Bord, noch die große für die Menschheit.
Das ist das Problem, wenn man seine besten Szenen
schon nach 45 Minuten raus haut. Danach kommen
nämlich noch mehr als 100 Minuten, die zwar
weiterhin harmlos-unterhaltsam bleiben, sich aber
nicht mehr steigern. Ganz einfach auch, weil der
Film ein wenig zu lang ist. Oder vielleicht nicht zu
lang, aber zu voll gestopft mit Nebenhandlungen, die
sich irgendwann im Nichts verlaufen.
Und was lernen wir am Ende daraus, nach 158
anspruchslosen aber unterhaltsamen Minuten? The
Day after Tomorrow bekam sogar
Umweltschutzpreise, weil uns der Roland vor der
Klimakatastrophe gewarnt hat und das wohl sogar
wirkungsvoller als Al Gore. 2012 zeigt uns,
dass wir am besten jung, potent, extrem reich und
bestenfalls amerikanisch sind, um gerettet zu
werden. Es soll ja tatsächlich Leute gegeben haben,
die besorgt bei der NASA anriefen, um zu fragen, ob
wir 2012 denn wirklich alle sterben werden. Ist ja
auch ein gaaanz neuer Einfall, den Emmerich und
Kloser da hatten, auf diesen ominösen Maya-Kalender
zu verweisen. Was Ende 2012 auch immer auf uns
wartet: Der Emmerich hat’s gewusst.
Fazit:
Protziges Weltuntergangsbombastkino mit
sensationellen Effekten, vielen Schauwerten und
gehörigem Drive. Dazwischen kurbelt Emmerich ein
wenig einfallslos eine Standardhandlung für
Katastrophenfilme ab, die zwar ein paar
Nebenhandlungen zu viel hat und den Film damit zur
Über-Überlange führt, die aber auch noch dämlicher
hätte ausfallen können, ja sogar erstaunlich viel
Raum einnimmt. So bleibt der neueste Emmerich eine
satte Tüte Popcornkino, mit der man im dröhnenden
Kinoambiente eine gute Zeit haben wird. Viel mehr
wird danach nicht drin sein.
5 / 10
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