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2012


Kritik von Christian Westhus

2012 (2010)
Regie: Roland Emmerich
Cast: John Cusack, Amanda Peet, Woody Harrelson

Story:
Das Ende der Welt tritt ein: Strahlen der Sonne kochen den Kern der Erde, worauf sich die tektonischen Erdplatten anfangen zu verschieben. Das Resultat? Gigantische Erdbeben, Tsunamis und eine handvoll mutiger Helden, die versuchen das Ganze zu überleben.

John Cusacks Charakter im Film heißt Jackson Curtis - benannt nach Rapper 50 Cent
(der heißt bürgerlich Curtis Jackson)

Kritik:
Onkel Roland, der Exil-Schwabe mit Hang zur Destruktion, hat mal wieder ein paar Millionen herangekarrt, um filmische Weltuntergangsstimmung zu entfachen. Mal wieder, weil Herr Emmerich ja eigentlich nur dafür bekannt ist, für effektreiche Zerstörungen amerikanischer Großstädte. Zwar war auch schon im Weltuntergangs-Vorgänger The Day after Tomorrow die ganze Welt am Arsch, doch damit der Film den Zuschauern nicht an selbigem vorbei geht, fokussieren wir uns dort wie hier mehr oder weniger auf die USA. Dabei wagt sich das Skript, an dem Emmerich gemeinsam mit seinem Kollegen Harald Kloser gewerkelt hat, sogar an Internationalität. In Indien wird entdeckt, dass wir alle das Zeitliche zu segnen haben, in China wird irgendwas an einem Staudamm gebaut und die G8 – inklusive putziger Doubles der Regierungschefs - beraten darüber, wie man aus dem globalen Armageddon noch halbwegs glimpflich herauskommt. Ein russischer Milliardär samt Anhang bekommt sogar eine größere Rolle, dient letztendlich aber nur für Klischees und brachialen Humor. Besonders stimmlich ist der russische Genosse eine alberne Karikatur. Entsprechend liegen unsere Sympathien bei einer amerikanischen Familie. Das ist nicht schlimm. Kennen wir ja und lässt sich auch schnell akzeptieren.

Familie Curtis ist natürlich auch keine Bilderbuchfamilie, sondern schleppt eine elterliche Trennung, einen zweiten Mann und Kinder mit ganz eigenen Problemen mit sich herum. So versucht John Cusack als erfolgloser Roman-Autor und Vater, zu Beginn sich seinen Kindern bei einem Ausflug wieder anzunähern, wofür aber bald schon keine Zeit mehr bleibt, weil ja unser Planet den Bach runter geht und in Extremsituationen ignoriert auch der griesgrämige Junge mal eben, dass er seinen Erzeuger nicht so ganz dufte findet. Cusack sattelt also die Pferde und prescht durch die Gegend, weil er bald darauf mehr weiß als viele andere. Wir kennen solche Plots. Währenddessen kurbelt Emmerich rund um den US-Präsidenten Danny Glover bekannte Politik-Szenen im Schatten des Weltuntergangs herunter. Chiwetel Ejiofor als Mann der vom ganzen Mist als zweiter(!) wusste, ein schmieriger Vorgesetzter, sowie Präsidententochter Thandie Newton als politische Aktivistin, bemühen sich, Menschlichkeit, Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit zu verbinden und natürlich auch ihre eigene Haut zu retten. Und weil das an Handlungssträngen noch nicht reicht, begleiten wir noch zwei alternde Musiker auf ein Kreuzfahrtschiff, die aber letztendlich keinen Zweck erfüllen, außer dass dieses gesamte Szenario so wirkt, als wolle Emmerich seinem deutschen Kollegen Wolfgang Petersen ein großes „Ätsch, ich kann’s besser“ in Richtung Poseidon zukommen lassen.

Denn bei all dem menschlichen Schicksalsquark, der hier reichhaltig aufgefahren wird, um nicht zum reinen Animationsfilm zu werden, zählen letztendlich nur die Effekte und die sind gigantisch. Natürlich wirken das Skript und die gesamte Handlung so, als hätten Emmerich und Kloser lediglich überlegt, welche Naturkatastrophen man wie fetzig in Szene setzen kann. Ein Vulkanausbruch im Nationalpark inklusive Gesteins-Meteoriten, monströse Flutwellen, Erdbeben bei denen ganze Landmassen zerbröckeln und versinken, usw. Besonders die erste Hälfte klotzt und protzt mit einem infernalischen Chaos aus Effekten und Zerstörung in tricktechnischer Perfektion.

Für Emmerich ist es der xte Katastrophenfilm nach Independence Day, Godzilla und The Day after Tomorrow - er versprach, keinen weiteren mehr zu machen

Die Autofahrt durch die zerberstende Großstadt ist so rasant, irre und spektakulär, dass man fast vergisst wie merkwürdig es ist, dass Familie Curtis scheinbar die einzigen sind, die rechtzeitig auf den Trichter kamen, zu fliehen. Da kracht mal eben die U-Bahn aus einem Loch im Boden, der sich gerade aufgetan hat und die Stretch-Limo zwängt sich durch ein Hochhaus, dessen Decke eigentlich schon eingestürzt ist. Weiter geht es per Flugzeug, während die Lande- und Startbahn sich genüsslich in Luft auflöst. Ganze Landstriche werden vaporisiert und eingestampft und unsere Family mittendrin. Die Zerstörungen sind so haarsträubend wie das ständige Überleben unserer Hauptfiguren, die Mal um Mal im wirklich allerletzten Moment doch noch die Kurve kratzen. 2012 wirkt in seiner Effektwucht und Zerstörungswut so selbstbewusst, als wolle er für die nächsten 10 Jahre weitere Katastrophenfilme verhindern. Das ist meist mächtig beeindruckend, ist laut, wild, hektisch und pompös, ja teils sogar einfallsreich, wenn in Brasilien oder im Vatikan augenzwinkernd-platt mit biblischen Motiven gespielt wird, ist aber auch so spektakulär wie blödsinnig. Das erneute Wiedersehen mit Woody Harrelson macht nicht so wirklich Sinn, die Handlungen der Regierungsmitglieder sind noch reichlich nebulös und irgendwie wirkt es auch recht merkwürdig, dass einige Standorte noch relativ gut in Schuss sind, während die Kontinentalplatten doch eigentlich lustig über die Erdoberfläche eiern. Zudem wechselt das Skript immer nur reichlich kurz zu anderen Standorten, um dort in guten Momenten ein Storyfragment anzudeuten, meist aber um mal nicht in den USA zu wüten.

Völlig überraschend nimmt Emmerich in der zweiten Hälfte immer häufiger mal den Fuß vom Gaspedal. Vielleicht ist ihm selbst aufgefallen, dass sonst der Eindruck entstünde, die Animationskunst stehe über allem. Tut sie hier natürlich und manchmal ermüdet es auch tatsächlich, zu sehen wie Pixel durch die Gegend purzeln. Dass dies selten passiert liegt an der atemberaubenden Qualität der Effekte und an eben diesen Pausen im Effektgewitter. Handlung genannt. Familie Curtis hangelt sich episodisch näher an die ungewisse Rettung heran und dazu gibt es wenig subtilen Humor und Zwischenmenschliches aus dem Vorabendprogramm. John Cusack, Amanda Peet und die Kinder sind aber sympathisch genug, dass sie das knappe Material nicht zu nervig aussehen lassen. Es sind Katastrophenfilm-Standards, aber als solche sind sie erträglich. Natürlich gibt es einen Rettungsplan für einige auserwählte Menschen dieser Welt. Angeblich, so erklärt ein Verantwortlicher, wurden tatsächlich Leute getestet und ausgewählt, während man Korruption und Schwarzmarkt wohl dazu nutzte, den ganzen Krempel zu finanzieren. Statt unterirdischen Bunkern gibt es hier Schiffe, wie uns Harrelson schon verriet, die man sich mit einer geradezu lächerlichen Beiläufigkeit in unrealistisch kurzer Zeit an einem denkbar merkwürdigen Platz herausgewürgt und hergezaubert hat. Und endlich dann gibt’s auf die Mütze. Weniger mit Effekten als vielmehr mit einer Stimmung, die Emmerich wie kaum ein Zweiter in klebriger Dominanz auf Film bannen kann: Sentimentalität und Pathos.

Es gibt zum Glück keine ganz so arg pathetischen Präsidentenreden wie in Independence Day, die familiären Herzschmerzarien fallen weniger kitschig aus, wie z.B. in Der Patriot und auch die Opferbereitschaft mancher Menschen hätte man penetranter inszenieren können. Dennoch staut sich das gesamte Gesäusel im letzten Akt wie das Wasser rundherum und irgendwie ist es uns erschreckend egal, dass mehrere Milliarden Menschen verreckt sind, so lange von den paar Auserwählten möglichst viele überleben. Das ist zwiespältige Film-Empathie, aber auch die ist bekannt. Wirklich packend und überzeugend ist am Ende leider weder die kleine Aufgabe an Bord, noch die große für die Menschheit. Das ist das Problem, wenn man seine besten Szenen schon nach 45 Minuten raus haut. Danach kommen nämlich noch mehr als 100 Minuten, die zwar weiterhin harmlos-unterhaltsam bleiben, sich aber nicht mehr steigern. Ganz einfach auch, weil der Film ein wenig zu lang ist. Oder vielleicht nicht zu lang, aber zu voll gestopft mit Nebenhandlungen, die sich irgendwann im Nichts verlaufen. Und was lernen wir am Ende daraus, nach 158 anspruchslosen aber unterhaltsamen Minuten? The Day after Tomorrow bekam sogar Umweltschutzpreise, weil uns der Roland vor der Klimakatastrophe gewarnt hat und das wohl sogar wirkungsvoller als Al Gore. 2012 zeigt uns, dass wir am besten jung, potent, extrem reich und bestenfalls amerikanisch sind, um gerettet zu werden. Es soll ja tatsächlich Leute gegeben haben, die besorgt bei der NASA anriefen, um zu fragen, ob wir 2012 denn wirklich alle sterben werden. Ist ja auch ein gaaanz neuer Einfall, den Emmerich und Kloser da hatten, auf diesen ominösen Maya-Kalender zu verweisen. Was Ende 2012 auch immer auf uns wartet: Der Emmerich hat’s gewusst.

Fazit:
Protziges Weltuntergangsbombastkino mit sensationellen Effekten, vielen Schauwerten und gehörigem Drive. Dazwischen kurbelt Emmerich ein wenig einfallslos eine Standardhandlung für Katastrophenfilme ab, die zwar ein paar Nebenhandlungen zu viel hat und den Film damit zur Über-Überlange führt, die aber auch noch dämlicher hätte ausfallen können, ja sogar erstaunlich viel Raum einnimmt. So bleibt der neueste Emmerich eine satte Tüte Popcornkino, mit der man im dröhnenden Kinoambiente eine gute Zeit haben wird. Viel mehr wird danach nicht drin sein.

5 / 10

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