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(500) Days of Summer
von Christian
Westhus
Story:
Dies ist die Geschichte von einem Jungen und
einem Mädchen. Aber keine Liebesgeschichte.
Zumindest, wenn es nach Summer (Zooey Deschanel)
geht. Einer ganz normalen jungen Frau, die aber so
normal dann doch nicht ist. Zumindest, wenn es nach
Tom (Joseph Gordon-Levitt) geht. Denn Tom liebt
Summer, seine neue bezaubernde Kollegin, doch sie
nicht ihn. Vermutet er, weil sie nichts Ernstes und
nur etwas Spaß haben will. Sagt sie jedenfalls, aber
empfindet vielleicht anders. Hofft Tom, der seine
Träume mit ihren Wünschen in Einklang zu bringen
versucht.
Nur Freunde sollen sie also sein, weil das einfach
ihre Antwort ist und er nicht weiter zu fragen wagt.
Freunde, die sich aber plötzlich küssen, schließlich
das Bett und große Geheimnisse miteinander teilen.
Was ist das, das diese beiden verbindet? Tom, im
romantischen Rausch, ist sicher: Das ist Liebe. Was
aber denkt Summer, das magische Mysterium? Und noch
entscheidender: Was fühlt sie...?.
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Joseph
Gordon-Levitt spielte 2009 Cobra Commander in
G.I. Joe: The Rise of Cobra |
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Kritik:
Es braucht manchmal gar nicht viel, um ein
totgefahrenes Genre neu zu revitalisieren. Hollywood
hat die romantische Komödie in den letzten
Jahrzehnten mehr und mehr verkommen lassen, was bei
der trendigen aber stillosen Kurzform „Rom-Com“
anfängt und bei launischen Stars in den Hauptrollen
aufhört. Dazwischen liegen meist schale Gags um
neckische Geschlechterklischees, die wir eigentlich
alle schon kennen und final hüllt es der Hauch von
Profit-Kalkül in einen klebrigen Mief. (500) Days
of Summer ist nun die spritzigste und – klar
gesagt – beste romantische Komödie der letzten
Jahre, einfach weil gar nicht versucht wird, eine
solche zu sein.
Es geht um Liebe, aber es ist kein Liebesfilm. Das
macht uns schon der Erzähler klar, der wunderbar
trocken und seriös das Geschehen kommentiert, ohne
sich zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Ein Film
über die Liebe, über die guten und die schlechten
Seiten und wer nach der herrlich bissigen Widmung,
die der Film voran stellt, noch glaubt, hier auf das
größt-mögliche „happily ever after“ zuzusteuern,
sitzt entweder im falschen Film oder ist einfach ein
hoffnungsloser Romantiker. Vielleicht auch Tom,
unserer Hauptfigur, gar nicht so unähnlich. Tom
glaubt an die große Liebe und weil sich die bisher
noch nicht eingestellt hat, bläst er reichlich
Trübsal. Als er auf die kesse Summer trifft stürzt
er sich Hals-über-Kopf in die Vorstellung, dass sie
und nur sie die einzig Wahre für ihn ist. Blöd nur,
dass Summer nicht an wahre Liebe glaubt.
500 Tage gibt der Titel unserem Tom. 500 Tage mit
Summer, von denen natürlich einige sonnig, heiter
und glücklich sind, von denen andere aber auch
frustrierend, bitter und kalt sind. In niedlich
entworfenen Titelbildern springt die Handlung durch
diese 500 Tage und das unchronologisch. Wir fangen
irgendwo weiter hinten an, springen zurück, bewegen
uns langsam vorwärts und springen wieder. Die
Übersichtlichkeit und Orientierung wird dadurch
dennoch zumeist gewahrt.
Aber warum das alles? Zunächst versperrt sich das
Skript damit dem typischen Rom-Com-Handlungsablauf,
bestehend aus erstem Treffen, Liebe, glücklichen
Momenten, erster Krise, Versöhnung, großer Krise,
Trennung und finaler und endgültiger Versöhnung. Die
unchronologische Handlung nimmt diese Geflechte
genauer unter die Lupe, kontrastiert das eine Gefühl
stets mit dem anderen, so dass Romantik meist sofort
Wehmut und Melancholie entgegen gesetzt wird. Das
macht den Film weniger vorhersehbar, hält den
Kitsch-Faktor klein und fasziniert mit einer
interessanten Parallelität der Ereignisse. Wir
werden zum Beziehungsberater und gleichzeitig können
wir uns beherzt fallen lassen in eine Geschichte,
die erfreulich ehrlich und herzlich ist.
Zur echten Rom-Com fehlt nämlich noch der Humor und
auch hier geht (500) Days of Summer andere
Wege. Das fängt z.B. beim Wortwitz an, der locker,
originell und teils ziemlich frivol ist, ohne plump
und ordinär zu werden. Das ist teilweise so gewitzt,
dass die deutsche Synchronisation kapitulieren muss,
denn der Anal-Girl-Witz z.B. funktioniert so im
Deutschen einfach nicht. Und wenn man gerade mal
nicht lautstark vom primären Geschlechtsorgan des
Mannes spricht, dominieren die sympathischen Figuren
die Szenerie. Der Humor wird nicht in die
Vordergrund gestellt, sondern ergibt sich aus
Situationen, aus Dialogen oder an der entwaffnenden
Art der Charaktere.
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Zooey Deschanel
ist Sängerin eines Indie-Projektes
namens She and Him |
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Trotz eines teils wehmütigen Umgangs mit Liebe, ist
der Film voll mit Wohlfühlmomenten, denen man sich
kaum entziehen kann. Das trifft auf die romantische
Liebeskomponente zu, die in ihren Hochszenen einfach
mitten ins Herz geht, als auch auf kleinere Szenen
und Sequenzen die zwar nicht selten unrealistisch,
dafür aber wirkungsvoll sind. Das verspielte „Wir
spielen Ehepaar in der gemeinsamen Wohnung“ im
schwedischen Möbelhaus ist sicherlich eine
Highlightszene, da sie clever und originell auch
über den Teller mit Falschgoldrand schaut. Der Tanz
auf der Straße ist natürlich irreal und filmisch,
vielleicht sogar albern, aber einfach ein
unwiderstehlicher und zutreffender Ausdruck von
Glücksgefühlen. Und gerade wenn man denkt, die
kreativen Einfälle würden abnehmen, kommt eine
grandiose Splitscreen-Sequenz daher, die die
ambivalente Gefühls- und Stilwelt des Films in
fantastischen drei, vier Minuten zusammenfasst.
Regisseur Marc Webb hat noch mehr visuelle Einfälle
in petto und erfreut sich auch sichtlich daran,
diese immer mal wieder einzubringen, auch wenn nicht
alle davon Sinn ergeben. Man könnte sogar sagen,
dass manche der visuellen Spielereien tatsächlich
nicht mehr als Spielereien sind und quasi
selbstzweckhaft, hip und gewollt cool sind. Aber um
sich daran tatsächlich zu stören, muss man schon ein
Herz aus Stein haben. Man kann dem Film nur schwer
böse sein. Letztendlich schwebt der Film in seiner
ausgewogenen Art zwischen Experiment, Emotionen und
Ernst irgendwo zwischen Before Sunrise und
Die fabelhafte Welt der Amélie, auch was die
letztendliche Qualität des Films betrifft, die
beachtlich ist.
Die Darsteller sind eben auch nicht die typischen
Szene-Stars, die nach einem Kino-Hit und
Serienerfolg in ein Starverhikel gezwängt werden.
Mit großer Natürlichkeit und Spielfreude wachsen uns
sowohl die Hauptfiguren, als auch die Nebenfiguren,
wie Toms bester Kumpel oder die äußerst direkte
kleine Schwester beispielsweise, schnell ans Herz.
Besonders Zooey Deschanel verdreht einem als die
ewig Wechselwillige, die Undurchschaubare und
Unwiderstehliche dermaßen den Kopf, dass man schon
traurig sein kann, wenn man irgendwann nach dem Film
realisiert, dass es die Trailer-Szene mit den 50
Zooeys im Bus nicht in den Film geschafft hat. Und
Joseph Gordon-Levitt trifft als Tom genau die
richtigen Stellen zwischen Bodenständigkeit,
Verletzlichkeit und Romantikerseele. Das
ausgeklügelte Drehbuch überlässt auch nichts dem
Zufall und entwickelt sogar aus Toms Beruf
(Werbetexter für Grußkarten) und seiner wahren
Berufung (Architekt) mehr kluge Gedanken, als andere
Filme dieser Art über die gesamte Laufzeit
entwickeln.
Der Film steckt voller popkultureller Referenzen,
verweist auf Ringo Starr als Summers
Lieblingsbeatle, nutzt ‚The Smiths’ für die
Kontaktaufnahme zwischen ihr und Tom, und
präsentiert in einer schrägen Schwarz-Weiß-Szene
Bergman auf Französisch. Der wunderbare Soundtrack
bietet zudem eine gelungene Mischung aus
alternativen Pop-Songs, Klassikern und Retro-Musik.
Und obwohl auf (500) Days of Summer all die
Attribute wie realistischer, anspruchsvoller,
cleverer, alternativer oder origineller zutreffen,
haben wir es nicht mit einem Liebesfilm für
Intellektuelle zu tun. Zu verspielt die Umsetzung
und zu gewitzt der Umgang mit Popkultur und Kunst.
Spätestens bei der ironischen Museumsszene fällt es
auf.
Man kann darüber streiten, ob der Film in seiner
bewussten Andersartigkeit vielleicht zu bewusst auf
das etwas andere, alternative und pseudo-hippe
Publikum schielt. Vielleicht tut er das, aber ist
das verwerflich? Für einen Film wie diesen ist man
dankbar und man trägt noch Tage lang ein wohliges
Gefühl mit sich herum, wenn man sich an den Film
zurückerinnert. Da stört auch nicht der etwas schale
Wortwitz im allerletzten Satz, denn der Weg dort
hin, das unchronologische, anspielungsreiche und
ehrliche Auf und Ab einer Beziehung, lässt über so
eine Kleinigkeit schnell hinweg sehen.
Fazit:
(500) Days of Summer ist die etwas andere
Liebeskomödie und eine der besten seit vielen
Jahren. Mit Erzählstimme, Tanzeinlagen,
Traumsequenzen und weiteren Spielereien nehmen wir
an der unchronologisch erzählten Liebesgeschichte
teil, die von zwei tollen Hauptdarstellern belebt
wird. Liebe wird hier ernst und ehrlich behandelt
und so gibt es neben großen Wohlfühlszenen auch
Bitterkeit und Resignation. Experimentell und
anders. Und unwiderstehlich.
9 / 10 |