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KRITIK:

96 Hours


von Christian Mester

TAKEN (2010)
Regie: Pierre Morel
Cast: Liam Neeson, Maggie Grace

Story:
Ex-Eliteagent und Familienvater Mills (Liam Neeson) lässt seine Tochter Kim (Maggie Grace) nur ungern allein nach Paris reisen... und soll mit seiner Sorge Recht behalten. Kim wird von Menschenhändlern entführt, die es alsbald mit dem ehemaligen Terrorexperten zu tun kriegen.

 

Kritik:
Was wurde im Vorfeld nicht alles diskutiert: Liam Neeson in einem reinrassigen Actionthriller? Das konnte doch nicht funktionieren. Gut, der Mann hat mit "Batman Begins", "Star Wars Episode 1: Die dunkle Bedrohung" und "Königreich der Himmel" schon einiges an Action gemacht, war darin aber immer der ernste Part, der Mentor, ein ehemaliger Held, der jemand Jüngeres den Weg wies.

Von "96 Hours" war jetzt in erster Linie eines zu erwarten: ein eher sanfter Thriller der Marke "Firewall", in dem zwar ein bisschen was explodiert, dessen Action aber immer handzahm und stilvoll bleibt. Welch Irrtum. "96 Hours" ist offen gesagt der beste Steven Seagal-Streifen, den Seagal selbst nie gemacht hat.

Mit seinen über 1,90m ist der Ire zwar ohnehin eine beeindruckende Gestalt, aber wie er selbst schon als Ra's al Ghul sagte, wird man ja in erster Linie durch das definiert, was man tut, nicht durch was man sagt... und gesagt ist getan. Selten fegte ein erstklassiger A-Schauspieler so brachial und Präsenz ergreifend über die Leinwand wie in "96 Hours". Neeson's Charakter mag zwar ein liebender Daddy sein, ist ansonsten aber alles andere als ein Waschlappen. Mit großartiger Intensität jagt er die Entführer seiner Tochter und bricht dabei Knochen wie andere Familienväter Salzstangen vorm Fernseher. Zwar holt er nie zum Van Dammeschen Spagat aus oder reibt sich den durchtrainierten Body ein, aber das braucht er auch gar nicht. Neeson verkörpert Mills als authentischen Fachmann der Kunst des Tötens.

Überraschend ist, dass Regisseur Morel nicht davor zurückschreckt, richtig harte Actionszenen zu zeigen. Wie in den besten Tagen Seagals geht es also äußerst hart zur Sache, ohne dabei aber je in exzessives Blutbad ala "Rambo 4" auszuarten. Hervorragende Schusswechsel, Nahkämpfe und Verfolgungsjagden wechseln sich ständig ab, sodass man als Actionfan wirklich vollkommen auf  seine Kosten kommt. Während Powerhorse Neeson mit unbändiger Kraft durch den Film jagt und das einen Riesenspaß macht, sind die Randerscheinungen eher minderwertig. Maggie Grace (Shannon aus "Lost") flennt sich übertrieben aufgedreht als junge Tochter durch ihre Szenen, Famke Janssen, Holly Valance und Xander Berkeley sind in ihren Nebenrollen allenfalls auf TV-Niveau und auf Seiten der Bösen fehlt es sogar vollkommen an Bezugspersonen. Zum Glück sind sie alle nur Randgestalten für Neesons Wutlauf.

Fazit:
Action vom Fass: Liam Neeson wischt den Boden mit seinen Gegnern auf und macht die zwei Stunden von "96 Hours" zu zwei recht unterhaltsamen.

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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