Story:
Vor über 40 Jahren wurde
Marie Jones als kleines Baby in ihrer Heimat Russland von einer britischen
Familie adoptiert. Mittlerweile lebt sie in den USA, hat selbst eine Tochter im
Teenager-Alter. Als Marie von einem russischen Anwalt mitgeteilt bekommt, dass
sie das Haus ihrer verstorbenen leiblichen Mutter geerbt hat, kehrt sie an den
Ort ihrer Geburt zurück.
Das heruntergekommene Anwesen liegt abgelegen mitten im Sumpf, nur mit Hilfe des
schroffen einheimischen Führers Anatoliy findet sie überhaupt den Weg dorthin.
Doch dann ist Anatoliy plötzlich verschwunden. Es bleibt ihr nichts anderes
übrig, als alleine das verfallene Anwesen zu durchsuchen. Schnell stellt sie
fest, das sie nicht alleine ist…
regie :
nacho cerda
cast :
anastasia hille
kritik :
tobias hohmann
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Kritik:
„The Abandoned“ ist
ein sehr spannender, fesselnder Horrorfilm der den Beweis antritt, das ein
gelungener Genrefilm weder übertriebene Härte noch ein großes Budget benötigt;
Atmosphäre, Stil und Originalität reichen – und davon bietet der spanische
Streifen reichlich.
„The Abandoned“ stammt aus der Filmax Schmiede, einer spanischen
Produktionsfirma unter der Leitung von Juan Fernandez. Filmax hat schon einige
sehr gelungene Filme hervorgebracht – sei es nun „Fragile“ von Jaume Balaguero´,
der vor kurzem mit „REC“ große Erfolge feierte, oder auch „The Machinist“ mit
Christian Bale in der Hauptrolle unter der Regie von Brad Anderson, der wohl die
Regie des „Crazies“ Remake von George A. Romero übernehmen wird.
Nacho Cerdan war bei „The Machinist“ verantwortlich für das Making of des Films
und gibt mit „The Abandoned“ sein Regiedebüt. Und das hat es in sich.
Der Film ist nicht nur spannend, sondern wirklich gruselig und packend.
Dabei zielt er jedoch sehr bewusst auf ein etwas anspruchsvolleres Publikum und
vermeidet zumeist billige Schockeffekte. Der Horror entfaltet sich langsam und
ist eher psychologischer Natur. Es passiert nicht viel, aber die stimmige Art
und Weise, wie Cerdan das Geschehen vorantreibt und arrangiert, lässt einem eine
Gänsehaut nach der anderen über den Rücken laufen. Schon das Aussehen und die
Art der Einführung der „Wiedergänger“, lassen dem Zuschauer den Atem stocken.
Die atmosphärisch dichte Inszenierung, die des Öfteren an das Spiel „Silent
Hill“ erinnert – hier wie dort ist häufig lediglich eine Taschenlampe die
einzige Lichtquelle –, nimmt den Zuschauer den kompletten Film über gefangen.
Der Schluss von „Blair Witch Project“ dürfte ebenfalls eines der visuellen
Vorbilder gewesen sein.
Wer jetzt jedoch einen simplen
Horrorfilm um ein verfluchtes Gebäude erwartet, liegt völlig falsch. Sowohl
inhaltlich als auch inszenatorisch werden bewusst andere Wege eingeschlagen.
Wähnt man sich anfangs in einer zwar gelungenen, jedoch recht konventionellen
Ghost House Story, spielt Cerdan mit der Erwartungshaltung des Zuschauers und
bereichert die Geschichte immer wieder, in dem er parallele Realitäten und
Zeitsprünge einbaut. Was dabei nun Realität und was Fiktion oder sogar der
beginnende Wahnsinn der Protagonisten ist, lässt er dabei völlig offen und
fordert den Zuschauer zum mitdenken auf – auch über das Ende hinaus.
Je länger „The Abandoned“ läuft, desto mehr ahnt man, das weitaus mehr hinter
der Story steckt, als es zu Beginn den Anschein hat. Die ambitionierte
Erzählweise mag den einen oder anderen überfordern – so sind sehr deutliche
Parallelen zu David Lynch Filmen erkennbar -, insgesamt gesehen ist es jedoch
genau dieser ungewöhnliche Mix aus Horror- und Kunstfilm, der den Streifen
deutlichst über den Durchschnitt hebt.
Auch den Wechsel zwischen ruhigen, langsamen und schnelleren, temporeicheren
Szenen, mit einem betont hektischerem Schnitt beherrscht der junge Regisseur.
Doch nicht nur die Geschichte überzeugt, auch visuell ist „The Abandoned“
überraschend gelungen. Die Szenerie ist gewollt kalt, düster und realistisch.
Bulgarien, das hier für Russland herhalten musste, bietet die perfekte Kulisse,
so das auch die Außenaufnahmen und Landschaftsbilder restlos überzeugen können.
Cerdan und Fernandez holen aus dem 3 Millionen Dollar Budget nun wirklich auch
den letzten Cent heraus. Selbst die wenigen, jedoch dramaturgisch sinnvollen,
Special Effects am Ende sehen hervorragend aus.
Sehr positiv muss auch noch der Score von Alfons Conde erwähnt werden:
Unauffällig, aber stets passend, und in den richtigen Momenten auch dramatisch,
unterstreicht er perfekt die düstere Atmosphäre.
Die wenigen negativen Punkte von „The Abandoned“ fallen da kaum ins Gewicht,
sollen jedoch nicht verschwiegen werden: Die Schauspieler sind solide, aber
nicht wirklich hervorstechend; sie fallen weder positiv noch negativ auf.
So selten und erfreulich es auch ist, das man in einem Genrefilm erwachsene,
denkende Menschen als Identifikationsfiguren zu sehen bekommt, fällt doch auf,
wie unerhört gelassen Marie und Nicolai reagieren. Das ist schon sehr
unglaubwürdig bei dem, was sie da erleben.
Wie schon gesagt: Einige könnten von Condes wirren Spiel mit Zeiten, Realitäten
und psychologischen Erklärungsversuchen überfordert sein, gerade und besonders,
weil die ersten 50 Minuten wie ein typischer Ghost House Vertreter wirken.
Dieser Wechsel erfolgt sehr plötzlich und beraubt dem Film kurzfristig seiner
Dichte, auch wenn es nur von kurzer Dauer ist.
Auch sollte man sich im Klaren darüber sein, das am Ende nicht alles schlüssig
und logisch wirken muss, sondern einiges durchaus im Unklaren bleibt. Man sollte
mitdenken und sich selbst ein Urteil bilden wollen, sonst könnte man enttäuscht
sein, da einem die Lösung nicht auf dem Silbertablett serviert wird.
Größtes Manko aus meiner Sicht ist die Laufzeit: Da es zum Ende hin - wie schon
gesagt - ein paar Stilbrüche gibt, wären ein paar Minuten Laufzeit mehr ein
Segen. So fühlt sich der Zuschauer zum Schluss ein wenig aus dem Szenario
hinausgeworfen
Fazit:
„The Abandoned“ ist
ein ganz klarer Geheimtip. Ein hervorragender Horrorfilm, der gekonnt mit den
Versatzstücken des Genres und der Erwartungshaltung des Publikums spielt, jedoch
eher auf ein anspruchsvolleres Publikum, abseits des Mainstreams, zielt. Einem
Streifen dieser Klasse wäre ein Kinorelease zu wünschen gewesen. Die kleineren
Mängel fallen kaum ins Gewicht..
7 / 10
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