Story:
Rückblick: nach dem Aufdecken einer großen Verschwörung wurde Agent Fox Mulder
ein unfairer Prozess gemacht, den er nicht gewinnen konnte. Seine Freundin Dana
Scully half ihm schließlich zu fliehen; seither waren beide als Paar
untergetaucht. < so endete die Serie
Jahre später. Fox Mulder (David Duchovny) lebt noch immer geheim in einem
Versteck, während seine Freundin Dana Scully (Gillian Anderson) in einem von der
Kirche betreuten Krankenhaus als Ärztin arbeitet. Eines Tages wird sie von einer
Agentin gefunden, die Hilfe von Fox Mulder ersucht. Eine Kollegin wurde entführt,
und ein geheimnisvoller Priester (Billy Connolly) meint sie in Visionen sehen zu
können. Jetzt kann nur noch der Experte für Übernatürliches helfen...
regie :
chris carter
cast :
david duchovny, gillian anderson
kritik :
christian mester
____________________________________________________________________________
Kritik:
Der zweite Film zu
Akte X wollte drei Dinge auf einmal schaffen - es sollte
ein akkurates Comeback der beiden beliebten Figuren werden, es sollte
alle Qualitäten einer typischen Monster-of-the-Week Episode besitzen und
letztendlich einem weiten Publikum zugänglich sein - Akte X 2 schafft nur
eins davon.
|

"Bringt mir den Flukeman!"
|
|
Lange ist es her, dass Mulder und
Scully die Fernsehbildschirme eroberten, aber trotz einiger dramaturgischer
Schwächen und Mulders Verschwinden gegen Ende der Serie hielt sie bis zum
Schluss ein tolles Niveau, nicht zuletzt wegen der beiden erstklassigen
Darsteller.
Das schaffen sie auch im zweiten Kinofilm. David Duchovny ist mal wieder der
optimistische Draufgänger und Scully die glaubensstarke Zweiflerin, allerdings
dieses mal in etwas anderem Gefüge. Was Serienerfinder Chris Carter mit beiden
Figuren macht, ist äußerst gelungen. Zum einen passt nun ihre Beziehung
zueinander (sie nennen sich zwar noch beim Nachnamen, duzen sich aber und teilen
auch das Bett), zum anderen machen beide Figuren aber starke Entwicklungen
durch an denen beide reifen.
Scully wünscht sich ein ruhiges Leben als Ärztin und das Mulder sich in Zukunft aus
gefährlichen Angelegenheiten raushält, die ihn - wie auch in diesem Film - den
Kopf kosten könnten. Mulder aber kann nicht ewig nur herum sitzen: er muss
wieder dabei sein und das tun, was er am besten kann. Gleichzeitig folgt Scully
ihrem eigenen Pflichtgefühl und kämpft im Krankenhaus um einen eigenen Fall,
ebenso um Menschenleben wie Mulder es tut. Daraus folgt ein äußert dichtes
Charakterwerk, in dem etliche Ereignisse der Figuren aus ihrer Vergangenheit
eine Rolle spielen - sei es Scullys Irrweg mit ihrem Glauben, sei es Mulder mit
seiner Schwester, sei es ihr gemeinsames Kind William oder noch vieles mehr - es
wird zwar nicht explizit gesagt, aber kennt man die Serie und die Figuren, ist
es offensichtlich und äußerst tiefsinnig.
Das Problem ist, dass Außenstehende damit nicht viel anfangen werden. Kennt man
die Hintergründe der Figuren nicht, ist es eine ungemein anstrengende und
planlose Diskussion, die sich durch den gesamten Film zieht. Im ersten Film
wurde dies besser gefasst, denn da war Scully schlichtweg die Vernünftige und
Mulder der lustige Vogel - in Jenseits der Wahrheit haben beide kaum Zeit dazu.
|

"Irgendwo unter dem Eis da, da ist es - das
Niveau."
|
|
Musikalisch als auch optisch
lehnt sich der Film in Richtung des Films Der eisige Tod, der ebenfalls eine
Schneelandschaft mitsamt Dunkelheit als gruseliges Szenario wählte. Mark Snows
Musik ist sehr unheimlich und Chris Carter fängt den Film ganz solide ein, auch
wenn so manche Actionsequenz
in zu wirrem Kameragewackel endet.
Xzibit und Amanda Peet kriegen kaum Szenen, sodass man sie weder kritisieren,
noch loben kann. Ganz gut dagegen ist Billy Connolly, der als schräger Priester
überzeugt, insgesamt aber auch zu einspurig ist. Denkt man an denkwürdige
Figuren wie Clyde Bruckmann, den Pusher oder Eugene Tooms, so sind die neuen
Charaktere für Akte X-Verhältnisse allenfalls mittelprächtig.
Das große, massive und unübersehbare Problem des Films - und der Hauptgrund für
die eher schlechte Wertung - ist die Story. Im Prinzip ist sie ganz gut und
bietet auch jede Menge Potential für gruselige Szenen, aber sie
ist sehr unspektakulär inszeniert und hat kaum Höhepunkte. Es gibt keinen
vernünftigen Showdown, keinen wirklichen Hauptbösewicht und kommt in Sachen
Kreativität längst nicht an die besten Monster-of-the-Week Folgen heran.
Auch ist Jenseits der Wahrheit sehr klein; gab es im ersten Film noch
Hubschrauberjagden, Explosionen und lange Fahrten, wird im zweiten meist
nur zu Fuß marschiert oder in Gebäuden gesprochen. Echte Aus-einandersetzungen
oder Verfolgungen gibt es fast überhaupt nicht.
Zudem ist all die Geheimniskrämerei, die um das "Böse" in diesem Film gemacht
wurde, unnütz, denn das Geheimnis ist schwach und spielt für Regisseur Carter
scheinbar eh keine Rolle.
Was er machen wollte, war eine Fortführung der komplizierten Beziehung von
Mulder und Scully - was ihm auch gelang. Als unterhaltsame neue Episode von Akte
X , als Comeback, als Anschluss an den hervorragend abwechslungsreichen und
spannenden ersten Film bleibt er jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Für
Fans der Serie ist der Umgang mit den Figuren toll (und der kleine Cameo einer
bekannten Figur so überflüssig er auch sein mag, ist okay), nicht aber ihre
Handlungen oder der Fall. Wer Akte X überhaupt nicht kennt, der sollte einen
gewaltigen Bogen um diesen Streifen machen, denn für Neulinge ist er nur
verwirrend und als reiner Horrorthriller viel zu schwach.
Will man danach einen dritten Teil? Mit Sicherheit, aber dann sollte er in
erster Linie eine interessante Geschichte haben und nicht nur davon leben, dass
Fans die Figuren mögen.
Fazit:
Akte X 2 ist ein
mittelprächtiger Mysterythriller mit Stärken und Schwächen, der aber in Folge
der Erwartungen doch eher enttäuscht. Kein schlechter Film, aber auch kein
wirklich guter.
p.s.: Dass Mulder seine gewohnte Synchronstimme nicht mehr hat, ist schade und
stört. Sein Ersatz kriegt zumindest die Pointen ähnlich hin.
5 / 10
_____________________________________________________________________________
:::::...: Diskussion im Forum
|