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KRITIK:
AUFTRAG RACHE
von
Christian Mester
EDGE OF DARKNESS (2010)
Regie: Martin Campbell
Cast: Mel Gibson, Danny Huston
Story:
Als die Tochter des alten Polizisten Thomas
Craven (Mel Gibson) bei einem Anschlag erschossen
wird, vermutet der Beamte zunächst einen Racheakt
auf sich. Craven forscht nach und findet heraus,
dass sein Kind in ein gewaltiges Komplott verstrickt
war...
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Weil niemand PASSION CHRISTI produzieren
wollte, finanzierte
Gibson den Film aus eigener Tasche. Sein Gewinn: mehrere
hundert Millionen Dollar |
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Kritik:
Die grundlegende Geschichte von „Edge of Darkness“
ist konzeptionell gelungen, wenn auch relativ
typische Kost. Vater verliert Tochter und rächt sich
an allen Verantwortlichen. Material, das ein
versierter Regisseur für gewöhnlich im Schlaf
abhandeln kann und eine Rolle, die in der Regel
immer interessant ist. Eine emotional angeschlagene
Figur, die zähneknirschend Rache ausübt? Klingt
voraussichtlich nach einem tollen Projekt für beide
und einem sehenswerten Film, doch „Auftrag Rache“
ist weder toll, noch so richtig sehenswert.
In erster Linie ist das Problem bei Campbell zu
suchen, denn nachdem er mit „Casino Royale“ einen
der besten Actionfilme der letzten Jahre ablieferte,
ist „Auftrag Rache“ eine schiere Enttäuschung.
Action gibt es nahezu keine. Die wenigen Momente
finden sich bereits fast alle im Trailer und sind
kein einziges Mal näher der Rede wert. Craven
erschießt einige Menschen und prügelt sich,
allerdings sind seine Gerangel unglückliches
Herumgetaumel, die Schussszenen platte Exekutionen.
Auf dynamische Kämpfe könnte man getrost verzichten,
wäre die eigentliche Ermittlung stattdessen
mitreißend – ist sie nicht. Craven ist nicht einmal
ein besonders guter Detective, da er von einem
Verdächtigen zum nächsten geschickt wird und sich
alles von anderen erklären lassen muss.
Problematisch ist, dass man ihm als Zuschauer oft
voraus ist.
Während Craven meistens noch fragend durch die
Finsternis tappt, weiß man früh, wer der eigentliche
Drahtzieher ist und kann sich auch selbst
zusammenreimen, was das größere Motiv ist. Es bremst
jegliche Spannung, da sich die gesamte Handlung
somit im Vorfeld offenbart und man konsequent darauf
wartet, dass Craven irgendwann mal aufschließt.
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Sieht man bei diesem Bild genauer hin,
fällt einem auf, dass Matt Damon tatsächlich nicht zu sehen
ist |
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Ernüchternd für Campbell, da der zweimalige
Bond-Wiederbeleber (er drehte auch "GoldenEye") auf
der ganzen Linie enttäuscht. Seinem neuen Thriller
fällt es völlig an Thrill und Drive, da das gesamte
Geschehen langatmig und ohne jegliche Höhepunkte
verläuft. Schlimmer ist jedoch, dass „Edge of
Darkness“ im Kitsch ersäuft. Nicht nur, dass Craven
seine (erwachsene) Tochter unentwegt seinen Engel
nennt, erscheint sie ihm auch noch am laufenden
Band. Craven unterhält sich mit dem Geist seine
Tochter und erinnert sich an strahlende
Kinderzeiten, die für sich niemals zur Story
beitragen. Dass Craven seine Tochter liebte und
tragisch getroffen ist, erklärt sich schließlich von
selbst. Man ist anfangs mit dabei, als die junge
Frau vor seinen Augen mit einer Shotgun zersiebt
wird. Eigentlich unfassbar, da Campbell das Material
besser als jeder andere verstehen müsste. Vor rund
25 Jahren drehte er es bereits zum ersten Mal als
Serie für das britische Fernsehen, die großen
Anklang fand, mit Preisen überhäuft wurde und auch
heute noch als ansprechend gilt.
Gibson macht selbst eine nur mäßige Figur. Es ist
zwar erfreulich, ihn nach all den Jahren wieder im
Kino zu sehen und er hat noch immer das gewisse
Star-Feeling, das Sympathie ausstrahlt und Tolles
vermuten lässt, aber als Thomas Craven gähnt er sich
relativ lethargisch durch einen nur wenig
aufregenden Fall. Es mangelt an ernstzunehmenden
Emotionen und Badassery, nur teilweise kommt
Intensität durch, die man sich gern über den
gesamten Filmverlauf wünschen würde. Der Spruch „zu
alt für den Scheiß“ scheint hier leider vollends zu
sitzen, da Gibson pulsarm und leblos agiert. Danny
Huston, der einen zwielichtigen Unternehmer spielt,
verfällt einmal mehr in schlimmes Overacting; der
einzige, der aus dem Ganzen halbwegs gewappnet
herauskommt, ist Ray Winstone. Winstone (Mac aus
„Indiana Jones 4“) spielt einen geheimnisvollen
Eliteagenten, der Craven auf seiner Tour unterstützt
und ihm ratsam zur Seite steht.
Insgesamt eine sehr
marode Inszenierung, die viele Fragen aufwirft.
Merkte niemand im Schnitt, wie undynamisch das
Ergebnis ist? Wie schwach gespielt und oberflächlich
es als Drama ist und dass es an echten Höhepunkten
mangelt? Ist Gibson damit zufrieden? Bereut er es,
„Max 4“ und „Lethal 5“ dafür abgelehnt zu haben? Was
denken Fans, die zunächst darüber verärgert waren,
dass Campbell „Ein Quantum Trost“ ablehnte? Die Welt
(Deutschland bekommt den Film - wie so oft - fast
wieder als letztes) strafte das Ergebnis mit
Nichtbeachtung: der 80 Millionen Dollar teure Film
spielte bis Anfang März gerade einmal 55 Millionen
Dollar ein - 160 müsste er jedoch schaffen, um
überhaupt grüne Zahlen zu schreiben. Worin wird das
resultieren? Wird Gibson die Schauspielerei erneut
an den Nagel hängen und sich exklusiv der Regie
widmen? Oder wird ihn der starke Misserfolg in die
Reihen alter Toptitel treiben?
Eventuell hätte man auf Robert De Niro hören sollen,
der anfangs in Winstones Rolle besetzt war, das Set
jedoch nach wenigen Tagen wegen kreativer
Differenzen verließ. Womöglich hatte er früh genug
gemerkt, in welche Richtung sich das ganze
entwickelt – eine wahrlich gute Entscheidung
seinerseits.
Fazit:
Der neue Gibson axelschulzt sich in einen Knockout.
Leider ist es nicht der Film, der das Publikum in
wünschenswertes Nirvana boxt, sondern die
unübersehbaren Schwächen, die sich mit Leber- und
Nierenhaken auf Gibsons Comeback stürzen und den
Altstar alt und fad wirken lassen. Mit gesenkten
Erwartungen und geschlossenen Augen ein eventuell
noch mittelmäßiges Erlebnis, doch diesen Auftrag
kann man getrost ablehnen.
3.5 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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