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Kritik:
Avatar
Aufbruch nach Pandora
Regie:
James Cameron
Darsteller: Sam Worthington,
Zoe Zaldana
Release: 2009
von Christian Westhus
Story:
Kriegsveteran Jake Sully (Sam Worthington)
bekommt ein Angebot, das
er nicht ausschlagen
kann. Auf einem fernen
Planeten ist die
Menschheit auf ein
Mineralvorkommen
gestoßen, dass das
Überleben der Menschheit
garantieren könnte. Das
Problem: dort lebt eine
intelligente Alienrasse
namens Na'Vi, deren
Anwesenheit Probleme
bereitet. Mit Hilfe
eines künstlich
geschaffenen
Alienkörpers ist Jake
sodann auserkoren,
diplomatische Kontakte
aufzubauen. Während er
in die faszinierende
Welt Pandoras eintaucht
und Gefallen an der
mutigen Neytiri (Zoe
Zaldana) findet, plant
das Militär insgeheim
die Vernichtung der
vermeintlich primitiven,
wehrlosen Kultur...
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Durch die Entwicklung neuer
Effekttechnologien summiert sich das Budget des Films auf
über
400 Millionen Dollar. Da die Technik jedoch bereits
lizenziert wurde, ist unklar, wie viel
Geld letztendlich eingespielt werden muss, um grüne Zahlen
zu schreiben.
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Kritik:
Es fällt schwer, einen Film zu bewerten, objektiv
zu bewerten, der so stark und schon seit Jahren
nahezu ausschließlich in Bezug auf seine Technik
behandelt wird. Eine ominöse 3D-Technik soll das
Kino wie wir es kennen grundlegend verändern und die
Computereffekte sollen die letzten Grenzen des
digitalen Fotorealismus brechen. Denn was macht man
als Regisseur, wenn man gerade einen uralten Rekord
von 11 Oscars für einen einzigen Film eingestellt
hat? Was macht man, wenn dieser eine Film alleine
knapp zwei Milliarden Dollar nur im Kino eingespielt
hat? Man scheint sich zunächst mal mehr als eine
Dekade lang Zeit zu nehmen, um dann – abseits von
Dokumentarfilmen – mit einer Revolution auf den
Spielfilmsektor zurückzukehren. Und eine Film- bzw.
Kino-Revolution geht technisch zumeist besser und
schneller, als inhaltlich. So sind James Camerons
bemühte Äußerungen, es ginge ihm letztendlich primär
um die Geschichte, die erzählt wird, schlicht
vergebens, gehen sie im globalen Wirbel von SFX und
3D doch meist unter. Zumindest bis man den Film
gesehen hat.
Und technisch ist der Film tatsächlich die erwartete
Sensation. Wobei sich der Film mit seinem
Revolutions-Versprechen wohl schon selbst ein wenig
aus der Sphäre des Erwartbaren katapultiert hat.
Nimmt man von diesem „Alles wird anders“-Hype ein
wenig Abstand, ist „Avatar“ eine wahre Pracht. Und
das liegt gar nicht mal an der 3D-Technik. Die hat
ihre Vorzüge, verstärkt auf Pandora, dem
handlungstragenden Planeten, einige wunderbare
Panoramaaufnahmen und lässt auch in den Stützpunkten
ein gutes Gefühl für Tiefe aufkommen. Dazu wirbelt
natürlich so allerhand aus der Leinwand heraus, ohne
dies jedoch als Effekt einzusetzen. Ein
Kameraschwenk an einem gespannten Bogen herum, oder
die Pflanzen z.B., faszinieren mit diesem Effekt. Es
wirkt aber manches Mal auch irritierend und
befremdlich, wenn die Personen, oder wenn ein
Gegenstand nicht richtig in die Umgebung integriert
zu sein scheint.
Die wahre Sensation sind die Computereffekte. Dafür
dürfte der Film wohl schon sämtliche Effektpreise
der nächsten Zeit in der Tasche haben. Cameron hat
oft genug betont, wie ihn die Figur Gollum aus Peter
Jacksons „Herr der Ringe“ Filmen davon überzeugt
hat, seine schon lange auf der hohen Kante liegende
Geschichte endlich umsetzen zu können. So ist die
Effektfirma Weta, die für Gollum und auch für
Jacksons „King Kong“ verantwortlich war, auch bei „Avatar“
der Hauptverantwortliche für die optische Brillanz.
Der Film muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass
er zu 75% wie ein reiner Animationsfilm wirkt. Die
fremden Wesen, die ungewöhnlichen Eigenheiten von
Pandora, die Kampfroboter und -flugzeuge des
Menschen, all das kommt aus dem Computer und nimmt
die überwältigende Mehrheit der Handlung ein. Dass
es nicht störend wirkt, dass die realen Sets, die
realen Menschen und der Rest zusammen passen, liegt
an den Effekten.
Besonders die Flora und Fauna von Pandora begeistert
mit geradezu beunruhigend realistischen Effekten.
Bei den Tieren gibt es absolut greifbare,
fotorealistische, lebendig wirkende Texturen,
Strukturen und Oberflächen, die mit Leichtigkeit
darüber hinwegsehen lassen, dass das alles doch sehr
erdähnlich erscheint. Pferde, Hunde und Fluggetier
sind vom Design her sicherlich keine Offenbarung in
Sachen Originalität, sind jedoch in der technischen
Umsetzung und in der Interaktion mit anderen
Lebewesen und ihrer Umgebung fantastisch gelungen.
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Wenige wissen, dass James
Cameron das Drehbuch von
Rambo 2 verfasste.
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Gleiches
gilt für die Na’Vi, die blaue, humanoide Rasse aus
Pandora. Auch hier könnte das Design ein wenig
origineller ausfallen, sind es doch letztendlich nur
große, blaue Menschen, mit leicht verformtem Gesicht
und einem Schweif. Aber durch die Kunst von Motion-
und Performance-Capture werden die Na’Vi zu komplett
glaubwürdigen Hauptfiguren, die locker einen
gesamten Film tragen können und emotional
keinesfalls kalt lassen oder gar abstoßen. So lässt
sich auch sagen, dass Zoë Saldana als Neytiri die
vielleicht beste darstellerische Leistung im Film
abgibt. Neytiri ist eine typische Cameron-Heldin.
Sexy, tough, athletisch und stark, dabei aber immer
emotional ansprechend. Der einzige Fehltritt sind
die Titel gebenden Avatare, mit denen die
Erdenmenschen unter den Na’Vi wandeln. Die sehen
ihren realen Alter Egos immer ein wenig ähnlich, was
besonders bei Sigourney Weaver verstörend und
geradezu bizarr auffällt.
Etwas mehr Mühe haben sich Drehbuch und Design-Team
bei der Welt von Pandora gemacht. Abseits von
fliegenden Felsen und bewohnten Bäumen, umspannt
Pandora ein faszinierendes Nervennetzwerk. Es ist
eine intelligente, empfindende Natur, die eine
Symbiose zwischen allen Lebewesen ermöglicht und
auch fordert. Ein befremdliches, wenn auch höchst
interessantes Detail ist da die körpereigene
Schnittschnelle, eine Art USB-Port, der die
Lebewesen verbindet. Und dazwischen knallt Cameron
eimerweise Biolumineszenz auf die Leinwand. Die
Tier- und Pflanzenwelt leuchtet in den irrsten
Farben und eine Weile lang scheint es, als wäre
Cameron bei der Entwicklung genau so spaßig durch
die Welt gelaufen, wie Hauptfigur Jake Sully, der
hier amüsiert auf Pflanzen tapst und sie zum
Leuchten bringt.
Sam Worthington ist übrigens eine hervorragende
Hauptfigur. Aufgrund der langen Postproduktionszeit
ist Worthington mittlerweile durch andere
Blockbuster schon reichlich bekannt, obwohl er noch
relativ unbekannt war, als er für „Avatar“ vor der
Kamera stand. Er ist in beiden Welten sympathisch
und nachvollziehbar, ohne sensationelle
schauspielerische Leistungen abrufen zu müssen. Sein
lockerer Humor ist, besonders in seiner Anfangszeit
bei den Na’Vi, auch etwas unnötig, wandelt sich dann
jedoch. Überraschend gut kommt auch
Michelle Rodriguez in ihrem Kurzauftritt weg, die
zunächst ein wenig an eine etwas lockerere Vasquez
aus „Aliens“ erinnert, später mit ein paar guten
Szenen und Sprüchen überzeugt. Giovanni Ribisi ist
als fies-sympathischer Kotzbrocken auch gelungen,
während Weaver nur Solides abzuspulen braucht.
Stephen Lang legt seinen Colonel mit Hilfe des
Drehbuchs aber so derart eklig zwischen Gewalt- und
Militärklischees an, dass seine zwischenmenschliche
Engstirnigkeit die kleinste Sorge bleibt. Mit
Leichtigkeit wird der Colonel ein idealer, wenn auch
stereotyper Antagonist. Damit wären wir aber auch
schon bei den Problemen. Cameron betonte zuletzt
mehrfach, wie sehr es ihm um die Geschichte ginge,
doch letztendlich ist die Handlung absolut simpel.
Wir haben fremde Invasoren, die ein technisch
unterlegenes Volk angreifen, um an Ressourcen zu
kommen, während einer von ihnen zwischen die Fronten
gerät und sich dem anderen Volk anschließt. Auch
dass der Mensch als Sci-Fi-Conquistador auftritt,
ist nicht unbedingt neu. So kann man in „Avatar“
sowohl eine Art Science-Fiction Version von
Imperialismus- und Abenteuerfilmen wie „The New
World“ sehen, als auch ein zeitgenössisches,
politisches Statement zu den Stichworten Öl, nahe
Osten, USA, Invasion, etc. Wenn der Colonel sagt,
Ziel sei es „to fight terror with terror“, ist die
Sache klar.
Die Na’Vi sind das naturverbundene Urvolk von
Pandora und grasen so einige Indio-Klischees ab.
Daraus macht der Film gar kein Geheimnis. So werden
die meisten Na’Vi von Afroamerikanern oder Latinos
gespielt, was wohl kein unglücklicher Zufall ist.
James Horners packende, aber wenig sensationelle
Musik lässt ein paar Ethno-Chöre auffahren und
zwischen Mystik, Prophezeihung und Stammesrituale,
gibt es auch noch ein wenig Esoterik, die mitunter
ein wenig unfreiwillig komisch wirken kann. Dazu
natürlich die obligatorische Liebesgeschichte, die
aber nahezu komplett ohne richtigen Kitsch auskommt.
Den hebt sich Cameron für die Endtitel auf, wenn
Leona Lewis eine Ballade schmettert, die auf den
Pfaden von „My Heart will go on“ wandelt.
Die Handlung ist klassisch und dadurch auch
vorhersehbar, auch, weil die großen Wendungen und
Entwicklungen meist schön brav und offensichtlich
eingeleitet und vorbereitet werden, um Logiklöcher
oder Zufälligkeiten zu vermeiden. Eine simple,
klassische Story darf zwar angemerkt werden, muss
aber noch kein massiver Kritikpunkt sein, denn „Avatar“
wirkt trotzdem absolut spannend, mitreißend und vor
allem spektakulär. Dass Cameron tatsächlich eine
Geschichte erzählen und nicht nur grandiose Effekte
spazieren fahren wollte, wird schnell deutlich. Er
nimmt sich Zeit für Handlung und Charaktere, gibt
den Figuren die nötige Motivation mit auf den Weg
und steigert den Konflikt immer weiter.
Natürlich will offiziell niemand ein offenes Gefecht
und so schickt man die Avatare als Spione und
Botschafter in Personalunion zu den Na’Vi. Während
Jake berichtet, muss er sich im Verhalten und bei
Ritualen zur Mannwerdung beweisen und verliert mehr
und mehr Lust auf sein invalides Menschenleben.
Sullys Figur – übrigens mit gruselig gestalteten,
abgemagerten Beinen im Rollstuhl – leitet so
natürlich wenig subtil aber gekonnt die Sympathie
vom Publikum. Und bevor wir doch darüber nachdenken
können, wie genau Na’Vi Fortpflanzung funktioniert,
fährt Cameron die ganz großen Geschütze auf.
Der gesamte Film ist ein einziges Spektakel, mit
atemberaubenden Momenten, z.B. die vielen Flugszenen
oder die fliegenden Felsen, doch das Finale sprengt
jede Leinwand. Selbst wenn auch das Finale nach
bekannten Versatzstücken gestaltet ist, so stört es
spätestens hier gar nicht mehr. Emotional sind wir
voll dabei und Cameron lässt in technischer und
inszenatorischer Virtuosität ein Feuerwerk los,
welches tatsächlich so bisher noch nicht zu sehen
war. Es erinnert von der Besetzung natürlich ein
wenig an den Kampf auf Endor, in „Star Wars: Return
of the Jedi“, steckt diesen aber komplett in die
Tasche. Vor allem wirkt die Gegenwehr der Na’Vi
glaubwürdig, packend und zu keiner Zeit belustigend.
Cameron vermeidet den Epilepsie-Schnitt des modernen
Blockbusterkinos und tut gut daran. Trotz Rasanz und
permanentem Schauplatzwechsels wird die
Übersichtlichkeit stets gewahrt. Da ist es ganz
egal, ob der Epilog abermals nur die Erwartungen
erfüllt, für das grandiose Finale ist man schon
dankbar und der Rest passte ja auch.
Fazit:
James Camerons angekündigte Effektrevolution ist
visuell tatsächlich eine Offenbarung. Die
außerirdische Welt, ihre Flora und Fauna und nicht
zuletzt die Na’Vi selbst sind beeindruckend. Dazu
inszeniert Cameron besonders gegen Ende einen
rasanten Abenteuer-Actionfilm, der mit Bombast und
Tempo begeistert. Zudem sind die Figuren, auch die
Na’Vi, sympathisch und die emotionale Involvierung
findet problemlos statt. All das tröstet darüber
hinweg, dass die eigentliche Handlung simpel und
mitunter auch vorhersehbar ist. Spannend und
mitreißend ist es aber dennoch.
8 / 10
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