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Kritik:
Avatar
Aufbruch nach Pandora
Regie:
James Cameron
Darsteller: Sam Worthington,
Zoe Zaldana
Release: 2009
von Christian Mester
Story:
Kriegsveteran Jake Sully (Sam Worthington)
bekommt ein Angebot, das
er nicht ausschlagen
kann. Auf einem fernen
Planeten ist die
Menschheit auf ein
Mineralvorkommen
gestoßen. Das
Problem: dort lebt eine
intelligente Alienrasse
namens Na'Vi, deren
Anwesenheit Probleme
bereitet. Mit Hilfe
eines künstlich
geschaffenen
Alienkörpers ist Jake
sodann auserkoren,
diplomatische Kontakte
aufzubauen. Während er
in die faszinierende
Welt Pandoras eintaucht
und Gefallen an der
mutigen Neytiri (Zoe
Zaldana) findet, plant
das Militär insgeheim
die Vernichtung der
vermeintlich primitiven,
wehrlosen Kultur...
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Durch die Entwicklung neuer
Effekttechnologien summiert sich das Budget des Films auf
über
400 Millionen Dollar. Da die Technik jedoch bereits
lizenziert wurde, ist unklar, wie viel
Geld letztendlich eingespielt werden muss, um grüne Zahlen
zu schreiben. |
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Kritik:
Er hat es geschafft. James Camerons „Avatar:
Aufbruch nach Pandora“ ist der wohl aufregendste
Film seit "Matrix" und "Herr der Ringe".
Viele hielten den Regisseur von „Terminator“ 1,2, „Aliens“,
„Titanic“, „True Lies“ und „The Abyss“ für
überheblich, als er 2005 „King Kong“ sah, Peter
Jackson gratulierte und dann Zähne knirschend
befand, dass die aufwendigen Effekte des 200
Millionen Dollar teuren Remakes für sein „Avatar“
nicht ausreichend würden. Während der Rest der Welt
nachfolgend über Davy Jones und Transformers
staunte, feilte Cameron stillschweigend an neuen
Technologien, die nie da gewesenes realisieren
sollten. Die Mühen haben sich gewiss gelohnt, denn
schon wenige Minuten nach Aufspann ist klar, dass
der Aufbruch nach Pandora Filmgeschichte schreibt.
Als Besucher zahlreicher Hollywood-Produktionen ist
man als Zuschauer visuell verwöhnt, übersaturiert.
Einzig Filme wie „The Fountain“ oder "Sunshine", die
durch besonders ausgefallene Motive bestechen,
vermögen es heute noch, aus der Menge der vielen
Titel herauszuragen. „Avatar“ ist 2009 ein
Gamechanger. Nie gab es eine künstlich geschaffene
Welt, die derart realistisch wirkte. Die
außerirdische Welt ist so glaubwürdig illustriert,
dass man das Gefühl bekommt, die sechsbeinigen
Riesenpanther anfassen zu können, die
fluoreszierende Vegetation riechen zu können, dass
man Pandora tatsächlich besuchen könnte. Dass Jakes
bizarrer Ersatzkörper blau ist, drei Meter in die
Höhe ragt und einen Schwanz besitzt, ist
augenblicklich vergessen. Was auf Bildern noch
seltsam wirken mag, fügt sich nahtlos. Neytiri und
die anderen Na’Vi werden umgehend als glaubwürdige,
authentische Filmfiguren akzeptiert.
Vor allem in 3-D hinterlässt der Film tiefe
Eindrücke. Wer sich dazu entscheidet, sein Geld für
die Luxusvorstellung des Films auszugeben, der wird
mit toller räumlicher Tiefe belohnt, die
glücklicherweise nie zum Gimmick verkommt. 3-D Titel
wie „G-Force“ und „Final Destination 4“ fielen im
Vorfeld durch stupid plakative In-die-Kamera Szenen
auf, Camerons Werk hingegen verzichtet auf pubertäre
Spielereien und lässt stattdessen einfach
fantastische, an Dokumentarfilme erinnernde
Bildtiefe sprechen. Letzten Endes beeinflusst es die
Qualität des Films in keinster Weise, aber wie ein
besserer Fernseher verbessert es das Erlebnis. Es
steht also jedem frei, wobei die zusätzlichen Kosten
in diesem Fall wirklich lohnen.
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Wenige wissen, dass James
Cameron das Drehbuch von
Rambo 2 verfasste. |
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Manch
einer hatte befürchtet, dass die vorausgehende
Tagline "vom Regisseur von Titanic" tieferen Schmalz
bedeuten könnte, doch der bleibt aus. Es gibt eine
aufblühende Romanze zwischen Jake und Neytiri, diese
hält sich jedoch dezent zurück. Überhaupt halten
sich zwei größere Aspekte die Waage. Zum einen sind
es die vielen Actionszenen, die über den ganzen
Verlauf der Handlung verstreut werden, sehr
aufregend ausfallen und abwechslungsreich sind, zum
anderen ist es Jakes Entwicklung vom ziellosen
Nichts zum wichtigen Helden. Dank der beiden äußerst
sympathischen Darsteller Sam Worthington („T4“), Zoe
Saldana („Star Trek 11“) und Sigourney Weaver („Alien“)
eine herzliche, oft auch lustige Angelegenheit. Joel
David Moore ("Hatchet") und Michelle Rodriguez
("Fast & Furious") ergänzen die drei mit netten
Momenten. Tiefergehendes lässt sich leider missen,
da man anscheinend gezielt auf Kurzweil setzt, um
die zweieinhalb Stunden unterhaltsam gestalten zu
können.
Es ist Cameron, von daher ist bezüglich der Action
nichts Geringeres als Spektakel zu erwarten. In
ausgedehnten, ständig übersichtlichen Sequenzen
kämpft Jake mit allerlei unterschiedlichen
gefährlichen Kreaturen, jagt mit drachenähnlichen
Flugechsen zwischen fliegenden Bergen hindurch und
legt sich im späteren Verlauf mit einer ganzen Armee
an, die im typischen Cameron-Stil durch allerlei
futuristische Hardware vertreten ist. Alles ist
grandios inszeniert und führt unweigerlich dazu,
dass die meisten freudestrahlend aus dem Kino rennen
werden und „Avatar“ einen der besten Filme aller
Zeiten nennen. Er ist in der Tat der visuell bislang
aufregendste Spielfilm, der jemals in Kinos zu sehen
war und tricktechnisch eine unangefochtene
Meisterleistung, doch genügt das?
1991 hat James Cameron einen Film namens "Terminator
2" gedreht, der damals ebenfalls revolutionär war.
Nicht in vergleichbarem Rahmen, doch die Effekte des
T-1000 ließen damals zu Recht gleich reihenweise
Kinnladen herunterklappen. 18 Jahre später reicht „Avatar“
nicht an “Terminator 2“ heran.
Der nahezu perfekte Actionfilm schlägt den modernen
Neuling im Detail, insbesondere aber in der
Handlung. Es ist unübersehbar, dass die Geschichte
des Films aus verstreut bekannten Versatzstücken
zusammengeklaut wurde. "Pocahontas", "Der mit dem
Wolf tanzt", "Fern Gully", „Avatar“ ist
grundsätzlich die altbekannte Siedlergeschichte,
nur, dass es anstatt um Indianer um Aliens geht. Nun
wäre das nicht weiter schlimm, wären die beteiligten
Figuren ausgesprochen gut. Sie sind es nicht. Sie
sind nicht schlecht, fallen hinsichtlich der
gewaltigen Optik aber merklich zurück.
Karikaturenhaft gleich, sind die Bösen schlichtweg
böse, die Guten nur gut. Übergreifende Statements
drängen sich auf: Die Materialisten zerstören die
Natur um Geld zu machen, die Herzensguten setzen auf
Werte wie Liebe, Vertrauen und haben innige Bindung
zur Natur (so innig, dass sie sich in der Tat per
Kabel mit ihr verbinden können). Der holde Held
sieht sich Konflikt gegenüber und macht sich auf,
die Prinzessin und den Tag zu retten.
Camerons Sozialkritik ist leicht verdaulich und
offensichtlich, kann gleichzeitig aber ebenso
kritisch beäugt werden. In seiner Vorstellung muss
es ein übergelaufener weißer Amerikaner sein, der
den offensichtlich primitiven, hitzköpfigen
Lendenschurzträgern hauptsächlich deswegen verbunden
ist, weil er zufällig mit der Tochter des Häuptlings
anbandelt. Bevor er sich in die barbusige, oftmals
fauchende Future-Nell verliebt, ist er selbst auf
Seiten des Militärs und versorgt ihren schlimmsten
Feind persönlich mit hilfreichen Infos. Es erscheint
egoistisch und simpel, wodurch Jakes späterer
Umbruch und seine Heldentaten nicht ganz den Impact
bekommt, den sie haben sollten. Problematisch ist
auch, dass Neytiri und ihre Mutter die einzigen
Na’Vi sind, die man etwas näher kennen lernt. Die
übrigen sind wortkarge, ständig grimmig drein
blickende Krieger, die es schwierig machen,
Sympathien aufzubauen. Ihre Naturverbundenheit und
Spiritualität ist zuweilen auch etwas zuviel des
Guten, zumal man einmal tunlichst mit dem Kopf
schütteln kann, wenn man sieht, wie ein ehemaliger
Verräter und Mitschuldiger ihrer beinahen Ausrottung
mal eben sein verlorenes Vertrauen zurück gewinnt.
Man kann verstehen, dass Cameron die Handlung
bewusst einfach hält, um den Zuschauern genügend Zeit
zum Erfassen des Panoramas zu geben, aber je mehr
man darüber nachdenkt, desto mehr hätte man aus dem
Konzept machen können. Die Story von „Terminator 2“
war nicht gerade awardverdächtig, wurde aber packend
und interessant inszeniert. In „Avatar“ gibt es
vergleichbare Tragik und Gefahrenmomente, doch
merkwürdigerweise ergreifen sie nie. Das Problem
ist, dass die Figuren zu vorhersehbar, zu
uninteressant bleiben. Giovanni Ribisi ("Nur noch 60
Sekunden") beispielsweise spielt einen Leiter der
Pandora-Mission, der den Auftrag bekommen hat,
wertvolles Unobtainium abzubauen. In einer nahezu
peinlich einfachen Szene erklärt er dies, nachdem er
- wie alle klischee-bösen Wallstreet Anhänger - im
Büro Golf spielt, wobei der typische deutsche
Kinobesucher nicht dazu kommt, den Wortwitz zu
erfassen. Unobtainium ist ein erfundenes Wort, das
auf den englischen Begriff "unobtainable =
unerreichbar" zurückfällt. Man sucht also nach einem
Unerreichbarium, das ein genau so debiler MacGuffin
ist wie die Hasenpfote in "Mission Impossible 3".
Stephen Lang spielt einen 0815-Sarge, der sich als
reines Werkzeug sieht und wie eine Maschine handelt.
Wenn sein Charakter zumindest abfällig von den
Wilden denken würde oder er Gründe für derartiges
Verhalten hätte (Sohn oder Frau verloren, etc.),
keine Chance. Er ist einfach nur böse und da
Cameron anfangs zahlreiche Soldaten und
Kampfhubschrauber zeigt, muss es ja nach Filmgesetz
dazu kommen, dass sie eingesetzt werden. Nur wenn es dann zum
Kampf kommt, bleibt man relativ spannungsarm, da man
selbst wenig Bindung zu beiden Charakteren aufbaut.
In "The Dark Knight" war jede Auseinandersetzung
zwischen Batman und dem Joker faszinierend, da beide
Figuren faszinierend und ihre Duelle Sprengstoff
waren; die Kämpfe in "Avatar" hingegen sind
beeindruckend schön und klasse inszeniert,
hinterlassen aber wenig Eindruck.
Dabei hätten nur kleine Änderungen schon vieles
interessanter machen können. So wird vielen
beispielsweise nicht auffallen, wie viele Motive es
in dem Film gibt. Anfangs verspricht Quaritch dem
Invaliden Jake, ihm neue Beine zu geben - während er
in einem Mech sitzt. Jake bekommt aber auf anderem
Wege neue Füße, in dem er einen künstlichen Na'Vi
Körper schlüpft. Später stoßen beide in ihren
künstlichen Körpern aufeinander, was den von Technik
besessenen Menschen gegen einen ideellen
Kontrahenten
schickt. Cameron geht auf Motive leider nicht
ein, und er verfehlt es auch, die Story
interessanter zu machen. Der Kampf gegen die
geldgierigen Minenbesitzer wäre direkt
interessanter, ginge es nicht um Geld, sondern um
das tatsächliche Überleben der Menschheit. Der
daraus resultierende Konflikt, der damit verbundene
Zeitdruck und die daraus folgenden
Auseinandersetzungen hätten der Geschichte
wesentlich mehr Kraft verleihen können. Auch ist
James Horners Soundtrack insgesamt sehr schwach,
viele seiner Themen erinnern an vorherige
Produktionen ("Enemy at the Gates"); Leona Lewis'
Abspannsong wird wohl nicht lange zu hören sein, da
es ihm an denkwürdiger Melodie fehlt (ein neues "My
Heart will go on" bleibt demnach erspart).
Dennoch ist, um auf einen der ersten Paragraphen
zurück zu kommen, "Avatar" höchstens eine
Enttäuschung für diejenigen, die sich neben der
herausragenden Optik eine ebenso herausragende
Handlung wünschen. Abseits der revolutionären
Bilder, die fraglos volle Punktzahl bekäme, ist es
ein gut inszenierter, guter Actionfilm mit guten
Darstellern. Gut, empfehlenswert, auf gleichem
Niveau wie "Iron Man" und "Fluch der Karibik", aber
längst kein "Watchmen".
Fazit:
"Avatar" ist ein bombastisches Filmerlebnis und eine
klare Kinoempfehlung für das reine Erlebnis als solches,
unter dem Strich kann man aber nicht vollends
zufrieden sein. Dafür sind Charaktere und Handlung
zu dünn und vorhersehbar, was James selbst schon
mal besser gemacht hat.
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