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KRITIK:
Der Baader-Meinhof Komplex
von
Christian Mester
DER BAADER-MEINHOF KOMPLEX (2008)
Regie: Uli Edel
Cast: Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck
Story:
Die späten 60er Jahre: in Deutschland herrscht
Aufruhr, denn viele protestieren gegen den
angehenden Vietnamkrieg und andere im
Ausland laufende Ungerechtigkeiten, die das Land
scheinbar ungerechtfertigter Weise unterstützt.
Die umstrittene Redakteurin Ulrike Meinhof lernt in
dieser Zeit die beiden Aktivisten Andreas Baader und
Gudrun Ensslin kennen, die durch Terrorismus im
eigenen Land ein Zeichen setzen wollen. Meinhof schließt sich
ihnen an...

Kritik:
Dass es zur Rote-Armee-Fraktion (RAF,
>wikipedia) bislang keinen prominenten Film aus
Deutschland gab, überrascht, überlegt man, welchen
Einfluss die Gruppe auf die Lage der 70er Jahre
hatte. Ihre Terroranschläge und gewalttätigen
Überfälle versetzten das Land in Schrecken und
schrieben Geschichte. Alles ging zudem von drei
äußerst unterschiedlichen, markanten
Persönlichkeiten aus, wodurch sich dieses
historische Ereignis eigentlich ideal für einen
spannenden Film anbot. Deutschlands Star-Produzent
Bernd Eichinger nahm sich der Sache an und ließ
einen Film inszenieren, der jetzt an das Lob und die
Besucherzahlen seines anderen deutsch-historischen
Werks "Der Untergang" anschließen soll.
In der ersten Stunde ist "Der Baader-Meinhof
Komplex" stark, wirft er einen interessanten
Einblick auf die Formierung des markanten
Terrortrios Baader, Meinhof, Ensslin. Der Film lebt
in seiner ersten Hälfte von seinen drei
Hauptdarstellern Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu
und Johanna Wokalek, die ihre schwierigen Rollen
glaubhaft und hervorragend nachstellen. Besonders
Gedeck überzeugt als introvertierte Politaktivistin
Meinhof und es fällt nicht schwer, die Faszination
ihrer Folger nachzuvollziehen. Die Nachstellung
verschiedener wichtiger Ereignisse der RAF ist gut
umgesetzt und macht zunächst Lust auf mehr.

Geschichtsgebunden ergibt sich ein großes Problem,
denn nachdem das Triumvirat deutscher Wut
schließlich erwischt und gefangen genommen wird,
sitzen sie nur noch, langsam vor sich hin
vegetierend, im Gefängnis. Der Schwerpunkt fällt nun
auf ihre Nachahmer, die jedoch weder
handlungstechnisch, noch darstellerisch an ihre
Vorgänger heranreichen. Würde der Film mit der
Gefangennahme der Drei enden, wäre es somit
definitiv ein besserer Film geworden, doch Eichinger
und Edel wollen mehr, wollen die gesamte RAF
Geschichte zeigen und schaden damit unbeabsichtigt
dem ganzen Filmfluss.
Dieser Wille, alles in immerhin 150 Minuten
Lauflänge zu erzählen, schafft einen weiteren
Konflikt, denn dadurch eilt der Film mehr oder
weniger durch die gesamte angepeilte RAF-Historie.
Zeit für Tiefe bleibt nicht, worunter die drei
Hauptfiguren leiden, da sie fast jedes Mal nur in
Extremen gezeigt werden. Während man auf der einen
Seite zu wenig Zeit für Charaktere und Handlung hat,
verschwendet Edel sie auf anderer Seite, in dem er
immer wieder ins Bundeskriminalamt schwenkt. Dort
sitzt "Hitler" Bruno Ganz als BKA-Oberhaupt, der mit
Kollegen seelenruhig über die Bedeutung der RAF
sinniert. Ein langweiliges, unnützes Element, da es
die ansonsten temporeiche Geschichte jedes Mal zum
Stillstand bringt und selbst nichts zur Handlung
beiträgt. Interessanter wäre es stattdessen gewesen,
Bilder der normalen Bevölkerung zu zeigen, um zu
veranschaulichen, welchen großen Einfluss die RAF
auf das Leben ihres Alltags hat.
Insgesamt ist es
eine zu knappe Rekonstruktion des Geschehens, die
zwar die meisten der prägnanten RAF-Momente
einfängt, doch die schnelle Hetzjagd kann das
Interesse an der wahren Geschichte nur halb
erfüllen. Als Film ist es ein oberflächliches
Geschichtsdrama mit guten Ansätzen, kompetent, aber
nicht weiter denkwürdig umgesetzt.
Fazit:
Eine Konzentration auf die drei titelgebenden
Figuren hätte einen erstklassigen Film abgeben
können, doch der aufgezogene größere Rahmen schwächt
das Gesamtpaket. Ein nur flacher Blick auf
faszinierende Landesgeschichte, die man wohl besser,
interessanter und ausgeführter in Stefan Austs
Buchvorlage nacherlebt.
5 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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