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Der Baader-Meinhof Komplex

Story:
Die späten 60er Jahre: in Deutschland herrscht Aufruhr, denn viele protestieren gegen den angehenden Vietnamkrieg und diverse andere im Ausland laufende Ungerechtigkeiten, die das Land scheinbar ungerechtfertigter Weise unterstützt. Die umstrittene Redakteurin Ulrike Meinhof lernt in dieser Zeit die beiden Aktivisten Andreas Baader und Gudrun Ensslin kennen, die zur Umsetzung
ihrer Ziele drastische Mittel im Sinn haben und ein Zeichen setzen wollen. Meinhof schließt sich ihnen an, doch die Konsequenzen sind weitreichend...

regie :
uli edel
cast  : moritz bleibtreu, martina gedeck
kritik : christian mester
 

 

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Kritik:
"Der Baader-Meinhof Komplex" bemüht sich die Geschichte der RAF zu erzählen, doch trotz prominenter Besetzung bleibt die Umsetzung hinter den Erwartungen zurück.
 


"Das könnt ihr mit mir nicht machen, ich war in Speed Racer verdammt."

Die Rote-Armee-Fraktion war in den 70er Jahren derart bekannt und einflussreich, das es eigentlich ein Wunder ist, dass es bis heute keinen größeren deutschen Film über das Thema gab. Dem hat sich jetzt also Bernd Eichinger gewidmet, der neben Sachen wie "Ballermann 6" hin und wieder auch mal ernsteres wie den "Untergang" oder "Das Parfüm" produziert. Schade ist es nun, dass der Film gerade in Hinblick auf dieses Thema nicht an die beiden genannten Meilensteine des deutschen Kinos herankommt. Gründe gibt es dafür so einige, auch wenn die wenigsten daran Schuld tragen.

Die Cast ist erstklassig besetzt und immer überzeugend. Die drei Köpfe des Terrors Meinhof (Martina Gedeck), Baader (Moritz Bleibtreu) und Ensslin (Johanna Wokalek) besitzen sehr verschiedene, schwierige Persönlichkeiten, die von ihren Darstellern mühevoll und akribisch umgesetzt werden. Ob es die eher introvertierte Autorin oder die stets energiegeladene Ensslin ist, sie alle faszinieren.

Da gibt es aber auch schon das erste Problem. So gut die Besetzung in der ersten Stunde von den gut zweieinhalb sind, so sehr fehlen sie, als sie in der zweiten Hälfte nur noch im Gefängnis sitzen und auch da kaum miteinander agieren. Das mag der wahren Story folgen, doch dadurch springt der Film auf die Nachfolger der RAF um, die wesentlich weniger Persönlichkeit haben und durch ihr simples Auftreten keine Leinwand füllen können.
 


Der Film zeigt erstmals, wie sehr die Gewalt der RAF auch gegen
Tauben und kapitalistische Autodächer gerichtet war.

Überhaupt wird es einigen schwer fallen, die Geschichte im Überblick zu behalten. Sehr schnell springt der Film immer wieder zwischen Gefängnis, diversen deutschen Städten und Jordanien; es werden immer wieder prominente Randfiguren wie Rudi Dutschke gezeigt um sie drin zu haben und es werden immer wieder neue wichtige Ereignisse per TV- oder Radionachrichten eingeschoben, die das ganze dadurch leider verkomplizieren.

Während Edel es völlig verpasst, die Wirkung der RAF auf die allgemeine Bevölkerung oder auf die Amerikaner zu zeigen (denen sie mehr oder weniger den Krieg erklärt hatten), gibt es noch einen längeren Part, in dem der Kopf des Bundeskriminalamts (Bruno Ganz, Hitler aus "Der Untergang") in seinem Büro sitzt und mit seinem erfundenen Assistenten über die RAF philosophiert. Die Idee war nicht schlecht, aber weil der Film unzählige Male in dieses Büro wechselt, verkommt es fast zu Farce, denn es bringt die Story nicht weiter und fungiert nur als Plattform für deftige Phrasen. Jedes Mal wieder wenn etwas neues in Sachen Baader-Meinhof passiert, schwingt der Film zurück in das Zimmer, in dem Ganz zwei, drei neue Kommentare von sich lässt.

Gut, der Film ist mit 150 Minuten ziemlich lang, allerdings hätte er eigentlich noch wesentlich mehr Zeit gebraucht. Inhaltlich wird vieles gezeigt, jedoch bedeutet das zwingend das viele ruhigere Momente hastig übersprungen werden. Insbesondere fällt dies an Moritz' Baader auf, der fast nur in Szenen zu sehen ist, in denen er plötzlich aufschreit und seinen Emotionen freien Lauf lässt (was dadurch extrem vorhersehbar wird). Anstatt sich auch schon direkt mit den gesichtslosen Nachfolgern der Gruppe zu beschäftigen, wäre hier mehr Augenmerk auf die drei Hauptfiguren besser gewesen.An der Austattung, dem Score und der Regie her lässt sich nicht viel kritisieren. Das ist auf anständigem Niveau und hinterlässt einen guten Eindruck, auch wenn sich die Hektik der Story oft in der Regie wieder findet und viele spätere Szenen weniger eindrucksvoll wirken als die ersten.

Fazit:
"
Der Baader-Meinhof Komplex" ist dieses Jahr der eine große Film aus Deutschland, doch obwohl er insgesamt gut gespielt und gut gemacht ist und eine interessante Geschichte erzählt, stören die Mängel der zweiten Hälfte enorm. Vielleicht ist die im Fernsehen erscheinende 30 Minuten längere Fassung noch etwas besser, aber so oder so ist der Film kein neues "Parfüm".

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel


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