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Der Baader-Meinhof Komplex

Story:
Die späten 60er Jahre: in Deutschland herrscht Aufruhr, denn viele protestieren gegen den angehenden Vietnamkrieg und diverse andere im Ausland laufende Ungerechtigkeiten, die das Land scheinbar ungerechtfertigterweise unterstützt. Die umstrittene Redakteurin Ulrike Meinhof lernt in dieser Zeit die beiden Aktivisten Andreas Baader und Gudrun Ensslin kennen, die zur Umsetzung
ihrer Ziele drastische Mittel im Sinn haben und ein Zeichen setzen wollen. Meinhof schließt sich ihnen an, doch die Konsequenzen sind weitreichend...

regie :
uli edel
cast  : moritz bleibtreu, martina gedeck
kritik : christian westhus
 

 

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Kritik:
Das gibt Zunder. Wenn sich Deutschlands filmischer Großunternehmer Bernd Eichinger einem der dunkelsten Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte annimmt, ein bekanntes Buch dafür als Vorlage verwendet und wieder die geballte Power von Geld und bekannten, deutschen Stars auf die Leinwand bringt, läuft die PR-Maschine natürlich in vollen Zügen. Die leicht selbstgefälligen und medienwirksamen Kommentare von Regisseur Uli Edel, der aus den Interviews und Recherchen diverse RAF-Hintergründe erfahren haben will, seien hier aber mal komplett ignoriert.
 


"Okay, gebt mir alle Kopien von diesem Film mit den Autos da."

Dennoch erkennt man Eichingers Handschrift deutlicher als Edels, denn wie abermals massenkompatible Kontroverse, hier noch gespickt mit gefährlich-heißem politischen Hintergrund, aufgefahren wird, hat nicht zu knapp auch einen wirtschaftlichen Hintergrund. Das Komische hierbei? Der Film an sich funktioniert dennoch erstaunlich gut.

Nach einem kleinen FKK-Abstecher in Sylt geht es schon los. Der persische Schah ist in Deutschland, Studenten auf den Straßen und Benno Ohnesorg kurz darauf tot. Erschossen von einem Polizisten. Das war 1967 und von nun an versucht sich der Film darin, jedes einigermaßen wichtige Detail der RAF, bis zum Tod von Hans-Martin Schleyer 1977, zu zeigen und zu behandeln. In den aus allen Nähten platzenden, durchaus packenden 150 Minuten ist dann auch mehr als ein roter faden der RAF vorhanden, nur wirkt die sich hier ausbreitende Tempo-Erzählung auf Dauer sehr hektisch und tendenziell unübersichtlich. Gewisse Vorkenntnisse – und gute Ohren was kurzzeitig erwähnte Namen betrifft – sind daher absolut von Vorteil, um nicht Faden und Lust gleichzeitig zu verlieren.

Dass der Film politisch uneindeutig, bzw. eindeutig neutral ist, ist sicherlich gewollt und nicht die schlechteste Lösung. Die Idee hinter der RAF, gegen US-Imperialismus, gegen den Vietnamkrieg und gegen globale Ungleichheit, kommt trotz Tempo gut heraus, bis, bekanntermaßen, fragwürdige bis falsche Methoden gewählt werden und die Idee zerbricht. Daher ist auch besonders die erste Hälfte absolut gelungen, denn die Inszenierung kann sich definitiv sehen lassen, obwohl sie ab und an dazu neigt, sehr schusswechselintensiv zu sein.

Die späten 60er und die 70er wirken authentisch, ähnlich wie Meinhofs Off-Kommentare, diverse Handlungen, Orte (viele Originalschauplätze) und Personen. Von Geschichtsverfälschung kann man also eher weniger sprechen. Etwas dramatisiert wird im kommerziellen Film fast immer, nur zeigt dieser Film auch nichts grundlegend Neues. Mit Meinhof als erzählende Bezugsperson und Baader und Ensslin daneben, taucht man ab in durchaus heftig und aufwendig inszenierten Terror und politischen Aktivismus, der zwischen nachvollziehbaren Ansprachen und Polemik schwankt. Das Tempo räumt den drei Figuren charakterlich nicht den größten Raum ein, denn oftmals geht es nur um ein Anliegen, die Durchführung und Meinhofs gesprochene Statements, die z.B. den wichtigen Unterschied zwischen Protest und Widerstand erklärt.
 


Kurz bevor Gordon dann das Batmobil übernahm.

Dass diese drei Figuren dennoch weitgehend funktionieren, liegt an den drei Hauptdarstellern, die wirklich großartig sind. Moritz Bleibtreu wirkt manchmal vielleicht etwas zu sympathisch und sein Fluchen wirkt etwas aufgesetzt, doch den heißblütigen Aktivisten bekommt er insgesamt sehr gut hin. Noch besser ist Martina Gedeck als Ulrike Meinhof, besonders was die Artikulation ihrer Aussagen betrifft. Und die grandiose Johanna Wokalek könnte mit diesem Film endlich ihren verdienten Durchbruch schaffen, obwohl sie für diese immer leicht oberflächlichen Eichinger-Produktionen eigentlich zu gut ist.

Auch die Nebendarsteller, wo Bruno Ganz, Niels Bruno Schmidt und Sebastian Blomberg hervorzuheben sind, passen gut und können sich, trotz ihrer bekannten Gesichter, gut in die Handlung eingliedern. Etwas, was in „Elementarteilchen“ beispielsweise weniger gelang. Dass man auch nicht zimperlich ist, die ein oder andere Figur und damit den Darsteller, ohne große Dialoge nach zwei Minuten aus dem Film zu schießen, ist einerseits durchaus mutig, zeigt aber auch wieder den etwas zu großen, selbstauferlegten Anspruch des Films auf. Die 150 Minuten wirken lang und voll, zwar nicht zu lang, aber zu voll. Es war ein löbliches Anliegen, keine wichtigen Details aussparen zu wollen, aber ab und an kostet das ein paar Nuancen der filmischen Dramatik oder Konsumierbarkeit. 10 Jahre RAF sind eindeutig etwas zu viel für einen einzelnen Film.

Die Ohnmacht des Staates zeigt sich beispielsweise nur durch das polizeiliche Chaos und ein, zwei widersprüchliche Aussagen von Politikern. Wie die staatlichen Grundsäulen ins Wanken geraten, wie die Angst der Bevölkerung wächst und wie sich der um sich greifende Revolutionsgedanke außerhalb der RAF-Gruppierung entwickelt, wird kaum wirklich deutlich. Die zweite Hälfte ist durch den Gefängnisaufenthalt auch so schon die schwieriger zu gestaltende Hälfte und mit dem Ausscheiden einer wichtigen Person, verliert sich das letzte Drittel dann endgültig in der überhasteten Abfolge der historischen Geschehnisse. Das ist weiterhin sehenswert, gut inszeniert und gut gespielt, aber etwas aus dem Fokus.

Und man darf sich am Ende auch durchaus mit ein paar Zweifeln fragen, ob man den Film als Grundlage für RAF- und „Wie es damals war“-Diskussionen nimmt, oder ob man aktuelle Bezüge zieht. Für Letzteres wäre durchaus mehr Potential vorhanden gewesen.

Fazit:
Eichinger, Edel und Aust versuchen ein großes, filmisches Gesamtbild der
RAF zu kreieren und scheitern zwischenzeitlich etwas an der Größe und Unübersichtlichkeit ihres Projekts. Die kraftvolle, authentische und aufwendige Inszenierung sowie die sehr, sehr guten Darsteller machen insgesamt aber einen lohnenswerten Film.

6,5 / 10

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