Story:
Die marokkanischen Hirtenjungen Ahmed und Yussuf bekommen das Jagdgewehr ihres
Vaters in die Hände, um beim Schafe hüten das Töten einiger Schakale zu üben.
Der ältere der beiden Hirtenjungen hat starke Probleme bei dem Zielen und so
zeigt ihm sein jüngerer Bruder, wie man dies richtig anstellt. Um ihm sein
Können zu demonstrieren, schießt Yussuf von einem Berghügel aus auf einen
vorbeifahrenden Reisebus, der daraufhin urplötzlich anhält – jemand wurde
getroffen.
Die reichen Eheleute Richard und Susan wollen in Marokko ihre Existenz
auffrischen, doch dies gestaltet sich als zunehmend schwierig. Während ihrer
Reise kümmert sich zuhause eine mexikanische Haushälterin namens Amelia um deren
Kinder. Sie möchte die Tage dennoch unbedingt vom Dienst befreit werden, da ihr
Sohn heiratet, doch dies gestaltet sich als schwierig, da das Ehepaar auf ihrer
Reise Probleme bekommt und noch einige Tage auf die Hilfe von Amelia pocht.
Währenddessen muss die in Tokyo lebende taubstumme Chieko mit den Problemen des
Alltags zu Recht kommen und muss sich eingestehen, den Selbstmord ihrer Mutter
nicht verkraftet zu haben.
regie :
alejandro gonzález iñárritu
cast :
cate blanchett, brad pitt, gael garcia bernal
kritik :
jan kellermann
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Kritik:
Wie bereits in
„Armores Perros“ und „21 Gramm“ verweist Regisseur Alejandro Gonzalez Inarritu
auch in seinem neuen Werk auf große Probleme der Menschheit, die etliche
Situationen auf der Welt sehr schwierig wirken lassen und greift dabei ziemlich
tief in die Seele des Menschen, um Emotionen zu wecken. „Babel“ schließt an der
Stelle den Kreis einer weltlich orientierten „Trilogie“, die sich durch starke
Emotionen auszeichnet. Doch wie ist diese Tatsache zu bewerten?
Wie in vielen Filmen wird man zu
Beginn Zeuge einer einseitig gestrickten Story, als zwei junge Hirtenjungen das
Schießen in den Bergen üben. Kurze Zeit später stellt sich jedoch heraus, dass
dies nur der Anfang von vielen ineinander verstrickten Geschichten ist, die alle
ein Ziel haben: Sie wollen die Zuschauer zum Nachdenken anregen. Doch dies ist
nicht der einzige Kernpunkt dieses äußerst emotionalen Episodenfilms. Die stetig
steigende Spannung, die durch neue Ereignisse aufgebaut und gestärkt wird und
die emotionalen, seelischen Kämpfe der Charaktere in Verbindung mit
Kommunikationsschwierigkeiten verhelfen diesem Machwerk auf den Thron der
Episodenfilme.
Episodenfilme beinhalten mehrere Geschichten, die durch einen gewissen
Berührungspunkt miteinander in Verbindung stehen. Filme wie „Pulp Fiction“, „Sin
City“ oder „L.A. Crash“ bedienten sich diesem Schema sehr deutlich, doch keiner
von ihnen erwies sich so stark wie das neue Meisterwerk von Kunstregisseur
Alejandro Gonzalez Inarritu. Es ist offensichtlich, dass man durch so einen Stil
mehr Aufwecken erregt, als wenn man eine normal ablaufende Geschichte in den
Film integriert. Wäre dies der Fall gewesen, so wäre der Film zwar auch gut
geworden, aber man hätte sich nicht so sehr in den Realismus hineingefügt, der
sich durch jede Handlung seitens der überhaupt nicht fehlbesetzten Schauspieler
herauskristallisiert.
“Babel“ ist die hebräische Bezeichnung für Babylon, was im alten Testament durch
den Bau des Turms zu Babel, der Gott ursprünglich erreichen sollte, was dann
allerdings mit einem „Sprachengewirr“ bestraft wurde und den Menschen Probleme
in der Kommunikation bereitete, festgehalten ist. Nach diesem Muster ist der
neue Film von Alejandro Gonzalez Inarritu aufgebaut, denn er greift die
Fähigkeit (bzw. Unfähigkeit) der Kommunikation auf und das bis ins kleinste
Detail.
In „Babel“ zeigt Brad Pitt
erneut, dass sein Können weit über dem eines normalen Schauspielers hinausragt.
Er beweist Können auf emotionaler Basis, die sich über einen gewissen Zeitraum
sehr weit ausbreitet. An der Seite von Cate Blanchett wird er zum Träger des
Realismus, da er in diesem Film seine bislang realste Schauspielleistung
vorführt, ähnlich wie seine Partnerin. Durch viele Nebendarsteller bestückt,
zeigen auch asiatische Schauspieler ihr Können und beweisen den Drang zur
Dramaturgie, durch den sie die Emotionen in den Höhepunkt leiten.
In Bezug auf die Vorgänger hat „Babel“ einen eindeutigen Vorsprung, da die
Geschehnisse hier noch „realer“ inszeniert wurden, was bestimmte Punkte in Bezug
auf Emotionen betrifft. Natürlich hat der Film „Amores Perros“ eine harte und
auch sehr reale Thematik aufgeworfen, die die Verbindung zwischen Liebe und
Schmerz, Hass und Elend und der Beziehung zu Hunden verdeutlicht hat, jedoch
wird bei Kommunikationsproblemen, die in „Babel“ aufarbeitet werden, das
Emotionale der Charaktere und somit die Probleme der Liebe, des Elends, des
Hasses und der Sehnsucht deutlicher, da sich die Menschen mit ihren
unterschiedlichen Sprachen oder Fähigkeiten, überhaupt sprechen oder hören zu
können, sich gegenseitig die Kraft rauben, die Liebe wirklich umsetzen zu
können. „Babel“ zeigt das, was der Mensch fühlt, jedoch nicht ausdrücken kann,
da zu viele Schwierigkeiten des Verständnisses auftreten, die diese Problematik
streng verschleißen.
In „21 Gramm“ aus dem Jahre 2004 wurde die Begegnung mit dem Tod sehr real
inszeniert und auch sehr schmerzvoll dargestellt. Naomi Watts glänzte neben Sean
Penn in der Rolle einer starken Frau, die durch den Tod ihres Mannes und ihrer
Töchter auf die harte Probe gestellt wurde. Der neue Film „Babel“ verweist auch
grundlegend auf den Tod, ist an dieser Stelle auch stark bestückt mit Emotionen
der Menschen, die dadurch in den Tod geführt wurden (Selbstmord). Im Prinzip ist
das Gefühl des Schmerzes gleich, obwohl man es zu Beginn nicht wahrhaben möchte.
Ist es in „21 Gramm“ die frontale Konfrontation mit dem Tod durch einen Unfall
und den späteren Folgen, so ist es in „Babel“ die Wirklichkeit, in der ein
Mensch mit dem bereits vergangenen Tod eines Familienmitglieds kämpfen muss und
es einfach nie verkraften wird, bis er dann seelischen Beistand erreicht. In
Bezug auf die Stärke der Emotionen stehen alle drei Filme auf gleicher Ebene,
jedoch wirkt das Schicksal der Figuren in Babel noch schwieriger und ist somit
noch beeindruckender, da hier durch das falsche Verständigen noch mehr Probleme
entstehen.
Die Aufgliederung der Ereignisse
wurde in „Babel“ eindeutig am besten verpackt. Wurde in „Amores Perros“ schnell
klar, wie die Geschehnisse zusammenhängen, so wurde in „21 Gramm“ das Szenenbild
schon schwerer zu erkennen. In „Babel“ wird der Zusammenhang der Geschehnisse in
Japan, Mexiko und Marokko erst gegen Ende richtig klar, als sich ein Polizist
mit dem Vater der taubstummen Chieko unterhält. Insgesamt lässt sich behaupten,
dass die Filme immer besser wurden und dass „Babel“ der krönende Abschluss
dieses sagenhaften Episodendramas darstellt.
Fazit:
Es ist schon sehr
waghalsig und mutig, einen Film mit so einer unglaublich ernsten und dann auch
noch aufgeteilten Handlung in die Kinos zu schicken, da man nie weiß, wie die
Leute auf so etwas reagieren. Aber das ist nun mal der Reiz an diesem Film, der
sich gerade durch diese beiden Hauptargumente als Kirsche auf einer Sahnetorte
vermarkten lässt. Kein Film hat je so stark bewiesen, dass es in der Tat möglich
ist, Kino realer wirken zu lassen als jede Bewegung, die wir täglich machen. Es
ist unglaublich, wie stark ein solcher Filmgenuss den Menschenverstand
beeinflussen kann und sich dann in den Köpfen der Menschen festsetzt. Ein
solcher Film hat es einfach verdient, gelobt zu werden, da es ohne Zweifel eines
der Highlights des vergangenen Jahres ist.
10 / 10
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