Story:
Charlie Bartlett, Sohn
reicher Eltern, fliegt von einer teuren Privatschule nach der anderen. Seine
Mutter sieht nur noch einen Ausweg: Eine Erziehung in einer ganz normalen
öffentlichen Schule. Schnell muss Charlie jedoch feststellen, dass die Dinge
hier ein wenig anders laufen. Um bei seinen Mitschülern Sympathiepunkte
einzuheimsen, eröffnet Charlie kurzer Hand eine kleine Gesprächspraxis auf der
Herrentoilette und gibt zu den guten Ratschlägen jede Menge Medikamente, die er
sich bei seinen eigenen Psychotherapiesitzungen erschwindelt. Doch sehr schnell
wird klar, das seine Mitschüler keine Pillen brauchen, sondern jemand der ihnen
zuhört.
regie :
jon poll
cast :
robert downey jr, anton yelchin
kritik :
tobias hohmann
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Kritik:
„Charlie Bartlett“
ist unterhaltsam, ambitioniert, hervorragend besetzt, macht jedoch aus seinen
Möglichkeiten insgesamt gesehen leider etwas zu wenig.
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"Ich bin der Chekov, willst du sehen meine Enterprise?
Ich zeig dir auch meine Warpkerne."
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Anton Yelchin, Darsteller des
Charlie Bartlett, kann ohne Zweifel zu einem der derzeit angesagtesten Jungstars
gezählt werden. So hat er neben den bereits abgedrehten „Middle of Nowhere“ und
„You and I“ auch jeweils eine Rolle in den kommenden Big Budget Filmen
„Terminator“ und „Star Trek“ ergattert – im letzteren spielt er den jungen Pavel
Checkov.
Nachdem man ihn als Charlie Bartlett gesehen hat, ist auch völlig klar, warum
Yelchin derzeit so gute Rollenangebote bekommt. Er ist völlig überzeugend in der
Rolle des sensiblen Schulrebellen, und bringt sowohl die ruhigen Dialogpassagen,
als auch die abgedrehten Seiten der Figur hervorragend rüber und ist damit ein
Glücksfall für den Film. Denn dieser weiß nicht so recht, was er nun wirklich
sein will? Eine Tenniekomödie? Ein Drama? Zeitweilig torkelt der Film recht
orientierungslos zwischen den Genres hin und her und wird in diesen Momenten nur
durch den hervorragenden Cast zusammen gehalten. Neben dem schon angesprochenen
Yelchin stechen da besonders Hope Davis, die Charlies Mutter verkörpert, und Kat
Dennings, als die Tochter des Rektors, hervor und lassen auch in diesen Szenen
ihre Figuren stets glaubwürdig und echt wirken.
Robert Downey Jr. hingegen überzeugt nicht in der Form, in der man es vielleicht
erwartet hätte. Erst zum Schluss kommt seine Figur in der Geschichte an – spät,
aber rückblickend betrachtet nicht zu spät.
„Charlie Bartlett“ ist witzig, überzeugt Dank der Darsteller auch in den
ruhigeren, dramatischen Momenten, hat jedoch – bei allen positiven Aspekten –
ein Hauptproblem: Die Geschichte an sich wirkt stark aufgesetzt und
unglaubwürdig.
Charlies Wandlung vom Looser zum Schulliebling geht zu schnell und ist dadurch
nicht nachvollziehbar. Selbiges gilt für die Idee, das sich die Mitschüler einem
Gleichaltrigen ohne Scheu anvertrauen und ihre intimsten Geheimnisse und
Probleme erzählen. Sicher, es ist bei solch einem Projekt recht ambitioniert,
die Orientierungslosigkeit der Teenies zu thematisieren, aber das wirkt recht
naiv, unausgegoren und unentschlossen.
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"Hätten Sie Interesse an diese Rostmittel?
Nein? Vielleicht diese tolle
Glas Chrompolitur? Klarlack?"
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All diese Negativfaktoren können
eines jedoch nicht verhindern: Der Film ist sehr unterhaltsam und Dank der
glaubwürdigen Darstellung der Figuren stets mitreißend. Produziert wurde der
Streifen übrigens von Komödienspezialist Jay Roach, der als Regisseur z.B. alle
„Austin Powers“ Filme oder auch die Focker Filme („Meine Frau ihre
Schweigereltern und ich“) in seiner Vita stehen hat.
Das „Charly Bartlett“ bei einem Budget von etwa 12 Mio. Dollar bislang weltweit
nur knapp 5 Mio. Dollar wieder eingespielt hat, ist sehr enttäuschend und
unverständlich. Der Flop in den USA beruht jedoch vermutlich auf die völlig
überzogene Alterseinstufung, denn die MPAA – vergleichbar mit unserer FSK –
stufte den Streifen allen Ernstes als R-Rated ein und machte das Werk von
Regisseur Jon Poll somit für die Zielgruppe praktisch unsichtbar. Als Begründung
nannte man die Verharmlosung des Drogenkonsums – fälschlicher kann man die
Aussage des Films auch nicht auffassen. Sehr schade, denn „Charlie Bartlett“
hätte wirklich mehr Aufmerksamkeit verdient.
Fazit:
„Charlie Bartlett“ ist
insgesamt gesehen absolut gelungen, wirkt überwiegend frisch, amüsant und
sympathisch. In Verbindung mit der tollen Besetzung – wobei der überragende
Yelchin herausragt – ergibt sich ein wirklich unterhaltsamer Film mit einigen
ernsten Zwischentönen. Leider wirken einige Abläufe undurchdacht und dadurch
wenig glaubhaft, doch das fangen die Stärken des Films zumeist auf.
Sehenswert!
7 / 10
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