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Kritik:
Charlie Bartlett


von Tobias Hohmann

Charlie Bartlett
(2009)
Regie: Jon Poll
Darsteller: Robert Downey Jr, Anton Yelchin

Story:
Charlie Bartlett, Sohn reicher Eltern, fliegt von einer teuren Privatschule nach der anderen. Seine Mutter sieht nur noch einen Ausweg: Eine Erziehung in einer ganz normalen öffentlichen Schule. Schnell muss Charlie jedoch feststellen, dass die Dinge hier ein wenig anders laufen. Um bei seinen Mitschülern Sympathiepunkte einzuheimsen, eröffnet Charlie kurzer Hand eine kleine Gesprächspraxis auf der Herrentoilette und gibt zu den guten Ratschlägen jede Menge Medikamente, die er sich bei seinen eigenen Psychotherapiesitzungen erschwindelt. Doch sehr schnell wird klar, das seine Mitschüler keine Pillen brauchen, sondern jemand der ihnen zuhört.

Kritik:
Anton Yelchin, Darsteller des Charlie Bartlett, kann ohne Zweifel zu einem der derzeit angesagtesten Jungstars gezählt werden. So hat er neben den bereits abgedrehten „Middle of Nowhere“ und „You and I“ auch jeweils eine Rolle in den kommenden Big Budget Filmen „Terminator“ und „Star Trek“ ergattert – im letzteren spielt er den jungen Pavel Checkov.

Nachdem man ihn als Charlie Bartlett gesehen hat, ist auch völlig klar, warum Yelchin derzeit so gute Rollenangebote bekommt. Er ist völlig überzeugend in der Rolle des sensiblen Schulrebellen, und bringt sowohl die ruhigen Dialogpassagen, als auch die abgedrehten Seiten der Figur hervorragend rüber und ist damit ein Glücksfall für den Film. Denn dieser weiß nicht so recht, was er nun wirklich sein will? Eine Tenniekomödie? Ein Drama? Zeitweilig torkelt der Film recht orientierungslos zwischen den Genres hin und her und wird in diesen Momenten nur durch den hervorragenden Cast zusammen gehalten. Neben dem schon angesprochenen Yelchin stechen da besonders Hope Davis, die Charlies Mutter verkörpert, und Kat Dennings, als die Tochter des Rektors, hervor und lassen auch in diesen Szenen ihre Figuren stets glaubwürdig und echt wirken.

Robert Downey Jr. hingegen überzeugt nicht in der Form, in der man es vielleicht erwartet hätte. Erst zum Schluss kommt seine Figur in der Geschichte an – spät, aber rückblickend betrachtet nicht zu spät.

„Charlie Bartlett“ ist witzig, überzeugt Dank der Darsteller auch in den ruhigeren, dramatischen Momenten, hat jedoch – bei allen positiven Aspekten – ein Hauptproblem: Die Geschichte an sich wirkt stark aufgesetzt und unglaubwürdig.

Charlies Wandlung vom Looser zum Schulliebling geht zu schnell und ist dadurch nicht nachvollziehbar. Selbiges gilt für die Idee, das sich die Mitschüler einem Gleichaltrigen ohne Scheu anvertrauen und ihre intimsten Geheimnisse und Probleme erzählen. Sicher, es ist bei solch einem Projekt recht ambitioniert, die Orientierungslosigkeit der Teenies zu thematisieren, aber das wirkt recht naiv, unausgegoren und unentschlossen.

All diese Negativfaktoren können eines jedoch nicht verhindern: Der Film ist sehr unterhaltsam und Dank der glaubwürdigen Darstellung der Figuren stets mitreißend. Produziert wurde der Streifen übrigens von Komödienspezialist Jay Roach, der als Regisseur z.B. alle „Austin Powers“ Filme oder auch die Focker Filme („Meine Frau ihre Schweigereltern und ich“) in seiner Vita stehen hat.

Das „Charlie Bartlett“ bei einem Budget von etwa 12 Mio. Dollar bislang weltweit nur knapp 5 Mio. Dollar wieder eingespielt hat, ist sehr enttäuschend und unverständlich. Der Flop in den USA beruht jedoch vermutlich auf die völlig überzogene Alterseinstufung, denn die MPAA – vergleichbar mit unserer FSK – stufte den Streifen allen Ernstes als R-Rated ein und machte das Werk von Regisseur Jon Poll somit für die Zielgruppe praktisch unsichtbar. Als Begründung nannte man die Verharmlosung des Drogenkonsums – fälschlicher kann man die Aussage des Films auch nicht auffassen. Sehr schade, denn „Charlie Bartlett“ hätte wirklich mehr Aufmerksamkeit verdient.

Fazit:
„Charlie Bartlett“ ist insgesamt gesehen absolut gelungen, wirkt überwiegend frisch, amüsant und sympathisch. In Verbindung mit der tollen Besetzung – wobei der überragende Yelchin herausragt – ergibt sich ein wirklich unterhaltsamer Film mit einigen ernsten Zwischentönen. Leider wirken einige Abläufe undurchdacht und dadurch wenig glaubhaft, doch das fangen die Stärken des Films zumeist auf. Sehenswert!

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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