home  |  vorschau  |  kritiken  |  dvd  |   filmverzeichnis  |  gewinnspiele  |  drehbücher  |  impressum  |  links  |  chat  |  forum

 
Film Kritik
 
<< Zurück


 


 

 
Die Legende von Beowulf

Story:
Beowulf ist ein mächtiger Krieger, der eines Tages beschließt, das grausame Monster Grendel zu erledigen. Gesagt, getan, doch Beowulf wäre keine klassische Heldenlegende, wenn die Geschichte damit ihr Ende finden würde...

regie :
robert zemeckis
cast  : ray winstone, angelina jolie
kritik : christian mester
 

____________________________________________________________________________

Kritik:
Beowulf macht es einem nicht leicht; für jeden Hieb der sitzt, schlägt er auch kräftig daneben.

Robert Zemeckis' Polarexpress war ein Kinderfilm, der für sein Genre eigentlich schon fast zu unheimlich war. Grund war damals der CGI-animierte Tom Hanks, der als vermeintlich freundliche Schaffner auf gewisse Art etwas seelenloses an sich hatte. Viele Kinder hatten ein Problem damit, doch wenigstens konnte die Action im Film einiges wettmachen. Für einen Polarexpress Teil 2 reichte es aber nicht (dreie waren geplant).

Der Regisseur von Zurück in die Zukunft machte sich also einen Kopf und überlegte, was er aus seinem neuen Spielzeug Real-Animationsfilm als nächstes machen könnte - einen Fantasyfilm, und zwar nicht für Kinder. Eigentlich sollte Beowulf noch wesentlich freizügiger und blutiger sein als er jetzt ist, aber das Studio scheute dann doch und bat um eine zahmere Fassung, die nun familiengerecht gestutzt im Kino läuft.

An dieser Stelle sei allerdings gesagt, das man sich das mit dem jungen Publikum deutlich überlegen sollte. Beowulf mag ab 12 sein, doch inhaltlich ist er eher für ab 16 geeignet. Es gibt zwei Monster im Film, die alles andere als harmlos sind. Viele ihrer Morde werden zwar nur angedeutet, aber sie reißen Gliedmaßen aus, Körper auseinander, erschlagen, erwerfen, verbrennen und erstechen die Dorfbewohner, dass der halbwegs blutige Streifen Kraft der Gedanken zu einem echten Splatterfest wird. Dann sind da noch die Krieger selbst, die sich Arme abhacken, Pfeile in Köpfe schießen und Herzen mit der bloßen Hand herausfetzen.

Dann käme da noch das Thema Sex, das in Beowulf mehr als nur angeschnitten wird. Abgesehen von Angelina Jolie, die in drei Szenen splitterfasernackt als Dämon erscheint, ist die Geschichte nur so mit Andeutungen gespickt, in denen Wikinger auf vollbusige Barfrauen staren und über das Feuer ihrer Lenden Witze machen, oder in denen Krieger mit ihrer Manneskraft prahlen. Natürlich gibt das keinen Punktabzug, aber man sollte sich wegen des Genres nicht vertun und meinen, der käme bei Kids genau so an wie Ratatouille.

Beowulf selbst macht eine gute Figur. Er ist der geborene Anführer und ein sagenhafter Kämpfer der Marke Herkules / Leonidas / Achilles. Laut, furchtlos und wild entschlossen stürzt er sich auf jedes Problem und meistet dieses hervorragend. Sein Kampf gegen Grendel ist sehr gut in Szene gesetzt und spannend, wäre da nicht die Tatsache, dass Beowulf den Kampf im Adamskostüm bestreitet. Wie bei Austin Powers spielt Zemeckis immer wieder mit den Kameraeinstellungen und platziert zahlreiche Gegenstände vor des Helden Gemächt, dass es schon beinahe albern wird.

Der erste Teil des Films ist mehr gelungen als der zweite. Das eingeschneite Dorf und Grendel's Attacken sind schaurig, die Schocks gut gesetzt und das Auftreten des gerufenen Kriegers interessant. Kleiner Humor hier und da lockert das ganze auf, doch die Actionszenen sind gnadenlos und wirklich effektiv.

Stark ist auch Crispin Glover als Monster Grendel, der wahrlich abscheulich aussieht (man denke sich einen großen, hässlichen Bruder von Gollum) und voller Qualen und Leidenschaft mehr Emotionen erweckt als die anderen Hauptdarsteller Anthony Hopkins, Brendan Gleeson und Robin Wright Penn. Hopkins spielt den faulen versoffenen König, Gleeson den wackeren Kumpanen Beowulf's und Penn die Frau des Königs, die, wie sollte es anders sein, natürlich ein Auge auf den Helden geworfen hat. In Nebenrollen gibt es dann noch John Malkovich als missgünstigen Helfer und Angelina Jolie als nackten Doppel-D Dämon, aber sie alle spielen sich im Grunde nur selbst und bleiben weit hinter dem zurück, was sie sonst so in anderen Filmen zeigen.

Kommen wir zum größten Streitpunkt, der Optik. Teilweise muss man die Designer wirklich ungemein loben. Grendel zb sieht mit seiner komplexen Hautstruktur greifbar gut aus, Wasser sieht fast vollkommen echt aus und das Dorf, sowie ein Drache der später darin tobt, wissen zu überzeugen. Von den Figuren her sehen Ray Winstone und Brendan Gleeson noch am besten aus. Anthony Hopkins wirkt des öfteren wie eine Plastikfigur, während die Designer die Frauen des Films vollkommen vergeigt haben.

Robin WP, Angelina Jolie und später Alison Lohmann sehen schlicht aus wie Schaufensterpuppen. Ihre makellos perfekte Haut macht sie hundertprozent unglaubwürdig. Bei Jolie würde das ja noch gehen da sie eine übernatürliche Figur spielt, aber ihr zartes Gesicht ist so schwach übernommen, das man sich nur mit Schwierigkeiten in der Story halten kann. Wer sonst außer Angelina Jolie wäre für die Rolle einer verführerischen Dämonin prädestiniert? Aber bei dieser kalten Visage und den toten, nichtssagenden Augen lässt sich nichts spüren.

Wie gesagt, der erste Abschnitt ist noch der beste, denn im zweiten verläuft die Story ein wenig im Sand. Beowulf ist kein lebenslustiger Held mehr, sondern eben jene langweilige Figur wie Hopkins zu Anfang, und der simple Ersatz des Gegners will auch nicht fruchten. Grendel bekam im ersten Abschnitt noch kurz Persönlichkeit, der Drache im zweiten ist einfach nur namenlos und besitzt soviel Charakterstärke wie ein Stuhl. Es wird sich auch keinerlei Mühe gemacht, ihn näher vorzustellen und das viel zu offene Ende lässt eines unausgesprochen: jetzt kommt Level 3.

Mit seinem zweiten Abschnitt wirkt Beowulf nämlich mehr wie ein Next-Gen Computerspiel, bei dem sogar ganze Kamerapositionen wie aus modernen 3D-Actionspielen übernommen sind. Zemeckis' Regie ist durchweg ganz gut gelungen, doch selbst wenn man es mit anderen Animationsfilmen vergleicht, muss einfach eingesehen werden, das Beowulf einfach schwächer ist. Filme wie Madagascar, Könige der Wellen, Die Unglaublichen, die Shreks und die Ice Age's wirken runder, lebendiger und harmonischer. Nicht selten kann man bei Beowulf annehmen, das der Film wie ein verbuggtes Spiel zu früh erschien.

Hier und da hätte man die Optik noch verbessern, die Story angleichen und einiges mehr optimieren können, aber als Film bleibt auch leider keine Aussicht auf einen zukünftigen Patch. Auf DVD wird womöglich eine Unrated-Fassung mit etwas mehr Blut und Haut erscheinen, eine komplette Überarbeitung wäre aber mit Sicherheit zu kostenaufwendig.

Merkwürdig ist auch, das Gleeson, Hopkins und Jolie möglichst real übernommen wurden, während Malkovich, Winstone und Wright Penn
absolut nicht zu erkennen sind. Es macht zudem den Anschein, dass
Beowulf besser funktioniert hätte, wären die Schauspieler echt gewesen.
Das hätte auch die Kosten gesenkt und einiges einfacher gemacht.

Fazit:
Die Legende von
Beowulf erzählt eine solide Abenteuergeschichte mit viel Rumms, originellen Figuren und jeder Menge Action; nichtsdestotrotz leidet
er noch an vielen Kinderkrankheiten und ist nicht ganz stubenrein. Es ist kein schlechter Film, aber halt auch kein insgesamt guter.

5
/ 10
_____________________________________________________________________________

:::::...: Diskussion im Forum :...:::::





























 

 




alle genutzten Promomaterialien diverser Filme
Copyright den entsprechenden Besitzern
alle Texte und nicht-promotionalen Bilder
Copyright 2005 bereitsgesehen.de
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websiten verantwortlich