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KRITIK:
THE BOOK OF ELI


Regie: Hughes Bros.
Darsteller: Denzel Washington, Gary Oldman
Release: 2010


von Christian Mester


Story:
In einer postapokalyptischen Zukunft streicht ein wortkarger Wanderer (Denzel Washington) einsam durch verwüstete Landschaften. Im Gepäck? Ein Buch, das allein durch seinen Stellenwert die übrig gebliebene Welt verändern könnte. Auf seinem Weg zu einem bestimmten Ort trifft der Reisende dabei auf den zwielichtigen Tyrannen einer Kleinstadt (Gary Oldman), der vom wichtigen Schriftstück erfährt und alles daran setzt, es in seine Fuchtel zu bekommen.

Der letzte Film der Hughes Bros., FROM HELL
ist 9 Jahre her

Kritik:
Badass des Jahres – den Titel dürften Denzel Washington 2010 wohl nur noch wenige streitig machen. In seiner Rolle als bebrillter Samurai-Verschnitt schnetzelt und ballert sich der 55jährige spektakulär durch zahlreiche Gefahren der Endzeit. Ob Kannibalen, Räuber oder ein Fettwanst mit Kettensäge; jeder, der in der postnuklearen Gesellschaft der Zukunft auf fremdes Blut aus ist, verliert sein eigenes meist zuerst. Die Kämpfe im Film sind eine echte Offenbarung für Fans des Genres: es stören keine unübersichtlichen Nahaufnahmen, keine hektischen wilden Schnitte, keine gezwungenen Stunts; endlich darf man Kämpfe mal klar überblicken und bewundern, wie geschickt der Klingen wetzende Held zu Werke geht; und dass Denzel ausgiebig trainiert hat und glaubwürdig fünfzehn Leute im Nahkampf erledigen kann, sieht man und ist beachtlich.

Kunis' Rolle sollte zuerst von Kristen Stewart
(TWILIGHT) gespielt werden.

Der Haken? So viele Kämpfe gibt es nicht und sie fallen alle immer sehr kurz (da augenblicklich tödlich) aus. Eli ist ein formidabler Kämpfer, als Charakter allerdings ziemlicher Zwieback. Washington ist - wie immer - hervorragend, doch seine Rolle sagt wenig, hat keinen wirklichen Humor, zeigt fast keine Emotionen und wenn er redet, hat es meist stark konservative Töne. Da er den Großteil des Films über somit klamm und spießig bleibt, fällt es recht schwer, sich jemals emotional an seine Geschichte zu binden. Es - ist halbwegs möglich, allerdings setzt das dann auch voraus, dass man ein bestimmtes Geheimnis des Films nicht schon früh selbst errät. Darüber hinaus ist es prinzipiell entscheidend, dass man sich von den signifikanten Motiven und Aussagen des Films angesprochen fühlt.

Worum es da nun thematisch genau geht oder welches Buch gesucht wird, sei dem Film überlassen, allerdings kann man sagen, dass es ein sehr kritisches Konzept anspricht und dadurch unterschiedlichste Reaktionen hervorrufen wird. Manch einer wird sich oberflächlich belehrt fühlen, manch einer sieht nichts, da man sich vom Thema prinzipiell nicht tangiert fühlt, andere wiederum werden die getroffenen Aussagen mit offenen Armen empfangen und „Eli“ einen der besten des Jahres nennen.

Fakt ist aber, dass „The Book of Eli“ trotz seiner Message kein tiefer oder tiefsinniger Film ist. Den Eindruck hinterlassen vielleicht noch die ersten Minuten, in denen Denzel lange Zeit alleine unterwegs ist und die Hughes das mystische Motiv des einsamen Spaziergängers untermalen, spätestens aber wenn Denzel Oldmans kleine Stadt erreicht, wird es zu einem reinen, sehr simplen Action-Thriller (mit, wie gesagt, wenigen und kurzen Actionszenen). Oldman spielt eine reine Cartoon-/Videogamefigur, einen aufgekratzten, Szepter schwingenden Kleinkönig mit rechter Hand und Armee von Tölpeln, die in einer Tour nur zu hören kriegen, dass sie doch das verdammte Buch holen sollen. Eine einsilbige Figur, die Oldman allerdings eigenhändig zum Highlight des Films macht. Er raunt, knurrt und grinst sich mit geballter Kraft durch seine Momente, dass man stets gefesselt bleibt. Dass er großen Spaß an der Rolle hatte, ist merkbar und steckt an. Verloren wirkt dagegen Ray Stevenson („Punisher: Warzone“, Kritik), der als kahler Henchman fast nichts zu tun bekommt und als tumber Klotz hilflos in eine mäßige Ecke geschrieben wird. Ähnlich schwach ist Mila Kunis („Max Payne“) als Begleiterin, die für Endzeit-Verhältnisse immer erstaunlich schick und sauber aussieht und die meiste Zeit über nichts anderes macht, als Denzel mit starrer Miene zuzuhören. .
 


Sie macht sich nicht schlecht, doch ihre Rolle ist, wie vieles im Film, recht schwach geschrieben, hinterlässt keinen Eindruck. Dann gibt es immer wieder Momente, die falsch wirken. Beispielsweise gibt es eine Szene, in der Milas Charakter – die klein und schwach ist und nicht kämpfen kann – mit Badass-Mimik alleine zu Fuß aufbricht… es soll eindrucksvoll wirken, kann es aber nicht, da man kopfschüttelnd weiß, dass sie es so nur bis zum nächst besten Treffen mit tödlichen Psychopathen schafft. Einige inhaltliche Schnitzer wollen ebenfalls nur schwerlich schmecken. Dass Denzels Charakter schon seit 30 Jahren unterwegs ist, lässt fragen, was er all die Zeit gemacht hat, in der er sein Ziel längst hätte erreichen können. Das eine Geheimnis, das er mit sich herumträgt, dürfte die meisten gekonnt überraschen, kratzt rückblickend jedoch so sehr am Glaubhaften, dass ein Atze Schröder seinen Wahlspruch bringen darf. Dass Oldman ausgerechnet sein Buch sucht, ist ebenfalls ein wenig unglaubwürdig, da es – trotz lauer Erklärung im Film – nicht zu fassen ist, dass sein Exemplar weltweit das letzte sein soll.

Was die generelle Umsetzung des Films betrifft, darf man gespaltener Meinung sein. Die trostlose Gegend hat etwas Unheilvolles, allerdings greifen einige Farbfilter und künstliche Hintergründe teilweise daneben; dass das Geld nicht reichte, sieht man an allen Ecken und Enden. In Oldmans Stadt kann man erahnen, wo die Bauten aufhören und der Rest wenig überzeugend aus dem Computer kommt, überhaupt sieht man recht wenig von der vernichteten vorherigen Welt. Ansonsten darf man wohl im Großen und Ganzen zufrieden sein. Musik passt zur Stimmung, es gibt ein paar auffällige gelungene Kameraspielereien und sämtliche Kämpfe und Unterhaltungen sind passend in Szene gesetzt
. Das saure Gefühl bleibt jedoch, dass man diese Geschichte kräftiger, eindrucksvoller hätte entwickeln können.

Fazit:
“The Book of Eli” ist ein rundum solider Streifen mit einigen sehr unterhaltsamen Momenten und einem hervorragend aufgelegten Gary Oldman, allerdings sollte man Erwartungen drosseln. Wer auf Action setzt, bekommt davon zu wenig, auch sind die Hughes nicht auf hirnfreie Dauerunterhaltung aus; wer sich von dem interessanten Szenario und den Möglichkeiten eine indes dramaturgisch packende Geschichte in starken Bildern erhofft, knirscht mit den Zähnen, da das Ding recht oberflächlich und glatt bleibt. Dennoch, ein sehenswerter Mix aus Beidem, der als Gesamtpaket funktioniert.

6.5 / 10

10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel


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