home  |  vorschau  |  kritiken  |  gewinnspiele  |  drehbücher  |  impressum  |  links  |  chat  |  forum


 

KRITIK:
THE BOOK OF ELI


Regie: Hughes Bros.
Darsteller: Denzel Washington, Gary Oldman
Release: 2010


von Christian Westhus


Story:
In einer postapokalyptischen Zukunft streicht ein wortkarger Wanderer (Denzel Washington) einsam durch verwüstete Landschaften. Im Gepäck? Ein Buch, das allein durch seinen Stellenwert die übrig gebliebene Welt verändern könnte. Auf seinem Weg zu einem bestimmten Ort trifft der Reisende dabei auf den zwielichtigen Tyrannen einer Kleinstadt (Gary Oldman), der vom wichtigen Schriftstück erfährt und alles daran setzt, es in seine Fuchtel zu bekommen.

Der letzte Film der Hughes Bros., FROM HELL
ist 9 Jahre her

Kritik:
- Anmerk. d. R.: In der Kritik wird angedeutet, um welches Buch es sich handelt. Im Film ist das allerdings keine wirkliche Überraschung, kein Twist und auch die Vorschau verriet es bereits, so dass es in dieser Kritik folglich ohne Spoilermeldung behandelt wird
.

„Endzeit galore“ heißt es erneut im Kino, weil der Menschheit mal wieder aus irgendeinem Grund der Saft abgedreht wurde. Denzel Washington spricht vom „großen Blitz“, die Straßen sind wüst und leer, und bebrillte Unholde machen selbige unsicher. Der Auslöser der Katastrophe bleibt eine ungenau definierte Blaupause. So wird der als Action-Thriller beworbene Film zur moralisch-spirituellen Sinnsuche nach dem Weg in den Neubeginn. So reduziert sich der Film in seiner Aussage auch komplett auf menschliches Verhalten und versucht sich an einer Definition von höherer Führung, fern allen gesellschaftspolitischen Gründen fürs Armageddon. Damit macht man es sich zwar etwas einfach, aber ein gewisses Interesse für die Materie dürfte durchaus möglich sein.

Denzel Washington trägt als Einzelgänger Eli ein gewisses Buch durch die leer gefegten Straßen und Steppen der USA. Die Wälder sind schwarz vor Asche, die Sonne brennt und ansonsten beherrscht die Landschaft eine schlammig graue Ödnis. In den durchaus atmosphärischen ersten Minuten sehen wir Elis Alltag: Nahrungsbeschaffung, Wassersuche, Musik und das tägliche Lesen aus dem Buch. Erst als er in eine kleine städtische Siedlung und damit an Gary Oldman gerät – ganz „subtil“ beim Lesen eines Buches über Mussolini eingeführt – wird der ruhige Eli von seinem geraden Weg abgebracht. Oldman sucht ein Buch und es sieht ganz danach aus, als sei es genau das Buch, welches Eli mit sich herum trägt. Das erste Dutzend an brüllenden Schergen muss jedoch aus anderen Gründen bereits durch Elis Hand dran glauben, denn niemand berührt ihn oder das Buch.

Kunis' Rolle sollte zuerst von Kristen Stewart
(TWILIGHT) gespielt werden.

Eigentlich sollte es kein Geheimnis sein, welches Buch der schweigsame Wanderer da bei sich trägt. Der Trailer macht im Prinzip keinen Hehl daraus und recht früh hören wir Auszüge daraus, die sämtliche Erwartungen bestätigen. Es ist eh die nahe liegende Klischee-Wahl, denn welches Buch könnte sonst so viel Macht besitzen, wie Oldmans Figur Carnegie dem Werk zuspricht? „Bei der Macht von ‚Harry Potter’“ wäre jedenfalls die amüsantere Wahl gewesen. Carnegie will die Menschen lenken, sich zum Gottkönig aufschwingen und „expandieren“, wie er sagt, während Eli der Stimme Gottes folgt und stoisch sein Ziel verfolgt gen Westen zu gehen und das Buch abzuliefern.

„The Book of Eli“ ist dabei religiös bis ins Mark und das ist mitunter fast aufdringlich penetrant. Eli betet, küsst sein Kruzifix und zitiert munter aus „dem Buch“. Ruhig und weise spricht er von Respekt und davon, die Dinge die wir haben zu schätzen. Klischeehafter Höhepunkt ist der oft bemühte Klischee-Psalm Nummer 23, der ja so gut passt, weil auch Eli „schon wanderte im finsteren Tal“ und kein Unglück fürchtet. So ist der Film die Road-Movie-Endzeit-Version einer religiös motivierter Propheten- und Erlöser-Parabel. Natürlich zitiert Eli nur die passenden Passagen, aber er, der ohne Institution dem Wort Gottes folgt, steht natürlich Carnegie mit seinem Instrumentalisierungswillen gegenüber. Glaube vs. Institution. Liest sich auf dem Papier gut, führt dann im Film nicht viel weiter als diese komprimierte Zuspitzung.

Dazwischen weiß der Film aber glücklicherweise oft genug, dass er eigentlich ein cooler Endzeitthriller sein will. Eli fertigt die Angreifer versiert und gekonnt ab und garniert es hier und da mit kaum gewolltem Witz. Die gewalttätigen Actionszenen sind durchaus ansehnlich inszeniert, weil die Hughes Brothers als Regisseure ihren Kameramann zu vielen langen Takes nötigen. Die Kamera vollführt dank digitaler Hilfe so manches Kunststückchen und schwebt scheinbar körperlos mitten im wildesten Gefecht durch die kleinste Öffnung. Das ist eine Spielerei, aber dennoch deutlich angenehmer – weil übersichtlicher und weniger abgenutzt – als sonstige Actionszenen moderner Bauart, die mit vielen Schnitten Tempo vorgaukeln. Irgendwie will sich bei den ersten Gefechten jedoch noch keine Bedrohung einstellen, denn zu selbstbewusst und zu cool streckt Eli die Kombattanten nieder. Erst als er sich Carnegies Zorn zuzieht, da er das Buch – ganz dreist – einfach behalten will, gerät Eli in Gefahr und muss flüchten
.  


Oder aber weil er ein Anhängsel in Gestalt von Mila Kunis aufgegabelt hat, die ihn natürlich angreifbar macht. Nach durchaus interessanten Szenen in Carnegies Stadt, mit nicht immer logischen, aber dennoch anschaulichen Einblicken in das neu organisierte Zusammenleben nach der Katastrophe, wird die zweite Hälfte deutlich schwächer. Hier und da hat das Skript einen gewagten Einfall, z.B. ob und wie Eli Fremden helfen kann und will, aber in der zweiten Hälfte drücken Flucht und Action mit aller Macht auf den Fluss. Das Zusammentreffen mit zwei älteren Herrschaften wagt sich erneut an grotesken Humor und fällt damit brachial auf die Nase. Eine ausufernde Ballerei lässt den Stil der vorherigen, hauptsächlich mit Händen und Machete geführten Kämpfe vermissen. Und dazwischen immer wieder Elis Liturgien.

Wäre Gary Oldman nicht so ein wunderbar fieser Charmebolzen in einer eigentlich flachen Rolle, der Film würde komplett auseinander fallen. Washington überzeugt in den Actionsequenzen und man nimmt ihm den spirituellen Reisenden sicherlich ab, doch als Figur ist Eli zu einsilbig und zu konsequent in seinem Weg. Keine Entwicklung. Unaufhaltsam verfolgt er sein Ziel, was sicherlich zum Konzept dieser Figur passt, den Spannungsbogen aber etwas durchhängen lässt. Jedenfalls bis zum großen, sakral aufgeladenen letzten Drittel. Aber das ist natürlich klar. Mila Kunis sollte eher beim humoristischen Fach bleiben, Jennifer Beals findet nach ein, zwei guten Szenen nicht mehr statt, und Ray Stevenson ist ebenso überflüssig wie zwei markante Gastauftritte markanter Persönlichkeiten.

Mal wieder Licht und Schatten in einem großen Hollywoodfilm. Das ganze Endzeitkonzept bietet durchaus spannende Ideen, ist oft genug aber auch schlicht unlogisch und widersprüchlich. Die Gesellschaft vor dem großen Wandel ist dezimiert und die Menschen der neuen Welt kennen irgendwie die verrücktesten Dinge nicht mehr, obwohl damit im Geschäft nebenan gehandelt wurde. Genauso ist die gesamte Zuspitzung auf die Jagd nach Eli und dem Buch unglaubwürdig oder zumindest bis zum Äußersten konstruiert. Der eigentliche Twist des Films bringt dann auch noch beinahe die gesamte Handlung zu Fall, weil die Wendung zwar angedeutet wurde, jedoch von vorne bis hinten unnötig und unglaubwürdig ist. Und während der ziemlich gute Industrial-Soundtrack für ordentliche Atmosphäre sorgt, reißen die computergenerierten Hintergrunde Mal um Mal aus dem Film heraus. Das grell künstliche Türkis des mit Wolken verhangenden Himmels setzt sich auf unangenehme Art von den grau-braunen Örtlichkeiten ab, die selbst nicht mit dem feinsten Pinsel gemalt wurden. Mal wieder ertränkt Hollywood einen Film in Farbfiltern, wo ähnliche Effekte doch so leicht besser und glaubwürdiger möglich gewesen wären.

So sind die letzten großen Hintergrundeffekte ebenfalls von durchwachsener Qualität und geben nur den Startschuss für ein abschließendes Zitate-Potpourri, quer durch die Geschichte des Endzeitfilms und entsprechender Literatur. „Der Omega Man“, „Children of Men“, „Mad Max“ und Cormac McCarthys „The Road“ sind hier mit Leichtigkeit zu finden und der zwischenzeitlich nicht uninteressante religiöse Pamps türmt sich meterhoch auf. Was bleibt ist ein mitunter unterhaltsamer, mitunter spannender und gut inszeniert Endzeitthriller mit religiösen Tendenzen, die mal funktionieren und mal stören. Nicht immer logisch, aber durchaus guckbar.


Fazit:
“The Book of Eli“ ist nicht eindeutig Fisch, nicht eindeutig Fleisch. Ein Endzeitthriller mit Action, jedoch kein reiner Actionfilm, wenn auch packend inszeniert. Mit dramatischen Aspekten, die jedoch etwas unterentwickelt bleiben, und schließlich der thematische Hintergrund des Ganzen, der ebenfalls uneindeutig zwischen den Extremen pendelt. Schwer einzugrenzen, aber für Interessierte durchaus mal einen Blick wert.

5.5 / 10


Das Copyright der genannten Markennamen und genutzten Promotionsmaterialien
liegt bei den entsprechenden Besitzern. Texte und nicht-promotionalen Bilder
Copyright bereitsgesehen.de
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websiten verantwortlich.