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Kritik:
Brick


von Christian Westhus

Brick
(2005)
Regie: Rian Johnson
Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Lukas Haas

Story:
„Schatten bewegen sich über eine Hauswand. In der Dunkelheit ist ein Türrahmen auszumachen, eine Silhouette eines Mannes bewegt sich leicht im Schwarz der Nacht. Markige Worte werden gesprochen, bis für einen flüchtigen Moment ein Streichholz auflodert und das Gesicht des Mannes beleuchtet. Der Mann spricht weiter, Qualm zieht an seinem Gesicht vorbei, bis aus dem Dunkel der Tür eine weitere Person heraustritt....“

Kritik:
Wäre der geheimnisvolle Mann Humphrey Bobart und der Film in den 30ern angesiedelt, wäre er nur Einer unter Vielen, doch „Brick“ ist Anders. Regie-Debütant Rian Johnson transferiert eine klassische Noir-Story an eine amerikanische Highschool des Jahres 2005 und lässt seine jungen „Detektive“ wie die alten Hasen der Filmgeschichte agieren. In Jeans und T-Shirt statt Trenchcoat und mit zerzausten Haaren statt stilvollem Hut, aber sonst fast identisch.

Die Charaktere sind zu 100% einer alten Noir-Story entsprungen. Finstere Mimik, kleine Gesten, bedeutungsschwangere Worte, die man aus den Mündern von Highschool-Kids so noch nicht gehört hat. Unsere Twen-Detektive schwänzen den Unterricht, prügeln sich auf dem Schulhof und hoffen, dass sie Mutters Auto benutzen können. Das mag lächerlich klingen, ist im Film aber absolut glaubwürdig und ernst umgesetzt.

Der bebrillte Held Brendon, unglaublich selbstbewusst und stark dargestellt von Joseph Gordon-Levitt, forscht dem mysteriösen Verschwinden/Tod seiner Ex-Freundin Emily (Lost-Star Emilie de Ravin, die man leider nicht so oft sieht) hinterher und gerät in den dunklen Sog des Drogenmilieus. Der Drogenbaron der Stadt, der Pin, wäre auch eigentlich ein zutiefst respekteinflössender Geselle, würde er nicht noch bei Muttern wohnen und sein menschlicher Kampfhund „Tugger“ wartet nur auf eine erneute Gelegenheit, Schläge zu verteilen. Die Rollen sind klar verteilt.

Es gibt den detektivischen Helden, seinen schlauen Sidekick „Brain“, das Opfer, die Bösen, die Femme Fatales und einige Randfiguren, die Informationen weitergeben müssen, nur dass hier alles doch irgendwie anders ist. So weit ist die Story auch nicht wirklich kompliziert, doch das Drehbuch macht aus dem Grundgedanken der Detektivgeschichte ein höchst verworrenes und verzwicktes Ratespiel um Vertrauen, Drogen und diffuse Geschäfte, das enorm komplex wirkt, aber niemals den Faden verliert. Das sorgt fast permanent für unglaublich dichte Spannung und spart nicht mit fesselnden Szenen, die immer wieder von groteskem Humor unterbrochen werden.

Was diesen Film jedoch, neben der originellen Story und den wirklich ausnahmslos perfekten Darstellern, so einzigartig macht, ist die Optik und die Akustik des Films. Jede Szene schwebt im Dunstkreis des Drogenmilieus, der ständig lauernden Gefahr. Alles liegt Dunkeln, oder Halbdunkeln. Schwarz und Grau sind die dominierenden Farben. Brillant das Spiel mit dem Licht, das wunderbar detailliert in zumeist statischen Bildern aufgenommen wird, bis Kamera und Schnitt in manchen Szenen einen Hektikpakt schließen und famos hin und her springen.

Man sieht oftmals nicht viel und gerade das ist der Reiz des Films, der des Zuschauers eigene Spürnase wecken will, die sich auf jedes kleine Detail stürzt und versucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Angesichts des geringen Budgets, liefert die Kamera auch keine Hochglanzbilder, sondern ausgebleichte und ergraute, ja, düstere Bilder, die zum ähnlichen Grundton des Films passen.

Wenn Brendon durch ein wunderbar ausgestattetes und – abermals – spärlich beleuchtetes Herrenhaus schleicht, im Versteck des Drogenbosses schnüffelt oder über den mysteriösen Sportplatz der Schule schreitet, ist die Atmosphäre jederzeit passend, bedrückend und spannend.

Dazu gesellen sich die unheimlich dichten und tiefgreifenden Dialoge der Protagonisten und der minimalistische und dennoch enorm packende Soundtrack, der für Noir oftmals nicht typischer sein könnte, für heutige Filme jedoch befremdlich wirkt. Nervöses Klavierklimpern, gedämpfte, bedrückende Streicher, Jazzartige Bläser und hin und wieder rockigere Passagen, für die rasanten Szenen. Auch für die Ohren ist „Brick“ ein Genuss, den man durchaus wahrnehmen sollte.

Fazit:
„Brick“ wird für die Meisten zunächst befremdlich wirken, doch wer sich darauf einlässt, wird einen der originellsten und außergewöhnlichsten Filme der letzten Jahre bewundern können, dessen wunderbar abgewandelte Story perfekt zum modernen Setting passt. Optisch ein Augenschmaus in Schwarz und schummerigen Grau und getragen von perfekten und glaubwürdig spielenden jungen Darstellern, die man sich merken sollte, ebenso wie den Namen des Regisseurs Rian Johnson. „Brick“ bietet famose Mitdenk-Spannung, eine düstere Atmosphäre und platzt geradezu vor originellen Ideen, die auch wunderbar umgesetzt wurden.

9 / 10

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