Story:
Brüno ist ein hipper TV-Reporter des österreichischen Jungenrundfunks (OJRF) ...
und über alle Maße schwul. Mit seiner unvergleichlich extravaganten Art stößt er
damit allerdings nicht immer nur auf positive Resonanz, sondern wird zumeist mit
Rauswurf und Ablehnung bestraft. Das geht soweit, dass er eines Tages gefeuert
wird - doch Brüno hat einen Plan: er will der größte homosexuelle Filmstar seit
Arnold Schwarzenegger werden.
regie :
larry charles
cast :
sacha baron cohen
kritik :
jan pokorski
____________________________________________________________________________
Kritik:
Brüno ist überkrass.
|

"Roär"
|
|
Sacha Baron Cohen darf ohne
Zweifel zu einem der versiertesten Komiker der Gegenwart gezählt werden. Ganz im
Sinne legendärer Stars wie Andy Kaufman besticht sein humoreskes Talent durch
die Kreation verschiedener Alter Egos, die mit oft überzogenen, aber bewusst
geplanten Verhaltensweisen provokativ die sozialen Werte und Normen des
Gegenüber offen legen.
Seine bekanntesten Figuren sind der „Gangsta“ Ali G aus dem britischen Ghetto,
der naiv-antisemitische Borat aus Kasachstan und ebenfalls der homosexuelle
Brüno aus Österreich.
Im Jahr 2006 konnte Cohen mit seiner Mockumentary „Borat“ weltweit große Erfolge
für sich verbuchen. Im Stile einer typischen Dokumentation vermischten sich
reale mit inszenierten Szenen, und genau diese Vorgehensweise entspricht findet
sich auch in seinem neuesten Werk. Die Story ist nur Mittel zum Zweck. Fast im
Minutentakt wechselt Brüno die Schauplätze und konfrontiert ahnungslose (so wie
teils eingeweihte) Passanten mit seinen extravaganten und übertrieben
homosexuellen Sichtweisen.
Sorgte er mit Borat zuweilen schon für erhebliche Diskussionen, dürfte das bei
Brüno dieses Mal definitiv passieren. Brüno ist nicht nur ein ganzes Stück
komischer als Borat, sondern auch noch um einige Nuancen skandalöser. Trotz viel
Slapstick, inszenierten Sketchen und einfach nur ekelerregenden Szenen, die
immer urkomisch enden, ist dieser Film jedoch nicht nur Komödie geworden.
Bei Brüno steckt mehr dahinter, auch wenn dies anfangs nicht den Anschein wecken
könnte. Cohen pickt sich ganz spezifisch die Personen heraus, die das genaue
extreme Gegenteil von dem verkörpern, was sein Alter Ego, in diesem Falle Brüno,
sind. In einer Szene besucht Cohen beispielsweise einen Pastor, der ganz
selbstverständlich als Schwulenbekehrer arbeitet. Als Brüno ihn mit der Aussage
konfrontiert dass er vorzügliche "Blow Job-Lippen" aufweise, sorgt dies für
Heiterkeit beim Zuschauer, aber die folgende Reaktion des Pastors kann als
Beispielszene gelten, was Cohen mit seinem Habitus und seiner Vorgehensweise
hier erreichen möchte.
|

"Where's Waldö?"
|
|
Die schrille Maskierung und das
übetriebene Gehabe werden gezielt genutzt, um die wahren Gesichter und
Einstellungen der Leute hervor zu holen - was Cohen vortrefflich gelingt. Was
letztendlich mit versteckter Kamera eingefangen und was eventuell abgesprochen
war, kann nur schwer gesagt werden, aber der Effekt ist letztendlich immer
eindrucksvoll.
Von Anfang an legt der Film ein fulminantes Tempo vor, was er leider nicht über
der gesamten Spielzeit beibehalten kann. Ein, zwei Szenen in der Mitte bremsen
den Film deutlich ab und erwecken verstärkt den Eindruck, dass mit
Laiendarstellern gearbeitet wurde. Hervorragend ist es alle mal, was er mit
ihnen macht, aber gegenüber dem kongenialen Rest ist eine kleine Länge doch zu
verzeichnen.
Zum Humor: was hier humoristisch gesehen auf einen zukommt, wurde im Trailer
noch in keinster Weise zu erkennen gegeben. Die niedrige Alterseinstufung von ab
16 Jahren verwundert, denn Brüno wagt extrem viel mit nackter Haut - man sollte
sich also auf was gefasst machen.
Fazit:
Brüno ist eine hervorragend urkomische Komödie mit einem ernsten Unterton, der
zwischen all dem Slapstick und Nonsense leicht versteckt wird. Ein paar kleine
Längen und zwei Szenen, die dann doch zu sehr über das Ziel hinausschießen,
verhindern eine höhere Wertung, aber wer schon mit Borat etwas anfangen konnte,
für den ist Brüno genau das richtige.
8 / 10
_____________________________________________________________________________
:::::...: Diskussion im Forum
|