Story:
Nachdem das österreichische Modemagazin Funkyzeit ihren Star-Moderator Brüno
feuert, macht dieser sich auf, ein berühmter Hollywood-Star zu werden. Dass das
aufgrund seiner extrem extrovertierten Art jedoch schwierig wird, verspricht
sich von selbst....
regie :
larry charles
cast :
sacha baron cohen
kritik :
christian mester
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Kritik:
Auf zu gleichen Ufern.
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"Roär"
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In der Rolle des tumben
Vorstadt-Hoppers Ali G konnte Sacha Baron Cohen anfangs nur im kleinen Rahmen
begeistern, spätestens aber seit dem Kinoabenteuer seiner zweiten Kunstfigur ist
der Brite überall in aller Munde.
Borat war damals Zweierlei: zum einen eine herrlich karikaturhafte Cartoonfigur,
deren reine Anwesenheit zum Schmunzeln anregte, darüber hinaus aber noch weit
mehr, wodurch er sich auch maßgeblich von den Sandlers, Carreys und Ferrells
unterschied. Mit seiner halb-dokumentarischen Art überraschte der Film und
schockte, denn die Reaktionen auf seine fiktiv naiv-antisemitische Rolle waren
größtenteils tatsächlich echt und so erschreckend, dass man es nicht fassen
konnte.
Borat fungierte als Spiegel der Gesellschaft, deren indiskutable Intoleranz sich
oftmals ungeniert gegen Minderheiten richtet, und genau da geht es hier auch
weiter. Das, was Borat für das Thema Ausländer war - eine laufende Karikatur
einer bestimmten Gruppierung, mit der er zum Nachdenken (und Lachen) anregen
konnte - ist Brüno nun für jeden vom anderen Ufer. Ob sein neues Experiment aber
ähnliche erstaunliche Eindrücke hinterlassen mag?
Ja... und nein.
Im Großen und Ganzen ist Brüno schlicht und einfach das selbe wie Projekt Borat,
nur dass Cohen sich in seiner neuen Rolle anders gibt und ein anderes Thema
behandelt. Es fängt schon beim Aufbau an. Ähnlich wie bei Borat geht es wieder
um einen merkwürdigen Ausländer mit eigenartigen Weltvorstellungen, der sich
eines Tages aus seiner Heimat aufmacht, die USA zu erobern. Wieder gibt es eine
grobe (und idiotische) Rahmenhandlung einer unechten Love-Story (die wieder
nicht funktioniert), wieder trifft Cohen in seiner Rolle nacheinander auf
verschiedene "Opfer", um ihnen peinliche Reaktionen zu entlocken, und wieder
gibt es ein seltsames Aufeinandertreffen mit einem US B-Promi (damals Pamela
Anderson, nun Paula Abdul). Selbst der berühmte Stadionmoment des letzten Films
wird dreist ähnlich nachgestellt. Der Look ist ebenfalls der selbe - wieder will
man den Eindruck einer typischen Dokumentation erwecken.
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"Where's Waldö?"
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Die Gemeinsamkeiten fallen leider
schon auf, und man fragt sich, wieso Cohen hier in gleiche Spuren tritt.
Zumindest sind einige Stärken des Vorgängers geblieben, denn die grundlegenden
Aspekte treffen auch hier wieder ins Schwarze: Brüno ist lustig, charismatisch
und sofern man das sagen mag, scheint sich Cohen (der übrigens heterosexuell und
verheiratet ist) in dessen Haut sogar noch viel wohler zu fühlen als in
vorheriger Figuren. Das führt dazu, dass er hier noch weitaus mutiger ist und in
seinem provokanten Verhalten so offensive Schritte wagt, dass man sich wirklich
wundern kann, dass er lebendig mit allem davon kam. Beispielsweise legt er sich
als Brüno mit der Army an, belästigt knallharte Hillbillies und stolpert in S&M
Kleidung und mitsamt Sklaven in eine Horde Schwulenhasser.
Vollkommen scham- und angstfrei gerät Brüno also von einer bizarren Szenerie in
die nächste, immerzu enorme Toleranz fordernd: Männliche Geschlechtsteile,
simulierter Sex, zahlreiche bestimmte Ausdrücke und durchweg überzogen schwules
Auftreten nagen am Hemd eines jeden stolzen Männer-Egos, doch wer sich nicht zu
ernst ist, wird damit wirklich großen Spaß haben. Allein schon weil alles oft
derart absurd wird, dass man es mehr noch als bei Borat oftmals nicht glauben
kann - man sollte nur wirklich offenherzig sein, da Brüno vor nichts
zurückschreckt und meilenweit davon entfernt ist, ein Familienfilm zu sein. Gags
gibt es viele und meist auch gute, doch es stört ein wenig, das alles eher
sketchartig aufgebaut ist und dass alles was nicht konkret Aufeinandertreffen
von Brüno mit jenen Homophoben ist, eher schwach ausfällt. Auch fehlt die
leichte Melancholie der Reaktion auf die intoleranten Reaktionen, die die
Angriffe auf Borat verstärkten.
Das Hauptproblem? Natürlich hat der Film seinen Humor und seine erschreckenden
Offenbahrungen, doch bei aller flamboyant greller Gayness will die eigentliche
Sozialkritik am Ende nicht gänzlich greifen. Auch funktioniert Brüno nicht ganz
als übertrieben stilisierte Cartoonfigur, da er als Figur nicht wirklich weit
von deutschen bekannten Branchenfiguren wie Lorenzo oder Daniel Küblböck
entfernt ist. Vieles wirkt auch gezwungen krass, und man merkt, dass Cohen und
seine Mitarbeiter sich hauptsächlich überlegt haben, wie man einfach noch
Krasseres mit der Kamera einfangen kann. Dabei verschwimmen auch die Grenzen der
Realität, und mehr noch als Borat hat man das Gefühl, dass viele Szenen so nicht
wirklich der Realität entsprachen. Im Gegensatz zur gewollten Message kann es
also durchaus passieren, dass so manch einer seine Vorurteile durch den Film
bestätigt sieht und ihn eben nicht als Aufruf, der er ist, sondern bloß als
Komödie sieht. Was schade ist, da es ihm schlußendlich viel raubt.
Was bleibt, ist eine leicht überdurchschnittlich gute Komödie, deren Hauptfigur
und Sketche gut sind, der es jedoch an Effekt (und Story) mangelt. Ungemein
spannend wird es jedoch, was Cohen wohl als Nächstes machen wird. Alle seine
alten Figuren hat er nun durch, und das was er in diesem Film macht, kann man
wohl kaum überboten werden. Oder doch?
Fazit:
Wer Borat gut fand und generell Offenheit zu allerlei Bezügen des Themas hat,
wird sich definitiv gut unterhalten fühlen - auf der anderen Seite enttäuscht
die plumpie Forciertheit des ganzen aber, so wie das Gefühl, das alles schon mal
gehabt zu haben. Lustig, provokant, aber kein Meilenstein.
6,5 / 10
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