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KRITIK:
ZEITEN ÄNDERN DICH


Regie: Uli Edel
Darsteller: Bushido, Fler
Release: 2010


von Christian Mester

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Story:
Der junge deutsch-tunesische Anis „Bushido“ Ferchichi sieht die Welt mit eigenwilligen Augen. Bildung und Zukunft sind doch überflüssig, da jeder der ein normales Leben führt, ein 'arschkriechender Spast' ist. Jeder, der ihn dumm anmacht, kriegt 'auf’s Maul', da ’spekt und Graffitis an S-Bahnen als einziges im Leben wirklich zählen. Der elfte September war wie ein krasses Videospiel mit 'fettem Bodycount' und Crymez lohnen sich nicht, da die 'scheiß Cops' einen ständig busten; also dem 'Spast' das Mic geklaut und flugs und geschickt mit der Posse die Rhymez vertickt…

Laut Film fand Bushido seinen Namen
in einem krass harten Playstation Spiel

Kritik:
Bevor die eigentliche Filmbesprechung beginne, sei nur kurz noch darauf aufmerksam gemacht, dass sowohl Artikelautor und Leser per Ferchichis Definition 'arschkriechende Spasten' sind. Zumindest, wenn man etwas anderes als ein bildungs- und arbeitsloser Kleinkrimineller ist, da Ferchichi – dem der Titel „Bushido“ gewiss nicht mal gebührt, dazu später mehr – im Film ein Weltbild idealisiert, das fragwürdiger nicht sein könnte. Ein aufgebauschtes Alphatier-Portrait, das ihn offensichtlich als Popkulturfigur romantisieren, erklären und ikonisieren soll, tatsächlich aber dazu führen müsste, dass man dem Echo-Gewinner fortan einzig und allein mit schallendem Gelächter begegnet. Gelächter über seine peinliche, lächerliche Selbstdarstellung.

„Zeiten ändern Dich“, so der bedeutungsschwangere Titel, erstreckt sich über drei größere Kapitel, die jeweils eine der Stationen im Leben des selbsternannten gefährlichen Gangstarappers einnehmen. Jugend, Weg zum Ruhm und Happy-End samt Schlagersänger Karel Gott. Jeder einzelne Abschnitt blamiert Ferchichi schärfer und lässt so lauthals über das erbärmliche Bildnis seiner selbst lachen, dass man gar nicht weiß, wo man überhaupt mit der Kritik anfangen darf. Das erschlagende, erste Argument gegen den Film sind schon sämtliche Dia- und Monologe, die so gekünstelt gangsta ausfallen, dass man meinen könnte, eine gezielt überspitzte Parodie zu sehen. „Ich ficke dir meinen Namen in die Fresse“ soll nur ein vereinzeltes Beispiel sein, das markiert, in welch Slang der gesamte Film von Anfang bis Ende gehalten ist – selbst Rob Zombie’s fürchterlich cartoonhaften White Trash-Szenarien in „Halloween“ 1 (Kritik) + 2 (Kritik) wirkten weit weniger albern, ja fast schon authentisch dagegen. Da die Dialoge aber selbst nicht reichen, kommentiert der Mann das gezeigte Geschehen darüber hinaus auch noch selbst und erinnert mit seiner monotonen, hölzernen Stimme zuweilen an Comedy-Morlock Oliver Pocher (der mit „Vollidiot“ ebenfalls deutsche Filmkunst ziert, schauder).

Den harten Mann und Alpha-Schläger markieren und dann Tokio Hotel
Frontfrau Bill Kaulitz schmatzen.

Die Vermutung könnte nahe liegen, dass Ferchichi seinen Werdegang künstlich überdramatisiert um spätere Verhaltensfehler zu entschuldigen oder Bad Boy PR zu haben, doch weit gefehlt. Wenn, ist es jedenfalls glorreich misslungen, da Regisseur Uli Edel („Der Baader-Meinhof Komplex“, Kritik) Ferchichi als lachhaften Loser zeigt. Nachdem er in jungen Jahren für Schule keine Geduld aufbringen kann, überredet er seine dummbeutelige Mutter dazu, von nun an gewiefter Drogendealer zu werden. „Scarface“ fing ja schließlich auch mal damit an und wurde zur (zweifelhaften, aber) unvergesslichen Ikone, allerdings erreicht der spätere The Dome Kinderveranstaltungsstar im direkten Vergleich erstaunlich wenig: nichts. Nach nur wenigen Euros gibt es von der Konkurrenz auf’s Maul und anschließend Besuch von den Herren in grün.

Ein unfähiger Schüler und Verbrecher also, der es auch in der Freundesrolle nicht besser macht. Als ihn darauf ein Mädchen aus gutem Hause zu Zielen anspornt, schlägt er sie und macht klar, dass Respekt das einzig Wichtige sei. Doch welcher Respekt? Ferchichi selbst hat keinen, weder vor der Gesellschaft, noch vor dem Gesetz, noch vor Freunden, nicht einmal vor der eigenen Mutter, die er ausnutzt und in Gefahr bringt. Dummheit rebelliert gegen Vernunft. Er ist ein laufender Widerspruch, ein Witz. Der größte? Seine Feindlichkeit gegenüber der "normalen Welt" wird nie erklärt - niemand ist unfair, ungerecht oder gemein zu ihm. Er selbst wählt den Weg, keine Chancen zu nutzen.

Respekt holt er sich höchstens von Freunden, wobei auch wahre Freundschaft nie zum Thema des Films wird. Freunde sind hier noch dümmere andere Sprayer und Schulabbrecher, die in den müden Rapversuchen Ferchichis morallose Fantasien vorgetragen hören. Er rappt von willigen Nutten, Koks, anderen die Fresse einzudreschen, Vergewaltigungen und dem Abwatschen von 'arschkriechenden Spasten' – und trifft damit einen Nerv. Einen, den Manager (per Definition ebenfalls 'arschkriechende Spasten') auf eine spezielle Zielgruppe Deutschlands ummünzen und damit zu Geld machen. Sein Film offenbart Ferchichi demnach als nichtsnutzigen Loser, als Frauenschläger ohne Ambitionen, der jede Hilfe ausschlug, Fehler nicht einsah und mit seinem parasitärem, dummen Verhalten selbst seine angeblich geliebte Mutter gefährdete. Nur sein gutes Aussehen, glückliche Zufälle und Gewalt eines Säbel schwingenden dicken Arabers und Moritz Bleibtreu führen ihn nach oben. Der Film wirkt folglich, als – bei allem Respekt - 'ficke' Ferchichi seiner Biografie selbst ins Knie. Hat man ein Bild von ihm, kann es nach seinem Film nur geringer sein. Dass er damit stolz auf Werbetour geht und in jeder Talkshow zeigt, in welchem Film er lächerlich gemacht wird, liegt nahe, dass er selbst nicht allzu viel in der Rübe haben dürfte. Das Gerücht, er sei ein smarter Geschäftsmann, damit hinfällig. Andererseits ist es ein Unding, dass öffentliche Sender derartigem Stuss überhaupt Werbefläche zusprechen.
 


Dass er ein so schlechter Schauspieler ist, dass man ihn nicht mal für eine Nebenrolle in einer TV-Richterserie nehmen würde, braucht wohl nicht extra erwähnt werden, dafür jedoch, wie sehr sich bekannte deutsche Gesichter in seinem Film-zum-Buch (ein Spiegel-Bestseller) blamieren. Hannelore Elstner, Uwe Ochsenknecht und Moritz Bleibtreu (die als gewöhnliche Schauspieler ebenfalls arschkriech... klar) spielen saudoofe Karikaturen auf Soapniveau, während der größte Misserfolg sogar eventuell hinter der Kamera zu finden ist. Darf man Bernd Eichinger und Uli Edel dafür rügen, „Zeiten ändern Dich“ als ausgesprochen dämliche, vorhersehbare, exzessiv langweilige, unrealistische Selbstbeiweihräucherung eines z-klassigen Nichtstars fachmännisch unterirdisch schlecht inszeniert zu haben oder darf man ihnen gar dafür gratulieren, mit der angesagten Thematik ein Heidengeld zu verdienenm obwohl Produkt und Markenname schlechter nicht präsentiert werden konnten?

„8 Mile“ und auch „Get Rich or Die Tryin’“ zeigten in den letzten Jahren die Entstehungs-geschichten der US-Rapgrößen Eminem und 50 Cent, das allerdings auf ganz andere Weise. Selbst GRODT war technisch ein noch besserer Film und beide Werke konnten trotz dramaturgischer Schwächen darauf verzichten, Schlagertitan Karel Gott und triefenden Kitsch in ein strahlendes Happy-End zu packen oder gar Logikszenen zu bringen, die vorhandene Hirnrinden erzürnen (Beispiel: vor Gericht will man ihn wegen Körperverletzung verknacken; Ferchichi jedoch fragt die Richterin (die - zur Anmerkung - ebenfalls ein...), wie sie es fände, grabsche ihr ein Macker an den Hintern – ein Dialog, der darin endet, dass er sich seinen Gefängnisauftritt mit einem Konzert im Knast frei kauft. Sicherlich, denn sie lassen zu, dass ein zu Gewalt aufrufender, gewalttätiger Rapper vor anderen Gefangenen Hasshymnen gegen Beamte zelebriert). Nun ist musikalisches Talent immer Geschmackssache, doch hört man in alle drei Filme herein und achtet auf die jeweiligen Rhythmen, Wortwahlen und Versaufbauten, fällt es schwer nicht zu sehen, dass Ferchichi am Ende selbst ein nur miserabler Rapper ist. Mag aber eventuell keine Rolle spielen, da sein Zielpublikum ohnehin nicht lange genug in der Schule gewesen sein dürfte um 50 Cent Titel wie „Candy Shop“ alternativ ausreichend verstehen zu können. Es geht ja eh um die Message, die Attitüde. Besser die Fresse ins Gedächtnis 'ficken' lassen, das sitzt.


Fazit:
Distanziert von Medienfigur Bushido – der seinen Namen übrigens nicht wirklich verdient, da der japanische Ehrenkodex (den er, wie peinlich, aus einem Videospiel aufgegriffen hat) auf die sieben Werte Aufrichtigkeit, Mut, Ehre, Treue, Wahrhaftigkeit, Höflichkeit und Güte setzt, unbeachtet bleibt – ist „Zeiten ändern Dich“ ein kataklysmisch niveau- und aussagenloses, nicht lustiges, nicht interessantes, weder gut gespieltes noch gedrehtes Melodram. Es ist krass schlechter Scheiß.

Bushid0 / 10


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