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Film Kritik
 
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Der merkwürdige Fall des Benjamin Button

Story:
Benjamin Button (Brad Pitt) wird eines Tages mit einer seltsamen Verfassung geboren: äußerlich wirkt er wie ein alter Mann im hohen Alter, doch während er innerlich reift, wird er mit jedem Tag äußerlich jünger. Als er eines Tages ein Mädchen namens Daisy kennenlernt, trifft er mit ihr die wichtigste Person seines seltsamen Lebens...

regie :
david fincher
cast  : brad pitt, cate blanchett
kritik : christian mester
 

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Kritik:
Eine faszinierende Geschichte... in schönen Bildern.
 


"Moment, Skull Island?"

David Fincher (Alien 3, Panic Room, Zodiac, Sieben, Fight Club) wollte die berühmte Kurzgeschichte des rückwärts alternden Gentlemans schon vor Jahren drehen, doch um die enorm schwierigen Alterswechsel der Hauptfigur überzeugend hinzukriegen, musste die Technik erst einmal weit genug kommen. Auch im Zeitalter von Kong, Gollum und Optimus Prime war die Sache kein leichtes Unterfangen; über 100 Millionen Dollar kostete die Verfilmung nun, bei der die Effekte das A und O sein mussten - und es zum Glück auch sind.

Buttons Wandlung über den Verlauf des Films hin ist wahrlich beeindruckend geworden. Ob als faltiges Greisenbaby oder als Teenager in den 50ern - Pitt sieht jedes Mal einfach glaubhaft echt aus, sodass man kein einziges Mal Probleme hat, sich in der Story zurecht zu finden. Ebenso gut gelungen sind alle Örtlichkeiten im Film, die genau wie der Film an sich alle eine ungemein angenehme Wärme ausstrahlen und elegant wirken. Wie Ölgemälde strahlen sie eine angenehme Ruhe und Gelassenheit aus. Der merkwürdige Fall des Benjamin Button ist zwar insgesamt ein sehr ruhiger Film, doch das heißt nicht, dass er langatmig oder zäh wäre - im Gegenteil, so verfliegen die gut 2 1/2 Stunden nahezu wie im Flug.

Woran das liegt? An der schönen Grundlage des Films, nämlich der Love-Story zwischen Ben und Daisy. Die beiden sind zwar nicht durchgehend zusammen, aber auch wenn Button die Welt bereist und seine eigenen Erfahrungen macht, so läuft alles letztendlich auf sein Schicksal mit ihr zurück. Ohne großen Kitsch ist das Beieinander der beiden der Grundpfeiler des Films, und da Blanchett, Pitt und die Kamera eine großartige Chemie miteinander haben, tut es gut, den dreien zuzusehen. Kriegsszenen, Reisen, viele Ortswechsel und immer wieder neue Figuren sorgen zudem für reichlich Abwechslung.
 


"Three Six Mafia haben mehr Oscars als du."

Wer sich nun etwas an Forrest Gump erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch.
Auch hier geht es um einen etwas merkwürdigen Menschen, der mit gewissen Einschränkungen und Eigenheiten durch das Leben wandert und die Welt mit etwas anderen Augen sieht. Dabei wird es oft lustig und kurios, aber weder wird Button je so plakativ wie Gump, noch erlebt er derart haarsträubende Geschichten. Es mag zwar eine Fantasiegeschichte sein, doch diese bleibt immer im realistischen Rahmen. Es wird nicht versucht, Extreme zur reinen Unterhaltung einzubringen - Button macht keine Werbekampagne für Anti-Aging-Creme, ist nicht bei der Mondlandung dabei und wird auch kein Muay-Thai-Champion in Thailand. Wer sich ein Drama mit interessanten Figuren und einer liebevollen Love-Story erwartet, der bekommt, was er wünscht; Forrest Gump 2 ohne Forrest Gump gibt es aber weiterhin nur in Buchform.

Was bei Benjamin Button direkt auffällt, ist die Tatsache, dass die Nebenfiguren alle gut geschrieben und nett gespielt sind. Cate Blanchett als Buttons Traumfrau Daisy ist sehr wandlungsfähig und erscheint im Laufe der Zeit wild, liebevoll, töricht, arrogant, stark und zerbrechlich. Buttons Ziehmutter Queenie (gespielt von Taraji P. Henson) dagegen bringt ungeheuer viel Liebe an den Tisch, während andere Zeitgenossen wie z.B. ein stets betrunkener Kapitän und
ein Pygmäe aus dem Schaustellergewerbe in Buttons Leben Eindruck hinterlassen.

Das größte Problem von Benjamin Button? Benjamin Button selbst. Nicht Pitt, der sich wirklich bemüht und perfekt in die Rolle passt, sondern die Rolle selbst ist der größte Mangel. Das was Button passiert und all seine Erlebnisse sind faszinierend, aber als Figur ist er viel zu passiv. Fast in jeder Szene bleibt er distanziert, ruhig und sagt kaum etwas. Stattdessen schaut er zu, wie die Leute auf ihn reagieren und bleibt als Betrachter. Fast die meiste Zeit des Films über ist er zu sehen und auch laufend als Erzähler zu hören, doch wirklichen Eindruck hinterlässt die Person Button die ganze Zeit über nicht. Das könnte sie und sollte sie, doch während Drehbuch, Regie, Besetzung und auch Score (wundervolle Musik von Alexandre Desplat) wirklich umwerfend sind, kann man das von Herrn Button nicht behaupten.

Etwas störend fällt auch noch die Erzählweise des Filmes auf, denn bevor man in das Leben des jünger werdenden Greises eintauchen darf, sieht man als Rahmenhandlung, wie die im Sterben liegende Daisy ihrer Tochter von allem berichtet. Da der Film mehrfach aus seiner schönen Erzählweise ausbricht und dann minutenlang in den kalten und sterilen Krankenhausmomenten pausiert, bleibt fraglich, warum es so gewählt wurde - das daraus resultierende Twist-Ende ist jedenfalls sehr vorhersehbar. Gegen Ende wird es auch etwas zu schnell, denn der Sprung vom mittleren bis zum hohen (bzw. äußerlich jungen) Alter geschieht verglichem zum Anfang überhastet und zu schnell: da hätte etwas mehr Gelassenheit noch gut getan.

Erwähnenswert sind übrigens noch zwei kleine Momente, in denen von einem blinden Uhrmacher und einem verketteten Zwischenfall erzählt wird. In diesen beiden Szenen bricht Fincher aus seiner Erzählweise aus und überrascht mit netter Abwechslung.

Fazit:
Keine Frage, die Geschichte des Benjamin Button ist bildgewaltig und sehr angenehm erzählt, beherbergt eine der ungewöhnlichsten Liebesgeschichten aller Zeiten und ist in Sachen Regie meisterlich umgesetzt - der ganz große Sprung ist es allerdings nicht.

8,5 / 10

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