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Kritik:
Aviator


von Christian Westhus

Chinatown
(1974)
Regie: Roman Polanski
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Cate Blanchett, Kate Beckinsale

Story:
Los Angeles in den 1930er Jahren: Privatdetektiv J.J. Gittes ermittelt in einem Fall von Ehebruch und kommt einer großen Verschwörung in der Wasserversorgung auf die Schliche, als der vermeintlich ehebrecherische Mann tot in einem Kanal aufgefunden wird.

Kritik:
Der vielleicht bekannteste Film von Roman Polanski gilt als einer der besten Filme der 1970er Jahre, die generell als ein qualitativ hochwertiges Jahrzehnt gelten. „Chinatown“ ist für seinen Regisseur ein eher ungewöhnlicher Film, doch an der Qualität gibt es kaum einen Zweifel.

Polanski inszenierte das mit dem Oscar ausgezeichnete Drehbuch von Robert Towne (der einzige Oscar bei 11 Nominierungen) und wandelt damit deutlich auf Noir-Pfaden, mit finsteren Machenschaften, einer Atmosphäre aus Mord und Korruption und dazwischen Fedoras, Zigarettequalm und zwielichtigen Frauen. „Chinatown“ ist einer der besten Farb-Noir-Filme und steht seinen Verwandten aus den 40er Jahren in nichts nach. Privatdetektiv J.J. Gittes ist zwar kein Sam Spade oder Philip Marlowe, ist vielleicht sogar weniger pessimistisch als diese, teilt aber die Arroganz und den Sarkasmus mit ihnen. Wer sonst, außer dem Typen mit dem irren Blick, Jack Nicholson, hätte diese Figur spielen können?!

Neben Nicholson rückt mehr und mehr Faye Dunaway in den Fokus, die eine ebenso grandiose Darstellung abliefert. Sie zieht Gittes und uns direkt in ihren Bann und jedes Mal, wenn sie ein weiteres Stück der Wahrheit preisgibt, können wir ihr nicht mehr böse sein und am Ende eh nicht. Das Drehbuch entspinnt sich originell und clever, fängt bei Ehebruch an, offenbart eine große Täuschung und zieht Gittes immer tiefer in den Schlund der Wasserversorgungsmachenschaften. Die Dialoge sitzen perfekt und die Wendungen sind passend, u.a. weil Polanski auf den Off-Kommentar verzichtete, den das Drehbuch noch vorgesehen hatte.

Natürlich will Gittes sich beweisen und natürlich hat er eine ungemeine Freude daran, den Schurken ein Bein zu stellen und dafür selbst das Gesetz zu übertreten. Dennoch ist Gittes kein schlechter Mensch. Sein Wutanfall beim Barbier wirkt nachvollziehbar, auch wenn er einen Teil seines Rufes selbst produziert. Mit Selbstbewusstsein serviert er Lügen um an Wahrheiten zu kommen, schnüffelt beim Chef der Wasserversorgung und ermittelt in gesperrten Gebieten. Über Allem schwebt unheilvoll und bedrohlich Chinatown. Gittes hat dort Erfahrungen gemacht über die er nicht sprechen will, zu denen ihm nicht mal ein kesser Spruch einfallen will. Dies mündet am Ende in einem Zitat das Filmgeschichte schrieb.

Polanski inszeniert das alles ruhig, schnörkellos und präzise. „Chinatown“ ist ein Prachstück von Film, ohne ein Gramm zu viel oder zu wenig. Die Ausstattung und die Kostüme sind erlesen, ohne aufdringlich zu sein, die brütende L.A.-Atmosphäre trägt ihren Teil dazu bei und jede Figur ist ideal besetzt. Die Welt ist finster, selbst in diesem Film, der zu zwei Dritteln bei Tageslicht spielt. Für gut zwei Stunden ist „Chinatown“ ein echter Filmgenuss für Noir- und Crime-Freunde und für jeden, der gute Filme zu schätzen weiß.

Fazit:
Polanskis Noir-Klassiker aus den 70ern ist eine Pflichtveranstaltung für jeden Filmfreund. Eine erstklassige Geschichte, tolle Figuren, exquisite Darsteller, eine passende Optik und das alles von einem Könner inszeniert, dem es um die Geschichte und den Film als Gesamtheit ging, nicht um stilistische Spielereien.

9,5

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