Story:
Nachdem
sich MI6-Neuzugang James Bond (Daniel Craig) seine Lizenz
zum Töten verdient, bekommt er den Auftrag, den
Terroristenbankier LeChiffre (Mads Mikkelsen) auszuspionieren. Die
Begleitumstände? Bond muss im Casino spielen.
Im Zuge
dessen trifft er auf die mysteriöse Vesper Lynd (Eva Green),
die
ihm den Kopf verdreht...
regie : martin
campbell
cast
:
daniel craig, eva green
kritik : christian
mester
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Kritik:
James
Bond gehört zu den beliebtesten Filmfiguren aller Zeiten und
das, obwohl alle Streifen nach dem immer gleichen Muster gestrickt
sind. Bond schließt in der Eröffnungssequenz eine
Mission ab, wird auf einen neuen internationalen Halunken angesetzt,
lernt unterwegs eine attraktive Gespielin kennen und rettet am Ende
stets den Tag. "Casino Royale" mag anders sein als die meisten der
Reihe,
hält sich jedoch ebenfalls an das bekannte Gewinnmuster 007.
Was
diesen neuen Teil sehr vom Rest unterscheidet, ist die Vermenschlichung
der ikonischen
Agentenfigur. Bond ist nicht mehr länger der unbesiegbare
Kämpfer, der mehrere Gegner ohne Mühe erledigt und
sich dabei nicht einmal schmutzig macht. Craig ist kein Connery, der
unterwegs Witze reißt, er ist kein selbstverliebter George
Lazenby, kein moderner Errol Flynn-Verschnitt von Timothy Dalton, kein
Lebemann wie
Roger Moore und auch nicht mit dem selben heiteren Spaß bei
der
Sache, wie es
noch Brosnan war.
Bond ist wie Jason Bourne eine realistische Rolle geworden, die sich
bei Stürzen verletzt, aus der Puste geraten kann und auch
Emotionen verspürt. In den ersten beiden Actionsequenzen
direkt nach dem Opener verblassen
erst einmal alle Zweifel am zuvor skeptisch betrachteten Blonden, als
Craig todesmutig einen Akrobaten
über eine Baustelle verfolgt und anschließend in
bester "Stirb Langsam" Manier mit einem Bombenleger auf einem Flughafen
kämpft. Diese Szenen gehören mit den zu Besten des
Films, als auch der gesamten Reihe. Nach diesen
schweißtreibenden Minuten ist man sich bereits sicher: dieser
Bond
hat das Zeug zum allerbesten bisher.
Französische
Schönheit Eva Green taucht auf, und mit
ihr geht der Film in eine komplett neue Richtung. Als Bondgirl
ist
sie überraschend wortgewandt, intellektuell und interessant,
womit sie das genaue Gegenteil Halle Berry's aus "Stirb an einem
anderen Tag" darstellt. Hier bemerkt man auch, dass die beiden in ihren
vielen Zwischenszenen klassisches Schauspiel betreiben und das
allgemeine Niveau damit deutlich anheben. Nicht ein einziges Mal wird
Green zu einem
sinnlosen Sexobjekt degradiert, und die Geschichte
zwischen beiden
fungiert nicht nur etwa als Überleitung zur nächsten
Actionszene, sondern stellt wahrhaftig das Herz des Films da.
Ihre Geschichte entwickelt sich im Verlauf des Pokerduells in
Montenegro, bei dem Bond immer wieder gegen den gerissenen LeChiffre
antritt. Hier wird Royale zu einem spannenden Drama, das sich jedoch
nicht wirklich tiefergehend mit Glücksspiel wie Roulette
oder Poker beschäftigt. Bond
spricht nebenbei mit Kollegen, schlägt sich mit Gangstern und
vertieft seine Beziehung, bis einer das Duell gewinnt und der Film
seinen Lauf in Richtung Showdown nimmt. Der sei an dieser Stelle nicht
näher verraten, nur
lässt es sich so beschreiben: er schafft es nicht, an die
beiden atemberaubenden Actionszenen aus dem ersten Akt
anzuschließen.
Martin
Campbell, der ja auch schon mit Goldeneye einen sensationellen Restart
an den Tag legen konnte, bemüht sich hier redlich, die Reihe
mit nie
da gewesenem Anspruch zu versehen - der Casino
Bonus
funktioniert. Bond
fasziniert als tragische Figur, überzeugt als
draufgängerischer Nahkämpfer und lässt viel
Gutes in kommenden Sequels erwarten. Musikalisch waren alle
bisherigen Teile der Reihe top, was hier mit einem wundervollen
instrumentalen
Score (abgenommen von Chris Cornell's Themesong "You know my Name")
glänzend unterstrichen wird..
Wo Licht
fällt, ist meist aber auch Schatten zu finden.
So opulent und umwerfend Casino Royale auch beginnt, gibt es ein paar
Schnitzer, die ihm Pläne für die Krone auf den besten
zunichte machen. Man sagt, ein Held könne immer nur so gut
sein wie sehr ihn sein
Gegenspieler fordert, aber LeChiffre ist leider keine große
Nummer. Nicht nur, dass es keinen abschließenden Zweikampf
gibt, wird er auch noch als weinerlicher Verlierer dargestellt. Er wird
von größeren Fischen bedrängt und spielt
aus reiner Verzweiflung. Das gab es auch in "Der Morgen stirbt nie",
aber der dort agierende Mogul Price hatte dafür einen
schlagkräftigen
Schläger, der hier fehlt. Bond hat also keinen "Endgegner".
Das zweite Bondgirl, Caterina Mureno, ist der liebloseste
Bondgirl-Versuch der ganzen letzten Jahre. Als 0815-Model hat sie null
Persönlichkeit und wirkt geradezu lachhaft. Auch
würde man alle Szenen mit ihr nicht
weiter vermissen, wären sie gekürzt. Wie bereits
erwähnt, ist die Laufzeit ein weiteres Manko. Mit
über 2 Stunden Material ist die Mitte im Casino viel zu
langatmig geworden, und auch die eingestreuten kleinen Actionszenen
können über die Länge nicht
hinwegtäuschen.
Weiterhin
fällt auf, dass Bond dieses Mal keinerlei Gadgets
hat. Sieht man einmal von einem hochmodernen Handy ab, erscheint Bond
in
seinem Handeln wie ein völlig realer Geheimagent. Keine
Aha-Momente, keine coolen kleinen Spielzeuge für
große Jungs. Nun, es musste keine Laser-Uhr mit Enterhaken
und Unsichtbarkeitskraftfeld sein, doch das Weglassen dieses doch sehr
existenziellen Grundelements fällt letzten Endes doch noch
auf.
Fazit:
"Casino Royale" ist eine Gratwanderung; nach dem
überdimensionierten, bewusst übertriebenem
Action-Epos "Stirb
an einem anderen Tag" erscheint Daniel Craigs Schlagabtausch als
Kontrastprogramm. Härte statt Spaß, Dramatik statt
Spektakel, Gefühle statt flacher Flirts; der neue Bond ist
gänzlich anders als sein Vorgänger und auf
gänzlich
andere Weise ebenso gut, sogar besser. Setzte Brosnans Abschied dem
käsigen "Moonraker" Spaß der späten Rooger
Moore Bonds
noch die Krone auf, ist "Casino Royale" ein gelungenes Extrem des
ernsten George Lazenby Bonds.
Bonds neues Black
Jack ist einer der besten Filme der Reihe und einer
der besten
Actionfilme der 2000er.
9
/ 10
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