Story:
"Manche Menschen wollen die Welt einfach nur brennen sehen" sagt Alfred, und
genau so jemand ist der namenlose Joker (Heath Ledger). Der geschminkte Freak,
der sich schnell als genialer, furchtloser und unberechenbar gefährlicher
Massenmörder entpuppt, versetzt Gotham City in nur wenigen Tagen in ein Moloch
aus Angst und Terror.
Der Mann mit dem lila Anzug hält dabei sowohl Cops als auch die mächtigsten
Gangsterbosse der Stadt spielend gleichermaßen zum Narren. Weil das noch nicht
reicht, legt er sich dann auch noch mit Batman an, der dem Irren mit den grünen
Haaren ebenfalls kaum gewachsen ist.
Mitten im Chaos versuchen Jim Gordon (Gary Oldman) und Staatsanwalt Harvey Dent
(Aaron Eckhart) für neue Ordnung zu sorgen, doch selbst mit der Hilfe des dunklen
Ritters haben sie es unheimlich schwer. Noch schwierigier wird es, als der Joker sich Dent
und dessen Freundin Rachel (Maggie Gyllenhaal) widmet...
regie :
christopher nolan
cast :
christian bale, heath ledger, aaron eckhart
kritik :
christian mester
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Kritik:
"Bester Film aller
Zeiten" ist The Dark Knight beileibe nicht, um einmal die Erwartungen etwas zu
dämpfen, aber er ist mit Leichtigkeit einer der besten
des Jahres, er ist revolutionär in seinem Genre und bringt dann noch eine der
besten schauspielerischen Leistungen aller Zeiten mit sich.
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"Bat-Kaffee? Mir egal, nur bring mir endlich
einer eine Tasse."
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Das mit dem besten Film aller
Zeiten ist momentan etwas zuviel des Guten in der Presse, aber es ist wirklich
nicht übertrieben, was dort über Heath Ledger und seiner Rolle als Joker
geschrieben ist.
So wie Daniel Day-Lewis vor ein paar Monaten Daniel Plainview als eine der
wegweisendsten, eindrucksvollsten und interessantesten Rollen der Filmgeschichte
verwirklichte, so ist Heath's Joker schier unglaublich. Man kann es übrigens
überhaupt nicht mit Nicholsons Variante vergleichen, weil es so anders ist aber
in den letzten Jahren hat es definitiv kaum eine Filmfigur gegeben, die
gleichzeitig so unterhaltsam war, so fesselte und so überraschend ist wie sein
geschminkter Mann ohne Namen.
Ledger war gut in Filmen wie Brokeback Mountain und Monsters Ball, aber auch
damit kann man es einfach nicht vergleichen. Davon abgesehen, dass Nolan, sein
Bruder und David Goyer die Figur auf dem Papier perfekt neu erfunden haben und
sein Design einfach grandios ist, so sind es einfach Ledger und seine Gestiken,
seine Mimiken, seine kleinen Bewegungen, die ständigen kleinen Schmatzer, die
hai-artigen, immer unruhigen Augen, die diese letzte seiner Rollen sofort zu dem
machen was sie ist: Filmgeschichte, und zwar Oscar würdige. Kommt er in den
Raum, ist die Luft magisch; sagt er was, bekommt man Gänsehaut. Alle, und er hat wirklich
viele, seiner Szenen sitzen perfekt. Jeder seiner Sprüche sitzt perfekt. Nicht
ein einziges Mal lässt er nach. Wird er nächstes Jahr nicht posthum für diese
Darbietung nominiert, kann man die Academy wohl getrost ignorieren. Das hat auch
nichts mit seinem Tod zu tun, denn so oder so hätte er diese Nominierung
verdient.
Simpel gesagt, ist es eine der besten Schauspielleistungen die es je gegeben hat und das ist
einfache Feststellung, keine Übertreibung, kein Geekgerede und auch kein
Wunschdenken. Man vergisst innerhalb von einem Satz, dass der Junge aus Ritter
aus Leidenschaft hier einen geschminkten Killer spielt, der im Handumdrehen mit
einer ganzen Stadt spielt.
Die Bedeutung des Wortes Comic-Film wird man spätestens im nächsten Jahr mit
Watchmen nochmal überdenken, aber The Dark Knight als Comic-Film zu bezeichnen
ist eigentlich schon eine Beleidigung. Zumindest im allgemeinen Sinne, denn
eigentlich werden Comic-Verfilmungen als unernste Stücke gesehen, die - egal wie
gut sie auch sein mögen - letztendlich doch nur auf Kinderkram basieren. An Dark
Knight ist aber nichts kindisch.
Es ist ein düsterer, ernster Crime-Thriller mit einem Hauch Fantasy.
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Es gab nur eins, was Bruce noch als Waffe fehlte:
ein Kleiderbügel.
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Christopher Nolan kann stolz
sein, denn alles, was er in Batman Begins so genial eingeführt hat, kommt im
zweiten Teil ebenfalls und dann sogar besser vor. Die Action wurde vergrößert,
ohne in Spektakel zu enden, die Kämpfe sind mehr und intensiver (und dieses Mal
sieht man sie auch), die Musik (sehr bewegend und für das Genre ungewöhnlich
untypisch) will gar nicht mehr loslassen und von Batman gibt es auch mehr zu
sehen. Mehr
Kämpfe, mehr Fahrzeugaction (die Geburt vom Batpod etwa ist einfach grandios),
umwerfende Szenen (wie etwa ein gewagtes Stuntmaneuver, dass selbst Ethan Hunt
blass gemacht hätte), mehr Strapazen, neue Gadgets und endlich vermehrte
Detektivarbeit belohnen jeden Fan der Serie.
Die Story ist eine der dichtesten ihres Genres. Nach dem ersten Schauen ist man
davon vielleicht noch etwas erledigt, aber spätestens auf dem zweiten Blick
(Film wurde für die Kritik in zwei Tagen zwei Mal geschaut, im Amsterdam Bijlmer
ArenA iMax Kino) zeigen sich sämtliche Abgründe, und wie gut dieses schwierige
Puzzle mit allen Charakteren überhaupt erst zusammenpasst. Macht man sich einen
Kopf über das Koordinieren der ganzen Aktivitäten, zeichnet sich nur umso mehr
heraus, wie genial und durchdacht der Joker im Film eigentlich ist. So erscheint etwa ein
kleiner Ausflug nach Hongkong erst überflüssig, oder auch der Auftritt diverser
gefälschter Nachmacher von Batman wirkt erst ungelenk, doch all das fügt sich ideal in
den Rest mit ein.
Dazu geizt die Story nicht an Tiefe: noch zusätzlich zu dem Jonglieren der
drei großen Hauptfiguren, der Dreiecks-Lovestory Wayne-Dawes-Dent und den ständigen
Aktionsmomenten fügt Nolan unzählige kleine Nebenstories hinzu, die immer wieder
ins Geschehen passen und die Tiefe noch weiter untermauern. Ob es
nun eine moralische Frage über die Taten Batmans ist, ob es das Aufdecken von
Batmans Identität ist, seine Sicherheitsmaßnahmen, oder ob es Batmans Bedeutung
für die Stadt betrifft: es wird ein riesiges und dichtes Netz gesponnen, welches die Welt von Batman und Joker zu einem ungemein spannenden Platz
macht. Dadurch wird überhaupt erst klar, was für eine Bürde Batman als Superheld
trägt. Es geht nicht nur um das wilde Bekämpfen von Terroristen, es geht auch um
Dankbarkeit, um Selbstaufopferung, um Ideale, Ziele, Instinkte, Chancen und
Ersatz. Bale, der besonders gut darin ist, besonders ernste und disziplinierte
Figuren zu spielen, hat es schwer, die brodelnde Verzweiflung in der eiskalten
Disziplin Wayne's zu halten, schafft
das aber zum Glück.
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"Du solltest mal meinen Bruder kennenlernen.
Der sieht Endzeit-Kanickel."
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Gibt es denn überhaupt etwas an
dem Film auszusetzen? Sehr wohl, und das wird einigen nicht schmecken. So
diszipliniert Bale auch in den Szenen als Batman ist (und wie sehr er auch in
den neuen Kampfszenen überzeugt), so fehlt es der Figur Batman / Bruce Wayne
selbst an Aufmerksamkeit. Zwar sieht man ihn mal trauern oder sich
kurzweilig besinnen, aber abgesehen von einem starken Auftritt in einem
Verhörraum bleibt Batman zu verhalten. Bekommen Joker und Dent jede Menge
ruhigere Dialogszenen, bleibt Batman meist nur der wortkarge und starre stille
Samurai. Er ist cool, keine Frage, aber rein schauspielerisch kann Bale damit
nicht besonders viel machen. Das ist ein Problem des Drehbuchs, das ihm nicht
erlaubt mal richtig zu glänzen. In Anbetracht der Ereignisse im zweiten und
dritten Akt stört es dann auch ein wenig, dass man keine aufreibenden Szenen zu
Gesicht bekommt, denn Gründe für starke Emotionen gibt es genug. Es ist schade,
gehört Bale doch zweifellos zu den besten Schauspielern seiner Altersklasse.
Kommen wir zum größten Kritikpunkt des Films und der hat einen Namen: Harvey
"Two-Face" Dent. Seine Geschichte nimmt gut ein Drittel des Films ein; er gehört
mit zum Showdown und ist ein essentieller Bestandteil der Geschichte. Das
Problem: dieser Teil der Geschichte will einfach nicht so gut funktionieren wie
der von Batman und dem Joker. Es fängt schon mit seiner Präsenz als Anwalt an,
die nicht so recht hinhaut. Er ist gut, aber keineswegs der eindrucksvolle Mann
vor dem ganz Gotham den Hut ziehen könnte. In Thank you for Smoking war er als
aalglatter Verteidiger messerscharf, doch in Dark Knight kann er daran nicht
anschließen. Was auch nicht klappt ist seine Chemie mit Rachel Dawes (Maggie
Gyllenhaal). Ist zwischen Maggie und Bale deutliche Sympathie bemerkbar, bleibt
es zwischen ihr und Eckhart kalt - keinen Moment glaubt man, dass diese beiden
ehrliche Gefühle füreinander haben.
Technisch ist der Film von vorn bis hinten erstklassig inszeniert, in vielen
tollen Panoramabildern und mit aufregender Action-FX. Es hakt allerdings bei
Two-Face, der nach seinem Unfall im letzten Drittel des Films in einem
Krankenhaus erwacht und schließlich mit neuem Antlitz offenbahrt wird. Konzeptionell ist seine
Verletzung sehr gelungen, die bis auf den Schädelknochen geht und ihn so grausam
entstellt, dass man den Anblick theoretisch kaum ertragen könnte. Das Problem
ist aber, dass die digitale Umsetzung von seinem Gesicht (solch tiefen Haut- und
Muskelverlust hätte man mit Make-Up nicht machen können) nicht echt genug
aussieht. Sie sieht aus wie eine leicht verbesserte Fassung von dem Hautverlust
in Hollow Man oder der Mumie in deren ersten Film, aber wie man es auch dreht,
man wird nicht genügend getäuscht. Es sieht einfach nicht hundertprozentig echt
aus und das stört ganz ungemein.
Dazu kommt, dass Eckhart und Nolan es nicht schaffen, die gespaltene
Persönlichkeit von Dent eindeutig rüberzubringen. Es gibt zwar kleinere Momente
in denen Dent mal lauter wird, aber für keinen Moment glaubt man, dass in diesem
Mann zwei Seelen oder zwei Gewissen hausen. Sein Anwenden unerlaubter Methoden
zum Klären von Fällen ist auch nicht so interessant wie man es sich wünschen würde. Als Two-Face ist er
dann auch nur noch grob, wirkt aber so leider nicht bedrohlich. Eckhart kann in diesen
Momenten nicht überzeugen und fällt weit hinter dem Joker zurück, den man sich
schnell wieder herbei wünscht.
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Braucht keinen TÜV: das Batpod.
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Besser wäre hier gewesen, die
Verletzung weniger schlimm zu gestalten, so dass man sie mit Make-Up hinbekommen
hätte und sie realistisch ausgesehen hätte; sowie schlicht andere Besetzung der
Rolle.
Ein weiterer Schwachpunkt ist Scarecrows Szene. In einer kurzen Kampfszene
besiegt Batman ihn und seine Schurken, wobei Scarecrow allenfalls 2 Minuten zu
sehen ist und nur lieblos Sätze spendiert bekommt. Konnte Cillian Murphy in
Batman Begins viel aus dem verrückten Angstprofessor Crane herausholen, ist sein
Auftritt hier eher sehr enttäuschend. Cameos von bekannten Figuren sind immer
nett, aber dann müssen sie berechtigt gut sein oder als nette Winks an die Fans
funktionieren: dieser Auftritt hätte ruhig im Schnittraum bleiben können.
Loben kann man allerdings Morgan Freeman, Gary Oldman und Michael Caine, die sich nahtlos
miteinreihen und jeweils ein paar neue gute Szenen bekommen. Insbesondere
Freeman ist nicht schlecht, der Batman in einem entscheidenen Moment darauf
hinweist, dass er um die Bösen zu bekämpfen nicht selbst zu einem solchen werden
darf. Gyllenhaal (wer sie nicht kennt, Secretay schauen) bekommt leider nicht
viel zu tun, spielt aber gut gegen Bale und verleiht der Figur Wärme und
Herzhaftigkeit, was Katie Holmes im ersten ja nicht wirklich gemacht hat. Man
wünschte, Gyllenhaal hätte Rachel auch schon im ersten gespielt.
Was Nolan mit The Dark Knight abliefert, wird Maßstäbe setzen. Nie zuvor hat man
reines Comic-Material derart ernst und ernstzunehmend und anspruchsvoll
umgesetzt, sodass man in Zukunft nicht mehr belächelnd über alle Filme des
Genres sprechen kann - zumindest nicht über diesen, denn es ist ein astreiner
Crime-Thriller vom Feinsten.
Während es im Film selbst keine Andeutungen hinsichtlich eines Gegners für einen
dritten Teil gibt, so ist der Endmoment doch sehr zweiseitig. Zum einen
ist es ein interessanter Ausgangspunkt für eine neue Geschichte, könnte
andererseits aber auch in schöner Schlussstrich sein.
Fazit:
The Dark Knight ist
eine hervorragende Weiterentwicklung des neuen Batmans, mit einem herausragenden
Joker und einer astreinen Regie von Christopher Nolan.
10 / 10
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