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Film Kritik
 
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Departed: Unter Feinden

Story:
Sie sind zwei Cops, Billy Costigan (Leonardo DiCaprio) und Colin Sullivan (Matt Damon). Doch während der eine in windeseile bei der Boston State Police aufsteigt, bleibt dem anderen nur der steinerne Weg als Spitzel übrig. Seit Jahren ist die Polizei von Boston hinter Frank Costello (Jack Nicholsen) und seiner Mafia her, doch geschnappt haben sie ihn bisher nie.

Das soll sich nun ändern. Doch ausgerechnet auf der Seite der Polizei scheint sich ebenfalls ein Spitzel eingeschleust zu haben und so kämpfen die beiden jungen Cops ums nackte Überleben. Wer auffliegt, stirbt.

regie :
martin scorsese
cast  : leonardo dicaprio, matt damon, jack nicholson
kritik : frederic garz
 

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Vorwort:
Es ist manchmal schon ein Jammer. Man könnte sich schon fast die Frage stellen, was Regisseur Martin Scorsese nur angestellt hat, dass er jedes mal im Rahmen der heiß begehrten Academy Awards leer ausgeht. Während ein Großteil der beteiligten Crew steht's mit dem Oscar geehrt wird, setzt Scorsese's Vitrine Staub an. Wenn sie jetzt eine Intrige oder gar Verschwörung hinter dem "Fall Scorsese" vermuten muss ich sie enttäuschen und mit dem Satz "es gehört eben manchmal auch eine - oder mehrere - Portion(en) Glück dazu".

Dabei war "Gangs of New York" (übrigens Scorsese's erste Zusammenarbeit mit seinem "Ziehsohn" DiCaprio) doch richtig gut gelungen und das BioPic "Aviator" sogar ein großer Erfolg bei den Golden Globes. Bestes Drama, und für die Regie gab es Preise. Das Problem daran, die Golden Globes werden schon lange nicht mehr als richtiger Preis angesehen und stellen vielmehr die "Aufwärmrunde" für die prächtigen Awards der Academy dar. Und da Scorsese kein Mann ist der sich mit "Trostpreisen" zufrieden gibt, nahm er DiCaprio erneut (zum dritten Mal) bei der Hand und setzte mit "The Departed - Unter Feinden" ein Remake des Hongkong Thrillers "Infernal Affairs" auf.

Irgendwann mal muss es ihm doch gelingen, und wenn man schon keine eigenen Ideen mehr hat, dann bedient man sich eben kurzerhand an erfolgreichen "alten Schinken" (wobei das Original gerade mal 4 Jahre jung ist). Warum? Na das machen doch eh alle. Ob Horror, Thriller oder Komödie, längst ist niemand mehr sicher vor der kaltblütigen hollywood'schen "Ideen-Klau-Fabrik" die - noch - auf Hochtouren läuft. Doch Scorsese wäre nicht Scorsese wenn er sich für das Remake nicht was ganz feines ausgedacht hätte. Darf ich vorstellen, Geheimwaffe: Starbesetzung. Nun ja, das kennt man ja von Remakes wird man jetzt sagen, diese Namen kann man sich dennoch Mal auf der Zunge zergehen lassen. DiCaprio, Damon, Nicholson, Sheen, Wahlberg und zu guter letzt Baldwin.

Nicht nur, dass die Erwartungen an einen Scorsese Film schon hoch wären, nein, mit diesem Aufgebot an Stars war er einmal mehr zum Erfolg verflucht. Mit dem erfolgreichen Original im Rücken, einer Ladung Weltstars und den Oscar's im Blickwinkel macht sich Scorsese mit "The Departed" erneut auf Oscar-Fang, wir wollen hoffen dass er dieses Mal ein wenig mehr Glück bei den Jury Mitgliedern hat. 

Kritik:
Dabei fängt alles so viel versprechend an. Nach der erfolgreich absolvierten Polizeischule steht für die beiden Cops Billy Costigan (Leonardo DiCaprio) und Colin Sullivan (Matt Damon) die Tür zur großen Polizei-Karriere weit offen. Doch wie es das Schicksal eben so will, schafft nur einer den Weg ganz nach oben. Sullivan absolviert eine beispielslose Karriere, vielleicht etwas zu schnell, und Costigan erlebt eine seiner bittersten Stunden. Die Bostoner State Police will ihn nicht, seine einzige Chance ist es, als Spitzel zu arbeiten und die Mafia unter der brutalen Führung von Frank Costello (Jack Nicholson) zu infiltrieren.

Regisseur Scorsese's "Departed" ist somit ein Film, der die Schattenseiten der Polizei und der Bostoner Unterwelt wiedergibt. In all ihrer Grausamkeit und Kaltblütigkeit stellt Scorsese zwei völlig verschiedene Leben vor, die des beispielslosen Musterschülers, der fast ein wenig zu gut ist, und die des Undercover Cops, der seine einzige Chance darin sieht, sein Leben aufs Spiel zu setzen und sich in die Unterwelt der Mafia einzuschleusen. Hierbei geht es weder um Schönmalerei noch um übertriebene Sozialkritik. Scorsese nimmt kein Blatt vor den Mund und zeigt schonungslos den Bostoner Alltag, in dem korrupte Bullen, dunkle Gassen, Auftragskiller und Spitzel an der Tagesordnung stehen.

Dabei ist Regisseur Scorsese der krasse Kontrast zwischen der scheinbar Bilderbuch haften Welt und tiefem Abgrund perfekt gelungen. Zwei Leben, die auseinander Fallen, obwohl beide für das Gleiche standen. Der soziale Abstieg des DiCaprios und der fabelhafte Aufstieg des Matt Damon. Während sich der eine durch eine gefühlslose Welt voller Gewalt, Verrat und Mord quält, schwimmt sein Pendant in einer Welle aus Wohlstand, Anerkennung und Glückseeligkeit. 

Dennoch fühlen sich beide zur selben Frau hingezogen, Madolyn (Vera Varmiga, "Running Scared"), eine Psychologin im Dienste der Polizei, die eine Affäre mit beiden Männern beginnt. Sie steht zwischen ihnen, und dennoch entgehen auch ihr die falschen Identitäten der Bostoner Polizisten. Paradox möchte man sagen, dass sich Scorsese gerade für eine Psychologin entscheidet, unterstreicht diese Wahl jedoch den tiefen Charakter des Filmes.

"The Departed" ist mehr als nur "unter Feinden", es ist ein Psychokrieg aller ersten Güte. Ein Krieg, der nicht mit Waffen gelöst wird, sondern mit der Sprache, der Ausstrahlung, der Mimik und nicht zuletzt auch der Haltung der Protagonisten. Selten schafft es ein Film, über zwei ein halb Stunden so zu fesseln und doch derartig mit Actionszenen zu geizen. Scorsese baut hier auf das Zwischenmenschliche, auf Vertrauen, und auf die ausgezeichnete Performance seiner Schauspiel-Crew. 

Zwei Maulwürfe, auf jeder Seite einer. Beide Seiten mit Macht, Einfluss und Respekt. Wer fliegt zuerst auf, wessen Identität ist in Gefahr, wie gehen die Spitzel mit ihrer doch so unterschiedliche Situation um. Wie reagieren sie auf Ereignisse, was geh in ihnen vor? Wer kann dem enormen Druck stand halten, wer gibt zu erst auf, bricht gar unter dem Druck zusammen? Fragen, auf die der Regisseur eine tiefe und ebenso krasse Antwort gibt, die sicherlich jeden zum Nachdenken anregen wird. Nichts ist, wie es scheint.

Dass sich die kurz angesprochene Action äußerst zurückhält und nur zum Ende hin in einem anschaulichen Showdown offenbart sollte selbstverständlich sein. Hier geht es nicht um oberflächliches Geplänkel, sondern um tief schürfendes Thriller Kino par excellence. 

DiCaprio hat sich - Gott sei dank - von seinem Milchbubi- Image endlich gelöst und bringt eine Leistung an den Tag, die man ihm vor wenigen Jahren nicht zugetraut hätte. Mit einem solchen Engagement und Bereitschaft verkörpert er die Rolle des Spitzels, das plötzlich mit dem Rücken zur Wand steht, schlichtweg perfekt. Genau so fühlt man sich und genau so bringt man dem Zuschauer die Rolle näher, unglaublich.

Auch Matt Damon, der als Jason Bourne bereits zwei Mal für ordentlich Furore im Bereich des Actionthrillers gesorgt hat, bietet eine beeindruckende Performance. Auch ihm klaffte lange genug das Image eines Bubis an, dass er aber nun endgültig ins Jenseits schickte. Diese elegante Arroganz, gepaart mit einer Kühnheit und Unberechenbarkeit lassen die Figur des Colin Sullivan in einem zwielichtigen Licht erstrahlen, bravourös.

Um mit der "Milchbubi-Revolution" weiterzufahren, sollte man ebenfalls Mark Wahlberg erwähnen, der in die Rolle des zynischen Macho-Polizisten schlüpfte und der sich nach seinem Drama "Vier Brüder" ebenfalls von seinem früheren Image als "Marky Mark" verabschieden dürfte. Dieser Film wird für diese drei Stars mit Sicherheit eine Art Neuorientierung auf dem Filmmarkt sein. Vorbei sind die alten Zeiten der Kinderbuch haften Rollen, irgendwann mal wird ein Schlussstrich gezogen, und dieser ist zweifelsfrei geglückt.

Doch steht und fällt dieser Film, das muss man ehrlich zugeben mit Jack Nicholson. Unglaublich, was dieser Mann im zarten Alter von 69 Jahren auf die Beine stellt. Er verkörpert den Mafia Boss Franco Costello mit einer solch kalten, kranken, ja fast schon arrogant guten Art und Weise, dass man sich keine bessere Besetzung hätte vorstellen können. Vor ihm zittert die Unterwelt, und doch gibt er seiner Rolle auch so viele komisch netten Seiten um sie in der nächsten Sekunde rücklings zu erstechen. 

Fazit:
"The Departed" geht durch Mark und Bein. Ein solch unglaublich guter Thriller kommt nur alle paar Jahre und zwingt die Oscar Jury schon fast zur Auszeichnung der begehrten Regie Trophäe. Eine unglaubliche Performance der Stars, ja schon fast eine kleine Revolution die einige durchleben, ein verzwickter und spannender Plot sowie ein bravouröser Jack Nicholsen machen "The Departed - Unter Feinden" zu einem Thriller der Extraklasse von dem es nur wenige gibt.

9,2
/ 10

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