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KRITIK:
DIE FLIEGE I & II
von Christian Mester
DIE FLIEGE (1986)
Regie: David Cronenberg
Cast: Jeff Goldblum, Geena Davis
Story:
Seth Brundle (Jeff Goldblum) hat das Unmögliche
geschafft: er hat eine Maschine entwickelt, die
Dinge in einer Kammer auflösen und in einer anderen
wieder zusammensetzen kann. Mit Strumpfhosen klappt
es anfangs bereits gut, sodass er nach einigen
Optimierungen eines Abends den riskanten
Selbstversuch wagt. Mit in seiner Kammer landet
jedoch eine kleine Fliege, deren DNA der Computer
daraufhin beim Transport mit der seinen verschmilzt.
Vor den Augen seiner Freundin (Geena Davis)
verwandelt sich Brundle nach und nach in eine
abscheuliche Kreatur…
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Seth Brundle....
Brundlefly |
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Kritik:
Verrückte Wissenschaftler waren schon immer fester
Bestandteil des Genres Horror. Dr. Frankenstein, Dr.
Jekyll, Dr. Vannacutt, Dr. Satan, Dr. West; hoher
Intellekt scheint gerade dazu prädestiniert zu sein,
zur tödlichen Gefahr zu werden oder anderen eine zu
schaffen. Wie schon Jekylls und Frankensteins ist
auch Brundles eine bereits klassische Geschichte, da
der schaurige Body-Horror aus dem Jahre 1986 bereits
ein Remake eines Films aus den 50ern war. Denkt man
daran, dass ein Mann irgendwie mit einem abgrundtief
hässlichen Insekt vermischt wird, stellt man sich in
erster Linie bizarre, abstoßende Verwandlungen vor,
eine ekelhafte Monstrosität, die einem das Fürchten
lernt. Im Original war dies anhand der damaligen
Möglichkeiten selbstverständlich noch kaum möglich,
das Remake machte es wahr.
Brundles langsame Mutation zum titelgebenden
Chitinträger ist auch heute noch eine faszinierende,
überaus scheußliche Darbietung. Von ersten seltsamen
Haaren über Knochenwechsel, Körperzerfall und
neuartigen Essgewohnheiten (ein offensichtlicher
Freudentaumel für „Videodrome“ / “Existenz“ / “Naked
Lunch“-Regisseur David Cronenberg) ist es schaurig
mit anzusehen, wie glaubwürdig Jeff Goldblum sich
nach und nach vom wirren Professor zum
Verdauungssekrete spuckenden Monster entlarvt. Das
ist zum einem den großartigen FX-Machern
zuzuschreiben, die Brundles verschiedene Stadien mit
erstklassigem Make-Up und später großartiger Bauten
umsetzten (und dafür zu Recht mit dem Oscar prämiert
wurden), zum anderen Goldblum selbst, der die
physische und geistige Wandlung des sympathischen
Tüftlers effektvoll spielt. Dass man der Geschichte
trotz Ekelsammelsurium dennoch voller Spannung
folgt, liegt an der gelungen Tragik der Figur, der
Regie und einem gutem Drehbuch voller guter
Handlungsfäden.
Zwar ist die Beziehung zwischen Brundle und der
Reporterin wie aus dem Klischeebuch, es funktioniert
aber, da die beiden eine glaubhafte Natürlichkeit
miteinander haben (wundert nicht, da sie zur
Drehzeit auch privat ihre Fühler nach einander
ausstreckten). Buch und Regie kümmern sich sehr um
die Charaktere und bieten genügend Momente, auch in
teils seltsamen Szenen Sympathien aufzubauen.
Relativ interessant ist auch der Dritte im Bunde,
der Arbeitgeber der Reporterin (John Getz), der sich
zunächst als eifersüchtiger Schwachmat entpuppt, im
Laufe der Story aber noch andere Seiten aufzeigt.
Wesentlich mehr Beteiligte gibt es nicht, aber es
kommt dem Film so zu Gute, da allen drei Figuren
umso mehr Zeit zugesprochen wird. Es hat ein wenig
von einem effektiven Theaterstück, das so vermutlich
auch auf der Bühne wirken könnte (Anmk.: seit kurzem
gibt es tatsächlich ein "Die Fliege"-Musical).
Es ist angenehm zu sehen, dass Brundle im Gegensatz
zu vielen anderen verrückten Gestalten kein
hirnloser, pur böser Angreifer wird, sondern seine
eigene Verwandlung gleichermaßen mit
wissenschaftlicher Faszination und bedrückender
Angst verfolgt. Nicht unbedingt über sein Dasein,
aber dass er irgendwann seinen Verstand verlieren
und eine Gefahr für andere werden könnte. Wer also
einfachen Splatterspaß erwartet, darf sich nicht
wundern, hat man am Ende vielleicht sogar das ein
oder andere feuchte Auge. „Die Fliege“ setzt weder
auf Action, noch auf Schocks – es ist ein eher sehr
ruhiger Film, der gemächlich vor sich hin kriecht
und schleichend Atmosphäre schafft.
Streicht man es auf das Simpelste zusammen, ist „Die
Fliege“ eine berührende, tragische, gut gespielte
und gut gemachte Charaktergeschichte mit einem
beachtlichen Monster und Effekten, die sich
Deftigkeiten nicht scheut.
Fazit:
Die 86er Fliege ist ein bodenständiger Klassiker.
Toll gespielt und famos umgesetzt, belohnt er jeden,
der die diversen Ekelmomente hinnimmt, mit einer
dramatisch faszinierenden Geschichte.
8 / 10
DIE
FLIEGE 2 (1989)
Regie: Chris Walas
Cast: Eric Stoltz, John Getz
Story:
Aus der Beziehung mit der Reporterin entspringt
ein Kind, das in Folge einer bizarren Geburt auf die
Welt kommt. Martin (Eric Stoltz) wächst in einem
Labor auf und altert in nur fünf Jahren zu einem
Erwachsenen heran. Ähnlich begabt, erhoffen sich
seine Gastgeber von ihm, dass er ihnen dabei hilft
die fehlerhaften Teleportations-Kammern zu
reparieren. Da Martin aber das Fliegenmutagen in
sich trägt, verwandelt auch er sich…
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Martin Brundle...
Martinfly |
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“Die Fliege“ war damals ein großer Hit an den Kassen
und da auch schon das alte Original zwei
Fortsetzungen bekommen hatte, folgte drei Jahre
später das madige Abenteuer des nachtragenden
Fliegensohns. „Die Fliege 2“ ist prinzipiell kein
schlechter Horrorfilm, ist aber deutlich schwächer
auf seinen haarigen Beinen. Die Charaktere sind
qualitativ merklich ein ganzes Stück unter dem
Erstling angesiedelt, da Eric Stoltz und seine
Filmpartnerin (natürlich hat auch diese Fliege eine
Love-Story, überhaupt wiederholt sich vieles)
gemeinsam kaum Gefühle und Sympathien wecken und
echter Anspruch früh die Fliege macht. Die
Geschichte der zwei bleibt auf TV-Film Niveau und
kämpft vergebens um Geduld, da man alsbald
ungeduldig darauf wartet, dass es wenigstens zur
Sache geht. Die Story bleibt dünn, der neue
Antagonist – ein hinterhältiger rückratloser
Forscher – eine Lachnummer. Einzig Ex-Fliegenfutter
Stathis (John Getz), der eine kleine Szene im Film
hat, lässt kurzweilig altes mögliches Interesse
wieder aufflammen. Da die Darsteller den Plot nicht
groß erhellen können, fällt mitunter kritisch auf,
dass der Großteil der Geschichte in einem höchst
billig aussehenden Labor spielt.
Wenigstens in Hinsicht
des Fliegenmahls überzeugt der sichtlich schwächere
Ableger, da es hier mehr kakerlakeske Fliegenszenen
gibt und mehrmals tüchtig zulangen darf. Die
eigentliche Verwandlung ist hier leider weit weniger
effektvoll – anstatt sich bis zum bitteren Ende
schrittweise zu verwandeln, überspringt man die
mühevolle (sehenswerte) Evolution, indem man Stoltz
nach kurzer Zeit in einen speciesquen Kokon steckt,
aus dem er dann frisch und fertig schlüpft.
Martinfly sieht anders aus als Brundlefly, ist im
späteren Stadium ähnlich gut gemacht, allerdings ist
nicht zu übersehen, dass Martinflys Schicksal
aufgrund der platten Story und fehlenden
Charakterbindung emotionslos bleibt. Da helfen auch
keine gequälten Hunde- und Rachemutationen, die
Tragik mit dem Holzhammer einklopfen wollen, letzten
Endes aber nur am Wert des Film schaben und eins
sind: widerwärtig.
Fazit:
Was passiert, wenn man einen nicht ganz so fähigen
Regisseur mit nicht ganz so fähigen Darstellern an
ein nicht ganz so fähiges Script setzt? Es schlüpft
etwas Glibberiges.
4 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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