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District 9


Kritik von Christian Mester

District 9 (2009)
Regie: Neil Blomkamp
Cast: Sharlto Coplay

Story:
Aliens sind auf der Erde gelandet, doch statt wie sonst Manhattan vernichten oder Dan Akroyd heiraten zu wollen, sind die menschlichen Gambas ausnahmsweise einmal recht ziel- und obdachlos. Zwanzig Jahre nach ihrer Ankunft sollen sie dann eines Tages aus ihrem herunter gekommenen Wohngebiet in ein kleineres Exil verlegt werden, wobei sich Aufseher Wikus van der Merwe unfreiwillig in die Lage der Gäste versetzen darf...

Der Regisseur hätte vorher fast einen Halo
Kinofilm gemacht

Kritik:
Nach seinem Erfolg mit den drei "Herr der Ringe" Adaptationen und dem Remake von "King Kong" nahm sich Regisseur Peter Jackson wie versprochen vor, in Zukunft auch andere Filmemacher an seinem Glück teilhaben zu lassen und bislang unentdeckte Talente zu unterstützen. Einer davon war Neill Blomkamp, der ihm mit eigenwilligen Kurzfilmprojekten aufgefallen war. Blomkamp stand sodann sofort im großen Rampenlicht, denn da Microsoft Peter Jackson als Produzent für die Verfilmung der "Halo" Spiele gewinnen konnte, schlug dieser für die 150 Millionen Dollar teure Produktion direkt seinen Schützling vor, was das Studio zunächst nicht unbedingt toll fand, aber akzeptieren wollte.

Das Ding kam aber nicht, wie man weiß, was in erster Linie daran liegt, dass Microsoft sich trotz schier unendlicher Möglichkeiten und gewaltiger Fanbase weigerte, sich merklich an der Finanzierung des Films zu beteiligen. Frustriert, aber weiterhin motiviert schlug Blomkamp also vor, eins seiner eigenen Projekte in einen Spielfilm zu verwandeln: "Alive in Joburg". Jackson gefiel's, also besorgte er Blomkamp läppische 30 Millionen Dollar und wünschte ihm alles Gute... eine Investition, die sich auszahlen sollte.

Nicht nur, dass der Film bei Release genau so erfolgreich anlaufen konnte wie fünfmal so teure Blockbuster namhafter Regisseure, er sieht trotz des geringen Budgets auch noch beeindruckend aus. Ein Großteil des Films zeigt nämlich besagte Aliens, die mehr oder weniger wie menschliche Garnelen aussehen und unentwegt Teil der Handlung sind. Erstaunlicherweise sieht man die shrimpigen Besucher zudem fast immer im hellen Tageslicht, was normalerweise ein Grauen für jeden Designer ist. Hell erleuchtet zeigt sich nämlich genau, ob eine unechte Figur glaubhaft bestehen kann oder nicht - bislang schafften das eigentlich nur Gollum, Kong, Transformers und Davey Jones. Die hatten aber alle stets ein neunstelliges Budget zur Verfügung, worüber der Südafrikaner wohl nur lachen kann - was er mit wenig Geld aus seinem Zylinder zaubert, ist besser als weiße Kaninchen und letztendlich ein gut sitzender Elbow-Drop in die Magengruben etlicher Produzenten, die aufgrund viel zu überteuerter Budgets zu Grunde gingen. Und auf Microsofts Schlucke, denn Blomkamp, der ihnen sicher auch aus 70 Millionen einen atemberaubenden "Halo" gemacht hätte, hat jetzt freie Auswahl, egal was auch immer realisieren zu können.

Neil Blomkamp drehte anschließend
Elysium

Was darüber hinaus maßgeblich Eindruck hinterlässt, ist die Tatsache, dass diese verschrumpelten Chitinobdachlosen aus dem All echte Emotionen vermitteln können. Anfangs noch als primitive, affenartige Kakerlaken mit dem Charme eines bissigen Streuners gesehen, gibt es später Charaktermomente, Dank der man mit den Shrimpfamilien mitfühlen kann und mehr Persönlichkeit aufbringen als die gesamte Belegschaft aus "Transformers II". Bleibt generell die Frage, was das nun überhaupt für ein Film ist? Die Trailer waren ja noch sehr vage und ließen fast schon ein ruhigeres Drama erahnen, doch auch wenn "District 9" dramatische Elemente hat, so ist er hauptsächlich ein abenteuerlicher Science-Fiction Thriller, der nach einer guten halben Stunde vindieselig aufs Gaspedal tritt und bis zum starken Finale nur noch hochschaltet. Action gibt es später also einige, die originell und packend, sowie auch noch reichlich blutig ausfällt und kein einziges Mal hollywoodtypisch verschönigt wird. Keine Slow-Motion-Szenen, kein nerviges Quantum-Kameragewackel, keine Oneliner und keine Money Shots - "District 9" hat Mechs, Aliens und futuristische Superwaffen, die aber allesamt glaubhaft wirken und Spektakel sind.

Dass die spannende Jagd aber nicht zu trocken und ernst ausfällt, ist Hauptdarsteller und Neuling Sharlto Coplay zu verdanken, der in seiner Rolle als schicksalshaftes Bindeglied zwischen Mensch und Krill derart lebhaft und zerissen agiert, dass man ihm gerne und gespannt zusieht. Er ist ein vielfältiger Charakter, der einem sympathisch wird, dann mit zweifelhaftem Verhalten abstößt und später zum Opfer und wackeren Helden mutiert, wobei all sinee Züge immer wieder zum Vorschein kommen. Eine der interessantesten Actionfilm Figuren der letzten Jahre, und das auch noch klasse von einem vollkommen Unbekannten gespielt.

Neben all der tollen Technik beweist Blomkamp aber auch Händchen als Regisseur und Autor, da er nicht bloß saubere Auftragsarbeit zeigt, sondern immer wieder mit Erwartungen spielt und Szenen anders aufbaut, geschickt manipuliert und nie langweilig wirken lässt. Der Film trägt insgeheim übrigens auch viele Metaphern und Sinnbilder auf Apartheid, Rassismus und Intoleranz, die ohne groß im Vordergrund zu stehen bei näherer Überlegung jede Menge Tiefe haben. Zu bemängeln gibt es unter dem Strich nicht viel; höchstens, dass einige Fragen offen bleiben (wieso kann z.B. jeder die aus Nuschel- und Klicklauten bestehende schwierige Aliensprache flüssig verstehen?) und dass die böse Seite der menschlichen Jäger ein wenig zu kurz kommt - da Wikus Geschichte aber derart umwerfend ist, stört es kaum, dass man die Zeit fast nur mit ihm verbringt.

Fazit:
Bezirk 9 ist ein äußerst gelungener Mix aus "Cloverfield" und "City of God", mit Kampfrobotern, Laserwaffen, Thrill, Humor, Action, Gore und nach Katzenfutter verrückten Garnelenmenschen.

9 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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