Story:
Aliens sind auf der Erde gelandet, doch statt wie sonst Manhattan vernichten
oder Dan Akroyd heiraten zu wollen, sind die menschlichen Gambas ausnahmsweise
einmal recht ziel- und obdachlos. Zwanzig Jahre nach ihrer Ankunft sollen sie dann eines
Tages aus ihrem herunter gekommenen Wohngebiet in ein kleineres Exil verlegt
werden, wobei sich Aufseher Wikus van der Merwe unfreiwillig in die Lage der
Gäste versetzen darf...
regie :
neill blomkamp
cast :
sharlto coplay
kritik :
christian westhus
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Kritik:
Es ist letztendlich komplett egal wie ein
Film beworben wurde, wenn man ihn schließlich gesehen hat, doch im Falle von
„District 9“ ist es doch interessant. Es schlich sich mit Peter-Jackson-Boost
und langsam aufköchelndem Internethype an, der diesjährige „Cloverfield“ zu
werden und übertrumpfte das vermeintliche Vorbild in Einspiel (zumindest in den
USA) und Qualität deutlich. Der Vergleich liegt nahe, denn in beiden Filmen geht
es um eine Alieninvasion, die uns im Realismusgewand präsentiert wird.
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"Mary-Kate Olson, bitte kommen sie mit uns."
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„District 9“ gibt zumeist vor,
eine Dokumentation zu sein, die die Ereignisse bei der geplanten Umsiedlung der
Außerirdischen schildert, die seit rund 20 Jahren in Johannesburg leben.
Natürlich wird das Gesehene dadurch nicht für real gehalten, aber es wirkt
realer und ganz davon ab profitiert die Erzählweise enorm davon. Dass wir in
einem zunächst unspektakulären, aber wichtigen ersten Akt von offiziellen
Sprechern über die Situation und über Eigenheiten dieser alternativen Realität
aufgeklärt werden, ist geschickt gelöst, weil es zeitsparend und stilistisch
einheitlich ist. Ein wenig erzwungen und künstlich mag es zwar manchmal
erscheinen, wenn wir durch Überwachungskameras oder Reporterteams die Handlung
überblicken, doch die Wirkung wäre anders wahrscheinlich schwächer gewesen.
Auch lässt der Doku-Charakter die etwas grobkörnige Optik und den
Wackelkamerastil leichter akzeptieren, denn wenn wir mit dem etwas naiven aber
zunächst sympathischen Wikus unterwegs sind, schleicht sich schon dieses
„mittendrin“ Gefühl ein. Sobald wir mit dem Kontrollgang durch District 9, einem
abgeschirmten Bereich in Johannesburg, in dem die Aliens in Wellblechhütten
zusammengepfercht leben, beginnen, legt der Film richtig los. Der
lustig-schwerfällige Wikus entpuppt sich als erschreckend kalt, ein
Geheimdiensttyp schwirrt säbelrasselnd im Heli herum und die Aliens erregen
schnell Mitleid. Wirkten die insektoiden Zweibeiner zuvor wie Ungeziefer ohne
Emotionen, bauen sich plötzlich Charaktere unter den „Schrimps“ genannten
Fremden auf und die Menschen zeigen sich von einer ihrer unedelsten Seiten.
Regisseur Neill Blomkamp wuchs in Südafrika auf und hat den Film bewusst als
Apartheidsparabel ausgelegt. Die brüchigen Behausungen, zwischen Dreck und
Abfällen, sind ganz nach Slumvorbild geschaffen, bei der Umsiedlung in ein
steriles Zeltlager schrillen die Alarmglocken auf und man ruft Deportation, und
weil es gerade so gut hineinpasst, verhindert die Menschheit die Abreise der
Aliens, weil sich mit den Alienwaffen sicherlich noch Reibach machen lässt. Das
denken sich auch Nigerianer, die sich im Slumgebiet breitgemacht haben und das
ganze Politkonstrukt des Films ordentlich durcheinander bringen. Was für manche
erfreulich weitsichtig erscheinen mag, kann aber schnell auch schwammig wirken,
denn so ganz reibungslos will die Übertragung von Apartheid auf „District 9“
nicht gelingen.
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Gordon Freeman?
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Vielleicht sollte man sich von
diesem speziellen Südafrika-Fall auch etwas lösen und den Film mehr als
Rassismuskritik im Science-Fiction-Action-Gewand sehen. Was sicherlich keinen
Einzelfall in der Filmwelt darstellt, wird in diesem Fall aber nicht nur
originell, sondern auch intensiver und anspruchsvoller behandelt, als man
gewohnt ist. Blomkamp sorgt mit kurzen, wirkungsvollen Szenen für starke Regung
beim Zuschauer und erzeugt gekonnt symbolisch und allegorisch aufgeladene Bilder
die hängen bleiben. Der Fund von Alieneiern und die Handhabe der Organisation
gehört zu den schockierenden Szenen des Films und ist kein Einzelfall.
Hauptfigur Wikus ist entsprechend auch eine ambivalente Hauptfigur, der wir bald
folgen. Einerseits egoistisch und arrogant, irgendwie aber auch sympathisch und
später unglücklich zum Opfer geworden. Mit ihm stolpern wir panisch und ständig
überrascht durch manch bizarre Szenerie, durch ungewöhnliche Wendungen und fiese
Einfälle, die besonders visuell jederzeit überzeugen können
Der Film steigert sich von Minute zu Minute, packt gekonnt Action neben Drama
und satirischem Unterbau und zieht die Handlung, die nunmehr nur noch selten von
Interviewfetzen durchbrochen wird, geradlinig durch. Das Tempo stimmt und die
Aufmachung ist über jeden Zweifel erhaben. Natürlich profitieren die Effekte
davon, dass der Film nicht in typischer Hollywood-Hochauflösung gedreht ist,
aber auch so ist die Effektarbeit beeindruckend. Die Außerirdischen wirken in
Bewegung und in Umgebungsinteraktion so authentisch und real, dass man sich
mehrfach fragt, ob es sich wirklich um Computerkreation handelt. Das Raumschiff
selbst trägt zwar immer einen etwas künstlich wirkenden Schleier mit sich, passt
so aber in die Umgebung, und ein weiteres Detail aus dem letzten Drittel ist so
erstklassig getrickst und inszeniert, dass den Vorsitzenden großer
Hollywoodstudios die Schamesröte ins Gesicht steigen müsste, dass sie für
ähnliche Qualität exorbitante Budgets verballern.
Überhaupt übertrifft das letzte Drittel noch mal alles, was zuvor da war und
lässt so manche Unwahrscheinlichkeit und den ein oder anderen Logikfehler
vergessen. Eine zweite Hauptfigur tritt auf den Plan, die Dramatik schraubt sich
in ungeahnte Höhen und die Action übernimmt die Kontrolle. Gekonnt führt
Blomkamp durch das Chaos in diesem originellen Szenario, fügt mit gutem Timing
dramatische Passagen ein und scheut sich vor allem nicht vor drastischen Szenen.
Besonders mit Hilfe der Alienwaffen suppt der rote Saft ein ums andere Mal
gewaltig und ein leicht ironisches Augenzwinkern ist da glücklicherweise dabei,
ohne dem Ganzen den Ernst zunehmen, denn bei aller Unterhaltung ist „District 9“
eigentlich kein Spaßfilm. Das Finale ist so enorm spannend, wie lange nicht mehr
und weil die Inszenierung so frisch, wendungsreich und neuartig ist, muss man
auf alles gefasst sein; was die Spannung noch erhöht.
Schade ist, dass sich der Film ausschließlich auf Südafrika konzentriert. Einem
Film der sich in Aufmachung und Botschaft so ernst gibt, stünde es gut, sein
fiktiv-politisches Anliegen auch international auszuweiten. Um sich daran zu
stören, muss man den Film aber schon mit etwas Abstand betrachten, denn das
Finale ist Begeisterung pur und obwohl es irgendwie nahe liegt und eigentlich
auch sehr willkommen ist, braucht es ein Sequel gar nicht. Dafür ist der Film in
seiner Gesamtheit – trotz Macken – einfach zu gut.
Fazit:
Ein frischer Wind für das Genre des Science-Fiction-Films und einer der
originellsten Filme des Jahres. In einer spannenden, intelligenten und
doppelbödigen Story packt Regisseur Blomkamp alles zusammen und schnürt ein
durchweg überzeugendes Gesamtpaket aus Action, Ernst und Spannung mit toller
Effektkunst. Dass der eigene politische Anspruch etwas schwammig ist und das
Drehbuch kleinere Holprer hat, mindert das Wohlgefallen am Film kaum.
8 / 10
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