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Tödliche Versprechen
- Eastern Promises


Kritik von Christian Westhus

Eastern Promises (2009)
Regie: David Cronenberg
Cast: Viggo Mortensen, Naomi Watts

Story:
Anna (Naomi Watts) hilft einer schwangeren Frau ihr Kind zu bekommen, die allerdings bei der Geburt das Leben verliert. Hoffnungslos versucht sie das Kind unterzubringen und landet dabei in den Händen der russischen Mafia, die an geheimen Informationen der Mutter interessiert sind. Sie schicken Nikolai (Viggo Mortensen), ihren Mann für besondere Probleme...

Cronenberg will eventuell noch einen Teil drehen

Kritik:
Eine der graphischsten und heftigsten Gewaltszenen der letzten Jahre (für einen Film dieser Art) empfängt den Zuschauer schon in den ersten zwei Minuten und heißt ihn Willkommen in einem Film von David Cronenberg. Der kanadische Regisseur war in der Vergangenheit für bizarr-blutige Horrorfilme bekannt, begründete seinen Stil des surrealen Bodyhorrors mit Filmen wie „Videodrome“ oder der Burroughs-Verfilmung „Naked Lunch“. Cronenberg im neuen Jahrtausend sieht aber gänzlich anders auch. Nach dem düsteren Drama „Spider“ war schon „A History of Violence“ eine realistische Studie menschlichen Verhaltens, gespickt mit hyperrealistischer, roher Gewalt. Und so verhält es sich auch hier: Das Erzähltempo ist ruhig, dialogstark und bedächtig, doch wenn es ausbricht, dann richtig, dann graphisch, dann roh und brutal.

Cronenberg führt den Zuschauer in russische Mafiakreise, angesiedelt im kalt-feuchten London. Gerade wenn man die großen Mafiaepen der letzten 40 Jahre kennt, in denen es um italienische Familien ging, erkennt man einige geniale Schachzüge Cronenbergs und manch verzwicktes Storydetail eher. „Eastern Promises“ wirkt wie ein Anti-Mafia-Film, eine düstere Demontage des ehrenhaft-familiären Bildes der Mafia, wie es in Coppolas „Der Pate“ geprägt wurde. Dies manifestiert sich auch besonders in Armin Müller-Stahls Darstellung des Oberhauptes. Er wirkt zunächst wie ein freundlicher Opa, der gerne erzählt und respektvoll wirkt, doch wie nahezu alle Charaktere, ist diese Darstellung löchrig, heuchlerisch und widersprüchlich. Man sieht die gängigen Mafiamuster von Familienfeiern in zwielichtigen Restaurants, schwarzer Kleidung, schweigenden Türstehern, teuren Autos, kaltblütigen Morden und Familienehre, doch Cronenberg spickt seinen Film mit vielschichtigen, gut durchdachten Charakteren.

Diese Charakterentwicklung führt dann auch durch den dialogintensiven Handlungshauptteil, in dem Cronenbers Unschuldsmanifestation Anna, in Gestalt von Naomi Watts immer weiter in die Fänge der Mafia gelangt. Angeführt vom wunderbar stoischen und unheimlich stillen Viggo Mortensen, spinnt sich eine Geschichte die immer mehr Skepsis hervorruft, Skepsis über die wahren Hintergründe der Handlung und so ist es auch kein Wunder, dass es die eine oder andere überraschende Wendung gibt. Mortensens Nikolai versucht sich nämlich in der Familie hochzuarbeiten, obwohl sein „Vorgesetzter“ Vincent Kassel, als Sohn des Chefs, ebenfalls versucht seinem Vater gerecht zu werden.

Es ist erstaunlich, wie gut es funktioniert, dass drei russische Mafialeute von einem Deutschen, einem Franzosen und einem Amerikaner gespielt werden. „Eastern Promises“ ist sehr oft ein Darstellerfilm und die Darsteller erledigen ihre Rollen glaubwürdig, facettenreich und kraftvoll.

...

Das Highlight wird für Viele eine recht lange Schlägerei in einer Sauna sein. Diese ist absolut ruppig und martialisch und dazu überaus heftig, doch in erster Linie staunt man nur, wie das Ganze überhaupt gefilmt wurde. Choreographie und Effekt-Szene gehen nahtlos ineinander über und Viggo Mortensen prügelt sich die Seele aus dem Leib. Eine grandiose Sequenz! Als Einziges nicht so grandios am Film, ist der Off-Kommentar, der aus sentimental gesprochenen Auszügen des Tagebuchs bestehen, die Anna zur Mafia führen.

Am Ende lösen sich dann einige Handlungsstränge auf, doch man sollte darauf gefasst sein, dass einige Hintergründe offen bleiben, dass man als Zuschauer mit dem eigenen Verdacht auf manch unbeantworteten Fragen zurückbleibt und keine richtige Antwort erhält. Cronenbergs Ende ist symbolisch und offen und es ist absolut gelungen, wenn man seine Intention versteht. Dies unterstreicht aber auch, dass „Eastern Promises“ ein Film ist, bei dem denken angebracht ist und der kein cooler, brutaler Mafiafilm an sich geworden ist.
Fazit:
Die Versprechen aus dem Osten wurden gehalten und der neue Cronenberg ist ein grandioser Film geworden, den man sich direkt anschauen sollte. Eine intelligente, vielschichtige, wenn auch verschachtelte Story mit grandiosen Darstellern, dazu gespickt mit wenigen aber dafür umso heftigeren Gewaltszenen.
 

8,5 / 10

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