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Kritik:
Ein einziger Augenblick


von Christian Westhus

Reservation Road
(2007)
Regie: Terry George
Darsteller: Mark Ruffalo, Joaquin Phoenix

Story:
Eines Abends ist Lehrer Ethan (J. Phoenix) mit seiner Familie auf dem Weg nach haus, als er sich entscheidet, noch kurz an einer Tankstelle zu rasten. Bei dem Stopp kommt es dann zum schrecklichen Unfall: sein kleiner Sohn wird aus Versehen von Dwight (M. Ruffalo) angefahren und verliert sein Leben. Dwight, selbst Vater und völlig verwirrt, drückt aufs Gas und entgeht so dem Konflikt. Doch das Schicksal lässt nicht nach, denn bei Ethans Suche nach dem Schuldigen wird ausgerechnet Dwight als Helfer engagiert...

Kritik:
Das eigene Kind sterben sehen. Für Eltern so ziemlich der größte anzunehmende Unfall und dieser ereignet sich hier in der Nacht und etwas zu schnell. Kaum haben wir zwei Familienkonstrukte auf simple aber gekonnte Art und Weise kennen gelernt, liegt schon ein toter Junge auf der Straße und die beiden Familien drohen zu zerfallen. Ein Vater klammert sich an den Sohn, den er nur an ausgewählten Tagen sehen darf, der Andere entfernt sich immer weiter von seiner Familie, die ihn gerade jetzt am meisten braucht, und versucht mit aller Macht, den Fahrerflüchtigen aufzuspüren.

Filme mit einer solchen Ausgangssituation enden häufig als tränenreiches Rührstück voll kitschiger Sentimentalität, doch Regisseur Terry George gelingt es, die Emotionalität größtenteils realistisch und nachvollziehbar, die Ausbrüche auf einem annehmbarem Level zu halten. Denn obwohl der Film reichlich Tränen bietet und so klassische Sätze, wie „Oh, ich vermisse ihn so sehr!“ und „Es tut so weh.“ auch hier zu hören sind, entwickelt sich „Ein einziger Augenblick“ zu einem ziemlich guten und emotionalem Drama.

Positiv am Film ist, dass Regie und Drehbuch die Figuren ernst nehmen und versuchen, jeder Hauptfigur genügend Platz zu geben. So ist Mark Ruffalo annähernd gleichwertig präsent, wie Joaquin Phoenix und auch wenn es scheint, als rücke Jennifer Connelly zwischen dem zweiten und dritten Drittel etwas in den Hintergrund, so ist ihre Figur weiter Teil der Handlung. Und diese drei hochkarätigen Darsteller sind durchweg fantastisch. Sie bügeln so manchen kleinen Schlenker des Drehbuchs aus und können diese Figuren in dieser schwierigen Situation jederzeit ausfüllen und greifbar machen. Und im Hause Fanning scheint man die Schauspielerei eh mit dem Frühstück aufzunehmen, denn die junge Elle ist sehr geschickt und angenehm in einer Rolle, die in anderen Filmen sehr schnell sehr nervig werden könnte.

Die Fehler des Films liegen darin, dass man irgendwann beginnt, sich auf diesen Vorzügen auszuruhen. Wir folgen den wunderbar dargestellten Figuren, wie dem Vaters, der den Drang hat weiter und weiter zu forschen, das Internet zu durchstöbern, bei der Polizei Druck zu machen und Anwälte einzuschalten. Oder die Mutter, die versucht mit dem Verlust fertig zu werden, die Familie zusammen zu halten, zu ihrem Mann durchzudringen und es nach langer Zeit wieder mit Sex zu versuchen. Und schließlich der andere Vater, mit der unterdrückten Schuld und den eigenen Problemen mit der Ex-Frau und dem Sohn, den er nur selten sieht und nicht verlieren will. Diese Abläufe sind bei einem ordentlichen Drehbuch und guten Darstellern fast Selbstläufer und so fehlt Terry George vielleicht der letzte Kniff, um aus diesem Film ein richtig großes Werk, um daraus etwas Besonderes zu machen.

Die Ansätze dafür sind nämlich vorhanden, denn neben der melodramatischen Geschichte gibt es gute Figuren und einige kluge Gedanken über Schuld, Rache und Gerechtigkeit. An manchen Stellen kommt das amerikanische Justizsystem nicht wirklich gut weg und wie besonders das Internet als höchst manipulatives Medium wirkt, macht auch Sinn. George inszeniert all dies weiterhin gekonnt, aber unauffällig, lässt einige große Zufälle glaubwürdig erscheinen, arbeitet ordentlich mit Kamera und Musik und ist behutsam und nah bei den Figuren.

Dennoch fehlt Irgendetwas, besonders am Ende. Zwischen ein paar sehr guten Szenen platzt plötzlich die Auflösung, die zwar nicht unlogisch ist, es sich aber auch etwas einfach macht. Auch dies ist Kritik auf einem hohen Niveau, denn der Film spielt eindeutig in einer höheren Liga, aber es hätte eben noch mehr sein können.

Fazit:
„Ein einziger Augenblick“ bietet ein gekonntes Drehbuch und eine ordentliche Inszenierung, in erster Linie aber sind es die famosen Darsteller, die den Film auszeichnen. Denn dahinter verblasst das ein oder andere Detail, welches den Film zu einem großen Film gemacht hätte. So ist es ein leicht überdurchschnittliches, aber nicht ganz hochklassiges Drama.

7,5 / 10

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