Story:
Eines Abends ist Lehrer Ethan
(J. Phoenix) mit seiner Familie auf dem Weg nach haus, als er sich entscheidet,
noch kurz an einer Tankstelle zu rasten. Bei dem Stopp kommt es dann zum
schrecklichen Unfall: sein kleiner Sohn wird aus Versehen von Dwight (M.
Ruffalo) angefahren und verliert sein Leben. Dwight, selbst Vater und völlig
verwirrt, drückt aufs Gas und entgeht so dem Konflikt. Doch das Schicksal lässt
nicht nach, denn bei Ethans Suche nach dem Schuldigen wird ausgerechnet Dwight
als Helfer engagiert...
regie :
terry george
cast :
joaquin phoenix, mark ruffalo, jennifer connelly
kritik :
christian westhus
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Kritik:
Das eigene Kind
sterben sehen. Für Eltern so ziemlich der größte anzunehmende Unfall und dieser
ereignet sich hier in der Nacht und etwas zu schnell. Kaum haben wir zwei
Familienkonstrukte auf simple aber gekonnte Art und Weise kennen gelernt, liegt
schon ein toter Junge auf der Straße und die beiden Familien drohen zu
zerfallen. Ein Vater klammert sich an den Sohn, den er nur an ausgewählten Tagen
sehen darf, der Andere entfernt sich immer weiter von seiner Familie, die ihn
gerade jetzt am meisten braucht, und versucht mit aller Macht, den
Fahrerflüchtigen aufzuspüren.
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Filme mit einer solchen
Ausgangssituation enden häufig als tränenreiches Rührstück voll kitschiger
Sentimentalität, doch Regisseur Terry George gelingt es, die Emotionalität
größtenteils realistisch und nachvollziehbar, die Ausbrüche auf einem
annehmbarem Level zu halten. Denn obwohl der Film reichlich Tränen bietet und so
klassische Sätze, wie „Oh, ich vermisse ihn so sehr!“ und „Es tut so weh.“ auch
hier zu hören sind, entwickelt sich „Ein einziger Augenblick“ zu einem ziemlich
guten und emotionalem Drama.
Positiv am Film ist, dass Regie und Drehbuch die Figuren ernst nehmen und
versuchen, jeder Hauptfigur genügend Platz zu geben. So ist Mark Ruffalo
annähernd gleichwertig präsent, wie Joaquin Phoenix und auch wenn es scheint,
als rücke Jennifer Connelly zwischen dem zweiten und dritten Drittel etwas in
den Hintergrund, so ist ihre Figur weiter Teil der Handlung. Und diese drei
hochkarätigen Darsteller sind durchweg fantastisch. Sie bügeln so manchen
kleinen Schlenker des Drehbuchs aus und können diese Figuren in dieser
schwierigen Situation jederzeit ausfüllen und greifbar machen. Und im Hause
Fanning scheint man die Schauspielerei eh mit dem Frühstück aufzunehmen, denn
die junge Elle ist sehr geschickt und angenehm in einer Rolle, die in anderen
Filmen sehr schnell sehr nervig werden könnte.
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Die Fehler des Films liegen
darin, dass man irgendwann beginnt, sich auf diesen Vorzügen auszuruhen. Wir
folgen den wunderbar dargestellten Figuren, wie dem Vaters, der den Drang hat
weiter und weiter zu forschen, das Internet zu durchstöbern, bei der Polizei
Druck zu machen und Anwälte einzuschalten. Oder die Mutter, die versucht mit dem
Verlust fertig zu werden, die Familie zusammen zu halten, zu ihrem Mann
durchzudringen und es nach langer Zeit wieder mit Sex zu versuchen. Und
schließlich der andere Vater, mit der unterdrückten Schuld und den eigenen
Problemen mit der Ex-Frau und dem Sohn, den er nur selten sieht und nicht
verlieren will. Diese Abläufe sind bei einem ordentlichen Drehbuch und guten
Darstellern fast Selbstläufer und so fehlt Terry George vielleicht der letzte
Kniff, um aus diesem Film ein richtig großes Werk, um daraus etwas Besonderes zu
machen.
Die Ansätze dafür sind nämlich vorhanden, denn neben der melodramatischen
Geschichte gibt es gute Figuren und einige kluge Gedanken über Schuld, Rache und
Gerechtigkeit. An manchen Stellen kommt das amerikanische Justizsystem nicht
wirklich gut weg und wie besonders das Internet als höchst manipulatives Medium
wirkt, macht auch Sinn. George inszeniert all dies weiterhin gekonnt, aber
unauffällig, lässt einige große Zufälle glaubwürdig erscheinen, arbeitet
ordentlich mit Kamera und Musik und ist behutsam und nah bei den Figuren.
Dennoch fehlt Irgendetwas, besonders am Ende. Zwischen ein paar sehr guten
Szenen platzt plötzlich die Auflösung, die zwar nicht unlogisch ist, es sich
aber auch etwas einfach macht. Auch dies ist Kritik auf einem hohen Niveau, denn
der Film spielt eindeutig in einer höheren Liga, aber es hätte eben noch mehr
sein können.
Fazit:
„Ein einziger
Augenblick“ bietet ein gekonntes Drehbuch und eine ordentliche Inszenierung, in
erster Linie aber sind es die famosen Darsteller, die den Film auszeichnen. Denn
dahinter verblasst das ein oder andere Detail, welches den Film zu einem großen
Film gemacht hätte. So ist es ein leicht überdurchschnittliches, aber nicht ganz
hochklassiges Drama.
7,5 / 10
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