Story:
Das Jahr 1585. Der Papst hat
der protestantischen Königin und ihrer Gefolgschaft den Krieg erklärt. Der
spanische König Philipp der zweite schlägt vor, die störrische Elizabeth (Cate
Blanchett) mit ihrer Cousine, Königin Mary von Schottland zu ersetzen, doch der
Plan schlägt fehl. Elizabeth, die selbst Probleme im eigenen Land hat, muss sich
plötzlich einer gewaltigen Armee gegenüberstellen, die sie unbedingt von ihrem
Thron stoßen will - doch die Herrscherin gibt nicht auf.
regie :
shekhar kaphur
cast :
cate blanchett, clive owen
kritik :
christian westhus
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Kritik:
Rund neun Jahre hat es
gedauert, bis sich der indisch-pakistanische Regisseur Shekhar Kaphur wieder der
Fortführung der Geschichte von Elizabeth I. annahm und Cate Blanchett erneut in
grandiosen Kostümen die Rolle spielen lässt, die ihr damals die Oscarnominierung
und den entgültigen Durchbruch verschaffte. Sonderlich viel hat sich im
Vergleich zum Vorgänger nicht geändert, was diesen Film aber auch nicht besser
macht. Im Gegenteil, offenbaren sich hier nun leider etwas deutlicher die
Schwächen, die vorher noch lediglich angedeutet wurden.
Im Leben der britischen Königin
sind rund zwanzig Jahre vergangen und weiter verlangt das Volk nach einem Erben;
doch die jungfräuliche Königin kann sich mit den meisten Männern nicht
anfreunden und sieht sich mit England verheiratet. Gerade jetzt ruft das
Spanische Großreich zum heiligen Krieg gegen das protestantische England auf und
schickt eine gewaltige Armada zur Insel.
Soweit der historische Bogen des Films, der auch grob eingehalten wird, aber es
sollte sich herumgesprochen haben, dass in Filmen dieser Art, die historische
Authentizität durchaus mal den dramaturgischen Wegen weichen bzw. angepasst
werden müssen. Wer also den verschlafenen Geschichtsunterricht nachholen will
sitzt im falschen Film.
Das zeigt sich auch im Vergleich mit dem TV-Film über Elizabeth, für den Helen
Mirren einen Golden Globe erhielt. Wirkte es im TV noch wie ein
dreieinhalbstündiges, dialogintensives Kammerspiel mit wenigen Schauwerten und
etwas ernsterer, geschichtlicher Auslegung, so ist Kaphurs Film die Steigerung
des Vorgängers, was visuelle Extravaganzen und überbordende Kostüme betrifft. Da
sollte auch jedem bewusst sein, dass hier auch die historische Darstellung
übertrieben ist, dass es bewusst ein wenig künstlich, leicht theatralisch und
unrealistisch gehalten ist. Die Kostüme in denen Cate Blanchett herumläuft, sind
noch eine Spur größer und verspielter als im ersten Teil. Wer nicht hinterfragt,
dass England im 16. Jahrhundert eigentlich ein stinkendes Loch war, wird
Kostüme, Perücken, Ausstattung und Ähnliches mit großen Augen bestaunen.
Das Problem dabei ist, dass unter dem visuellen Bombast und der Theatralik die
eigentliche Geschichte durchaus zu leiden hat. Der Film muss sich den Vorwurf
gefallen lassen, im wahrsten Sinne ein oberflächlicher Film zu sein. Wenn Clive
Owen als Pirat an den Hof kommt und stolz Fremdes aus der Neuen Welt zeigt, wie
z.B. die Kartoffel, beginnt das Handlungselement um Elizabeths aufkommende
Gefühle für den Freibeuter. Im Folgenden setzt es dann auch ein paar
kitschig-schmalzige Dialoge, die ab und an nur haarscharf an der Lächerlichkeit
vorbeischrammen.
Die deutsche Synchronisation verstärkt dieses Gefühl noch und raubt dem Film
dann auch die Wirkung in den wirklich großen Szenen. Wenn Elizabeth die
spanischen Botschafter wegschickt ist das zwar pathetisch, aber auch, im
Originalton jedenfalls, ein starker Gänsehautmoment.
Es ist immer ein schmaler Grat
zwischen Kitsch und ergreifenden Emotionen. So verhält es sich auch mit der
Attentatssequenz, die wie ein surrealer Tagtraum aus fernen Welten daherkommt.
Und wenn Elizabeth später als romantisierte Mischung aus Johanna von Orléans und
William Wallace mit wallender Mähne auf einem Pferd vor ihrer Streitmacht
herreitet und eine leider nicht völlig überzeugende Rede hält, muss man sich
entscheiden ob man diese Darstellung ablehnt oder sich auf Kaphurs Vorstellung
einlässt. So schwankt auch die Musik zwischen ergreifendem Bombast und leicht
pathetischen Phasen.
Was dem Film aber fehlt ist ein mitreißendes Element und treibendes
Handlungsstück. Die Liebesgeschichte reicht nicht aus, die Verschwörung kommt zu
wenig durch und die spanische Bedrohung wirkt zwar wesentlich spürbarer als im
TV-Film, ist aber recht eindimensional dargestellt. An Cate Blanchett liegt es
aber sicherlich nicht, dass der Film nicht völlig überzeugen kann. Die Frau, die
von Vielen als beste Schauspielerin unserer Zeit angesehen wird, kann sicherlich
mehr, als sie hier zeigt, doch Elizabeths Charakter zwischen sarkastischer
Herrscherin, verspieltem Mädchen, hoffnungsloser Verliebten und fürchtender
Königin ist definitiv überzeugend und gut dargestellt. Danach kommt aber nicht
mehr viel. Clive Owen leidet an den Dialogen, Geoffrey Rushs Walsingham kommt zu
kurz und Jordi Mollà ist als spanischer Herrscher ebenfalls zu wenig präsent.
Einen überraschend guten Eindruck macht da die noch relativ unbekannte Abbie
Cornish als engste Vertraute der Königin.
Am Ende werden die Probleme dann etwas zu schnell gelöst und die Schlacht gegen
die Spanier wird auch nur recht kurz angerissen, aber es geht dennoch recht rund
zur Zielgeraden. Nur der allerletzte Satz ist völliger Käse.
Fazit:
„Elizabeth – The
golden Age“ ist ein visuell bombastischer Historienfilm, der aber etwas
oberflächlich daherkommt. Ordentlich gespielt und toll inszeniert, aber mit viel
Pathos und ein paar Ungereimtheiten.
6,5 / 10
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