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Kritik:
Elizabeth - Das goldene Königreich


von Christian Westhus

Elizabeth - The Golden Age
(2007)
Regie: Shekhar Kapur
Darsteller: Cate Blanchett

Story:
Das Jahr 1585. Der Papst hat der protestantischen Königin und ihrer Gefolgschaft den Krieg erklärt. Der spanische König Philipp der zweite schlägt vor, die störrische Elizabeth (Cate Blanchett) mit ihrer Cousine, Königin Mary von Schottland zu ersetzen, doch der Plan schlägt fehl. Elizabeth, die selbst Probleme im eigenen Land hat, muss sich plötzlich einer gewaltigen Armee gegenüberstellen, die sie unbedingt von ihrem Thron stoßen will - doch die Herrscherin gibt nicht auf.

Kritik:
Rund neun Jahre hat es gedauert, bis sich der indisch-pakistanische Regisseur Shekhar Kaphur wieder der Fortführung der Geschichte von Elizabeth I. annahm und Cate Blanchett erneut in grandiosen Kostümen die Rolle spielen lässt, die ihr damals die Oscarnominierung und den entgültigen Durchbruch verschaffte. Sonderlich viel hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht geändert, was diesen Film aber auch nicht besser macht. Im Gegenteil, offenbaren sich hier nun leider etwas deutlicher die Schwächen, die vorher noch lediglich angedeutet wurden.

Im Leben der britischen Königin sind rund zwanzig Jahre vergangen und weiter verlangt das Volk nach einem Erben; doch die jungfräuliche Königin kann sich mit den meisten Männern nicht anfreunden und sieht sich mit England verheiratet. Gerade jetzt ruft das Spanische Großreich zum heiligen Krieg gegen das protestantische England auf und schickt eine gewaltige Armada zur Insel.

Soweit der historische Bogen des Films, der auch grob eingehalten wird, aber es sollte sich herumgesprochen haben, dass in Filmen dieser Art, die historische Authentizität durchaus mal den dramaturgischen Wegen weichen bzw. angepasst werden müssen. Wer also den verschlafenen Geschichtsunterricht nachholen will sitzt im falschen Film.

Das zeigt sich auch im Vergleich mit dem TV-Film über Elizabeth, für den Helen Mirren einen Golden Globe erhielt. Wirkte es im TV noch wie ein dreieinhalbstündiges, dialogintensives Kammerspiel mit wenigen Schauwerten und etwas ernsterer, geschichtlicher Auslegung, so ist Kaphurs Film die Steigerung des Vorgängers, was visuelle Extravaganzen und überbordende Kostüme betrifft. Da sollte auch jedem bewusst sein, dass hier auch die historische Darstellung übertrieben ist, dass es bewusst ein wenig künstlich, leicht theatralisch und unrealistisch gehalten ist. Die Kostüme in denen Cate Blanchett herumläuft, sind noch eine Spur größer und verspielter als im ersten Teil. Wer nicht hinterfragt, dass England im 16. Jahrhundert eigentlich ein stinkendes Loch war, wird Kostüme, Perücken, Ausstattung und Ähnliches mit großen Augen bestaunen.

Das Problem dabei ist, dass unter dem visuellen Bombast und der Theatralik die eigentliche Geschichte durchaus zu leiden hat. Der Film muss sich den Vorwurf gefallen lassen, im wahrsten Sinne ein oberflächlicher Film zu sein. Wenn Clive Owen als Pirat an den Hof kommt und stolz Fremdes aus der Neuen Welt zeigt, wie z.B. die Kartoffel, beginnt das Handlungselement um Elizabeths aufkommende Gefühle für den Freibeuter. Im Folgenden setzt es dann auch ein paar kitschig-schmalzige Dialoge, die ab und an nur haarscharf an der Lächerlichkeit vorbeischrammen.

Die deutsche Synchronisation verstärkt dieses Gefühl noch und raubt dem Film dann auch die Wirkung in den wirklich großen Szenen. Wenn Elizabeth die spanischen Botschafter wegschickt ist das zwar pathetisch, aber auch, im Originalton jedenfalls, ein starker Gänsehautmoment.

Es ist immer ein schmaler Grat zwischen Kitsch und ergreifenden Emotionen. So verhält es sich auch mit der Attentatssequenz, die wie ein surrealer Tagtraum aus fernen Welten daherkommt. Und wenn Elizabeth später als romantisierte Mischung aus Johanna von Orléans und William Wallace mit wallender Mähne auf einem Pferd vor ihrer Streitmacht herreitet und eine leider nicht völlig überzeugende Rede hält, muss man sich entscheiden ob man diese Darstellung ablehnt oder sich auf Kaphurs Vorstellung einlässt. So schwankt auch die Musik zwischen ergreifendem Bombast und leicht pathetischen Phasen.

Was dem Film aber fehlt ist ein mitreißendes Element und treibendes Handlungsstück. Die Liebesgeschichte reicht nicht aus, die Verschwörung kommt zu wenig durch und die spanische Bedrohung wirkt zwar wesentlich spürbarer als im TV-Film, ist aber recht eindimensional dargestellt. An Cate Blanchett liegt es aber sicherlich nicht, dass der Film nicht völlig überzeugen kann. Die Frau, die von Vielen als beste Schauspielerin unserer Zeit angesehen wird, kann sicherlich mehr, als sie hier zeigt, doch Elizabeths Charakter zwischen sarkastischer Herrscherin, verspieltem Mädchen, hoffnungsloser Verliebten und fürchtender Königin ist definitiv überzeugend und gut dargestellt. Danach kommt aber nicht mehr viel. Clive Owen leidet an den Dialogen, Geoffrey Rushs Walsingham kommt zu kurz und Jordi Mollà ist als spanischer Herrscher ebenfalls zu wenig präsent. Einen überraschend guten Eindruck macht da die noch relativ unbekannte Abbie Cornish als engste Vertraute der Königin.

Am Ende werden die Probleme dann etwas zu schnell gelöst und die Schlacht gegen die Spanier wird auch nur recht kurz angerissen, aber es geht dennoch recht rund zur Zielgeraden. Nur der allerletzte Satz ist völliger Käse.

Fazit:
„Elizabeth – The Golden Age“ ist ein visuell bombastischer Historienfilm, der aber etwas oberflächlich daherkommt. Ordentlich gespielt und toll inszeniert, aber mit viel Pathos und ein paar Ungereimtheiten.

7,5 / 10

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