Story:
Auf den ersten Blick könnten die Journalistin Iris und die Filmproduzentin
Amanda nicht unterschiedlicher sein - schaut man jedoch genauer hin, sieht man
das beide von unglücklichen Beziehungsproblemen geplagt werden. Beide scheinen
nicht in der Lage zu sein, den richtigen Mann zu finden. Kurzerhand tauschen die
beiden ihre Häuser, und versuchen beiderseits in der neuen Umgebung zurecht zu
kommen.
Während Amanda Iris' charmanten Bruder Graham kennenlernt, fällt Iris in die
Arme des heiteren Miles, den sie über einen alten berühmten Drehbuchautoren
kennenlernt...
regie :
nancy myers
cast :
jack black, kate winslet, cameron diaz, jude law
kritik :
christian westhus
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Kritik:
Zur Weihnachtszeit
darf es gerne mal etwas seichter, fröhlicher und wärmer
sein im Kino und so wird in regelmäßigen Abständen jedes Jahr eine
Weichnachtstragikliebeskomödie in die Kinos gebracht, die mal die Tränen kullern
lassen soll, ansonsten aber den Zuschauer zum Lachen bringt und berührt, dass es
ihm warm ums Herz wird. Weihnachten 2006 stürzen sich also Kate Winslet, Cameron
Diaz, Jude Law und Jack Black in die Irrungen und Wirrungen des Weihnachtlichen
Verliebtseins, das sich rund um den zweiwöchigen Häusertausch der weiblichen
Protagonisten abspielt.
Die ersten 10 Minuten lassen
jedoch gar schreckliches erwarten. Winslets Off-Kommentar – der später nicht
mehr vorhanden sein wird – beschreibt platt und witzlos das Verrücktspielen der
Gefühle zum Fest und die Liebe an sich und unterlegt die erste Sequenz, die uns
ihre Iris und ihre unerwiderte Liebe zu ihrem Kollegen Jasper vorstellt. Gerade
Kate Winslet, die ja eigentlich eine Charakterdarstellerin ist, scheint mit den
platten und unemotionalen Dialogen am Anfang nicht zurecht zu kommen und wirkt
dementsprechend unglaubwürdig. Auch die Vorstellung von Amandas (Diaz) fataler
Beziehung, ist noch etwas arg holprig und klischeehaft, wenn auch zumindest der
Gärtner für den ersten Lacher sorgt. Als es dann aber zum Häusertausch kommt,
zeigt der Film, warum man an dieser Art von Filmen durchaus seine Freude haben
kann.
Drei Faktoren tragen zum gelingen des Unterfangens „Weihnachtsromanze“ bei: Als
Erstes wäre da die Story zu nennen, die sich deutlich vielschichtiger darstellt,
als es vorher den Anschein hatte. Es geht nicht bloß darum, dass Iris Miles
(Jack Black) und Amanda Iris’ Bruder Graham (Jude Law) kennen lernt und beide
Paare 70 Minuten lang sich selbst im Weg stehe, ehe es Klick macht, es passiert
einiges mehr. Die ganze Geschichte spielt zum Teil im Filmgewerbe, was einen
großen Reiz für Filmfans ausmacht. Iris trifft in L.A. den 90jährigen
Hollywoodautor Arthur Abbot, der zwar noch rüstig ist, aber sich gegen eine
große Ehrung wehrt. Miles ist Komponist und klaut gerne mal bei John Williams
oder geht durch die Videothek um verschiedene Songs aus Filmen anzustimmen,
während Dustin Hoffman einen netten Gastauftritt hat, als Black gerade über „Die
Reifeprüfung“ referiert. Black ist eben ein Rockstar, auch wenn er dieses
Kompliment im Film an Arthur weiter gibt. Amanda hingegen ist Produzentin für
Kinotrailer, was zu einem kleinen Running Gag wird. Nicht nur, dass wir den
Trailer eines Actionfilms mit Lindsay Lohan!!! bewundern dürfen, Amanda bekommt
mehrmals ihren eigenen Trailer, der ihre momentane Situation zusammenfasst. Eine
Spielerei, aber eine ziemlich witzige.
Zusätzlich kommt die Zweiteilung
der Geschichte, dem Film sehr zu Gute. Während die bekannte Konkurrenz von
„Tatsächlich Liebe“ ein paar Figuren zu viel hatte, sodass kaum Eine ausreichend
Platz hatte, wird den Charakteren hier genügen Raum zugesprochen. So kann
Winslet nach ihrem verpatztem Einstieg in L.A. endlich zeigen, warum man diese
Frau lieben muss, als sie vergnügt durch Amandas luxuriöses Anwesen hüpft und
die technischen Finessen des Hauses ausprobiert.
Der Kontrast zwischen Luxus in L.A. und zurückgezogenem Landleben in der
englischen Provinz ist sicherlich konstruiert, bietet aber einige sympathische
Szenen. Keine blanken Gags werden hier serviert, sondern es gibt tatsächlich
Situationskomik, die erfrischend glaubhaft wirkt. Amandas Spielerei mit dem Hund
ist zwar albern, aber sehr lustig, während man bei Jack Blacks „Busenstreifer“
fast denken könnte, dass es ein echtes Versehen war, das im Film integriert
wurde. Ein Highlight ist aber wohl das Chanuka-Fest im Kreise von Senioren, das
zwar nicht überaus originell gezeichnet ist, aber sehr liebevoll wirkt.
Überhaupt schafft es der Film, platte Szenen, Klischees, lange und erklärende
Monologe über die Probleme der Protagonisten und echten Schmalz größtenteils zu
vermeiden, oder so zu kaschieren, dass man es kaum noch wahrnimmt.
Zuletzte lebt der Film von den Darstellern, die besonders im Hauptteil des
Films, überaus sympathisch sind. Kate Winslet ist eh eine bodenständige
Traumfrau, Cameron Diaz hat die passende Rolle bekommen, in der sich ihre eher
unwitzigen Versuche zu Weinen, in Grenzen halten und Jack Black ist eine coole
Sau, die sich hier wohltuend zurücknimmt – und die geballte Faust am Ende ist
eine herrlich typische Black-Szene. Doch besonders Jude Law macht im Film die
größte Entwicklung bzw. Wandlung beim Zuschauer durch. Da der Fokus im Hauptteil
ein wenig zu deutlich in England bei Amanda und Graham liegt, kann sich der
überaus charmante Jude Law vom Frauenhelden mit Manieren („Nenn mich altmodisch,
aber man schläft nicht mit einer Frau, wenn sie bewusstlos ist.“), zu einem
liebenswürdigen Mann entwickeln, was in einer etwas zu langen und natürlich
maßlos übertriebenen Szene mit zwei neuen Figuren in seinem Haus mündet, die
aber einfach zu schön ist, um sich daran zu stören. Das ist berechnend, aber
funktioniert wunderbar, wenn man mit der richtigen Einstellung an den Film geht.
Gleiches gilt für die
Schlussszenen, die man schon an der Figurenkonstellation erkennen kann und die
natürlich überdimensional Happy und positiv ist, was aber bei dieser Art von
Filmen einfach dazu gehört. Und es ist ja auch irgendwie schön, wenn sich vier
sympathische Figuren endlich gefunden haben und uns relativ glaubwürdig zeigen,
wie schön Liebe sein kann, denn hin und wieder nimmt man solch banale und dezent
unrealistische Botschaften gerne mit und die Weihnachtszeit ist dafür
prädestiniert. Wenn das fertige Werk dann größtenteils so charmant und
unterhaltsam, technisch mehr als solide, musikalisch interessant und
darstellerisch überaus sympathisch ist, kann man dem Film nicht wirklich böse
sein.
Fazit:
Es gibt Klischees, es
gibt abgedroschene Szenen, es gibt platte Dialoge und hin und wieder auch
Kitsch, aber das Ganze ist hier sehr schön verpackt und ist bei weitem nicht so
penetrant, wie manch andere Filme, dieses Genres. Tolle Darsteller, eine
interessante Story, einige Querverweise und viele Szenen zum Lachen und beherzt
Seufzen, garantieren eine unterhaltsame und wohltuende Zeit mit einem
hübsch-naiven und harmlosen Film. Ein Klischee besagt, dass solche Filme nur für
Frauen sind. Kommt Jungs, gebt euch einen Ruck!
6,5 / 10
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