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Kritik:
Liebe braucht keine Ferien


von Christian Westhus

The Holiday
(2008)
Regie: Nancy Meyers
Darsteller: Kate Winslet, Jack Black

Story:
Auf den ersten Blick könnten die Journalistin Iris und die Filmproduzentin Amanda nicht unterschiedlicher sein - schaut man jedoch genauer hin, sieht man das beide von unglücklichen Beziehungsproblemen geplagt werden. Beide scheinen nicht in der Lage zu sein, den richtigen Mann zu finden. Kurzerhand tauschen die beiden ihre Häuser, und versuchen beiderseits in der neuen Umgebung zurecht zu kommen. Während Amanda Iris' charmanten Bruder Graham kennenlernt, fällt Iris in die Arme des heiteren Miles, den sie über einen alten berühmten Drehbuchautoren kennenlernt...

Kritik:
Zur Weihnachtszeit darf es gerne mal etwas seichter, fröhlicher und wärmer sein im Kino und so wird in regelmäßigen Abständen jedes Jahr eine Weichnachtstragikliebeskomödie in die Kinos gebracht, die mal die Tränen kullern lassen soll, ansonsten aber den Zuschauer zum Lachen bringt und berührt, dass es ihm warm ums Herz wird. Weihnachten 2006 stürzen sich also Kate Winslet, Cameron Diaz, Jude Law und Jack Black in die Irrungen und Wirrungen des Weihnachtlichen Verliebtseins, das sich rund um den zweiwöchigen Häusertausch der weiblichen Protagonisten abspielt.

Die ersten 10 Minuten lassen jedoch gar schreckliches erwarten. Winslets Off-Kommentar – der später nicht mehr vorhanden sein wird – beschreibt platt und witzlos das Verrücktspielen der Gefühle zum Fest und die Liebe an sich und unterlegt die erste Sequenz, die uns ihre Iris und ihre unerwiderte Liebe zu ihrem Kollegen Jasper vorstellt. Gerade Kate Winslet, die ja eigentlich eine Charakterdarstellerin ist, scheint mit den platten und unemotionalen Dialogen am Anfang nicht zurecht zu kommen und wirkt dementsprechend unglaubwürdig. Auch die Vorstellung von Amandas (Diaz) fataler Beziehung, ist noch etwas arg holprig und klischeehaft, wenn auch zumindest der Gärtner für den ersten Lacher sorgt. Als es dann aber zum Häusertausch kommt, zeigt der Film, warum man an dieser Art von Filmen durchaus seine Freude haben kann.

Drei Faktoren tragen zum gelingen des Unterfangens „Weihnachtsromanze“ bei: Als Erstes wäre da die Story zu nennen, die sich deutlich vielschichtiger darstellt, als es vorher den Anschein hatte. Es geht nicht bloß darum, dass Iris Miles (Jack Black) und Amanda Iris’ Bruder Graham (Jude Law) kennen lernt und beide Paare 70 Minuten lang sich selbst im Weg stehe, ehe es Klick macht, es passiert einiges mehr. Die ganze Geschichte spielt zum Teil im Filmgewerbe, was einen großen Reiz für Filmfans ausmacht. Iris trifft in L.A. den 90jährigen Hollywoodautor Arthur Abbot, der zwar noch rüstig ist, aber sich gegen eine große Ehrung wehrt. Miles ist Komponist und klaut gerne mal bei John Williams oder geht durch die Videothek um verschiedene Songs aus Filmen anzustimmen, während Dustin Hoffman einen netten Gastauftritt hat, als Black gerade über „Die Reifeprüfung“ referiert. Black ist eben ein Rockstar, auch wenn er dieses Kompliment im Film an Arthur weiter gibt. Amanda hingegen ist Produzentin für Kinotrailer, was zu einem kleinen Running Gag wird. Nicht nur, dass wir den Trailer eines Actionfilms mit Lindsay Lohan!!! bewundern dürfen, Amanda bekommt mehrmals ihren eigenen Trailer, der ihre momentane Situation zusammenfasst. Eine Spielerei, aber eine ziemlich witzige.

Zusätzlich kommt die Zweiteilung der Geschichte, dem Film sehr zu Gute. Während die bekannte Konkurrenz von „Tatsächlich Liebe“ ein paar Figuren zu viel hatte, sodass kaum Eine ausreichend Platz hatte, wird den Charakteren hier genügen Raum zugesprochen. So kann Winslet nach ihrem verpatztem Einstieg in L.A. endlich zeigen, warum man diese Frau lieben muss, als sie vergnügt durch Amandas luxuriöses Anwesen hüpft und die technischen Finessen des Hauses ausprobiert.

Der Kontrast zwischen Luxus in L.A. und zurückgezogenem Landleben in der englischen Provinz ist sicherlich konstruiert, bietet aber einige sympathische Szenen. Keine blanken Gags werden hier serviert, sondern es gibt tatsächlich Situationskomik, die erfrischend glaubhaft wirkt. Amandas Spielerei mit dem Hund ist zwar albern, aber sehr lustig, während man bei Jack Blacks „Busenstreifer“ fast denken könnte, dass es ein echtes Versehen war, das im Film integriert wurde. Ein Highlight ist aber wohl das Chanuka-Fest im Kreise von Senioren, das zwar nicht überaus originell gezeichnet ist, aber sehr liebevoll wirkt. Überhaupt schafft es der Film, platte Szenen, Klischees, lange und erklärende Monologe über die Probleme der Protagonisten und echten Schmalz größtenteils zu vermeiden, oder so zu kaschieren, dass man es kaum noch wahrnimmt.

Zuletzte lebt der Film von den Darstellern, die besonders im Hauptteil des Films, überaus sympathisch sind. Kate Winslet ist eh eine bodenständige Traumfrau, Cameron Diaz hat die passende Rolle bekommen, in der sich ihre eher unwitzigen Versuche zu Weinen, in Grenzen halten und Jack Black ist eine coole Sau, die sich hier wohltuend zurücknimmt – und die geballte Faust am Ende ist eine herrlich typische Black-Szene. Doch besonders Jude Law macht im Film die größte Entwicklung bzw. Wandlung beim Zuschauer durch. Da der Fokus im Hauptteil ein wenig zu deutlich in England bei Amanda und Graham liegt, kann sich der überaus charmante Jude Law vom Frauenhelden mit Manieren („Nenn mich altmodisch, aber man schläft nicht mit einer Frau, wenn sie bewusstlos ist.“), zu einem liebenswürdigen Mann entwickeln, was in einer etwas zu langen und natürlich maßlos übertriebenen Szene mit zwei neuen Figuren in seinem Haus mündet, die aber einfach zu schön ist, um sich daran zu stören. Das ist berechnend, aber funktioniert wunderbar, wenn man mit der richtigen Einstellung an den Film geht.

Gleiches gilt für die Schlussszenen, die man schon an der Figurenkonstellation erkennen kann und die natürlich überdimensional Happy und positiv ist, was aber bei dieser Art von Filmen einfach dazu gehört. Und es ist ja auch irgendwie schön, wenn sich vier sympathische Figuren endlich gefunden haben und uns relativ glaubwürdig zeigen, wie schön Liebe sein kann, denn hin und wieder nimmt man solch banale und dezent unrealistische Botschaften gerne mit und die Weihnachtszeit ist dafür prädestiniert. Wenn das fertige Werk dann größtenteils so charmant und unterhaltsam, technisch mehr als solide, musikalisch interessant und darstellerisch überaus sympathisch ist, kann man dem Film nicht wirklich böse sein.

Fazit:
Es gibt Klischees, es gibt abgedroschene Szenen, es gibt platte Dialoge und hin und wieder auch Kitsch, aber das Ganze ist hier sehr schön verpackt und ist bei weitem nicht so penetrant, wie manch andere Filme, dieses Genres. Tolle Darsteller, eine interessante Story, einige Querverweise und viele Szenen zum Lachen und beherzt Seufzen, garantieren eine unterhaltsame und wohltuende Zeit mit einem hübsch-naiven und harmlosen Film. Ein Klischee besagt, dass solche Filme nur für Frauen sind. Kommt Jungs, gebt euch einen Ruck!

6,5 / 10

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