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Kritik:
Freitag der 13.


von Christian Westhus

Friday the 13th (2009)
Regie: Marcus Nispel
Cast: Jared Padalecki, Derek Mears

Story:
Jason (Derek Mears) ist noch ein kleiner Junge, als er mitansehen muss, wie eine Jugendliche eines Nachts seine wahnsinnig gewordene Mutter tötet. Diese hatte nämlich irrtümlicherweise angenommen, ihr Sohn sei wegen Unachtsamkeit der Aufpasser im See ertrunken, was jedoch nicht stimmte. Jason, der durch sein deformiertes Aussehen ohnehin schon litt, versteckt sich daraufhin im Wald und wächst einsam und hasserfüllt auf. Jeder, der nur in die Nähe des alten Ferienlagers kommt, verschwindet auf merkwürdige Weise.

Eines Tages taucht schließlich ein junger Mann (Jared Padalecki) auf, der seine beim Camp verschwundene Schwester sucht... dabei stößt er auf eine Gruppe von Stadtschnöseln, die am See eine wilde Party feiern wollen. Beutezeit.

Kritik:
Maskenträger Jason Voorhees jagt Hohlbirnen und Gummititten durch den Wald um sich aufgepumpt und mopsfidel dem 21. Jahrhundert zu präsentieren. Das wurde zwar schon mit Teil 10 in Space und dem „Freddy-Crossover“ probiert, doch scheinbar musste erst ein Remake her. Oder Neuinterpretation, denn die sind aktuell total hip und in Mode und so schickt sich die Chose hier an, die glorreichen ersten drei Teile der Freitag-Reihe dezent aufgehübscht zu vereinen. Für Unkundige beinhaltet das Mama Voorhees, Jasons erste Morde und den Maskenfund. Viel mehr ist da nicht.

Den ersten Teil räumt dann gleich ein reichlich öder und witzloser Einstiegsflashback aus dem Weg, den man sich eigentlich komplett hätte sparen können. Denn entweder weiß man von der Vorgeschichte um Jasons Mutter, oder man ist von der Einleitung so verwirrt, dass man geradezu jubelt, wenn am Lagerfeuer zwei Jahrzehnte später als längst mystifizierte Schauermär erzählt wird, was damals im Camp Crystal Lake passiert ist. Ja, das gute, alte Lagerfeuer mit Freunden; zwei Pärchen und ein nerdiger Drogi-Technikfreak. Einer unsympathischer als der andere, mit einer Ausnahme. Ja, auch die altbekannten Klischees sind wieder mit am Start. Aber genau das wollen Genrefans doch, oder? Die immergleichen weichbirnigen Vollpfosten, jenseits jeglichem Realismus, ständig kalauernd, saufend und vögelnd und damit natürlich konkret affenstark abgefeiertes Frischfleisch und Kanonenfutter, denn der Held trägt immer die Maske.

Da darf man sich fast freuen, dass die Macher hier auf die fixe Idee kamen, gleich zwei Jugendgruppen wegzuschnetzeln. Die eigentliche Haupthandlung verbringen wir nämlich mit einer 6er Tüte Teenie-Nuggets plus Zusatzcharakter, die ihren Vorgängern in nichts nachstehen, nein, sie sogar übertrumpfen. Die gleiche Ansammlung von blaupausigen Menschen – Charaktere geht als Begriff nun wirklich zu weit – die niemals nie wie echte Freunde wirken und entsprechend fast swingerclubmäßig ne flotte Sause machen, pausenlos sexuelle Witzchen abgeben und natürlich immer genau das machen, was die mit abstand dämlichste Lösung darstellt. Dem dumpfen, blonden Daddy-Liebling aus reichem Hause wünscht man auch schon nach 5 Sekunden die Machete zwischen die Glotzkis. Ja, das nennt man Überzeichnung, damit auch der Letzte mit dem IQ knapp über Zimmertemperatur (in Celsius) kapiert, dass wir es hier mit einem Arschloch-Exemplar erste Güte zu tun haben. Und natürlich auch, damit die einzig sympathische – aber elendig langweilige – weibliche Figur (man fragt sich mal wieder, wie solche Beziehungen überhaupt entstehen), mit der einzig sympathischen männlichen Figur anbandelnd kann.

Und wenn schon!? Fans mögen diese Mechanismen vielleicht erwarten und denken wird ja eh überbewertet, aber können die Verantwortlichen nicht mal Eier zeigen und eben nicht so überdeutlich ankündigen, welche Person überlebt, oder es zumindest bis in den letzten Akt schafft? Das nimmt doch die letzte Spannung aus diesem Gefährt, denn so wirklich mulmig will’s nicht werden. Der Bodycount ist ordentlich, relativ beachtlich sogar, denn es tauchen immer mal wieder ähnlich auf Sparflämmchen laufende Hirnis auf – u.a. Polizisten, mei was für ne fesche Idee -, die mal eben weggesnackt werden können. Die Kills sind aber nicht so wirklich unterhaltsam. Oh, ja, unterhaltsame Morde - ganz furchtbar böse und menschenverachtend; aber wer so denkt, hat keine Ahnung vom Slashergenre. Das fehlende Feuer liegt aber gar nicht mal an Jason selbst, zumindest nicht direkt. Der erscheint modernisiert, ist topfit und agil und besitzt ein erweitertes Waffenarsenal sowie eine Behausung, die Marcus Nispel wohl noch als Resteidee vom Texas-Remake übrig hatte. Auch ist der wieselflinke Maskenmörder immer gerade da, wo man ihn nicht erwartet und taucht teleportationsverdächtig immer schneller auf, als man denkt. Das kennt man ja von den alten Teilen noch und das passt insgesamt auch einigermaßen zusammen, ist aber einfach zu routiniert inszeniert und vielleicht, ja, vielleicht sind einem die Figuren wirklich ein Stück zu egal.

Es könnte aber auch an dem überraschendem Humorlevel liegen, der in dieser Form wohl nicht zu erwarten war. Es gibt Momente, da kann man einfach nur kichernd mit dem Kopf schütteln. Sei es die doppelte ‚Rinn in Kopp’-Attacke, das Sexualverhalten des Schwarzen oder die Szene mit einem gewissen Sportgerät im Schuppen. Das ist oftmals wirklich albern zu nennen, macht aber irgendwie durchaus Spaß. Die Figuren treiben es so weit, dass es manchmal so wirkt, als seien sie sich bewusst, Klischees zu sein und spielen etwas damit. Und die Witzchen sind oftmals so dämlich, dass es schon wieder amüsant ist. Das erwartet man vielleicht nicht unbedingt in einem Jason-Film, aber es ist ein Stück weit cool, dass sie die Dämlichkeiten der Reihe so überspitzt und teilweise bewusst eingebaut haben, dass man schon jetzt so lachen kann, wie über die unfreiwillig komische Trashigkeit der alten Filme.

Am Ende bleibt ein Haufen Toter, eine leicht unterdurchschnittliche Menge Blut, gesichtslose Darsteller für ausgelutschte Dummbrotfiguren, ein grottenübler Soundtrack und eine total idiotische Schlussszene. Tja, und eben diese unausgegorene Mischung aus Slasher und reichlich merkwürdigem Humor. Der straighte ‚Voll-auf-die-12-Film’ (Das ‚13-Wortspiel’ sparen wir uns mal), den der Trailer eventuell suggeriert, ist der Film jedoch nicht.


Fazit:
Der neue „Freitag der 13.“ ist nicht total mies, aber auch weit davon entfernt, ein Kracher zu sein. Wer die immergleichen Figuren mit dem immergleichen Ausgang und einem etwas anderen Jason in einer nicht immer gelungenen, aber annehmbaren Inszenierung akzeptieren kann, darf gerne einen Blick riskieren. Hinzu kommt ein komischer Humor, der aber ein wenig verhindert, echte Spannung aufkommen zu lassen.

4 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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