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Film Kritik
 
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Frost / Nixon

Story:
USA 1977. Ex-US Präsident Richard Nixon fristet seit seiner Amtsniederlegung wegen der Watergate Affaire ein Leben weitab der politischen Machtzentren. Nach wie vor ist die Stimmung gegen Nixon sehr groß und Millionen von Menschen hegen immer noch die Erwartung, dass er seine Schuld eingesteht und die Karten offen legt.
Es kommt ihm schließlich sehr gelegen, als David Frost, seines Zeichens
Brite und nicht allzu ernst genommener Moderator, sich zum Ziel setzt, den ehemaligen Staatsmann mit einer Rekordgage zu einem skandalträchtigen Fernsehinterview zu bewegen.

Nixon hofft darauf hin durch geschickte Beeinflussung der Medien, seinen Platz in den Herzen der Amerikaner zurück zu erobern, doch der Austausch mit dem offensiven Frost wird zu einem echten Duell...

regie :
ron howard
cast  : michael sheen, frank langella
kritik : oliver hoch
 

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Kritik:
Wenn Broadwayaufführungen aufgrund ihres großen Erfolges nach Jahren den Sprung auf die Leinwand wagen, obliegt es den Beteiligten immer, das Ergebnis genauso gut aussehen zu lassen wie auf der Bühne. Der Drehbuchautor Peter Morgan (Der letzte König von Schottland) schuf mit seinem Theaterstück und Moviescript "Frost/Nixon" erneut einen Kunstgriff, der die Dramatik und Bedeutung der damaligen Ereignisse spannend und unterhaltsam wider gibt. Diesen Erfolg verdankt er aber nicht nur dem viel gelobten Regisseur Ron Howard (A Beautiful Mind), der all seine Kunst in diesem Film erneut vereint und einen packenden Blick für den Schlagabtausch der beiden Kontrahenten schafft, sondern besonders den beiden Hauptprotagonisten selber. Frank Langella
 (Die neun Pforten) als Richard Nixon und sein Gegenpart Michael Sheen (Underworld) als David Frost hatten auch schon seit 2006 am Broadway mit genau diesen Rollen großen Erfolg. Diese Erfahrung mit ihren Charakteren macht sich durchaus bezahlt, denn im Film spielen die beiden ihre Rollen nicht nur, sie leben sie.
 


"Jetzt rück schon das Schwert raus."

Im Film offenbart der offene Kampf der beiden Gegenspieler, das es mehr um die Werte der eigenen Person und Wünsche nach Macht, sowie um den Schritt zurück in die Sonne der Medienwelt geht. Beide Männer wollen Anerkennung, wollen heraustreten aus dem Schatten ihres Rufes. Das Verlangen von Nixon, wieder in der Weltpolitik eine bedeutende Rolle zu spielen, wird von Frank Langella so präzise gespielt das man seinen starrsinnigen Ehrgeiz, das Widerstreben sich der Öffentlichkeit zum Fraß vorwerfen zu lassen, jederzeit glaubhaft spüren kann und man beinahe sogar Mitleid mit dem gescheiterten Weltpolitiker haben könnte. Nicht umsonst bedankte man sich bei ihm für seine grandiose Umsetzung von Richard Nixon bereits zu Broadway-Zeiten mit einem Tony Award, der als Theateräquivalent zum Oscar gilt.

Offizielle Produktionsnotiz: "Der Film rekapituliert nicht nur die damaligen Interviews, die die Nation bewegten, sondern er schildert zudem spannend erzählt, das wochenlange Geschehen hinter den Kulissen, mit allen Manövern und Verhandlungen dieser beiden Männer und deren Teams. Das Drama untersucht jene Geschichte, die lange Zeit unbekannt war und die zu einer packenden Konfrontation im Zeugenstand der öffentlichen Meinung führte.." - Besser lässt es sich nicht beschreiben was dort in 120 min an Emotionen und Taktiken aufgefahren wird. Nachdem man die typische Eingewöhnungphase hinter sich hat, in der man die Darbietung mit der Realität und die Schauspieler mit ihren Vorbildern vergleicht, taucht man in die Authentizität der Story ab und man fühlt mit diesen Menschen. Man sieht deutlich mehr als die Politik und deren kühle Zusammenhänge und so wird man schnell in den Bann dieses Dramas gezogen. Selbst kleine Szenen die zuerst nicht wichtig erscheinen, erweisen sich als vielsagende Momente, die die kraftvollen schauspielerischen Leistungen der beiden Darsteller zu einem runden Bild zusammenfügen.
 


Suchspiel: wo sitzt Werner-Erfinder Brösel?

Regisseur Ron Howard gibt dem Film einen leichten Doku-Charakter, indem er authentische Schauplätze benutzt und das Filmdesign an vielen kleinen Stellen liebevoll bis ins Detail ausgearbeitet hat. Man fühlt sich schnell ins Jahr 1977 zurückversetzt und kann die Elektrizität dieser denkwürdige Begegnung förmlich spüren. Frank Langella spielt hier gekonnt seine gesamte Crew an die Wand, mit einer tiefen imposanten Stimme im englischen Original, die so intensiv ist das man in gewissen Szenen aufgrund der (An-)Spannung förmlich die Luft anhält und seinen Gefühlsregungen in der Großaufnahme folgt. Und genau das ist es was eine Aussage des Filmes hergibt: das ein flüchtiger Blick auf einen Menschen, ein Foto oder ein einfaches Video, niemals den Blick in die Seele ermöglicht.

Ungeachtet dessen hat aber auch Michael Sheen als Hauptfigur eine tragende Rolle die klar hervorsticht und seinen Leinwandkollegen angenehm zuspielt. Seine windige Art und sein typisch englisches Lächeln wirkt sehr oft aufgesetzt, und dies wiederum ist so gut gespielt das man hinter seine Fassade blickt und versteht das er nicht der Sunnyboy ist, für den man ihn eigentlich hält. Weitere Figuren sind u.a. Kevin Bacon, der ungewohnt emotional aber sehr souverän seinen Part dazu beiträgt und als Überraschung Sam Rockwell in einer sehr ernsten, glaubwürdigen Rolle. Die Besetzung wirkt sehr weise gewählt und gibt dem Film das gewisse Etwas.

Frost/Nixon ist nicht nur ein aufeinanderprallen zweier historischer Figuren, sondern zugleich ein faszinierendes Duell zweier großartiger Schauspieler unserer Zeit. Mit dem sehr gelungenen Score von Hans Zimmer, der auf den Punkt gebrachten Regie-Leistung von Ron Howard, erwartet uns mit Frost/Nixon ein fesselnder Rückblick auf eine Zeit düsterster amerikanischer Innenpolitik, der keine Sekunde zu träge erscheint, was man sicher bei so einem nicht mehr ganz zeitgemäßen Thema und einer Lauflänge von 2 Std. erwarten könnte.

Fazit:
Thematikinteressierten sowie Mainstreamkinogänger sei dieser Film ans Herz gelegt, der so gar ohne Action, Special Effect und CGI auf voller Länge zu überzeugen weiß und sich in die Riege der großen Filme wie „Thirteen Days“ oder „Apollo 13“ einreihen wird. 5 Golden Globe Nominierungen sowie noch sicher zu erwartende Oscar-Nominierungen sprechen für sich. Man merkt das der Haupt-Cast von der Theaterbühne kommt und die Qualität der Darbietung einfach durchweg überzeugt.

8,5
/ 10

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