Story:
USA 1977. Ex-US Präsident Richard Nixon fristet seit seiner Amtsniederlegung
wegen der Watergate Affaire ein Leben weitab der politischen Machtzentren. Nach
wie vor ist die Stimmung gegen Nixon sehr groß und Millionen von Menschen hegen
immer noch die Erwartung, dass er seine Schuld eingesteht und die Karten offen
legt.
Es kommt ihm schließlich sehr gelegen als David Frost, seines Zeichens
Brite und nicht allzu ernst genommener Moderator, sich zum Ziel setzt, den
ehemaligen Staatsmann mit einer Rekordgage zu einem skandalträchtigen
Fernsehinterview zu bewegen...
regie :
ron howard
cast :
michael sheen, frank langella
kritik :
christian mester
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Kritik:
Frost / Nixon war
für den besten Film des Jahres nominiert, doch war er dem auch würdig genug?
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"Wir sprechen uns noch, Lykaner."
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US-Präsident Richard Milhous
Nixon betrog in den 70er Jahren sein Land, indem er politische Gegner abhören
ließ, Einbrüche anordnete und sogar im Anschluss versuchte die ganze
Angelegenheit wieder zu vertuschen. Die Sache kam dann allerdings heraus,
weswegen Nixon 1974 schließlich sein Amt niederlegen musste und in der
Versenkung verschwand. Was jedoch offen blieb war ein Bekenntnis, denn Nixon -
der bis heute einer der markantesten Präsidentengestalten bleibt - weigerte sich
damals vehement, seine Fehler öffentlich einzugestehen. Das zu erreichen war
später Ziel von Reporter David Frost und seinem Team, die zusammen ein
exklusives Interview mit dem Staatsmann in die Wege leiteten.
Von Anfang war klar, dass das Treffen zu einem echten Duell werden würde - Nixon
war hauptsächlich wegen einer großen Gage da, Frost um möglichst hohe
Einschaltquoten zu erreichen, doch beide hatten etwas zu riskieren. Beiden ging
es in erster Linie ums Geld, doch das Duell an sich sollte die Zukunft beider
Figuren aufs Spiel setzen.
Ron Howard, der zuletzt mit dem eher schwachen Sakrileg nur mittelmäßiges
Popcornkino veröffentlichte, nahm sich dieser wahren Geschichte an und wollte
vor allem deswegen einen Film draus machen, weil es schon als
Broadway-Theaterstück hohen Anklang finden konnte. Um es sich leicht zu machen,
verpflichtete er sogar direkt die beiden Hauptdarsteller des Stücks, die für
ihre Darbietungen schon im Vorfeld viel Lob einheimsen konnten... und das
Ergebnis kann sich sehen lassen.
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Was ist eigentlich mit Jack Frost, dem eiskalten
Killer?
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Wer meint, dass der Film ein
weiteres, totlangweiliges Politdrama ala Von Löwen und Lämmern ist, darf
umdenken, denn Howard macht aus der schweren politischen Geschichte einen sehr
leicht verdaulichen und einfach zu folgenden Schlagabtausch zweier
charismatischer Figuren, die sich gegenseitig an die Wand zu spielen versuchen.
Michael Sheen kennt man in erster Linie als Werwolf Lucian aus den Underworld
Actionstreifen, wobei der Brite in jenen allerdings nie wirklich groß auffallen
konnte. In Frost / Nixon jedoch läuft er zu Höchstform auf und ist wirklich
hervorragend. Er spielt Frost als karrieregeilen, intelligenten und mutigen
Mann, der jedoch hinter seinem siegessicheren Dauerlächeln äußerst zerbrechlich
wirkt und seine Angst nur unschwer verbergen kann. Für die Person Frost war die
ganze Angelegenheit ein gewaltiges Risiko, denn fast alle Expertisen musste er
im Vorfeld aus eigener Tasche bezahlen; er verlor all seine TV-Sendungen und
bekam fast keine Unterstützung. Sheen spielt all das großartig - den Mut, die
Unsicherheit, die gekünstelte Dauerfröhlichkeit. Diesen Schauspieler sollte man
(jenseits von Underworld 3) ruhig im Auge behalten.
Ebenso gut ist Frank Langella als Nixon, der auf den ersten Blick zwar den
Eindruck eines tatterigen, alten, harmlosen Mannes macht, sich dann jedoch
schnell als äußerst gerissenen und authoritären Gesprächsführer zeigt. Die
Gespräche zwischen den beiden Figuren nehmen auch den Hauptteil ein, sind
faszinierend und sehr unterhaltsam. Jedes Mal, wenn die beiden sich
gegenübersitzen, wird es richtig spannend.
Leider kann Howard als Regisseur nicht ebenso gut punkten. Zwar ist der Film mit
seiner kurzen Einleitung gut aufgebaut und sehr schön in Szene gesetzt, aber
alles abseits der Duelle kann nicht mit dem Rest mithalten. In Nebenrollen
finden sich zwar Größen wie Kevin Bacon und Sam Rockwell, doch beide kriegen
kaum was zu tun und sind lediglich blasse Randgestalten. Vor allem Bacon als
hartnäckiger Simpsons Smithers-Klon wirkt ein wenig übertrieben und kaum
ernstzunehmen. Noch schlimmer ist jedoch, was mit Rebecca Hall als Frost's Love
Interest gemacht wurde, nämlich gar nichts. Nach einer kurzen Einführung der
Figur ist sie später nur noch als Kleiderbügel und Burgerbotin im Bild. Das
enttäuscht, hätte man doch gerade über deren beider Beziehung mehr über Frost
erfahren können.
Was auch stört ist, dass der Film keine lineare Story ist. Immer wieder wird er
von pseudodokumentarischen Interviews mit diversen Randfiguren unterbrochen, die
ihre Gedanken zum Geschehen mitteilen und damit a) die Dynamik des Films laufend
unterbrechen und b) es schwierig machen, sich in die Welt des Films einzufinden.
Mit gut 2 Stunden ist er auch zu lang, denn gerade gegen Mitte des Films finden
sich einige unnötige Längen.
Fazit:
Frost / Nixon ist kein
totaler Homerun, aber ein wirklich gutes Drama mit zwei hervorragenden
Hauptdarstellern. Politik kann ruhig des Öfteren so leicht und gut verfilmt
werden.
7,5 / 10
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