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KRITIK:
Gamer
Regie:
Mark Neveldine
Darsteller: Gerard Butler, Michael C. Hall
Release: 2010
von Christian Mester
Story:
Ken Castle (Michael C. Hall) ist der reichste
Mensch der Welt. Mit seinen Computerspielen SLAYERS
und SOCIETY hat der Unternehmer Titel entwickelt,
die die Medienkultur der Zukunft revolutionierten.
In SLAYERS kontrolliert man zum Tode verurteilte
Gefängnisinsassen, die in dreckigen Arenen um ihr
Leben spielen. SOCIETY hingegen ist eine Art The
Sims mit echten Menschen, in der Perverse all ihre
Fantasien ausleben können. Mit seinen Spielen macht
sich Castle jedoch auch zum Feindbild, denn
Untergrundkämpfer erfahren, dass man
demnächst mehr als nur Spielfiguren kontrollieren
will. Sie holen sich SLAYERS-Star Kable (Gerard
Butler), der alles daran setzt, dem
größenwahnsinnigen Medienguru das Handwerk zu legen…
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Mark Neveldine ist mit "Drag Me to
Hell"-Hauptdarstellerin
Alison Lohmann verheiratet. |
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Kritik:
Eine Art futuristischer Gladiatorenkampf für's
Fernsehen, in dem
Menschen um ihr Leben spielen? Das gab es bereits in
"Running Man", "Death Race" und "Die
Todeskandidaten" und wer jene Filme kennt, wird
gleich zahlreiche Parallelen entdecken. Der mutige
Held, gespielt von einem bekannten Actionstar
(Schwarzenegger, Austin, Statham, Butler) wird
unschuldig verurteilt, wird daraufhin der beste
Spielteilnehmer und weil er gegen jeder Erwartung zu
gewinnen scheint, manipuliert der jeweilige Producer
(Richard Dawson, Robert Mammone, Joan Allen, Michael
C. Hall) die Gegebenheiten. "Gamer" ist also gewiss
nichts Neues.
Action ist das Herz des Films, wird allerdings von
gleich drei unübersehbaren Aspekten deutlich
beeinträchtigt. Zum einen hat man sich für die
deutsche Veröffentlichung trotz fehlender
Jugendfreigabe für unnötige Gewaltschnitte entschieden,
die mehrfach störend auffallen. Zum anderen
fehlte den Machern sichtlich das Geld, was zweierlei Konsequenzen hat. Die eigentlichen
Austragungen
sehen weit weniger aufregend aus als sie eigentlich sollten und
erinnern stattdessen an diverse DVD-Produktionen ala
Van Damme / Lundgren / Seagal, da als "Level" lediglich abgewrackte Hallen
fungieren; die Akte X-Folge "Game Over" hat das vor 10
Jahren schon nicht wesentlich schlechter gemacht. Auch
wildes Kameragewackel ala "Ein Quantum Trost" lässt
nicht übersehen, dass das große Geld an allen Ecken
und Kanten fehlte.
Auch wenn "Gamer" letzten Endes nicht ganz so billig
aussieht wie Neveldine/Taylors vorheriger "Crank 2:
High Voltage", ist kaum auszumalen, wie viel
sehenswerter eine aufwendigere Produktion hätte
werden können.
Da liegt auch schon das größte Problem, denn die
beiden versteifen sich auf Action und befassen
sich nur geringfügig mit den ganzen anderen, viel interessanteren Elementen ihrer
zusammengeklauten Geschichte. Es ist schließlich
Fakt, dass Computerspiele und Reality-TV in unserer
Gesellschaft immer
beliebter werden und sich mit fragwürdigen Extremen immer weiter
zu übertreffen versuchen, weswegen die im Film beschriebene
fiktive Entwicklung nicht völlig abwegig erscheint.
Science-Fiction Filme sind doch gerade deswegen oftmals
faszinierend, weil sie mögliche Zukunften zeigen
und mit der Darstellung möglicher Konsequenzen zum
Denken anregen. In "Gamer" wird darauf
leider keinen Wert gelegt, da man jeglichen Anflug
von Sozialkritik direkt im Keim erstickt.
Zweifelhaft lustig ist es, dass der Film
leichtherzig Zuschauerinteresse an Gewaltschau
kritisiert, daraus aber selbst seine höchste
Unterhaltung zieht (auch wenn es nie so heuchlerisch
wie in "Rambo 4" wird, wobei "Rambo 4" in jeder
Hinsicht besser ist). Das Fehlen von Spannung sorgt
für Lücken, die Pausen zwischen den dynamischeren
Momenten sind zu groß, der Inhalt zu inhaltsleer.
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Michael C. Hall ist mit Jennifer Carpenter
verheiratet,
seiner Serienschwester in "Dexter". |
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Dass "Gamer" dennoch halbwegs in Ordnung und einen
Blick wert ist, ist allein zwei Beteiligten zu
verdanken: Butler und Hall. Butler hat die
schwächere Rolle und ist eine ebenso leere Person
wie Stathams Frankenstein in "Death Race", rettet
aber viel mit seinem naturgegebenen Charisma. In den
Actionszenen überzeugt er mal wieder, auch wenn man
nach Abspann irgendwann Mitleid bekommen und ihm
wünschen kann, in Zukunft bessere Angebote zu
kriegen.
Fast als Highlight bezeichnen könnte man
TV-Serienkiller Michael C. Hall, der in wenigen
Szenen als extravaganter, böser Bill Gates
überrascht und den Film mit seiner Leichtigkeit
jedes Mal immens aufwertet. Sein Charakter ist
unberechenbar, charmant und böse zugleich, sodass er
das Interessanteste im Ensemble bleibt. Über den
Rest lässt sich nur wenig sagen. Kyra Sedgewick,
Milo Ventimiglia und Amber Valetta langweilen in
aussichtslosen
Rollen, Rapper Ludacris lässt an Ice-Ts Rolle in
"Vernetzt: Johnny Mnemonic" erinnern, da er hier
einen vergleichbar ähnlichen Untergrundaktivisten
mimt (einzig der sprechende Delphin fehlt). Sie alle
erfüllen nur Zwecke, triggern die Story und bleiben
so dünn, dass man vermuten könnte, "Gamer" sei
insgeheim nichts als eine mäßige Game-Verfilmung.
Stattdessen ist es eine nicht minder unkreative,
mäßige Actiongeschichte, die so schon in kurzer Zeit
in Vergessenheit geraten dürfte. Bei dem geringen
Budget hätte man sich auf inhaltliche Qualitäten
stürzen müssen, denn mit etwas Geschick hätte "Gamer"
sogar an ein "Uhrwerk Orange" heranreichen können.
Allein das Spiel SOCIETY bietet derart viele
Überlegungen, dass es Material für einen
anspruchsvollen Film bieten könnte. So bleibt es ein
schneller, auch noch geschnittener Fast Food Snack,
der allein schon aufgrund massiver Konkurrenz
unwichtig bleibt. Sehenswert, wenn man Butler mag
und lieber billige ernste, als gut gemachte
humorvolle ("Sherlock Holmes") Action sieht,
ansonsten verwundert es nicht, dass der Film schon
in den USA kein großer Hit war.
Fazit:
Blickt man in fünf Jahren zurück, werden sich viele
an "300" erinnern, manche an "Gesetz der Rache",
niemand an "Gamer". Gerard Butler meint es zwar gut
und auch Dexter weiß zu gefallen, beide kommen
jedoch
nicht gegen Neveldine/Taylors regietechnische
Inkompetenz an, deren Unfähigkeit höchstens mit
Bay-schem Budget beizukommen wäre.
4 / 10 |