|
KRITIK:
Ghostbusters: The Videogame
Regie:
Dan Aykroyd
Darsteller: Dan Aykroyd, Harold Ramis, Bill Murray
Release: 2009
von Christian Mester
Einleitung:
Keine Frage: die Ankündigung des "Ghostbusters"
Videogames war schon eine kleine Sensation, da die
Game-Producer schafften, was Filmproduzenten seit
über zehn Jahren nicht gelingen wollte: die alte
Crew wieder zu vereinen. Genauer gesagt war
Hauptstar Bill Murray seit jeher das Problem, da der
Bekannteste der alten Geisterjäger sich damals mit
"Co-Star und Regisseur Harold Ramis zerstritt
(mittlerweile anscheinend versöhnt) und sich
aufgrund gut gehender Karriere immerzu weigerte,
jemals wieder Peter Venkman zu spielen. Ginge es
aber nach dem leidenschaftlichen Para-Fan Dan
Aykroyd, hätten wir derweil schon "Ghostbusters 12"
in den Kinos gesehen.
Für das Spiel machte Murray also mal eine Ausnahme
und steuerte wie all die anderen sein Aussehen und
seine Originalstimme bei. Es ist also mehr oder
weniger "Ghostbusters 3", nur in digitaler Form. Ob
es mit den beiden Filmen mithalten kann? Da muss man
erstmal kurz ausholen und erinnern, dass "Ghostbusters"
fantastisch war, "Ghostbusters 2" größtenteils
albern wurde und Videospiele zu Filmen fast immer
eilig produzierte Grütze ist. Ein schlechtes Omen,
das sich leider teilweise bewahrheiten soll.
|

|
Dan Aykroyd ist bekennender Ufologe und gern
gesehener Gaststar
in Dokumentationen und Seminaren. |
|
STORY
Man braucht sich wohl nichts vormachen: beide Filme
waren schon inhaltlich dürftig (Gozer vs.
Ghostbusters und Vigo vs. Ghostbusters) und boten
nichts als notdürftigen Rahmen für das Miteinander
der verschiedenen Geisterjäger. Dem Spiel lässt sich
nun also nicht ankreiden, dass die Handlung hier
prinzipiell auf dasselbe hinaus läuft (Ghostbusters
vs einen anderen Geisterlord) und sogar recht
dreiste Wege einschlägt, den Spielern Hommage zu
liefern. Es ist natürlich klar, dass Slimer, der
Marshmellow-Mann und die Bibliothekarin wieder
auftauchen weil es Markenzeichen sind und bei den
Fans gut ankommen, die die Filme gut fanden - und
die sind ja in erster Linie auch Hauptzielgruppe,
aber es wirkt oftmals ein wenig gezwungen. Sie
erfüllt dennoch ihren Zweck und ist damit
akzeptabel.
PRÄSENTATION
Es ist ein wirklich gut aussehendes Spiel
(Testfassung: PC), was vor allen Dingen auf des
Design zurückzuführen ist. Sämtliche Level sind
abwechslungsreich und effektvoll zusammengetüftelt,
die Ghostbusters entsprechen ihren 80er Jahren
Outfits, die vielen Geisterarten sind gelungen und
das farbenfrohe Spiel der Protonenstrahlen stimmt
zufrieden. Es mag technisch nicht mit Toptiteln wie
"Crysis" und "Call of Duty: Modern Warfare 2"
mithalten, ist aber fraglos eins der hübscheren
Spiele der letzten Zeit.
Hier schlägt Gozer zu, denn all die Schönheit hat
ihren Preis. Unser Testsystem, Dualcore 2.3 GHz +
NVIDIA GTX 260, vermochte das neue Abenteuer der
Geisterjäger kaum zu stemmen, da es selbst mit
herunter geregelten Effekten kaum flüssig spielbar
ist. Ein besonderer Level - ein von Wasser
überflutetes Hotel - ruckelte sogar so schwer, dass
es nur arg schleppend voran ging. Der Grund:
miserable Programmierung der Spielphysik, die darauf
schließen lässt, dass das Spiel trotz drei Jahren
Entwicklung unfertig auf den Markt kam. Selbst auf
den Konsolenvarianten soll es starke Frame-Einbrüche
geben, die im Jahr 2010 einfach nicht mehr
akzeptabel sind. Das Problem scheint in der
komplizierten Physik der Objekte zu liegen, da
beinahe alles im Spiel von Protonenstrahlern gepackt
und weggewirbelt werden kann (was im Endeffekt
nichts bringt).
Soundtechnisch könnte man kaum zufriedener sein, da
die Protonenstrahler angenehm bretzeln, die Songs
den Filmen entliehen sind und das wahre Highlight -
wen wundert es - die Stimmen der Stars sind. Es
macht einfach großen Spaß, Aykroyd, Ramis und Ernie
Hudson wieder bei der Arbeit zu hören, selbst
Nebenfiguren wie Sekretärin Janine und Scheusal
Walter Peck konnte man für das Spiel vor das Mikro
gewinnen. Der einzige, der etwas zurückbleibt, ist
Murray, der hörbar wenig Enthusiasmus an den Tag
legt und seine lakonische Art beinahe ins
Gelangweilte abdriften lässt. Es wundert es nicht
sonderlich, dass Dr. Peter Venkman selten mit dabei
ist und oftmals für Überwachungen zurückgelassen
wird. Wer dem Englischen nicht mächtig ist, greift
per Menü auf die dt. Synchro zu -
selbstredend finden
sich hier die dt. Stimmen der Filmfiguren.
|

|
Eddie Murphy sollte eigentlich die Rolle des
Winston Zeddemore spielen,
lehnte aber ab, um Sylvester Stallone in "Beverly Hills Cop"
zu ersetzen. |
|
GAMEPLAY
Das Wichtigste an einem Spiel ist die Frage, ob es
Spaß macht. Gegenfrage, was erwartet man? Wäre "Ghostbusters:
The Videogame" irgendein namenloser Titel einer
neuen Schmiede, wäre es bestimmt unbekannt im Berge
zahlloser anderer mittelmäßiger Spiele
untergegangen, ganz einfach, weil es leider kein
besonders gutes Spiel ist.
Es ist eintönig. Neunzig Prozent der Spielzeit
verbringt man damit Geister einzufangen (nein,
wirklich), was sich darin äußert, dass man einen
Geist so lange beschießt, bis er müde wird um ihn
dann in eine Falle zu ziehen. Das wird etwas
variiert, indem man im Laufe des Spiels verschiedene
Strahlarten kaufen kann - man kann aber theoretisch
auch das ganze Spiel über denselben, ersten Strahl
einsetzen. Bossgegner wie der Marshmellow-Mann sehen
für Außenstehende immens beeindruckend aus, doch
auch diese Kämpfe fallen immer gleich und überaus
einfach aus... es sei denn, die oftmals zu nah
positionierte Kamera dreht sich so ungünstig, dass
man herannahende Geister nicht früh genug sieht und
mehrmals Frusttode stirbt.
Es ist dumm und zu leicht. Das Health-System in "Ghostbusters"
ist nicht unbedingt löblich gelöst.
Manchmal kann man mehrfach von Geistern getroffen
werden, manchmal haut es einen kurzweilig von den
Füßen, manchmal ist man k.o., dass ein anderer einem
wieder aufhelfen muss. Vor allem in den späteren
Missionen verbringt man viel Zeit damit, seine
Kollegen zu retten, da diese sich trotz größer
Erfahrung immer wieder übertölpeln lassen. Fällt man
selbst zu Boden, kann man eigentlich schon
einpacken, da Venkman und Co. sich a) immer mächtig
viel Zeit mit dem Retten lassen und b) beim Versuch
meistens selbst ins Gras beißen. Die K.I. ist dumm
wie Bohnenstroh, womit man direkt zum nächsten Makel
käme.
Es ist zu linear. So schön die Level aussehen mögen,
gibt es immer nur einen Weg. Hin und wieder gibt es
kleinere Abgabelungen, aber nur, um dort Items zu
verstecken. Wer gerne Texttafeln liest, wird "Ghostbusters"
lieben, da man durch das Finden verschiedener
Objekte bergeweise Tafeln frei schaltet, die man
sich im Menü durchlesen kann. Trotz der aufwendigen
Physik-Engine gibt es jedoch keine wirklichen
Freiheiten, da man die Umgebung nicht wirklich
beeinträchtigen, nicht klettern und nirgendwo
drunter her kriechen kann.
Es hat keinen Wiederspielbarkeitswert. Mal abgesehen
von denen, die leidenschaftlich gerne Achievements
frei spielen, gibt es keinerlei Grund den Titel nach
Beendigung der Kampagne - die etwa 5-6 Stunden in
Anspruch nimmt - jemals wieder anzufassen. Es gibt
zwar einen Multiplayer-Modus, in dem man mit bis zu
drei Freunden als Geisterjäger unterwegs sein kann;
dort werden aber nur vereinzelte Missionen aus der
Kampagne nachgestellt.
Es macht Spaß, wenn man "Ghostbusters" mag und viel
auf die Stimmen (O-Ton oder Synchro) legt, da sie
Erinnerungen wecken und Nostalgie schüren, wer aber
in erster Linie ein gutes Spiel sucht, liegt hier
falsch.
Fazit:
Als Low-Budget Titel eine tolle Empfehlung für Fans
der Filme, alle anderen lassen betucht die Finger
davon.
4 / 10 |