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G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra


Kritik von Christian Mester

GI Joe (2009)
Regie: Stephen Sommers
Cast: Channing Tatum, Rachel Nichols, Arnold Vosloo

Story:
Als die beiden Elite-Soldaten Duke und Ripcord eines Tages mit ansehen müssen, wie ein mysteriöses Terroristenteam mit Hightechwaffen von einer ebenso rätselhaften und futuristisch ausgestatteten Sondereinheit in die Flucht geschlagen wird, setzen sie alles daran, sich ihr anzuschließen. Ihre Hilfe wird auch benötigt, denn ein Superbösewicht droht die Welt zu vernichten...

...

Kritik:
Dass man Kinderspielzeug halbwegs brauchbar verfilmen kann, zeigte El Bay 2007 mit seinen Transformers. Dass das aber auch völlig in die Hose gehen kann, bewies er diesen Sommer leider mit Transformers 2.

G.I. Joe hatte es schon immer schwierig in Deutschland, denn während die von Joe abgekupferten Ableger wie M.A.S.K. und Dino Riders Kinderzimmer in den 80ern eroberten und man Galaxy Rangers, BraveStarr und Saber Rider ins Herz schloß, blieben die Joes hier doch eher außen vor. Waren sie vielleicht zu amerikanisch? Gut möglich, denn für den daraus gemachten Kinofilm änderten die Macher einiges – die Joes sind jetzt eine internationale Einheit, deren Team weltweit agiert und die somit jedem gefallen wollen.

Wer also in den 80ern aufwuchs und dazu noch die richtigen Chromosen hatte, wird schon in etwa wissen, was ihn da erwartet; alle anderen dürften nach den wirren Trailern jedoch noch ziemlich planlos sein. Irgendetwas mit Soldaten, Hightech und grünem Staub, der den Eifelturm auflöst? Ja, schon, aber wenn man’s genau nimmt, sieht man im Trailer gerade einmal die Spitze des Eisbergs. Was darunter liegt, könnte für manche der größte Unsinn, für viele einer der besten Popcornfilme des Jahres sein. Machen wir uns aber nichts vor, die Zielgruppe für G.I. Joe: Geheimauftrag Cobra sind nach wie vor 8jährige Jungs. Es gibt Ninjas, Laserwaffen, Autos mit eingebauten Raketenwerfern, übertrieben aufwendige Geheimbasen, manisch lachende Superbösewichte und Welteroberungspläne. Wer beim vorvorletzten Bond Stirb an einem anderen Tag also schon kopfschüttelnd Reißaus nahm, der bleibt besser ganz weit weg, denn die Joes sind nicht nur auf gleichem Level, sie überholen Bonds Eisschollen-Paragliding, xXx 2 und 2 Fast 2 Furious im Super Pursuit Mode (wobei sie vor Speed Racer und Der Rasenmähermann noch knapp die Kurve kriegen).

Wer sich von den Joes also glaubhafte Figuren und eine gepflegt durchdachte Story erwartet, wird ihn sicher nicht einmal zu Ende sehen – was das betrifft, ist der Geheimauftrag nämlich fürchterlich plump. Die Bösen wollen die Welt erobern, die Guten halten sie auf; that’s it. Zwar gibt es vereinzelt zu den Figuren noch kleine Flashbacksnacks, aber insgesamt ist der Plot einfach dünn wie dünn geschnittenes Brot – jedoch, und das muss man ihm wirklich gutheißen, ganz besonders im Vergleich zum erschreckend dämlichen Transformers 2 hält die Geschichte den Zuschauer niemals für bescheuert. Kletterten in TF2 Leute aus New Yorker Gebäuden, nur um sich dann plötzlich in einem dichten Waldgebiet wieder zu finden, gibt es derartige Schwachsinnigkeiten hier nicht.

Stephen Sommers versucht auch gar nicht erst, aus seinem Konzept eine epische Geschichte mit Schicksalsreden und künstlichem Liebesgebammel zu machen. Niemand will den Ninja beim Kaffeeklatsch sehen, deswegen sorgt man dafür, dass Snake Eyes (cool gespielt von Darth Maul Darsteller Ray Park, man achte übrigens mal auf die Trainingsszene) vor allem eines macht: kämpfen, und das nicht zu wenig. Und wie auch im letzten Bay verschlägt es die Joes nach Paris, nicht aber, um dämliche Pantominen-Klischeegags zu reißen, sondern um einfach mal dreist für deftige Destruktion zu sorgen. Die dort stattfindende, sehr lange Actionsequenz (der Trailer zeigt nur einen minimalen Ausschnitt) gehört sogar ohne Frage mit zu den besten des Jahres. Spätestens dann, in der Mitte des Filmes, wird einem auch bewusst werden, wieso die vielen, vielen Action-Momente so viel besser funktionieren als bei Megatron und Co.: sie mögen technisch zwar nicht so überzeugend und realitätsnah wie bei den Alienrobotern sein, sind dafür aber immer übersichtlich und schön lang. Sommers geht dabei den alten Weg und verzichtet sowohl auf übertriebene Zeitlupe als auch auf die Domino-/Quantum-Kopfschmerzkamera, ersteres gibt es nur, wenn es auch Sinn macht: beispielsweise beim Einsatz der sehr amüsanten Beschleunigungs-anzüge (Heinlein lässt grüßen).

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Überhaupt, wer generell auf allerlei Gadgets und Hightech-Spielerei steht, wird sich hier sehr, sehr wohl fühlen. Ob es die völlig übertriebenen Geheimbasen der Guten und Bösen geht oder um die reichlich abwechslungsreiche Kampf-ausrüstung samt Fuhrpark der Teams, allein das macht den Fortgang durchweg interessant.

Die Figuren? Sind zwar allesamt genauso leer wie beim neuen Star Trek (die eigentlich nur davon profitierten, dass man ihre Persönlichkeiten schon im Vorfeld kannte), aber zum Teil auch ähnlich witzig und sympathisch. Die offizielle Hauptfigur Duke ist mit Step Up-Tänzer Channing Tatum zwar grandios fehlbesetzt, da er ein völliges Talentvakuum ist, aber da die Show ohnehin zum Großteil den anderen gehört, ist das mal nicht weiter schlimm. Eine neue Kultfigur könnte da schon Cobra Commander werden, der einfach großartig ist und zum Spaß von einem der talentiertesten Schauspieler seiner Altersgruppe gespielt wird. Er, der ein Geheimnis ist und deswegen hier mal nicht gespoilt werden soll, hinterlässt eine der erinnerungswürdigsten neue Bösewichte der letzten Jahre. Dazu kommt noch, dass Cobra mit den beiden äußerst soliden Christopher Eccleston und Arnold Vosloo (Sommers alter Freund aus Mumie 1+2, er spielte die Mumie, Rick O’Connell ist übrigens auch kurz zu sehen) vortrefflich ergänzt wird – andere Filme haben nur einen der Art, dieser gleich drei.

Dazu kommen auf Seiten der Bösen noch Sienna Miller, die sich vom Gossipgirl britischer Gazetten zu einer akzeptablen Präsenz hochspielen konnte, sowie Byung-Hun Lee (JSA), der mit seiner Rolle als Shuriken schmeißender Meuchler ebensoviel Spaß haben darf wie Park bei den Joes oder die beiden Kinder-versionen ihrer selbst, die sich in einem Rückblick sensationell die Spucke aus der Schlucke kloppen. Auf Seiten der Guten kriegt Marlon Wayans natürlich die meisten Lacher, hält sich als Veteran von Comedyschrott wie White Chicks und Norbit aber überraschend dezent zurück. Seine Chemie zu Duke und der rothaarigen Bombshell Rachel Nichols (merke Bay, so wird es gemacht: man kann attraktive Frauen auch mit einbringen, ohne sie sexistisch glorifizierend wie Autowerbung zu filmen) sorgt stattdessen für gute Stimmung, was sehr angenehm ankommt. Dennis Quaid? War noch nie wirklich der große Akteur vorm Herrn, gibt sich in seinen wenigen Szenen als Papa Schlumpf aber zufrieden stellend, genau wie Mr. Eko aus Lost und Jonathan Pryce.

Obwohl G.I. Joe fast 2 Stunden geht, kommt es einem aber nie so vor, auch bleibt man als Zuschauer trotz Nonstop-Daueraction ausnahmsweise mal sehr entspannt – es gibt keine forcierte Dramatik, keine Charaktere, die unter Tränen sterben und wiederbelebt werden müssen und es stresst auch niemand, was für diese Art Film sehr ungewöhnlich ist. Was kurios ist? Obwohl der Film lockerflockig-cremig ist, immer gute Laune behält und sich niemals in die düsteren Abgründe eines The Dark Knight lehnt, ist der Bodycount der Geschichte immens hoch. Gar unzählige sterben, und es wird auch nicht davor zurückgeschreckt, zu zeigen, wie Soldaten aufgespießt werden oder auch einfach mal wie Butter schmelzen. Allein in der Paris-Sequenz geht soviel zu Bruch, dass es schon fast schwarzhumorig ist, mit welcher Gleichgültigkeit die Helden die möglichen Konsequenzen ihrer Taten übersehen. Ob es insgesamt so nötig war, sei dahingestellt, wird aber vielen entgegen kommen, die von verharmloster Mainstream-Action nicht allzu viel halten.

Positiv fällt auch auf, dass Joe direkt genug Potenzial aufbaut, sodass man das Team gern noch einmal wieder sehen würde. Zum einen gibt es dazu ein recht konkretes Ende, in dem eine der Seiten verliert (welche wohl?). aber ein kleiner Reveal am Ende macht neugierig, wie es danach wohl weitergehen könnte. Sommers Regie ist okay und es wird sicher viele Filmfans überraschen, wie effektlastig sein neuester Film letztendlich geworden ist; Transformers hängt ihn in der Hinsicht von der Technik her natürlich ab, doch die Arbeit in dem Bereich ist immerzu überdurchschnittlich. Also kein Fiasko wie beim Ende von Die Mumie 2 - optisch erinnert es oftmals am ehesten an die neuen Star Wars Episoden.

Fazit:
G.I. Joe: Geheimauftrag Cobra ist eine angenehme Überraschung und erinnert an gutes, wenn auch brainbefreites Popcornkino ala Independence Day; wer noch das innere Kind in sich hat und als solches nicht unbedingt Schach und Trigonometrie als frühe Hobbies hatte, sollte den Besuch ruhig wagen.

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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