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G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra


Kritik von Christian Westhus

GI Joe (2009)
Regie: Stephen Sommers
Cast: Channing Tatum, Rachel Nichols, Arnold Vosloo

Story:
Als die beiden Elite-Soldaten Duke und Ripcord eines Tages mit ansehen müssen, wie ein mysteriöses Terroristenteam mit Hightechwaffen von einer ebenso rätselhaften und futuristisch ausgestatteten Sondereinheit in die Flucht geschlagen wird, setzen sie alles daran, sich ihr anzuschließen. Ihre Hilfe wird auch benötigt, denn ein Superbösewicht droht die Welt zu vernichten...

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Kritik:
Was hat man im Vorfeld schon von „G.I. Joe“ erwartet? Eine weitere Spielzeugreihe, die sich in Filmform anschickt, dem Transformers-Erfolg nachzueifern und das wohl nach bewährter Machart, nur wohl nicht so gut wie das Vorbild. Das verspricht einen Film, reich an Effekten und arm an Intellekt. Nun war der zweite Robo-Klopper aber eine mittlere Katastrophe und wie das so ist mit den Überraschungen, entpuppt sich „G.I. Joe“ als der wesentlich bessere Film für die Sommerunterhaltung. Man mag gegen die zwielichtige Subkultur der Jahreszeiten abhängigen Unterhaltungsblockbuster sagen was man will, aber gegen ein wenig Spaß und Zerstreuung kann man doch nichts haben. Ein Mindestmaß an Anstand und Niveau dabei immer vorausgesetzt. Und auch, wenn die Joes dieses Mindestmaß ab und an unterbieten, macht die Chose doch erstaunlich viel Spaß. Warum? Weil das Gesamtpaket stimmt. „Transformers“ hat Effekte zum Niederknien, von denen man aber zu selten wirklich was sieht. Das war’s dann schon. „G.I. Joe“ ist rasant, nicht zu blöd, hat coole Figuren, einen klar definierten Bösewicht und versteht vor allem was von Selbstironie.

In erster Linie aber, ist dieser Film so viel mehr der Film gewordene Kindertraum. Ein Traum, der Klischeegetreu wohl eher Jungs und Männer anspricht, aber ein irres, mit grellen Effekten und Farben zugekleistertes Spektakel bietet, das sich endlich mal tatsächlich wie eine Spielzeugverfilmung anfühlt. Und das meistens positiv. Wir haben ein lässiges Team von Helden in genau der richtigen Mischung, wir haben abgefahrene Waffen, noch abgefahrenere Kampfanzüge, Jets und Fahrzeuge, wir haben gleich zwei obercoole Ninjas, gleich zwei hübsche Frauen in wichtigen Rollen, es gibt abgespacete Bösewichte und irre Kampfstationen an den verrücktesten Orten. Nach Logik, Sinn und wissenschaftlicher Machbarkeit sollte man gar nicht erst fragen; wer den Krempel so finanziert hat, am besten auch nicht, wenn doch ein Hauptaspekt des bösen Plans eh mal wieder Geld zu Finanzierungszwecken ist. Allein wegen der Unterwasserbasis freut sich der geneigte Zuschauer nen Ast und weil alles, was sich irgendwie bewegen lässt, mit irgendwelchen Gadgets, die in der Regel ballern können, ausgestattet ist, wird die Sache noch fetziger.

Weil Stephen Sommers vor ein paar Jahren schon mal was von neckischer Unterhaltung verstand („Die Mumie“), kann man den herrlich beknackten, aber schwer unterhaltsamen Kram auch in groszügiger Übersichtlichkeit bewundern. Die Effekte sind manches Mal unterdurchschnittlich, aber weil kaum eine Szene ohne sie auskommt und weil es immer noch genügend gelungene Effekte gibt, wirkt das Ganze halbwegs rund. Der erste Angriff auf Armeefahrzeuge wirkt noch etwas gesetzt und normal, doch ab dann gibt es ein Dauerfeuer an den schrägsten Ideen, die man sich für unterhaltsame Sci-Fi-Action mit Militärhintergrund ausdenken kann. Der Angriff auf eine Basis ist feurig und rasant und die zerstörungswütige Verfolgungsjagd durch Paris lässt sogar vergessen, dass diese Beschleunigungsanzüge eigentlich total daneben sind. Besonders optisch. Das Schlussgefecht ist sogar noch cooler und noch abgefahrener und ist allein wegen des Schauplatzes schon einen Blick wert. Die eigentliche Handlung ist so simpel wie effektiv. Teuflisch tückische Massenvernichtungswaffe wird entwickelt, die Guten haben sie, die Bösen wollen sie und kriegen sie auch immer mal wieder. Zwei klar in ihrer Gesinnung definierte Teams hauen sich die Rüben ein und die Oberschurken konspirieren im Hintergrund. Als Zuschauer kann man den eigentlichen Drahtzieher eigentlich sofort enttarnen und auch bei den anderen großen Enthüllungen, ist es mehr als deutlich, so dass wir den Joes immer ein Stück mit den Erkenntnissen voraus sind und meistens wissen, wer hier wen linken will.

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Die Figuren sind natürlich Klischess und Stereotypen, aber in der Regel ganz ordentlich geschrieben und sympathisch. Abzüge gibt’s für Dennis Quaid, der nicht nur dämlich aussieht, sondern auch gelangweilt wirkt. Niete des Films ist aber klar und eindeutig Hauptdarsteller Channing Tatum, der emotionslos eine nicht gerade unemotionale Rolle abgibt und ständig wirkt, wie ein Fleischklops auf Steroide. Da herrscht dann massiver Druckabfall im Sympathiezentrum, aber glücklicherweise passt es im Umkreis einigermaßen.

Marlon Wayans reißt sich halbwegs zusammen und kann ein paar Lacher ernten, die beiden Ninjas, besonders Ray Park, sind schweigsam und haben es durchaus drauf, Christopher Eccleston chargiert sich wunderbar einen Wolf und äußerst positiv anzumerken ist auch die Tatsache, dass beide weiblichen Hauptfiguren – besonders für Filme dieser Art – ordentlich bis gut weg kommen. Gewitzt, tough, clever und mit erfrischend unpenetrant, ja fast schon sparsam eingesetzter Sexyness. Dass beide Damen gegen Ende eine Wendung durchmachen, die dann doch etwas zu stark nach Klischee riecht, darf angemerkt werden, aber insgesamt ist das überraschend positiv. Auch weil der Humor passt, der zwar ein gutes Stück von intelligent und hintersinnig entfernt ist, aber hübsch selbstironisch daher kommt und nie beleidigend dumm ist. Sienna Miller hat z.B. hier und da einen flotten Spruch auf den Lippen, der zwar gaga erscheinen mag, aber eigentlich genau passend ist. „Schöne Schuhe.“

Highlight des Films, auf darstellerischer Seite, ist aber sicherlich Joseph Gordon-Levitt. Der junge Mann ist eigentlich zu gut für Filme dieser Art, aber dafür gibt er einen der coolsten, wirrsten und optisch originellsten Finsterlinge, die das US-Mainstreamkino seit langer Zeit hervorgebracht hat. Schön übrigens auch, dass sich der Film zwar nach Spielzeug-Action anfühlt, die Militärhuldigung aber nicht zu deutlich in den Vordergrund rückt. Damit wären die positiven Aspekte des Films aber auch schon abgehakt, denn ein Meisterwerk des Unterhaltungskinos sieht doch anders aus und obwohl „G.I. Joe“ diesen Sommer klar zum oberen Drittel der Blockbuster gehört, gibt es einige Faktoren, die die Wertung am Ende mindern.

Neben einigen bereits angesprochenen Faktoren, wie darstellerischen Ausfällen und der Tatsache, dass Humor- und Spaßfaktor nur manchmal die Dämlichkeit vergessen machen (Schießen durch Codewort? Hallo?), ist der ganze Radau irgendwann doch zu simpel und der leicht trashige, bisweilen billige Eindruck, lässt sich nicht wirklich abschütteln. Ständig wird mit fiesen kleinen Nano-Insekten herumexperimentiert, die eigentlich für alles herhalten müssen, was der Story Antrieb gibt. Entsprechend ist eigentlich halbwegs klar, wie das hier endet und das tatsächliche, irgendwie plötzliche Ende mit dem mehrfachen Masken-, Identitäts- und Gesinnungswechsel, wirkt dann in jeder zweiten Variante unfreiwillig komisch. Der Versuch, den Figuren durch seichte und schwach gespielte Flashbacks Tiefe zu geben, geht nach Hinten los und die Musik ist doch recht einfältiges Gedudel und zeigt dann beim Abspann auf unangenehme Weise, welche Zielgruppe man hatte. Und weil’s zum birnigen Rest passt, reden sich unsere Freunde hier permanent mit ihren beknackten Namen an. „Ey Storm Shadow, reich mir mal bitte die Marmelade.“

Wer aber sonst nichts Besseres zu tun hat, kann ja mal zählen wie oft ihn dieser Film an „Star Wars“ erinnert. Das ist ab und an auffallend deutlich. Das vertreibt ja eventuell die Zeit bis zur Fortsetzung, die hier mehr als deutlich angekündigt wurde und eigentlich durchaus willkommen ist. Ein paar Verbesserungen vorausgesetzt.

Fazit:
Saublöd, trashig - aber unterhaltsam. Eine simple gut-vs.-böse Geschichte, die permanent den Geist ihrer Vorlage atmet, ohne zu sehr das Militär zu glorifizieren. Spaßige Figuren, coole Bösewichte, ordentliche Action, Tempo und ein abwechslungsreiches Hin-und-Her können durchaus für kurzweiligen Spaß sorgen. Ein überstilisierter Jungentraum für den Sommer, wenn auch streng genommen kein guter Film.

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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