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KRITIK:
GREEN ZONE
von
Christian Mester
GREEN ZONE (2010)
Regie: Paul Greengrass
Cast: Matt Damon
Story:
Irak, 2003. Chief Roy Miller (Matt Damon) ist
der Anführer eines Aufklärungsteams, das die Mission
bekommt, gesuchte ABC Massenvernichtungswaffen
sicherzustellen. Trotz angeblich starker Quellen
entpuppen sich alle eingereichten Hinweise jedoch als
falsch, die vermeintlichen Fundorte als gefährliche
Konfliktzonen. Da Miller es satt ist, das Leben
seiner Kameraden unnötig zu riskieren, forscht er
bald eigenhändig nach und versucht, jenen angeblichen
Informanten selbst zu finden. Auf der Suche nach der
Wahrheit stellt sich ihm ein Berater des Weißen
Hauses (Greg Kinnear) in den Weg, der ihm anbietet,
für seine Seite zu arbeiten. Miller lässt nicht ab
und wird selbst zur Zielscheibe...
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Matt Damon war bereits für drei Oscars
nominiert und hat einen für das Drehbuch von GOOD WILL
HUNTING gewonnen |
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Kritik:
Um es kurz zu machen: „Green Zone“ könnte mit
einigen kleineren Änderungen auch „Bourne 4“ heißen.
„Bourne Hawk Down“, „Der Bourne, der niemals lebte,
irgendwie so etwas. Wie Jason Bourne ist auch Damons
Roy Miller ein netter Kerl, der einen starken
Gerechtigkeitssinn hat, gegen die eigenen Ausbilder
recherchiert und seine speziellen Fähigkeiten dazu
einsetzt, Vertuschungen aufzuklären. Stil, Ton und
Präsenz erinnern unübersehbar an die voran gegangene
Trilogie, so dass Vergleiche kaum zu ignorieren
sind. Leider ist es so, dass Chief Miller an seinen
ähnlich aussehenden Kollegen nicht heranreichen
mag. Nah, aber nicht ganz.
Zum einen ist seine Rolle beileibe nicht so pfiffig,
da er keine geschickten Manöver ausführt oder
besonders
scharfsinnig ist. Millers Ermittlung beschränkt
sich auf Hilfe von Außen, glückliche Zufälle und
einfache Ablenkungsmanöver, die zwar allesamt
spannend und unterhaltsam inszeniert sind, aber
etwas fehlen lassen. Millers Zweifel gibt es schon
in der ersten Sequenz; charakterlich ändert er sich
den ganzen Film über nicht mehr und zeigt auch sonst
nichts wirklich Denkwürdiges. Damon spielt den
erfahrenen Soldaten
glaubhaft, mit starker Souveränität und
sympathisch, viel gibt es da für ihn jedoch nicht zu
holen. Ein schwacher Charakter, der von Glück reden
kann, von so einem guten Darsteller gespielt zu
werden.
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Matt Damon lehnte es ab,
Harvey Dent in THE DARK KNIGHT zu spielen |
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Was die Action betrifft, waren schon die bisherigen
"Bournes" keine Bays. Meistens gab es zwei, drei
größere Momente, meistens standen brachiale
Verfolgungsjagden und knallharte Nahkämpfe im
Vordergrund. Jagden gibt es in der Green Zone
reichlich, wirkliche Kämpfe bleiben fast außen vor
(Miller ist sogar eine Niete im Nahkampf). Actionspektakel
gehört auch nicht zu dem, was Greengrass sich hier
vornimmt. Sein Film wirkt zwar pompös, da John
Powells toller Soundtrack wuchtig schmettert und die
grüngraue Bildgewalt eine größere Geschichte als
ihre Figuren erzählt (Greengrass schafft es sogar,
seinen Miller spannend Googlen zu lassen), trotz gelungener
Dauerspannung geht es ihm jedoch viel mehr darum,
die verschiedenen Schachfiguren dieses komplizierten
Spiels zu zeigen. Egal ob CIA, Regierung, Soldaten,
irakische Kriegsveteranen, irakische Generäle –
Greengrass interessiert sich dafür, die
verschiedenen Schattenseiten und Motive aller Seiten
zu beleuchten. Das funktioniert relativ
gut, da die Darsteller durch die Bank weg gut
ausgesucht sind und der Film nie bloß in Gut und
Böse denkt – jeder Aktivist hat seine speziellen
Absichten, was Greengrass auch schon in „Flug 93“
pointierte. Kritisch wird der Film
gegenüber beider Seiten – weder das US-Militär, noch
die Iraker bleiben an Kritik unverschont. Leider ist der Film
mit 115 Minuten Lauflänge noch viel zu kurz. Es gibt
zu viele Personen, die nur knapp behandelt werden und trotz
guter Darsteller und Ideen zu funktionell auftreten.
Amy Ryan beispielsweise spielt eine Reporterin ala
Jennifer Connelly in „Blood Diamond“, die aber nur
eine kleine handvoll Szenen bekommt und keinerlei
Bindung zu Miller aufbaut. Sie ist schlichtweg egal und
wirkt nur mal eben eingeschoben, um eine Frau im
ansonsten männerdominierten Film zu haben. Das wird der Darstellerin und ihrer
möglichen Funktion nicht gerecht, und dass
mehr drin steckt, bleibt im Gefühl. Es wird nur
nicht gezeigt.
In schwächeren Händen
wäre „Green Zone“ eventuell enttäuschend einsilbig
geworden, doch Greengrass meistert die schlimmsten
Schlaglöcher mit einer packenden Inszenierung. Was
Schlaglöcher betrifft, muss der Kamerawagen
wohl unentwegt durch eben solche geschoben worden sein. Der gesamte Film
ist mit einer hektischen Wackelkamera aufgenommen
worden,
die zwar immer noch schaubarer ist als in einigen
letzten Bourne-Imitaten und glücklicherweise nicht von tonyscottesquem
Schnittinferno zersäbelt wird, aber durchaus
anstrengend sein kann und empfehlen lässt, im Kino
eher hinten als vorn zu sitzen.
Ein solider, linearer, überschaubarer
Action-Thriller, der mit mehr Geduld ein richtiger
Artillerieschlag hätte werden können.
Fazit:
Ordentlicher Militär-Thriller mit fesselnder
Inszenierung. Matt bleibt jedoch der Damon, der gern
gesehen ist, aus seiner Figur aber nicht viel machen
kann und wie die meisten seiner Co-Stars merklich
nach 10-20 zusätzliche Minuten Charakterisierung
lechzt. Hohes Tempo,
wenig Action, mit Vorbehalt sehenswert.
6,5 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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