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Halloween
Rob Zombie's Remake
von Christian
Mester
Story:
Nachdem der zehnjährige sadistische Michael
Myers gleich mehrere Morde in der Halloween-Nacht
begeht, steckt man ihn unter Aufsicht des
berüchtigten Psychiaters Dr. Loomis (Malcom
McDowell) in eine geschlossene Anstalt. Rund
fünfzehn Jahre später gelingt dem derweil zu einem
Hünen gewachsenen Soziopathen (Tyler Mane) die
Flucht...
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Rob Zombie sagte zuvor, dass er
niemals ein Remake eines Horrorklassikers
machen würde. Vor seinem zweiten Teil sagte er, dass er nie
ein Halloween 2 machen würde |
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Kritik:
Nachdem schon Remakes zu The Ring, The Amityville
Horror und The Texas Chainsaw Massacre
das US Box Office in Flammen gesteckt hatten, war
man auch im Hause Akkad eines Tages der Meinung, diesen
Schritt gehen zu müssen. Der Neubeginn sollte
ihre langlebige Slasherreihe für viele weitere Jahre
auffrischen, was in der Branche aber auf
gewaltige Skepsis stieß. Der allgemeine Unmut schwand schnell, als man den Namen des gewählten kreativen Kopfes enthüllte: Rob Zombie. Der
bärtige Horrornostalgiker aus den USA hatte sich erst kurz
zuvor einen Namen mit
den sehr originellen Filmen Haus der 1000 Leichen
und The Devils Rejects gemacht und galt
als eigensinniger, origineller, potenter Kontrast zum
neumodischen Hochglanz-Horrorkino der Moderne.
Dass Zombie das Genre liebt, zeigt sich schon in
der Besetzungsliste, die mit zahlreichen Urgesteinen alter
B-Movie Kamellen gespickt ist und jedem Kenner ein
Schmunzeln ins Gesicht treibt: Malcom McDowell,
Danny Trejo, Sid Haig, Bill Moseley, Ken Foree,
Leslie Easterbrock, Sybil Danning, Udo Kier, Brad
Dourif, Clint Howard, Tom Towles, William Forsythe;
die Liste der Gaststars liest sich wie das Programm
einer typischen Horror-Convention.
Leider darf man schon in den ersten Minuten des
Films bemerken, dass Zombie bei aller Fanliebe niemals
wirklich verstanden hat, wieso John Carpenters Halloween
seinen legendären Status überhaupt bekommen konnte. In beiden
Fassungen mag es dieselben Figuren und dasselbe
Grundkonzept "maskierter Irrer jagt Familie, Arzt
kommt zu Hilfe" geben, es sind jedoch die
Feinheiten, die Zombie grundlegend ignoriert. In
diesem Fall fängt es schon damit an, dass Rob Zombie
anfangs zu erklären wagt, wieso Myers so gern mit
dem Küchenmesser hantiert. War es im Original
maßgeblich, dass ein anscheinend normales Kind aus gutem
Hause urplötzlich zum stummen Mörder wird, zeigt die
Neuauflage, dass der Junge
bloß ein gewissenloser Sadist ist. Es ist linear und
vorhersehbar, denn er wächst in einem
desolaten White-Trash Elternhaus auf, in dem sich
jeder unentwegt mit tiefster Gossensprache beleidigt
und die einzig gute Seele eine Stripperin ist
(gespielt von Rob Zombies Ehefrau Sheri
Moon-Zombie). Eine schrecklich nette Familie
mit Charles Manson als Al Bundy.
Tiefpunkt seines Unverständnis für angebrachte
Melodramatik ist eine Szene, in der der kleine Myers
traurig und alleine vor seinem Elternhaus sitzt und
Nazareths kitschiger Kuschelrock-Song "Love Hurts"
jaulend plärrt, während Mama Myers in einem herunter
gekommenen Stripclub die Beine hebt. Was Zombie hier
als fesselnde, einfühlsame Dramaturgie aufstacheln
will, erntet allenfalls in Gelächter, greift nicht.
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Vor der Idee eines Remakes
versuchte man, ein
Hellraiser vs. Halloween in die Wege zu leiten |
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Der (viel zu lange) Prolog verkommt zu
einer endlosen Aneinanderreihung von "F#cks" und
gipfelt in mehreren brutalen Morden, die Zombie
wie in The Devil's Rejects
inszeniert: langsam, brutal, voyeuristisch. Der Film, der ebenfalls schonungslos zur
Sache ging und von drei anderen Serienkillern
handelt (die alle drei Rollen in diesem Film haben,
als Wärter, Stripper-Mom und Friedhofsgärtner)
bestach seinerseits jedoch dadurch, dass Zombie die drei kaltblütigen
Mörder als interessante Schreckgespenster
portraitierte und ihnen Raum gab, schauspielerisch
zur Geltung zu kommen. Der junge Myers wird nun von
einem nur geringfügig talentierten Jungen namens Daeg Faerch
gespielt, der trotz offener Kehlen und
eingeschlagener Köpfe kein bisschen schaurig oder
gefährlich wirkt. Es fällt schwer, ihn als
respektable Gefahr zu sehen, wenn er mit seiner
Michael Myers-Maske bei 1.40m Körpergröße aussieht,
als sei er Liebling, ich habe Michael Myers
geschrumpft entsprungen.
Dreh- und Angelpunkt beider Zeiten ist Malcom
McDowell, ein eigentlich hervorragender Schauspieler
(Uhrwerk Orange), der das prinzipiell
einfache Erbe von Donald Pleasence nicht fortsetzen
kann. Dessen Figur Loomis hatte im Grunde die
Aufgabe, die Brisanz des Michael Myers zu pushen und als
dessen Abraham van Helsing zu fungieren. Zombie
schreibt die Figur jedoch um, verringert den
Fanatismus und raubt ihm damit jeglicher Sympathie. Dieser Loomis
hat keine besondere Verbindung zu Myers, er ist
lediglich ein Psychiater, der an dem Kult um
Serienmörder Myers dreist mitverdient und
Schadensbegrenzung ausübt. Das macht ihn zu einer
recht langweiligen Figur, an die sich in den
nächsten 20 Jahren wohl niemand erinnern wird.
Am besten kommt noch Ex-Wrestler Tyler Mane vom
Wrack weg, der zwar kein einziges Wort
spricht, als erwachsener Myers aber zumindest
reichlich bedrohlich wirkt. Nach dem Rob Zombie Pilchner
Opening, das etwa die Hälfte des Films einnimmt,
geht es im Vergleich zu den anderen Filmen der Reihe dann
erst spät typisch weiter. Myers fängt an,
diverse Menschen umzubringen und arbeitet sich dabei
immer weiter zu seiner Schwester vor (Scout Taylor-Compton) die nichts von ihrer Verbindung zu
ihrem Bruder weiß und später lange um ihr Leben
rennen darf. Viele, die den ersten Abschnitt des
Films nicht mögen, finden diesen späteren Teil noch
gut, da er sich sehr nah an den alten Teilen
orientiert. Weil es aber so lange dauert bis Laurie
eingeführt wird, wirkt ihre Rolle unwichtig und wie
eine gerade mal leicht verlängerte Nebenrolle. Taylor-Compton kreischt sich zwar
mühevoll durch den
langen Showdown, kann ihre Rolle aufgrund des leeren
Scripts aber zu nichts machen. Der viel zu lange Endkampf findet in einem
alten Haus statt, in dem es gefühlte zwanzig Szenen
gibt, in denen Myers minutenlang durch Wände oder
Decken gebrochen kommt als wäre es der Lou Ferrigno
Hulk oder B.A. vom A-Team.
Man muss Zombie zumindest zugestehen, dass der Film
klasse aussieht, die Ausstattung
hervorragend ist und auch Myers neueste Maske einer
der besten ist. Es ist ihm jedoch nicht zu
verzeihen, wie anstrengend der Film ausfällt. Mal
abgesehen von den vielen unsympathischen
Charakteren, die sich unentwegt beleidigen oder
oberflächlich bleiben, ist das gesamte
Geschehen ohne Spannung inszeniert. Statt Spannung
setzt Zombie auf puren Terror ala High Tension,
und nachdem gleich drei Frauen oben ohne Bekanntschaft mit Myers Küchenutensilien
machen, fängt es an, sich zu wiederholen. Zombie
will schockieren, die Angriffe des 2m Myers als
eindrucksvoll und schrecklich darstellen, doch all
der Terror führt nirgends hin.
War das Original eine dezente kleine
Horrorgeschichte mit viel Spannung und denkwürdigen
Figuren, ist Rob Zombies Neuauflage eine gnadenlose
Vorschlaghammer-Version, die daran zerbricht, dass
keiner der Charaktere interessant ist.
Fazit:
Als Teil der Halloween-Saga ist Rob Zombies
Version eine Katastrophe, da sie vollkommen ohne
Spannung auskommt, schrecklich vorhersehbar ist und
alle denkwürdigen Figuren verfehlt. Als Einzelfilm
ist es ein relativ akzeptabel gemachter, aber
fürchterlich anstrengender Terrorstreifen ala The
Last House on the Left, dessen Gewaltgrad keine
Minute davon ablenken kann, wie belanglos alles
wirkt.
3 / 10 |