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Halloween 7
H20: 20 Jahre später
von Christian
Mester
Story:
Zwanzig Jahre ist es her, dass Laurie (Jamie Lee
Curtis) ihrem Bruder Michael Myers knapp entkommen
konnte. Seither unter einem anderen Namen lebend,
sieht sich die Lehrerin eines Tages wieder dem
Schrecken ihrer Vergangenheit gegenüber...
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Jamie Lee Curtis' Mutter ist
Psycho-Darstellerin Janet Leigh;
Leigh ist im Film als Rektorin zu sehen, inkl. ihres Wagens
aus Psycho |
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Kritik:
Nach dem nur mäßigen Anklang des fünften und
sechsten Films hatten die Besitzer der Rechte um
Michael Myers gewaltiges Glück, da Jamie Lee
Curtis, die in den ersten beiden Filmen die
Hauptrolle der Laurie gespielt hatte, Interesse an einer erneuten Zusammenarbeit
bekundete.
Regisseur John Carpenter sollte
ebenfalls zurück kehren, doch da seine Gage mit 10
Millionen Dollar bereits mehr als die Hälfte des
verfügbaren Budgets verschlungen hätte, entschied
man sich stattdessen für Steve Miner, der mit Freitag der
13te 2 und 3 bereits seine Erfahrung in
Sachen Slasher-Sequels hatte.
Es besteht wohl kein Zweifel daran, dass
Halloween H20 der fraglos zweitbeste aller Teile
ist. Er hat zwar seine Mängel, ist aber unübersehbar
die qualitativ hochwertigste aller Fortsetzungen und
war im Jahre 1998 nach zwei besonders enttäuschenden
Versuchen eine willkommene Wohltat.
Der Siebte profitiert zunächst ungemein von der
Tatsache, dass man mit Jamie Lee Curtis' Rückkehr
nicht nur endlich an die Story des Originals
anknöpfen konnte, sondern mit ihr eine wirklich
hochkarätige Schauspielerin bekam. Ihre
Darbietung als nervlich zerrissene Alkoholikerin mit
Wahnvorstellungen stellt sämtliche Vorgänger in den
Schatten und unterstreicht einmal mehr, wieso das
Fehlen guter Darsteller die mittleren Teile
schwächte, und generell in viel zu vielen
Horrorfilmen oftmals negativ auffällt. In den
Nebenrollen finden sich Michelle Williams (Brokeback
Mountain), Josh Hartnett, Chicago Hope-Arzt Adam
Arkin und Joseph Gordon-Levitt (G.I. Joe:
Geheimauftrag Cobra), die zwar allesamt wenig zu
tun kriegen, in ihren Rollen aber merklich über den
Nullnummernebenrollen der vorherigen Teile stehen.
Selbst die Besetzung von Rapper LL Cool J fällt
nicht weiter ins Gewicht, da er als Wachmann nur
kurz auftaucht und im Vergleich zu seinem Auftritt
in Deep Blue Sea ausnahmsweise nicht
herum blödelt.
Ebenso löblich: der neue Michael Myers-Darsteller
Chris Durand. Durand schafft es erstmals wieder,
Myers zu einer tatsächlich gruseligen Figur zu
machen, die sich mit einer beunruhigenden,
unmenschlich wirkenden Gelassenheit bewegt.
Dass Myers wieder gruselig wird, ist aber auch vor
allem der ausgesprochen gute Regie Steve Miners zu
verdanken, der - wirft man einen Blick auf seine
restlichen Arbeiten - sein ganzes Talent in diesem
Film verbraucht zu haben scheint. Sämtliche Szenen
mit Myers sind einfach fantastisch inszeniert, wobei
in erster Linie der zweifache großartige Showdown
zwischen ihm und Laurie grandios daher kommt.
Mehrere spannende Szenen bringen zurück, was die
Serie anfangs mal groß machte. Hier ist es auch kaum
zu übersehen, dass H20 - der mehr als dreimal
so teuer war wie sämtliche Vorgänger - in seiner
Ausstattung merklich ansehnlicher ist.
Gekonnt untermalt wird das Ganze von einem Mix aus
John Carpenters berühmter Theme, sowie Scores von
Marco Beltrami (Scream) und John Ottman (Walküre).
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Ursprünglich sollte der Film
wesentlich actionreicher enden,
mit einer aufwendigen Bus- und Hubschrauberverfolgungsjagd |
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Im
siebten Teil einer lang laufenden Slasherserie darf
man gewiss keine berauschenden Handlungsstränge mehr
erwarten, doch die wenigen Änderungen, die es gibt,
tun gut. So gibt es aufgrund Pleasence Todesfalls
erstmals keinen verrückten Doktor mehr, der paranoid
vom ewigen Bösen schwadroniert und anstatt schier
willkürlich ausgesuchten Opfern hat man es hier nur
noch mit direkten Bekannten Lauries zu tun.
Die Geschichte ist soweit gut und endet
abschließend äußerst zufriedenstellend, allerdings
bleiben diverse Ungereimtheiten, die vermeidbar
gewesen wären. So ist Halloween H20 mit 85
Minuten Laufzeit zwar nicht wesentlich kürzer als
seine Vorgänger, fühlt sich aber so an, da er sich
mit vielen Dingen Zeit lässt. 15, 20 oder
anderweitig erhöhte Laufminuten hätten ihm besser
getan, so hätte man beispielsweise noch zeigen
können wie die im Intro eingeführten Cops hinter Myers
her ermitteln. So wirkt es etwas sehr geradlinig und
kurz. Dem geneigten Slasherfan wird es missfallen,
dass der Bodycount des Films bei gerade einmal sechs
liegt (Jason X beispielsweise hatte in der
Eröffnungsszene bereits mehr), aber dort findet sich
das Motiv der Macher. Halloween 7 wollte kein
weiterer, dummer Popcornmampfer der Marke "alles
egal, hauptsache Kills", er will ein
ernstzunehmender Titel sein und angemessen in die
Fußstapfen des Originals treten, was ihm gelingt.
Dennoch wären ein paar mehr Auseinandersetzungen
hier und da sicherlich nicht verkehrt gewesen.
Handwerklich gibt es einen starken Schnitzer, denn in einer
Szene in einer Küche kommt es kurzweilig zu einem
visuellen Faux Pas, denn in einer der ersten
gedrehten FIlmszenen nutzte man anfänglich eine
gänzlich andere Maske. Da diese beim Sichten des Filmmaterials nicht gut wirkte,
tauschte man sie gegen eine wesentlich bessere
aus... ohne die bereits gedrehten Szenen
nachzudrehen. Stattdessen setzte man später
kurzfristig einen
Mediengestalter an besagte Momente, der Myers alte
Maske mit der neuen übermalen sollte. So unkoscher wie man
sich das vorstellt, sieht das Resultat leider auch aus.
Es ist zu verschmerzen, da die Szene nur wenige
Sekunden geht.
Was die Continuity betrifft, darf man eifrigst
grübeln. Wer es ganz grob sieht, kann ihn durchaus
als Fortsetzung des sechsten Teils sehen, allerdings
wird kurz erwähnt, dass Michael seit 20 Jahren nicht
mehr von sich hören lassen hat. Da Myers in den
Teilen 4-6 ca. 50 Leute umbringt und das Haddonfielder
Polizeipräsidium gleich zweimal komplett vernichtet
wird, erscheint diese Perspektive seltsam.
H20 lässt es nun so aussehen, als wäre Michael
Myers nach seinem feurigen Niedergang am Ende des
zweiten Films sang- und klanglos verschwunden, doch
auch das wird negiert, da der hier herumlaufende
Myers keinerlei Brandwunden aufweist* (und es
unwahrscheinlich ist, dass er diese mit modernen
Schönheitsoperationen entfernen lassen hat).
So gesehen steht einem frei, ob man Halloween 7
als Fortsetzung zu 1, 2, 4 oder 6
sieht, es lenkt nicht davon ab, dass es eine
hervorragende Auferstehung einer Ikonenserie ist.
*Es begründet sich darin, dass die Macher erst
planten, einen unbeteiligten Copykiller unter
Michael Myers' Maske zu stecken. Da aber besonders
Jamie Lee Curtis nichts von der Idee hielt, wurde
sie später wieder verworfen.
Fazit:
Der beste Film seit dem klassischen Erstling, der
stolz beweist, dass auch eingestaubte Horrorserien
stilvoll und qualitativ wertig wiederbelebt werden
können.
7 / 10 |