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KRITIK:
Rob Zombie's Halloween 2
Regie:
Rob Zombie
Darsteller: Tyler Mane, Scout Taylor-Compton
Release: 2009
von Christian Mester
Anmerkung: Kritik bezieht sich auf die uncut
US-Kinofassung. Diese Version ist deutschlandweit
nur via Import erhältlich und unterscheidet sich
merklich von der im März erscheinenden Directors Cut
Fassung. Dt. Verleih: Sunfilm.
Story:
Ein Jahr nach den Ereignissen des ersten Films
ist Laurie (Scout Taylor-Compton) noch immer ein
seelisches Wrack. Von Albträumen geplagt, bemüht sie
sich mit aller Kraft wieder ein normales Leben zu
führen, während ihr totgeglaubter Bruder (Tyler Mane) derweil quicklebendig und mordend durch die
umliegenden Farmlandschaften Haddonfields stapft. Halloween naht und
wie ihm die gespenstische Einbildung seiner Mutter
mitteilt, ist es an der Zeit, Laurie und sich selbst
schicksalshaft umzubringen. Ebenfalls überlebt hat Dr. Sam Loomis (Malcom
McDowell), der zur selben Zeit Promotion für ein
neues Buch macht und sich Vorwürfen stellt, dass er
Schuld an der Mordreihe seines Patienten trägt.
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Als nächstes will Rob Zombie den Klassiker
"The Blob" neu auflegen. Ohne Blob. |
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Kritik:
Rob Zombies "Halloween" Remake (Kritik) spaltete 2007 die
Gemüter. Seine Variante der berühmten Geschichte
kontrastierte auf eine Weise, die mit dem legendären Original
nicht mehr viel zu tun hatte. Statt auf Spannung und
interessante Charaktere setzte der bärtige Shockrocker auf
ein sozial desolates Umfeld, auf Portraitierung
menschlicher Abgründe und eiskalte Gewalt, die als
reiner Terrorhorror für Schrecken sorgen wollte.
Puristen der Filme waren entsetzt, nahm man der
Figur bewusst sämtliche Mystik, indem man das Grauen
zu erklären versuchte. Schlimmer war jedoch, dass
zwei ehemals wichtige Hauptfiguren – der Doktor, der
Myers jagt und das Mädchen, das er sucht – verunglimpft wurden. Verschwunden war der
charismatisch urige Paranoia-Wahn des Arztes,
während Zombie sein Mädchen zu einer nichts sagenden
Opferrolle degradierte.
Nachdem das Remake ein Hit an den Kassen wurde,
hatte Zombie der Reihe längst den Rücken gekehrt und
versucht, etwas gänzlich anderes, eigenes zu drehen. Da dies jedoch keiner finanzieren und sich
auf die Schnelle kein passender Ersatz finden
wollte, sagte er widerwillig und zähneknirschend zu,
Teil 2 selbst zu machen. „Seine Vision“ sollte es
werden, frei von jeglichen Vorgaben, die es beim
Erstling noch gegeben hatte. Es sollte der
ultimative Rob Zombie Halloween werden... den kaum
einer sehen wollte. Teil 2 spielte weniger als die
Hälfte des Erstlings und damit sogar noch weniger
als "Saw 6" ein.
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Scout Taylor-Compton heißt eigentlich
Desariee Star Compton. |
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Zombies Sequel
fühlt sich anders an. War der erste Film eine
Mischung aus White Trash Familiendramatik und
brutalen Morden, gibt es im Zweiten vor allem noch
brutalere Morde. Tyler Mane, ehemaliger
Profiwrestler, muskelbepackt und stolze zwei Meter
groß (unter der Maske übrigens ein ausgesprochen
netter Kerl), ersticht seine Opfer dieses Mal nicht
einfach nur, er macht auf Mike Tyson mit
Küchenmesser. Wie eine schwitzige Tennisspielerin
stöhnt er lauthals bei jedem Hieb, tritt Gesichter
ein und schlitzt, hackt und meuchelt sich kraftvoll
durch die Landschaft, und das obwohl sein Tun
relativ plan- und sinnlos verläuft. Abgesehen vom Showdown hat
Michaels Pfad der Verwüstung nichts mit der
restlichen Handlung zu tun, was am Kopf kratzen
lässt. Das beste Beispiel aufkommender
Gleichgültigkeit findet sich direkt zu Anfang, als
er einen Mann enthauptet, der kurz zuvor noch
grinsend davon schwärmte, eine Tote zu vergewaltigen.
Spannung gibt es dabei keine und im Gegensatz zu
Filmen wie der „Freitag der 13te“ Reihe gibt es auch
nie Anlass, sich auf Seiten des Killers zu stellen.
Man stellt demnach auf keine Seite, was darin endet,
dass man gleichgültig und distanziert bleibt.
Während Myers als bärtiger Obdachloser seinen
letzten Rest Faszination einbüßt, versucht Rob, das
Geheimnisvolle der Reihe mit dem Brecheisen
zurückzuholen. Teils fantasievolle Visionen und
Träume zeigen die angeknackste Psyche Michaels und
Lauries – richtig, beider, da sie beide plötzlich
wie im fünften Teil der alten Serie
eine telepathische Verbindung haben, sich
gegenseitig fühlen und gemeinsame Tagträume haben –
doch der Versuch am Anspruch scheitert. Es versagt
an schlechtem Schauspiel (Zombies Ehefrau kehrt als
Geister-Strippermom zurück) und seiner Unfähigkeit,
das Psychogerüst stilvoll zu
inszenieren, da es nie über die platte Optik eines
schwachen Musikvideos hinaus geht.
Was die Schauspieler betrifft, geht es ähnlich
enttäuschend weiter. Der ohnehin schon
unsympathische Loomis, der seinen eingedrückten Kopf
aus dem Vorjahr merkwürdigerweise ebenso unbeschadet
zu überlebt haben scheint wie Michael seinen
direkten point blank Kopfschuss, wird noch
unsympathischer, indem er ein ausbeuterisches Buch
über die Halloween-Morde ausgerechnet in der Stadt
der Tatorte verkauft. Ähnlich wie Michael hat auch er bis zum
Showdown nichts mit der eigentlichen Handlung zu
tun, da er schlecht gelaunt nicht einmal seine
eigenen Sachen mag und erst gegen Ende – nach
urplötzlichem Sinneswandel – ins Bild kommt.
McDowell („Uhrwerk Orange“) macht sich mit der
Rückkehr in den zweiten Teil keinen Gefallen, zumal
die kulminierende zweite Zusammenkunft mit Nemesis
Myers so banal ausfällt, dass die Figur wohl besser
tot geblieben wäre. Scout Taylor-Compton gibt sich
derweil jede Menge Mühe mit der angebrochenen Laurie und
ist nicht schlecht, wird aber durch brachiales
Gefühlsunvermögen den Wölfen zum Fraß vorgeworfen.
Die Handlung des Films ist platt, die Figuren sind
schlecht, da dürfen dämliche Logiklöcher natürlich
nicht fehlen. Kennen Sie das, wenn Sie eine längere
Filmszene sehen nach der eine Figur aufwacht und
sich alles Vorherige als nie passiert herausstellt?
„Halloween 2“ hat eine solche Szene und vergrault
zutiefst, da es die einzige Stelle im ganzen Film
ist, die sich beinahe möglicher Spannung annähert.
Es wird besser.
Ganz klar wird es nicht, aber das Ende impliziert
sogar mehr oder weniger, dass der Großteil des Films
so wie er gezeigt wird, eventuell nicht wirklich passiert.
Viele Szenen im Film machen
zudem schlichtweg keinen Sinn. Ein Van zerbirst an einer
Kuh, Myers beamt sich zu einem Opfer (kein
Scherz: Michael Myers taucht auf freiem Gelände
sichtlich ohne Bewegung direkt hinter einer Person
auf), das zierliche, liebe Mädchen Laurie hat „Wir
vertrauen auf Charles Manson“ samt Bild über ihrem
Bett hängen, es wird erst ein Jahr nach den
Ereignissen des letzten Films bekannt, dass Michael
Myers Leiche damals verschwand (was Loomis als
unwichtig ablacht) und es ist verwirrend, dass Myers
in Rückblenden und Visionen als Kind urplötzlich
ganz anders aussieht als im ersten Film.
Insgesamt ist es eine höchst lausige Fortsetzung,
die allenfalls denen zu gefallen weiß, die das
kaltherzige Abschlachten Zahlloser schon im ersten
Film unterhaltsam fanden. Alle anderen finden eine
mäßige Fortsetzung vor, die inhaltlich wenig Sinn
macht, lieblos und unsympathisch inszeniert ist und
sich spätestens dann mit einem Fuck You
verabschiedet, wenn Zombie die katastrophal
kitschige Nazareth Nummer „Love Hurts“ aus dem
ersten Film im Abspann wiederholt.
Fazit:
Als Teil der "Halloween"-Saga reiht sich Nummer 10
fraglos zwischen den schlechtesten der Reihe ein,
als Horrorfilm an sich ist es eine nur arg maue
Geschichte. Blutig, brutal und ohne jeglichen
Popcornspaß, nähert sich der Film traurigerweise
billigem DVD-Trash wie „Ich weiß, was du letzten
Sommer getan hast 3: Ich werde immer wissen, was du
letzten Sommer getan hast“ an. Dass Rob diesen nur
widerwillig gemacht und im Grunde gar nicht erst angehen
wollte, könnte nicht besser zu sehen sein. Sehen
will man das auch nicht.
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