Story:
Poppy (Sally Hawkins) ist knapp 30 und eine äußerst aufgeweckte Frohnatur. Der
Film zeigt, wie die Grundschullehrerin die großen und kleinen Dinge des Lebens
meistert und sich dabei von nichts unterkriegen lässt...
regie :
mike leigh
cast :
sally hawkins
kritik :
christian westhus
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Kritik:
Die volle Dröhnung
positives Denken für hyperaktive Sarkasmus-Freunde. Das mag fies klingen, ist
aber für ein spezielles, aufgeschlossenes Publikum absolut positiv gemeint. Mike
Leighs temporeiche, bunte „Komödie“ ist schrill, überkandidelt und immer wieder
herrlich komisch..
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Findet Nemo gut.
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Hauptfigur Poppy ist mehr als nur
eine Frohnatur oder ein positiv gesinnter Mensch. Amélie Poulain wirkt im
Vergleich geradezu melancholisch und trübselig. Poppy begegnet jedem Menschen,
wirklich jedem, dem sie auch nur ein bisschen näher kommt, mit entwaffnender
Offenheit und übertriebener Fröhlichkeit. Sie fängt aus dem Nichts heraus
Gespräche mit Fremden an, überspielt deren Grießgram mit pointiertem Sarkasmus,
vergnügt sich schelmisch über Kleinigkeiten und albert pausenlos herum, nicht
zuletzt auch um die kleineren Probleme des Alltags zu überspielen. Poppy ist
hyperaktiv, extrem albern, ein junggebliebener Kindskopf voller uriger Ideen und
ohne sichtbare Berührungsängste. Ihre Gutherzigkeit ist überdimensional,
bisweilen etwas anstrengend, manchmal eher befremdlich als ansteckend, aber
meistens unglaublich lustig.
Mit der grenzenlosen Spiel- und Grimassierfreude von Hauptdarstellerin Sally
Hawkins entstehen herrlich-lustige, oftmals hysterisch überdrehte Szenen, die
Freude machen können. Das erste Treffen mit dem cholerischen Fahrschullehrer ist
dann auch ein schriller Höhepunkt, obwohl schon hier langsam durchschimmert, wie
Poppys Humor in abweisenden Sarkasmus und Zynismus überwechselt.
Überhaupt kommen immer mehr die ernsteren Töne durch, ohne dass das
komödiantische, aufgekratzte Terrain wirklich verlassen wird. Poppys Versuche,
die Probleme ihrer Mitmenschen zu ergründen, zu verstehen und durch Fröhlichkeit
und Offenheit zu kurieren, schlagen immer häufiger fehl und spätestens beim
Besuch ihrer schwangeren, sittsamen Schwester wird der tiefere Sinn der gesamten
Handlung deutlich. Es geht um den Sinn im Leben, ohne dass es je so abgedroschen
formuliert wird. Welche Position man im Leben einnimmt, wann es Zeit wird
erwachsen zu werden und was „erwachsen“ überhaupt heißt. Ist die Zufriedenheit
mit dem eigenen Leben nicht wichtiger, als die Erfüllung eines Zweckes und den
Beschreitungen der ewig gleichen Bahnen?
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Nirgendwo paddelt es sich schöner - Crystal Lake.
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Das macht „Happy Go Lucky“ zu
einer durchaus intelligenten Komödie, die auf sympathische, schrille Art und
Weise zum Nachdenken anregt. Poppys Freude und Hilfsbereitschaft wirkt nämlich
immer deutlicher wie ein Schutzmantel, wie ein Schild, hinter dem man eine Weile
sicher ist. Poppy ist sicherlich ein gutherziger Mensch, aber manchmal versucht
sie auch vor sich selbst wegzulaufen.
Wenn die Probleme mit dem – leicht übertriebenen – Fahrlehrer überhand nehmen
erkennt auch Poppy, dass sie nicht immer helfen kann und obwohl man immer wieder
laut loslachen will, merkt man auch deutlicher die Bitterkeit hinter der
Fassade. Der Film ist definitiv kein Drama, aber eben auch keine reine
„Feel-Good-Komödie“, als die er gerne verkauft wird. Ein nicht unerheblicher
Anteil des Humors entsteht dadurch, dass Menschen auf hysterisch-lustige Art
fies zueinander sind. Das steigert sich von freundschaftlichen Frotzeleien zu
ernsthaften Handgreiflichkeiten und so muss jeder selbst entscheiden, wo die
Komödie aufhört und das Drama und die Moral beginnt, ob man die peppig
geträllerten Popsongs mag oder lieber die schwermütigen Geigen.
Die deutsche Synchro ist nicht immer ganz gelungen und nimmt etwas vom
britischen Flair, der ansonsten in den lebhaften, farbenreichen Örtlichkeiten
und den skurrilen Verhaltensweisen spürbar ist. Dafür funktionieren nahezu
sämtliche Nebenfiguren, wie z.B. der etwas treudoofe Schwager und eine seeehr
engagierte Flamenco-Lehrerin. Gerade diese beiden Figuren zeigen ganz deutlich,
wie durch Übertreibung und überspitzten Humor, Frohsinn und Bitterkeit
zusammenpassen. „Enraha!“
Fazit:
„Happy Go Lucky“ ist
eine außergewöhnliche Komödie. Schrill, überzogen und oftmals unfassbar witzig,
aber auch mit dem nötigen europäischen Ernst, der das Leben, Glücklichsein und
seine Eigenheiten gekonnt hinterfragt. Man kann aber auch große Probleme mit der
Hysterie und der gigantischen Fröhlichkeit der Hauptfigur haben, was einem
Todesurteil für den Film gleich kommt. Das wäre schade, aber durchaus
nachvollziehbar.
7,5 / 10
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