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KRITIK:

Hinter Kaifeck


von Christian Mester

Hinter Kaifeck (2009)
Regie: Esther Gronnenbaum
Cast: Benno Fürmann, Alexandra Maria Lara

Story:
Ein Mann (Benno Fürmann) reist mit seinem Sohn ins bayrische Kleinstadtnest Kaifeck, um in der dortigen Gegend Bilder für eine Fotoserie zu machen. Vor Ort bekommt er allerdings merkwürdige Träume und spürt, dass er irgendeine alte Bindung zur Gegend hat.

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Kritik:
Horror aus deutschen Landen – den gibt es eher seltener, umso erfreulicher war es also zu sehen, dass der erste Trailer von „Hinter Kaifeck“ nicht nur das selten gewagte Genre versprach, sondern auch allgemein einen guten Ersteindruck hinterließ. Die ersten Bilder sahen nach atmosphärischen Thriller aus und mit Benno Fürmann und Alexandra Maria Lara gab es oben drauf zwei ansprechende Gesichter in den Hauptrollen. Die Bilder können sich auch im Film sehen lassen, denn es ist ganz außer Frage, dass "Hinter Kaifeck" ein ungemein tolles Bild hat, dessen vernebelte Wälder teilweise an Lars von Triers "Antichrist" erinnern.

Schade ist, dass die Optik letzten Endes das einzig nennenswerte positive Element ist. Es fängt schon mit dem ausgesuchten Titel an: jeder, dem man von dem Film erzählt, antwortet zunächst einmal mit einem gesunden „Häh, wie heißt der bitte?“, weswegen die Eindeutschung des internationalen Namens wohl um Welten besser gewesen wäre: „Die Kaifeck Morde“. Das ist dann aber auch erst die Spitze des gesamten Missgeschicks, da „Hinter Kaifeck“ generell hinter den Erwartungen zurück bleibt.

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Fürmann und Lara sind für gewöhnlich landesweit mit zu den Besseren ihres Faches zu zählen, doch auf ihre Talente greift der Film nicht zurück. Fürmann, der schon mit „Anatomie“ Genreluft schnuppern konnte, darf den Großteil des Films bloß lethargisch als ahnungsloser Sucher von Antworten durch bayrisches Geäst und Gehof stolpern und lässt dabei unsympathischer Weise seinen Sohn immer wieder im Stich, dessen Dauernachfrage nach dem Wohlsein seines Vater die Hauptrolle nur weiter in Frage stellt. Lara hingegen spielt eine auffallend dialektfrei sprechende Ortsansässige (auffallend deshalb, weil jeder andere mit starkem Dialekt spricht), die aber ereignislos bleibt und größtenteils nur wie ein Reh herum steht, das von den Scheinwerfern eines Achttonners erfasst ist und auf blutiges Goodbye wartet.

Thrill und Hochspannung sucht man aber vergebens, denn die öde Mordgeschichte baut auf lange Traumsequenzen und Visionen, deren Motive sich laufend wiederholen und zu offensichtlich sind. Schon nach etwa einer guten Dreiviertelstunde weiß man bereits, was sich damals alles ereignet hat und so ist es dann umso lahmer, dass Fürmanns Figur im Film ewig braucht, offensichtliche Indizien zusammenzutragen. Ob der ewig grimmig dreinblickende Bauer mit der Spitzhacke etwas mit den vergangenen Spitzhackenmorden an einer Frau zu tun haben könnte? Einer Mutter, dessen Baby daraufhin spurlos verschwand? Er sei als Kind elternlos in verschiedenen Waisenhäusern aufgewachsen, sagt Fürmanns Figur daraufhin beiläufig, da muss man schon Alzheimer haben, um gegen Ende bei der großen Aufdeckung noch wirklich überrascht zu sein.

Nachdem endlich raus ist, wer denn den großen Dreck am Stecken hat, darf sich Fürmann sogar kurzzeitig mit Bauern in Kostümen prügeln, die so aussehen, als hätte die Sesamstraße die wilden Kerle aus „Wo die wilden Kerle wohnen“ bei sich aufgenommen.

Geht man mal analytisch an die Sache dran, so steckt schon was drin in Kaifeck. Die mysteriöse Gegend, die schweigsamen Leute, der langsame geistige Niedergang des Helden, der sein Umfeld vergisst... es ist aber alles zu platt und kraftlos inszeniert. „Hinter Kaifeck“ ist insgesamt eigentlich mehr Krimi als Horror und hätte seinen Platz am ehesten im Abendprogramm der öffentlich Rechtlichen verdient… aber selbst da muss man einsehen, dass die meisten Standardkrimis charismatischere Ermittler haben.
Fazit:
Schade um die tolle Optik und um die nette Besetzung, aber "Hinter Kaifeck" ist ein totes Nest, in dem sich nicht allzu viel tut..

2 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
 

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