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Kritik:
Howard, ein tierischer Held


von Tobias Hohmann

Howard the Duck (2009)
Regie: William Huyck
Darsteller: Lea Thompson, Jeffrey Jones

Story:
Howard ist ein eingefleischter Junggeselle. Er ist ein cleverer Kerl, der Rock-Musik schreibt, schicke Klamotten mag, gerne ins Kino geht und regelmäßig den "Duckboy" - liest. Denn Howard ist eine Ente auf einem fernen Planeten. Als der Wissenschaftler Jennig (Jeffrey Jones) mit Laserkanonen auf der Erde herumexperimentiert, gerät Howard durch einen verirrten Energiesog auf die Erde. Viel Zeit bleibt ihm nicht, sich einen Eindruck von diesen sprechenden, haarlosen Affen zu machen, denn in der Punk-Kneipe, in der er gelandet ist, muß er der jungen Sängerin Beverly (Lea Thompson) beistehen, die von Fans bedrängt wird. Und überhaupt hat Howard so allerlei unglaubliche Abenteuer zu bestehen...

Kritik:
Was auch immer George Lucas 1986 dazu bewogen hat, ausgerechnet diesen Marvel Comic zu realisieren, wird wohl nur er wissen. Fakt ist jedoch, das er damit einen seiner größten Flops gelandet hat. Denn der - für damalige Verhältnisse – sehr teure Film mit einem Budget von 36 Millionen Dollar, alleine 2 Millionen Dollar kostete das Entenkostüm, spielte in den USA nur 16 Millionen wieder ein.

Dabei waren die Vorzeichen sehr gut: Regisseur Williard Huyck hatte mit der Eddie Murphy Klamotte „Angriff ist die beste Verteidigung“ sein Händchen für Komödien unter Beweis gestellt und schon mehrfach mit Lucas zusammen gearbeitet. So schrieb er zusammen mit Gloria Katz das Drehbuch zu „Indiana Jones und der Tempel des Todes“; dieses Duo war dann auch verantwortlich für das Drehbuch zu „Howard“. Mit Phil Tippett, der u.a. auch die Tricks zu „Die Rückkehr der Jedi Ritter“ und „Starship Troopers“ beisteuerte, holte man sich zudem einen der besten SFX Experten an Bord. Bei der menschlichen Hauptrolle setzte man auf die damals angesagte Lea Thompson, die kurz zuvor in „Zurück in die Zukunft“ auffiel.

Es wurde also an nichts gespart – ist „Howard“ deswegen auch ein guter Film? Nein, nach „normalen“ Maßstäben nicht. Der Streifen ist unfreiwillig komisch, bietet erbärmliche Dialoge und schlechte bis unerträgliche Figuren. Tim Robbins wird diesen Auftritt sicherlich nicht gerne in seiner Vita sehen und Lea Thompson agiert – bei aller Niedlichkeit – dermaßen übertrieben, das es schon nervt und unangemessen wirkt. Dazu ist er völlig überzogen und funktioniert in den Momenten, in dem er eine Komödie sein möchte selten, und in den Momenten, an denen man sich an einer Gesellschaftssatire versucht, gar nicht.
Erschwerend hinzu kommt, das „Howard“ prinzipiell auf ein jüngeres Publikum ausgerichtet ist. Doch je länger der Film läuft, umso mehr treten Horrorelemente in den Vordergrund. Nicht umsonst hat der Film eine FSK 16 Freigabe bekommen. Diese Elemente sind für die jüngere Zielgruppe genauso ungeeignet, wie die schlecht platzierten, satirischen Anspielungen und Wortspielereien.

Eines macht diese Comicverfilmung schmerzhaft offensichtlich: Nicht alles, was in einem Comic passiert und funktioniert, sollte man auf die Leinwand bringen. Denn mit einer Ente als Held bewegt man sich sehr nahe am Rande der Lächerlichkeit.

Das diese ganzen Negativpunkte den Film nicht das Genick brechen und er trotzdem wirklich unterhaltsam ist, ist schon sehr verwunderlich. Doch Huyck hält das Tempo von Beginn an bemerkenswert hoch; kaum hat man einen Einblick in Howards Welt bekommen, da verschlägt es ihn auch schon auf unsere Erde. Den Beginn kann man vom Tempo, Einfallsreichtum und Rasanz durchaus mit den legendären Anfangssequenzen von „Indiana Jones“ vergleichen. Auch danach kommt man kaum zum Luft holen, so zügig jagt der Regisseur und Drehbuchautor mit spürbarer Begeisterung seinen Helden von einer in die nächste prekäre Situation. Eigentlich schade, das man von Huyck nach diesem Flop nichts mehr hörte.

Dazu ist Howard ein wahrlich liebenswerter Kerl. Das das Entenkostüm ziemlich lächerlich wirkt ist dabei völlig nebensächlich. Es versprüht sogar bei weitem mehr Charme als es eine CGI Kreation je könnte. Das Timing der Gags ist wie schon erwähnt ziemlich lausig, doch durch die zahllosen unfreiwillig komischen Momente wird das locker wieder eingefangen. Man verfolgt das Geschehen und glaubt teilweise nicht, das das wirklich ein hoffnungsvoller Blockbusterkandidat war, so kindisch und sympathisch blöde wirkt es manchmal. Alleine die Quak-Fu Einlagen des Enterichs sind so albern, das man sich ernsthaft fragt, wer das abgesegnet hat. Lachen muss der Betrachter trotzdem.

Visuell und handwerklich bewegt sich „Howard“ auf einem hohen Niveau: Effekten, Actionszenen und Sets sieht man das hohe Budget jederzeit an. Auch die Make up Effekte bei der Verwandlung Jennings sind gelungen, aber für das Zielpublikum zu hart. Das der Streifen zusätzlich in jeder Sekunde den typischen 80er Jahre Mief ausströmt, ist in diesem speziellen Fall sogar förderlich, da dieser altbackene Flair den ungewollten Trashfaktor unterstreicht und somit noch mehr nostalgisches Vergnügen bereitet.

Fazit:
Howard ist unfreiwillig komisch, albern, überproduziert, schlecht gespielt und trashig. In Verbindung mit der rasanten Regie, der guten Effekte und dem 80er Jahre Charme ergibt sich ein überraschend unterhaltsamer Cocktail, der genau wegen dieser ungleichen Mischung weitestgehend funktioniert.

7 / 10 

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